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Bauernfamilie

Ident. Nr.: 872

ObjID: obj:863609

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Cornelis Pietersz. Bega (1631-1664),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1663
Weitere Titel
Sammlungstitel: Bauernfamilie
Übersetzung: Peasant Family
Geografische Bezüge
Haarlem,
Stadt
Abmessungen
Bildmaß: 32,8 x 27,2 cm

Objektbeschreibung

Mitte des 17. Jahrhunderts waren auch im niederländischen Bauerngenre Darstellungen häuslichen Familienglücks nichts Ungewöhnliches mehr. Gleichwohl handelt es sich bei dieser Darstellung um etwas Besonderes, da hier in porträtähnlicher Form eine Kleinfamilie niederen Standes gezeigt wird, der durch die Darstellungsweise eine bis dahin ungekannte Würde verliehen wird. In prägnanter Weise stellt der Maler hier einen intimen und jedermann bekannten Alltagsmoment dar, in welchem Erwachsene ihren Spaß mit einem Kind treiben. Bega galt als ausgezeichneter Beobachter, der die unterschiedlichen Gemütsregungen treffend wiederzugeben wusste. So amüsiert sich der Vater mit gutmutigem Lächeln über das Kind, das mit sehnsuchtsvollem Blick nach seiner Flasche verlangt. Der direkte Blick der Mutter bindet den Betrachter in diese intime Familienszene ein. Die hier gezeigten Figuren sind typisch für die zwischen 1660 und 1664 entstandenen Arbeiten Begas. Auffällig sind die porträthaften Züge der Mutter. Mit Ausnahme der leuchtend gelben Kleidung des Kindes dominieren dumpfe rostrote, braune und graublaue Töne die Farbgebung. Besondere Aufmerksamkeit widmete Bega der Wiedergabe der Faltenbildung in den unterschiedlichen Textilien sowie der Textur der Stoffe. In feinmalerischer Weise sind auch die Figuren selbst sowie die im Vordergrund befindlichen Gegenstande ausgeführt. Ein schönes Detail ist der sich durch den Schuh bohrende große Zeh des Mannes sowie die metallisch glänzende Oberfläche der Saugflasche. Saugflaschen aus Zinn waren vom 17. bis ins 19. Jahrhundert gebräuchlich. Sie hatten die zuvor aus Holz gefertigten Flaschen ersetzt, waren aber nicht unumstritten, da einerseits das bleihaltige Zinn Vergiftungen hervorrufen konnte, andererseits eine Verletzungsgefahr des noch zahnlosen Kiefers wegen der Härte des Materials bestand.

Letzte Aktualisierung: 30.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Giovanni Mocenigo (1508-1580)

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Der Porträtierte wurde 1954 von Rodolfo Pallucchini überzeugend als Giovanni Mocenigo identifiziert, dem jüngeren Bruder des Dogen Alvise I. Mocenigo. Giovanni bekleidete hohe Staatsämter in Venedig, unter anderem als Consigliere und Savio del Consiglio. Ein enges persönliches Verhältnis verband ihn mit seinem Bruder; nach dem Tod des kinderlosen Dogen fielen dessen Erbansprüche an Giovannis Kinder. Beide Brüder erscheinen gemeinsam in einem Votivbild Tintorettos, das um 1575 entstand und sich heute in der National Gallery of Art in Washington befindet (Samuel H. Kress Collection; Inv.-Nr. 1961.9.44). Es zeigt den Dogen Alvise Mocenigo und seine Frau gemeinsam mit seinem Bruder Giovanni sowie dessen Söhnen vor der Jungfrau mit dem Kind. In diesem Gemälde wurden vier der dargestellten Köpfe – darunter der Giovanni Mocenigos – offenbar nach dem lebenden Modell auf kleineren Leinwänden gemalt und anschließend in die größere Komposition eingefügt. Dieses Werk ermöglichte Pallucchini die Identifizierung des Berliner Porträts. In dem Einzelporträt Giovannis in der Gemäldegalerie wählte Tintoretto das in seinem Porträtschaffen ungewöhnliche Brustbildformat. Im Vergleich zum Gemälde in Washington erscheint Giovanni Mocenigo hier gealtert; das Berliner Porträt dürfte daher kurz vor seinem Tod im Jahr 1580 entstanden sein. Unter Verzicht auf die repräsentative Würde, die Tintorettos Halb- und Dreiviertelfigurenporträts sonst auszeichnet, ging es dem Künstler hier um eine geistige Erfassung und psychologische Durchdringung des Dargestellten. In der Ausstrahlung dieses durch den musternden Blick Distanz schaffenden, zugleich aber in seiner Schlichtheit und Direktheit intim wirkenden Porträts gehört das Werk zu den bedeutenden Leistungen Tintorettos im Bereich der Porträtmalerei. | Aus: Gemäldegalerie. Katalog der ausgestellten Gemälde des 13.-18. Jahrhunderts 1975 (2025 aktualisiert von Sven Jakstat)