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Die Darbringung Christi im Tempel

Ident. Nr.: 29

ObjID: obj:863431

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Andrea Mantegna (um 1431-1506),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1454
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die Darbringung Christi im Tempel
Übersetzung: The Presentation at the Temple
Geografische Bezüge
Italien,
Land
Material / Technik
Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 77,1 x 94,4 cm
Erwerbung
1821 Ankauf aus der Sammlung des Kaufmanns Edward Solly

Objektbeschreibung

Die Darbringung Christi im Tempel wird im Lukas-Evangelium geschildert (2,21–39). Kurz nach Jesu Geburt bringen ihn seine Eltern Maria und Josef in den Tempel von Jerusalem. Der Grund hierfür ist nicht ganz klar, abgesehen davon, dass es sich um ein jüdisches Ritual handelt: Geht es um die Beschneidung des Kindes, um seine Gottesweihe als erstgeborener Sohn oder um die rituelle Reinigung Marias nach der Niederkunft? Laut Lukas haben Maria und Josef als Opfergabe ein Paar Turteltauben (oder junge Tauben) bei sich. Im Tempel nimmt ein weiser Alter namens Simeon das Jesuskind auf den Arm und erkennt, dass es sich um den Messias handelt, während Hanna, eine alte Prophetin, das Wunder verkündet.
Andrea Mantegnas Interpretation dieses Ereignisses unterscheidet sich gravierend von allen vorhergehenden Versionen, einschließlich eines Freskos von Giotto in der Scrovegni-Kapelle in Mantegnas Heimatstadt Padua. Mantegna zeigt weder den Tempel, noch den Altar, noch Tauben; für Anekdoten ist kein Platz. Anders als bei der Darstellung religiöser Szenen eigentlich obligatorisch, ist keine der Figuren ganzfigurig stehend wiedergegeben. Mantegna schneidet sie sozusagen in der Mitte durch, um das Geschehen aus nächster Nähe zu schildern – so unmittelbar, dass der Betrachter das Gefühl haben konnte, die gemalten Protagonisten griffen hinüber in die reale Welt. Dies gilt insbesondere für die bedeutendste Figur, Jesus Christus. Er steht auf einem Kissen, das auf der Brüstung des als Rahmen gestalteten Marmorfensters liegt. Auch der Ellbogen der Jungfrau ruht auf diesem Rahmen und weist damit in Richtung Betrachter. Zugleich stützt sie mit dem Arm ihr Kind, das sie nicht freigeben will; sie hält es mit beiden Händen fest, während Simeon den Anschein erweckt, er wolle es ihrem Griff regelrecht entreißen. Mantegnas Jesus schreit auf wie später bei der Kreuzigung; sein straffes Wickeltuch verweist auf sein Leichentuch, die Marmorbrüstung unter seinen Füßen auf sein Grab. Drei Nebenfiguren bilden den Hintergrund dieses Dramas: Josef in Frontalansicht in der Mitte, eine Frau links und ein Mann rechts, beide ohne Nimbus. Die Frau ist zu jung, um die von Lukas als 84-Jährige beschriebene Hanna darzustellen, und sie wendet sich vom Geschehen ab, genauso wie der Mann rechts hinten, dessen Blick überraschend abwesend wirkt.
Mantegnas Darstellung im Tempel wurde oft mit Donatellos Pazzi-Madonna verglichen, einem Schlüsselwerk der florentiner Kunst, das sich ebenfalls im Besitz der Staatlichen Museen zu Berlin befindet. Donatellos Marmorrelief gehört zu den ersten Werken der Renaissance, die einen Rahmen mit fiktiver Perspektive als »Bildvermittler« aufweisen und der traurige Ausdruck, mit dem Maria ihre Stirn an die ihres Sohnes legt, scheint die von Mantegna dargestellte Haltung zu antizipieren. Da die Pazzi-Madonna etwa 1420 für einen florentiner Auftraggeber entstand, diente sie Mantegna sehr wahrscheinlich als direktes Modell – doch Donatello arbeitete ununterbrochen und der Maler könnte ein ähnliches Werk des Bildhauers auch während seines Aufenthalts in Padua gesehen haben. Das Röntgenbild des Berliner Gemäldes zeigt, dass Mantegna den Abstand zwischen Jungfrau und Kind verkleinerte, um Donatello zu übertrumpfen. Donatello hatte eine klare Trennung zwischen Szenen mit Halbfiguren – sie waren ikonischen und meditativen Sujets wie der Jungfrau mit Kind oder dem Schmerzensmann vorbehalten – und narrativen Szenen mit Ganzfiguren eingeführt. In seiner Darbringung im Tempel kombinierte Mantegna diese beiden Typologien und brachte so dem Betrachter die Heiligen und die biblische Erzählung auf eine noch nie dagewesene Weise buchstäblich nahe.
Eine vergleichbare Darbringung im Tempel befindet sich im Besitz der Fondazione Querini Stampalia in Venedig. Die Tafel trägt auf der Rückseite Mantegnas Namen und hat stark gelitten. In einigen Bereichen ist die Farbschicht unwiederbringlich zerstört und nur noch die Entwurfszeichnung zu sehen. Der Zustand des Gemäldes hat die Zuschreibung nicht eben vereinfacht und Mantegnas Urheberschaft wird seit Langem bezweifelt. Die am besten erhaltenen Teile zeugen nichtsdestoweniger von einer außergewöhnlich virtuosen Maltechnik, die unmittelbar an Werke Giovanni Bellinis aus der Mitte der 1470er-Jahre denken lässt, während Mantegnas Berliner Darbringung einen starken Bezug zu seinem Werk aus der Mitte der 1450er-Jahre aufweist. Die neuere Forschung hat Licht ins Dunkel gebracht: Bellinis Version ist tatsächlich bei Mantegna abgemalt. Jahre nach der Entstehung von Mantegnas Gemälde verspürte Bellini wohl den Wunsch, das Werk seines Schwagers zu reproduzieren, konnte sich bemerkenswerte inhaltliche Veränderungen aber offenbar nicht verkneifen: Die Figuren wirken weniger lebendig, die Farbgebung ist tonaler, die Schatten subtiler, und der Marmorrahmen ist zugunsten einer einfachen Brüstung verschwunden. Statt zwei gibt es nun vier Hintergrundfiguren.
Seit Anfang des 19. Jahrhunderts wird die rechte Hintergrundfigur des Berliner Gemäldes als Selbstporträt Mantegnas interpretiert, und in der Tat gleichen die Gesichtszüge jenen des Grisaille-Porträts über den Fresken der Ovetari-Kapelle in Padua, das unumstritten als Ebenbild des Künstlers gilt. Die aus Gründen der Symmetrie hinzugefügte weibliche Hintergrundfigur links wurde als Nicolosia Bellini gedeutet, Giovannis Schwester und Mantegnas Ehefrau. Da ihre Hochzeit 1453 gefeiert wurde, könnte das Werk aus diesem oder aus dem Jahr 1454 stammen, sofern das Sujet auf die Geburt eines ersten Kindes anspielt.
Hinsichtlich der Porträts in Bellinis Gemälde ergeht die Wissenschaft sich in Spekulationen: Wenn die rechte Hintergrundfigur, die den Betrachter anschaut, tatsächlich den Künstler darstellen soll, wieso unterscheidet sich ihr Antlitz dann so sehr von seinem überlieferten Abbild? Wie ist es um die Identität der anderen drei Figuren bestellt? Immerhin ist Giovanni Bellinis Herkunft sehr umstritten; wahrscheinlich wurde er unehelich geboren. Der gegenwärtige Kenntnisstand gemahnt zur Vorsicht – vielleicht sind diese Geheimnisse sogar grundlegend wichtig, um die Aura beider Bilder spüren zu können. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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The Presentation of Christ in the Temple is narrated in the Gospel of Saint Luke (2:21–39). Soon after his birth, Jesus was brought to the Temple in Jerusalem by his parents, Mary and Joseph. The reason for this journey is not entirely clear, except that it was a Jewish ritual: were they accomplishing the circumcision of the Child, his consecration to the Lord (as first-born male), or the ritual purification of his mother after giving birth? In any case, says Saint Luke, Joseph and Mary brought with them a pair of turtle doves (or two young pigeons) for sacrifice. In the temple, a wise elder named Simeon takes the Child in his arms, recognising him as the Messiah, while Anna, an old prophetess, proclaims the miracle.

Andrea Mantegna’s interpretation in the Gemäldegalerie makes a decisive departure from all previous examples, including one model painted by Giotto in the Scrovegni Chapel in Mantegna’s own town, Padua. Mantegna includes neither temple, altar nor doves; there is no place for anecdote. The figures are not seen standing, as any painter was bound to do in representing a religious scene: Mantegna “cuts” his figures, half-length, to show as close as possible what is happening – to the extent that beholders might feel that the painted protagonists are encroaching on the real world. This is especially true of the most important figure, Jesus Christ, standing up on a cushion placed on the lower edge of the marble window framing the scene. The Virgin has placed her elbow on the frame, a sign in the direction of the onlooker as well as a point of support. Mary does not want to release her child, held firm in both hands, while Simeon seems to seize him from her grasp. Mantegna’s baby Jesus cries
out as he will on the Cross, his tight swaddling clothes prefigure his shroud, and the marble parapet on which he stands announces his tomb. Behind these players in the drama, three secondary figures appear: Joseph in the middle, seen frontally, a woman at the far left, and a man at the far right, both without haloes. The woman is too young to be Anna, described by Saint Luke as being 84, and she is not looking at what is going on. As for the man, he has a surprisingly absent stare.

Mantegna’s Presentation of Christ in the Temple has often been compared to the one of the key works of Florentine art, Donatello’s Pazzi Madonna, a work also belonging to the Staatliche Museen zu Berlin (fig. p. 318 above). This marble relief represents one of the first appearances in Renaissance art of a frame in fictive perspective that serves to mediate the image, while the tender, sad manner in which the Virgin places her forehead on that of her son seems to anticipate the attitude depicted by Mantegna. Since the Pazzi Madonna was created in about 1420 for a Florentine patron, it is very likely that it could have served as a direct model for Mantegna – but Donatello was incessantly productive, and the painter could have seen a similar work created by the sculptor during his Paduan sojourn.
The X-radiograph of the Berlin painting shows that Mantegna reduced the distance between the Virgin and Child, in order to pit himself a little closer against Donatello’s invention. Donatello had established a clear distinction between scenes with half-length figures, representing iconic and meditative subjects such as the Virgin and Child or the Man of Sorrows, and narrative scenes, which show figures in full-length poses. In his Presentation of Christ in the Temple, Mantegna combines these two typologies: he thus draws us closer, in an unprecedented way, to the holy figures and to the sacred narrative.

Another Presentation of Christ in the Temple is housed in the Fondazione Querini Stampalia in Venice (fig. left); painted on panel, it bears the name of Mantegna inscribed on its back and has suffered a great deal, some areas of pigment being irreversibly lost, showing only the preparatory stage. The condition of the painting has not made the task of attribution any easier, even if Mantegna’s authorship
has long been dismissed. The best-preserved parts nonetheless reveal exceptional pictorial virtuosity, which directly recalls works painted by Giovanni Bellini in the mid-1470s, while Mantegna’s canvas is close to his work from the mid-1450s. New research has cast light on a remarkable feature: Bellini’s version is actually traced from that of Mantegna. A number of years after the creation of Mantegna’s Presentation, Giovanni Bellini felt the need to mechanically reproduce his brother-inlaw’s work, while being unable to stop himself from changing its content in singular ways: expressions have become less violent, colours are more tonal and shadows more subtle, while the marble framing has disappeared, yielding to a simple parapet. And the lateral figures have increased from two to four.

Since the early 19th century, the figure on the right in the Berlin Presentation has been identified as a self-portrait of Mantegna; and it is true that it resembles the head painted in grisaille above the frescoes in the Ovetari Chapel in Padua, unanimously agreed to be the painter’s likeness of himself. For reasons of symmetry, the female figure on the left of the Berlin picture was identified as Nicolosia Bellini, Giovanni’s sister and Mantegna’s wife. Since their marriage was celebrated in 1453, the work could date from that year, or even from 1454, as the subject could allude to the birth of a first child.

As for the portraits in Bellini’s painting, scholars have lost themselves in conjecture: if the figure on the right, gazing at us, were indeed the artist, how can we explain the fact that his features are so different from those we know of him? How can the identity of the other three figures be understood, given the highly problematic question of Giovanni’s birth – indeed given his likely illegitimacy? In our current state of knowledge, it makes sense to remain very prudent – perhaps those mysteries are essential to feel the aura of both pictures. Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

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Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Zwei angekettete Affen

Zwei angekettete Affen

Das ungewöhnliche Bild entstand im Jahre 1562, kurz bevor Bruegel aus Antwerpen nach Brüssel übersiedelte. Dargestellt sind zwei Affen, die an einen eisernen Ring gekettet sind und in einer gewölbten Fensteröffnung sitzen. Die schweren Ketten, das massive Mauerwerk und die niedrige Fensterwölbung verstärken den Eindruck der Gefangenschaft, aus der ein Entkommen kaum möglich erscheint. Mit großem Einfühlungsvermögen hat Bruegel das Verhalten und die Mimik der Affen charakterisiert, die in der Gefangenschaft ihr lebhaftes Wesen verloren haben. Den äußersten Kontrast zur Enge der verliesartigen Nische bildet der Blick aus dem Fenster. Man erkennt die Stadt Antwerpen mit dem Hafen und dem hoch aufragenden Turm der »Onze Lieve Vrouwekerk «. Davor leitet der breite Strom der Schelde in die Ferne, wo Wasser und Himmel ineinander übergehen. Der Kontrast zwischen der bedrückenden Enge der schattigen Maueröffnung und der lichten Weite der Landschaft mit den am Himmel dahinfliegenden Vögeln und den Schiffen, die von Reisen in ferne Länder künden, läßt die Gefangenschaft der beiden Tiere eindringlich empfinden. Die formalen Anregungen für Bruegel mögen die Stiche der Vier Affen von Israhel van Meckenem oder Dürers Madonna mit der Meerkatze geliefert haben. Von noch größerer Bedeutung müssen jedoch Studien nach der Natur gewesen sein. Bei den von Bruegel dargestellten Affen handelt es sich um die Halsband- oder Rotkopfmangabe (Cercocebus torquatus), deren Verbreitungsgebiet vom Kap Verde im Westen Afrikas bis an den Unterlauf des Kongo reicht. Bruegels meisterhafte Darstellung der beiden Affen beruht also auf exakter Naturbeobachtung. Daß es ihm dabei lediglich um eine Tierstudie ging, darf mit Recht bezweifelt werden. Fraglich ist auch, inwieweit das kleine Bild mit den Lebensumständen des Künstlers, dem bevorstehenden Umzug nach Brüssel, der Heirat und dem Verlust seiner Unabhängigkeit in Verbindung gebracht werden darf. Es ist hingegen denkbar, daß daß Bild für einen Freund gedacht war, den der Künstler in Antwerpen zurückließ. Von seiner symbolischen oder allegorischen Bedeutung her war der Affe Sinnbild für den an seine Triebe geketteten Menschen, der der Gefangene seiner animalischen Begierden ist. Offensichtlich hat Bruegel mit den angeketteten Affen gleichnishaft auf den verblendeten Menschen anspielen wollen, der, wie die zerbrochene Nuß neben den Tieren zeigt, angesichts eines Gewinnes von zweifelhaftem Wert bereit ist, seine Freiheit zu opfern. Die Gefangenschaft der Tiere ist von Bruegel als Paraphrase auf die in tierischer Versklavung lebenden Menschen gedeutet worden, die sich nicht von den christlichen Tugenden leiten lassen und deshalb einem traurigen Ende entgegensehen. Bruegel wäre nicht der Moralist, als der er sich in vielen seiner Bilder zu erkennen gibt, wenn er sich mit der Darstellung des als unabänderlich empfundenen Zustandes zufriedengegeben hätte. In diesem Bild sind die Ketten Sinnbild einer verzweifelten Situation. Erst die genaue Betrachtung zeigt, daß es einen Ausweg gibt. Sie enden nämlich in einem Knebel, der durch einen Ring gesteckt ist. Zöge man den Knebel etwas zurück und brächte ihn in eine senkrechte Position, ließe er sich durch den Ring zurückschieben und die Verbindung wäre gelöst. Da sich die beiden Affen in ihr dumpfes Schicksal ergeben haben, gelangen sie nicht zu der Erkenntnis, daß sie sich selbst befreien könnten. Sie sind außerstande, die ihnen von der Natur verliehenen Gaben sinnvoll einzusetzen und sich selbst zu retten. Ähnlich ergeht es dem Menschen, der aufgrund mangelnder Einsicht sein eigener Gefangener bleibt. Bruegels Botschaft lautet deshalb, daß erst die Besinnung des Menschen auf sich selbst ihn auf den rechten Weg zu führen vermag. Ein in Klugheit und Bescheidenheit geführtes Leben wird ihn dann in die Lage versetzen, die selbstverschuldete Gefangenschaft abzuschütteln und sich aus der seelischen Knechtschaft zu befreien. Diese ethisch-rationalistische Grundhaltung begegnet uns beispielhaft in den humanistischen Schriften des Erasmus von Rotterdam und des Dirck Volckertsz Coornhert. Sie ist Ausdruck einer Moralphilosophie, die viele der tiefgründigen Allegorien Pieter Bruegels erfüllt, den spätere Generationen allzu oberflächlich als »Bauern-Bruegel« bezeichnet haben. Rainald Grosshans | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. links unten: • BRVEGEL • MDLXII •___________________________________________________________This unusual picture dates from the year 1562, shortly before Bruegel relocated from Antwerp to Brussels. Depicted is a pair of monkeys, both chained to an iron ring and sitting in the opening of an arched window. The heavy chains, the massive masonry, and the low arch of the window strengthen an impression of confinement,from which there is apparently no possibility of escape. With great sensitivity and empathy, Bruegel has characterised the attitudes and expressions of the monkeys, which seem to have been deprived of their liveliness by their imprisonment. There is a powerful contrast between the constriction of the dungeon-like niche and the view through the window. Recognisable is the town of Antwerp with its harbour, and the tall, looming tower of the “Onze Lieve Vrouwekerk” (Church of our Lady). Before the town, the broad stream of the Scheldt River leads into the distance, where water and sky merge. The contrast between the oppressive closeness of theshadowy wall opening and the bright expense of the landscape, with its birds flying in the sky and its ships, which herald journeys to distant lands, allows the holder to empathise all the more strongly with the captive condition of these creatures.Among the stimuli Bruegel drew upon for this painting may have been an engraving entitled Four Monkeys by Israhel van Meckenem and Dürer’s Madonna with the Monkey. Of even greater significance however must have been studies after nature. The monkeys depicted by Bruegel were Collared or Red-capped Mangabeys(Cercocebus torquatus), whose area of distribution ranges from Cape Verde in West Africa to the Lower Congo. Bruegel’s masterful depiction of these animals was based on the precise observation from life. It can hardly be supposed however that he attempted here to produce a mere animal study. Questionable as well is the degree to which this little picture can be related to the artist’s life circumstances, his imminent relocation to Brussels, or his marriage and concomitant loss of independence. On the other hand, it is conceivable that this picture was intended for a friend the artist left behind in Antwerp.Concerning this image’s symbolic or allegorical significance, the monkey was an emblem of the individual who is chained to his desires, a prisoner to animalistic cravings. With the image of the chained monkeys, evidently, Bruegel sought to allude allegorically to deluded people who were prepared – as implied by the broken nutslying next to the animals – to sacrifice their freedom for a gain of dubious value. The captivity of these animals in Bruegel’s picture can be interpreted as a paraphrase of people who exist in bestial enslavement, who are not guided by Christian virtue, and can therefore look forward to a pitiful end. Bruegel would not however have been the moralist we recognise in so many of his pictures if he had been content to merely depict a situation that is conceived as irrevocable. In this painting, the chains are emblems of a desperate situation. And a precise examination of that situation reveals that there is in fact a way out. As it happens, the chains terminate in a toggle, which has been inserted into a ring. If the toggle is retracted and brought into a vertical position, it can be forced back through the ring, disengaging the connection. Having surrendered to their gloomy fate, the two monkeys never arrive at the awareness that they can liberate themselves. They are incapable of meaningfully employing the gifts with which nature has endowed them in order to rescue themselves. Much the same is true of people who, lacking sufficient insight, remain their own prisoners. Bruegel’s message, then, is that only the individual’s self-reflection is capable of leading him onto the right path. A life that is conducted with wisdom and modesty will enable him to shake off his self-imposed imprisonment, to free himself from spiritual bondage. This is the same fundamentally ethical and rationalistic ethic we encounter in exemplary form in the humanistic writings of Erasmus of Rotterdam and Dirck Volckertsz Coornhert. It is an expression of the moral philosophy that is materialised in many of profound allegories of Pieter Bruegel – who was referred to with striking superficiality by later generations as “Peasant Bruegel”. Rainald Grosshans | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Früchte- und Blumenkartusche mit Weinglas

Früchte- und Blumenkartusche mit Weinglas

In einer kartuschenartigen Nische aus Stein steht auf einem Sockel ein halb gefüllter und mit Beerennuppen verzierter Römer. Flankiert wird das Trinkgefäß von zwei in Stein gehauenen und mit Flügeln versehenden Kinderfiguren, so genannten Seraphim. Drei üppige Girlanden mit verschiedensten Blumen-, Getreide- und Fruchtsorten zu denen Trauben, Granatäpfel, Pfirsiche, Pflaumen, Nüsse, Feigen, Kastanien und Erdbeeren zählen, sind am oberen und unteren Rand der Kartusche gruppiert. Belebt wird das Ganze durch zahlreiche kleine Tierchen, wie einem Spatzen, einer Eidechse, einer Heuschrecke oder einem Schmetterling. De Heem stellt hier in der mikroskopischen Feinheit der Ausführung und der vollendeten Nachbildung der Natur seine malerische Meisterschaft unter Beweis. In der präzisen Darstellung von Stachelbeeren, deren Kerne sich zart durch die Schale hindurch abzeichnen, von prallgefüllten Trauben mit durchscheinend leuchtender Haut oder der überzeugend gestalteten stumpfen Oberfläche der Walnüsse, zeigt sich seine sorgfältige Beobachtung der verschiedensten Erscheinungsformen von Pflanzen und Früchten. Bei dem Berliner Bild handelt es sich um eine Sonderform der Stilllebenmalerei, die in den südlichen Niederlanden aufkam und hier ihre Blütezeit erlebte. Diese Stillleben mit christlich-religiösem Gehalt zeigen ein zentrales oft auch materiell abgesetztes Motiv, um das ein dicht gemalter Blumenkranz oder üppiges Fruchtgehänge angeordnet ist. Die dargestellten Blumen und Früchte tragen dabei nicht nur zur Steigerung der ästhetischen Bedeutung bei, vielmehr leiten sie zu genauem Schauen an und führten über zu einer meditativ-adorierenden Betrachtung des Mittelmotivs. Gleichzeitig fungieren sie oft auch als inhaltliche Verweise. Auf dem Berliner Bild darf das zentrale Motiv des gefüllten Römers, über dem das Auge der Providentia (Vorhersehung) als Lichterscheinung schwebt, sicherlich als Verweis auf die Eucharistie gewertet werden. Neben einer eher allgemein gehaltenen christlichen Pflanzen- und Tiersymbolik fällt zudem das Motiv der Sonnenblume auf, das in diesem Zusammenhang wahrscheinlich christologisch, im Sinne einer Ausrichtung der menschlichen Seele auf Christus, zu deuten ist.In der Regel entstanden derartige Stillleben in der Zusammenarbeit von zwei spezialisierten Malern. Häufig wurden derartige Kartuschen auch auf Vorrat gemalt und erst später ergänzt. In diesem Sinne handelt es bei dem Berliner Bild um eine Ausnahme, da de Heem hier alle Teile des Bildes eigenhändig ausführte.Jan Davidsz de Heem war gebürtiger Holländer, der zunächst in Utrecht und Leiden arbeitete, bevor er weiter nach Antwerpen zog. Seine frühen Werke, kleinformatige Vanitas-, Früchte- und Blumenstücke, malte er noch im Stile holländischer Stillebenspezialisten, deren kompositorischer Aufbau streng und überschaubar war. Angeregt durch die Haarlemer Stillebenmalerei legte er seine Bilder dieser Zeit oft monochrom an. Mit der Übersiedlung nach Antwerpen im Jahre 1636 wandelte sich de Heems künstlerische Auffassung grundlegend. Unter dem Einfluss der monumentalen und farbenfrohen Stillleben des Frans Snysders oder der Blumenkränze bzw – kartouchen von Daniel Seghers, entwickelte er eigene Formen des Stilllebens und führte hier diverse Neuerungen ein. Als einer der begabtesten und einflussreichsten Stillebenmaler seiner Zeit wurden seine Werke bereits zu Lebzeiten außerordentlich geschätzt und blieben auch nach seinem Tod begehrte Sammelobjekte. Katja Kleinert | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. links unten: J•D•DE.HEEM f__________________________________________________________The painting shows a half-filled Roman-style goblet decorated with stylised grapes standing in a stone niche on a pedestal. The drinking vessel is flanked by two stone cherubs: children’s figures with wings called seraphs. Three sumptuous garlands with a rich variety of flowers, grains and fruits, including grapes, pomegranates, peaches, plums, nuts, figs, chestnuts and strawberries, are grouped at the top and bottom edges of the niche. There are also numerous small animals in amongst the flowers, including a sparrow, a lizard, a grasshopper and a butterfly. De Heem’s exceptional artistic skill is demonstrated in the microscopic detail and the perfect reproduction of nature. The precise depiction of gooseberries, with the seeds visible through the translucent skins, the lusciously plump grapes, the very realistic dusky surface of the walnuts show the artist’s great attention to detail and careful observation of the many different shapes and forms of plants and fruits.The Berlin painting is a special form of still-life pictures that emerged in the southern Netherlands and reached their pinnacle here. These still-lifes with Christian- religious symbolism very often used a central, materially contrasting motif surrounded by a dense wreath of flowers or sumptuous arrangement of fruits. The flowers and fruits not only serve the purpose of enhancing the appearance and aesthetic significance, they also encourage viewers to take a closer look and engage in a meditative adoration of the central motif. At the same time, they also often act as key references for the underlying meaning of the picture. On this picture, the central motif of the filled goblet, above which floats the eye of Providentia (providence) in the form of bright light, is almost certainly a reference to the Eucharist. Amongst the more common Christian flower and animal symbolism the sunflower stands out, which in this context can be read as being Christological in the sense that it expresses the orientation of the human soul towards Christ.As a rule, still-lifes such as this were a collaboration between two specialized painters. Often, the cartouche would be produced in advance and details added at a later point. The Berlin painting is an exception to this rule, as de Heem executed all parts of this picture himself.Jan Davidsz de Heem was born in the Netherlands and first worked in Utrecht and Leiden before moving to Antwerp. His early work, small vanitas paintings, fruit and flower pieces, were done in the style of the Dutch still-life specialists, who tended to use a rigid and uncluttered compositional style. Inspired by stilllife painting in Haarlem, in this period his paintings were often monochrome. De Heem’s artistic style changed fundamentally after he moved to Antwerp in 1636. Influenced by the monumental and vividly coloured still-lifes of Frans Snyders and the floral wreaths and cartouches of Daniel Seghers, de Heem developed his own style and introduced several innovations. As one of the most gifted and influential still-life painters of his era, his paintings were highly regarded during his lifetime and after his death were in great demand as collectors’ items. Katja Kleinert | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Anna Sophie Agnes von Lehwald, geb. von Buddenbrock

Anna Sophie Agnes von Lehwald, geb. von Buddenbrock

Anna Sophie Agnes von Lehwald, geb. von Buddenbrock (1699-1773) war eine Tochter des Generalfeldmarschalls Wilhelm Dietrich Freiherr von Buddenbrock (1672-1757). In zweiter Ehe ehelichte sie 1749 im Königsberger Schloss den Generalleutnant Johann von Lehwald (1685–1768), Gouverneur von Memel (Ostpreußen). Die links oben erkennbaren Wappen der Familien von Lehwald und von Buddenbrock nehmen auf diese Eheschließung Bezug. Sie sind wohl auch erst zu diesem Termin von fremder Hand aufgetragen worden. Anna Agnes Sophie von Lehwald wird in einem spitzengesäumten Atlaskleid, kontrastiert von einem roten Mantel, präsentiert. Sie steht neben einem Springbrunnen, dessen bildhauerischer Schmuck allerlei Schalentierwerk zeigt. Gemäß damaliger Vorliebe für mythologische Andeutungen, dürfte die Porträtierte hierdurch als Quellnymphe zu interpretieren sein. Im dunklen Hintergrund ist links eine Balustrade mit Skulptur in Parklandschaft erkennbar. Da Barbara Rosina Lisiewska-Matthieu-de Gasc, so sie signierte, stets ihren aktuellen Namen verwendete, wird das Berliner Bildnis noch vor ihrer ersten Vermählung im Jahre 1741 entstanden sein. In dieser Zeit arbeitete die Malerin im Atelier des Vaters Georg Lisiewski (1674-1750). Das Kleid mit den Kaskadenspitzenärmel sowie die unmotiviert in eine Mantelfalte greifenden Finger sind charakteristische Eigenarten ihrer Gemälde der 1740er Jahre. Gemeinsam mit den später eingezeichneten Wappen wurde das allseitig beschnittene Porträt nachträglich zu einem Pedant eines Bildnisses ihres Gatten von der Hand ihres Vaters Georg Lisiewski gemacht, das sich ebenfalls im Besitz der Berliner Gemäldegalerie befindet (Kat.Nr. 2287).SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. rechts unten am Brunnenbeckenrand: „peint par Rosina Lisiews[ka]“