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Die Königin von Saba vor Salomo

Ident. Nr.: 1701

ObjID: obj:863503

Details (Expert)

Datierung
Ausführung: um 1435
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die Königin von Saba vor Salomo
Übersetzung: The Queen of Sheba before Solomon
Geografische Bezüge
Herstellungsort: Basel,
Stadt
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Bildmaß: 85,8 x 80,3 cm
Erwerbung
Ankauf 1913

Objektbeschreibung

Konrad Witz stammt aus Rottweil am Neckar, wo er um 1400 geboren wurde. Ins Licht der Geschichte trat er erst in Basel. 1434 wurde er dort Mitglied der Zunft, 1435 erlangte er das Bürgerrecht der Stadt. Wohl in den beiden folgenden Jahren malte Witz ein großes Altarwerk mit Themen aus dem »Heilsspiegel«, vermutlich für St. Leon hard in Basel. Nur wenige weitere Werke von ihm sind überliefert. Wandmalereien, die bezeugt sind, vergingen, und die meisten anderen Arbeiten fielen wohl den Bilderstürmern zum Opfer, die am Oberrhein besonders radikal Kirchen und Kapellen leerten. Teile eines späteren Altarwerks von 1444 haben sich in Genf erhalten. Bereits vor 1446 ist er gestorben. Witz ist einer der großen Neuerer am Oberrhein. Den seit Beginn des 15. Jahrhunderts aufkommenden Realismus in der niederländischen Malerei, wie er in den Werken der van Eyck und des Meisters von Flémalle anschaulich wird, verwirklicht er in sehr persönlicher Weise und löst damit den höfischen, transzendental bestimmten Stil der Internationalen Gotik ab. Die Figuren seiner Bilder wirken untersetzt und blockhaft, wie aus Kuben und Prismen gefügt. Die Gewänder legen sich in scharfe, splittrige, kantige Falten, deren Grate im Licht aufleuchten, daneben liegt tiefer Schatten. Diese betonte Modellierung schafft eine bemerkenswerte Körperlichkeit und Räumlichkeit. Von gleichem Streben geprägt ist die Durchbildung des Bildraumes, den nach seiner realen Ausdehnung und Tiefe er zu zeigen versucht. Hohes Interesse galt auch der Wiedergabe der materiellen Erscheinung der Dinge, der stofflichen Qualität von Textilien, Metallen, Holz oder Mauerwerk. Die Wirklichkeit darzustellen war sein Ziel. Die Begegnung der Königin von Saba mit König Salomo ist eine der acht Darstellungen auf den Innenseiten des sogenannten Heilsspiegelaltars. Der Mittelteil ist verlorengegangen, und über seine Thematik wissen wir nichts. Die Innenseiten der Flügel zeigen, soweit sie erhalten sind, Themen aus dem »Speculum humanae salvationis« oder »Heilsspiegel«, einem Erbauungsbuch der dominikanischen Mystik des 14. Jahrhunderts. Darin werden Ereignisse des Alten Testaments und der Geschichte typologisch auf die Heilsgeschichte bezogen. Der Konfrontation von Ereignissen und Szenen liegt der Gedanke zugrunde, daß die Menschwerdung Christi und die Erlösung der Menschheit durch den Gottessohn von Anbeginn der Welt in einem Heilsplan vorgegeben waren. Der Besuch der Königin von Saba bei Salomo, dem sie Gold und Gewürze darbrachte, fand im Mittelalter verschiedene Ausdeutungen. Er galt als Präfiguration für die Anbetung der Heiligen Drei Könige, die ebenfalls aus dem Osten kamen, um den neugeborenen Christuskönig anzubeten. Christus wurde danach als Neuer Salomo verstanden. Eine andere Deutung sah das Ereignis so: Wie die Königin von Saba zu Salomo ging, um seine Weisheit zu vernehmen, so komme auch die Kirche aus allen Teilen der Welt, um das Wort Gottes zu hören. Der »Heilsspiegel« gibt eine weitere Deutung: Die Freude der Königin von Saba beim Anblick der Weisheit Salomos gleiche jener Seligkeit, die die Seligen im Himmel bei der Betrachtung des Antlitzes Christi erfahren. Konrad Witz hat es verstanden, das Leuchten der Weisheit im Angesicht Salomos und die Verehrung in den Gesichtszügen der Königin von Saba anschaulich zu machen. Die Darstellung beschränkt sich auf das Notwendigste. Die beiden Figuren sind durch die Handlung, das Überreichen eines Geschenks, miteinander verbunden. Salomo thront auf einer Bank, die Königin nähert sich mit gebeugtem Knie und blickt zu ihm auf. Die anderen Szenen der Innenseiten sind ähnlich verhalten komponiert. Wilhelm H.Köhler | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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Konrad Witz was born in Rottweil am Neckar round 1400. His name first receives mention in Basel where he is recorded as joining a guild in 1434. In 1435, he became a citizen of Basel. It was probably during the following two years that Witz painted a large altarpiece featuring themes from the Speculum Humanae Salvationis or Mirror of Human Salvation, in all likelihood for Saint Leonhard in Basel. Only a few of his other works have survived. The wall paintings he is known to have created have vanished, and most of his other works probably fell victim to the iconoclasts, who were particularly radical in emptying the churches and chapels of the Upper
Rhine region. Panels of a later altarpiece dating from 1444 have been preserved in Geneva. Witz died before 1446.

Witz was one of the great innovators in the Upper Rhine region. He employs the new Realist style, which began to emerge in Netherlandish painting in the early 15th century (as evidenced in the works of van Eyck and the Master of Flémalle), in a highly personal way, his work superseding the courtly, transcendentally determined style of International Gothic. His figures appear stocky and block-like as if constructed out of cubes and prisms. The garments fall in sharp, splintering, angular folds whose ridges catch the light, standing out from the deep shadow, which offsets them. This accentuated modelling creates a remarkably corporeal and three-dimensional effect. Witz is similarly ambitious in his structuring of the pictorial space, striving to show its real extent and depth. He also had a strong interest in reproducing the material appearance of things, the material quality of textiles, metal, wood or masonry, so as to make his portrayals as realistic as possible.

The encounter between the Queen of Sheba and King Solomon is one of eight depictions from the inner sides of the so-called Heilsspiegelaltar. The middle section has been lost and we know nothing about the motifs it depicted. As far as they are preserved, the inner sides of the wings show subjects from the Speculum Humanae Salvationis, a devotional book of 14th-century Dominican mystics. Here, stories from the Old Testament and historical events are related typologically to the story of redemption. The scenes are combined to illustrate the idea that Christ’s becoming human and the redemption of mankind by the Son of God had been predetermined since the very beginning of the world. The Queen of Sheba’s visit to Solomon with gifts of gold and spices was variously interpreted in the Middle Ages. For some it was a prefiguration of the Adoration of the Magi, who likewise came from the East to worship the newborn king Jesus Christ. According to this interpretation, Christ was regarded as a new Solomon. Another interpretation sees the events as follows: just as the Queen of Sheba visited Solomon to hear his wisdom, so the Church comes from all corners of the world to hear the Word of God. The Speculum Humanae Salvationis provides yet another interpretation: the joy felt by the Queen of Sheba at Solomon’s wisdom is like the beatitude experienced by souls in heaven in contemplating the countenance of Christ. Konrad Witz certainly knew how to portray the glow of wisdom in Solomon’s face and the Queen of Sheba’s expression of veneration. The depiction confines itself to the bare essentials, the two figures connected by the act of gift-giving. Solomon presides on a bench, while the queen approaches on bended knee. The other scenes from the interior of the altarpiece show similarly restrained compositions. WKKonrad Witz was born in Rottweil am Neckar round 1400. His name first receives mention in Basel where he is recorded as joining a guild in 1434. In 1435, he became a citizen of Basel. It was probably during the following two years that Witz painted a large altarpiece featuring themes from the Speculum Humanae Salvationis or Mirror of Human Salvation, in all likelihood for Saint Leonhard in Basel. Only a few of his other works have survived. The wall paintings he is known to have created have vanished, and most of his other works probably fell victim to the iconoclasts, who were particularly radical in emptying the churches and chapels of the Upper Rhine region. Panels of a later altarpiece dating from 1444 have been preserved in Geneva. Witz died before 1446. Wilhelm H.Köhler | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 30.06.2026

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Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Christus sitzt niedergesunken vor dem Kreuz am Boden, während es auf Golgatha Abend wird. Seine Glieder wirken kraftlos; Wundmale an Händen und Füßen sowie die Dornenkrone zeichnen den Gemarterten. Als weitere Arma Christi lehnen der Ysop-Stab mit Essigschwamm, die Lanze und eine Leiter gegen das Kreuz; die drei Nägel liegen weiter hinten links im Halbdunkel. Ein Stück entfernt von Christus sitzt Maria, ganz in Dunkelblau. Sie ringt die Hände im Schmerz und blickt traurig zu ihrem Sohn hinüber. Neben ihr hockt Johannes, der sich eng in seinen roten Mantel gehüllt hat und das kummervolle Gesicht in der bekannten Melancholie-Geste in die linke Hand stützt. Von der grünen Wiese um die Protagonisten herum setzt sich die felsige Hintergrundlandschaft ab. 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Das Berliner Täfelchen steht sowohl den Tafeln eines Marienlebens in Klosterneuburg, die unter der Bezeichnung »Meister der Darbringungen « geführt werden, als auch der großen, in London befindlichen Tafel eines Gnadenstuhls nahe; ob es aber von einem der jeweils verantwortlichen Maler selbst stammt, muss offen bleiben. Stephan Kemperdick | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________Christ is slumped on the ground below the cross as evening falls on Golgotha. His limbs are limp, drained of strength; the stigmata on his hands and feet and the crown of thorns signify his martyrdom. Other arma christi or instruments of the Passion – the hyssop reed with, the sponge of vinegar, the lance and the ladder – are leaning against the cross; further behind on the left in the semi-darkness lie the three nails. The Virgin Mary, clad entirely in dark blue, sits a short distance away from Christ. She is wringing her hands in sorrow as she looks sadly across to her son. John, who has wrapped himself tightly in his red cloak, is squatting beside herleaning his sad face on his left hand in the well-known gesture of melancholy. The rocky landscape in the background contrasts with the grassy meadow surrounding the protagonists. Below a tree-lined hill on the far left, the cave sepulchre intended for Christ containing a reddish stone sarcophagus opens up, while on the right the many towers of the walled and moated city of Jerusalem point skywards. The round Temple of Solomon can be seen in the middle. The last of those who attended the crucifixion is returning through the city gate. He has thrown a bluish cloth over his shoulder, probably the Seamless Robe of Christ. In artistic terms, the small panel is extremely subtle and poetic. 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Wladislaw IV. (1595-1648) von Polen / Allegorische Darstellung der Tugend

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Der dargestellte Wladislaw IV. (1595 – 1648) war seit 1632 König von Polen. Auf seinem reich dekorierten Wams ist eine Kette erkennbar, die ihn als Ritter des Ordens vom Goldenen Vließ kennzeichnet, dem er seit 1615 angehörte. Er trägt ein violettes Käppchen. Auffällig an der Frisur Wladislaws IV. ist ein dünner Zopf, der auf die linke Schulter fällt und dessen Ende von einer breiten Schleife zusammengehalten wird. Er war in zweiter Ehe mit Louise – Marie, Prinzessin von Gonzaga, Mantua, Montferrat und Nevers („Fille de France“, d.h. Prinzessin von Geblüht) vermählt. Die Trauung fand in Abwesenheit des Bräutigams im Jahre 1645 in der Kathedrale St. Denis statt. Dabei wurde der polnische König durch den Woiwoden von Posen, Christoph Graf Bnin Opalinski vertreten. Mehrmonatige Feierlichkeiten zogen Viele nach Paris, so auch den gefragten Genfer Miniaturmaler Paul Prieur (Um 1620 - 1682/83). Der umtriebige Hugenotte schuf dort zu dieser Zeit auch die Berliner Miniatur. Es wird sich dabei um ein diplomatisches Geschenk des polnischen Königs an den Großen Kurfürsten (Friedrich Wilhelm von Brandenburg) gehandelt haben, der im Jahre 1640 Wladislaw IV. den Lehnseid als Herzog von Preußen leistete und 1646 aus Anlass des Einzugs der aus Paris kommenden polnischen Königin Louise-Marie in Danzig anwesend war. Auf dem Contreémail der Miniatur ist in der Mitte ein von der Sonne gekrönter Obelisk auf vier Kugeln auf einem Postament geschildert. Traditionell als „Gloria dei principe“ (Ruhm des Prinzen) lesbar. Dem gesellt sich die Umschrift HONOR VIRTVTIS PRAEMIVM (Ehre ist der Lohn der Tugend). Die vorzügliche, auf einem Bildträger aus Gold gearbeitet, Berliner Emailminiatur eröffnet die Reihe von Paul Prieurs datierten Arbeiten. SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf der Rückseite: HONOR VIRTVTIS PRAEMIVM (umlaufend); unten: prieur Fecit / 1645

Zwei Marktfrauen und ein Junge mit Geflügel und Gemüse

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Von den bedeutenderen Meistern des Bologneser Spätmanierismus (O. Samacchini, L. Sabatini, P. Fontana) war Bartolomeo Passarotti zweifellos der fortschrittlichste, derjenige, der am deutlichsten Stilelemente der Carracci vorwegnahm. Agostino Carracci war zeitweilig sein Schüler, Annibale Carracci wurde in seiner Frühzeit stark von ihm beeinflusst. Passarotti hat in Rom bei Taddeo Zuccari gearbeitet (1551), stand aber andererseits in der Tradition des Bologneser Manierismus (Pellegrino Tibaldi) und wurde auch von Parmigianino und Niccolò dell`Abate beeinflusst. Sein Oeuvre besteht aus drei Komplexen: Altarbilder, Porträts und Genrebilder. Die Altarbilder befinden sich ausnahmslos noch am Ort, in Kirchen Bolognas und der Emilia sowie im Museum von Bologna. Besonders berühmt war Passarotti als Porträtmaler. Seine weit verbreiteten und gelegentlich auf dem Markt vorkommenden Porträts bildeten die unmittelbare Vorstufe für die Porträtkunst der Carracci.Auch die kleinste Werkgruppe, die der Genrebilder, wurde für die Carracci vorbildlich. So galt das Berliner Bild der "Schachspieler", das 1971 dem Ludovico Carracci zuerkannt wurde, lange als Werk Passarottis (A. Venturi, 1933). Zu der kleinen Gruppe der Genrebilder Passarottis gehört das vorliegende, aus dem Londoner Kunsthandel angebotene Bild einer halb stilllebenhaft, halb porträthaft (in Dreiviertelfiguren) gefassten Marktszene: eine alte Marktfrau, die mit Geflügel und Gemüse handelt, preist ihre Hühner an. Mit beiden Armen hat sie eine Henne und einen Hahn gepackt und hält sie dem Betrachter als ideellem Käufer entgegen, ihn anblickend, den sprechend geöffneten Mund zu einem leichten Lächeln verzogen. Sie lehnt mit dem rechten Arm auf den hölzernen Hühnerkäfig, auf dem links hinten ein Hahn thront. Im Hintergrund ferner eine Stange, an der, mit einem Band befestigt, ein Schild hängt, auf dem der Buchstabe P (= Pollaiolo [Geflügel-Verkäufer], aber wohl auch das Monogramm des Künstlers) steht. In der rechten Bildhälfte sieht man eine bildeinwärts gerichtete junge Frau mit ihrem Jungen. Es bleibt unklar, ob sie eine Kundin oder eine zweite Verkäuferin ist. Das Halsband aus roten Steinen und der relativ aufwendige, schleierartige Überhang deuten wohl eher auf eine Kundin hin. Ihr verlorener Blick aus den Augenwinkeln geht am Betrachter vorbei. Sie schmiegt ihr Kind mit dem linken Arm an sich (sie greift in sein Haar), vielleicht will sie den Jungen, der gerade mit der Hand nach einem Kürbis greift, zurückhalten. Im Vordergrund unten ein Korb (oder eine Karre) prallgefüllt mit Zwiebeln und Kürbissen.Die Figuren und der stilllebenhaft arrangierte Kürbishaufen sind eng ins Bildfeld eingepasst. Figuren und Formen, ganz in der vordersten Bildebene platziert, vermitteln den Eindruck bedrängender Nähe und handgreiflicher Wirklichkeit. Dieser Eindruck wird unterstrichen durch die pastose Malweise, die freie, lockere Pinselschrift, eine Faktur, die, zusammen mit der Art der Gewandbehandlung und der Modellierung, vor allem aber der Farbigkeit, ganz unmittelbar auf die wenige Jahre später entstandenen Genrebilder Annibale Carraccis (Schlachterladen in Oxford, Bohnenesser in Rom, Gal. Colonna) vorausweist. Annibale Carracci hat in seinen Genrebildern, die alle in die Frühzeit fallen, mit dem gleichen Realismus, der gleichen Naturbeobachtung gearbeitet. Gleichwohl würde man die Bilder als lediglich realistische Markstücke im Sinne des 19. Jahrhunderts missverstehen. Im vorliegenden Bild ist offenbar eine Anspielung auf die drei Lebensalter mit gemeint, außerdem hat die neuere Forschung in den Genrestücken Passarottis und Carraccis Bezüge zur Commedia dell`arte gesehen (letztlich auf Aristoteles' Poetik fußend; vgl. B. Wind, Pitture ridicole: Some Late Cinquecento Comic Genre Paintings, in: "Storia dell'Arte", 20, 1974; ders., Annibale Carracci's "Scherzo": The Christ Church Butcher Shop, in: "The Art Bulletin" 1976). So wie Passarottis Genrebilder einerseits auf die Carracci vorausweisen, fußen sie andererseits auf niederländischen Vorbildern, vor allem von Aertsen und Beuckelaer (vgl. H. Bodmer, Die Kunst des Bartolomeo Passerotti, in: "Belvedere" 1938).Das vorliegende Werk war bis zur Erwerbung unpubliziert. Seine Komposition war jedoch aus einer qualitativ unterlegenen Werkstattreplik bekannt, die Daniele Benati (Una 'Lucrezia' e altre proposte per Bartolomeo Passerotti, in: "Paragone" 379, 1981) publiziert hat. Benati datiert das vorliegende Original in die späten siebziger bzw. frühen achtziger Jahre. Es gibt außer diesem Bild nur noch fünf vollwertige Genrebilder Passarottis, von denen drei Bilder (alle querformatig) dem vorliegenden stilistisch und ikonographisch engstens verwandt sind: "Zwei Fischverkäufer" und "Zwei Schlachter" in Rom, Galleria Nazionale d'Arte Antica (ehemals Slg. Messinger, München) und "Zwei Geflügelverkäuferinnen" (Florenz, Stiftung Longhi, ehemals Berlin, C. Benedict). Diese drei Bilder sind in einem Inventar der Slg. der Marchesi Mattei (Rom) von 1614 zusammen mit einem vierten aufgeführt, das zwei Geflügelverkäuferinnen mit einem Kind darstellt. Es läge nahe, das vorliegende Bild mit dem vierten Bild zu identifizieren, wenn nicht das andersartige Hochformat dagegen spräche. Die Verbindung von derber Drastik des Motivs, von zupackendem Realismus mit malerischer Kultur der Ausführung ist das Charakteristische dieses und der anderen Genrebilder Passarottis. Zugleich ist das Bild ein frühes und bedeutendes Beispiel der für Italien auch im frühen 17. Jahrhundert wichtigen Bildform eines vegetabilen Stilllebens (Gemüse, Früchte, Blumen) mit begleitenden Figuren. SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf dem Ladenschild oben: P