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Kaiser Karl V.

Ident. Nr.: 827

ObjID: obj:863356

Details (Expert)

Beteiligte
Loy Hering (um 1484/1485),
Bildhauer*in
Datierung
Datierung: 1501/1600
Material / Technik
Solnhofener Stein
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 18 x 13,2 x 1,2 cm

Objektbeschreibung

Wie in einem Fensterrahmen erscheint das nach rechts ausgerichtete Brustbild des habsburgischen Kaisers Karl V. (1500-1558) vor einer brokatähnlichen Folie. Während das Gesicht in strengem Profil wiedergegeben ist, wendet sich der Oberkörper leicht dem Betrachter zu, wobei sein rechter Arm den profilierten Rahmen links unten leicht überschneidet. Das gibt dem Relief eine plastische Tiefenwirkung, die jedoch durch den flachen, brokatähnlichen Hintergrund wieder aufgehoben wird.
Der Kaiser läßt sich aufgrund seiner charkteristischen Physiognomie mit dem leicht vorgeschobenen Unterkiefer leicht als Karl V. identifizieren. Er trägt eine seinem Stand gemäße kostbare Tracht. Über dem fein plissierten Hemd, ein aus Brokat geschneiderten Wams sowie einem weiten Mantel mit einem breiten, fellbestem Kragen - der sogenannten Schaube. Vor seiner Brust, an einem mehrteiligen Band hängend, der Orden des Goldenen Vlies - das goldene Widderfell. Dieses ist ein anläßlich der Vermählung von Philipp dem Guten, Herzog von Burgund, mit Isabell von Portugal 1430 gegründeter Ritterorden. Später wurde es ein vom Kaiser des Heiligen Römischen Reichs aus dem Hause Österreichs verliehenes Privileg

Oben in der linken Ecke das geschwungene Wappenschild Karls V. mit dem gekrönten kaiserlichen Doppeladler, in dessen Mitte wiederum ein vertikal geteiltes Wappen prangt: links das in drei horizontale Streifen geteilte, sogenannte österreich-habsburgische Bindenschild, das in Farbe eine silberne Binde auf rotem Grund zeigt, sowie rechts das Feld mit dem Turm, das Wappen von Kastilien. Es handelt sich hier, aufgrund der vertikalen Spaltung, um ein Allianzwappen, das die österreich-katalanische Verbindung beider Herrscherhäuser verbildlicht.

Der zweifach gerahmte Sockel, der wie eine Fensterbrüstung wirkt, rahmt die erhabene Inschrift in kapitalen Lettern: "IMP . CAES . CAROLVS . V. P(ius) - F(elix) - AVGVS(tus) . REI(ublicae) . ET . PACIS CONSERVATOR . AETATIS . 32" - "Kaiser Cäsar Karl V., der Fromme, Glückliche, Vermehrer des Staates und Bewahrer des Friedens in seinem 32. Lebensjahr.

Das "Pacis conservator" in der Inschrift spielt auf den im Jahre 1532 in Nürnberg geschlossenen Religionsfrieden an, durch den Sultan Soliman II. veranlasst wurde, seinen Feldzugsplan gegen das Abendland aufzugeben. Diese Begebenheit dürfte der Anlass für den Auftrag des Porträtreliefs Kaiser Karls V. gewesen sein.

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. Aus einem mittig unter der Kämpferplatte hervorragenden Knopf wächst eine sich nach unten schildartig ausbreitende Palmette, deren oberer Rand nach vorn umgeschlagen ist. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)