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Malle Babbe

Ident. Nr.: 801C

ObjID: obj:863623

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Frans Hals (1582/83 - 1666),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1640-1646
frühere Datierung: 1633/35
Weitere Titel
Sammlungstitel: Malle Babbe
Übersetzung: Malle Babbe
Geografische Bezüge
Haarlem,
Stadt
Material / Technik
Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 78,5 x 66,2 cm
Erwerbung
1874 Ankauf mit der Sammlung des Bankiers Barthold Suermondt, Aachen

Objektbeschreibung

Seit der ersten Veröffentlichung von Frans Hals „Malle Babbe“ 1869 durch Thoré-Bürger erfuhr das Bild große Bewunderung und Anerkennung für seine herausragende Ausdrucksstärke, meisterliche, skizzenhafte Modellierung und Spontanität.
Man scheint bereits früh dafür gesorgt zu haben, dass die Dargestellte auch für spätere Generationen noch zu identifizieren war. Dies legt zumindest eine vermutlich noch aus dem 17. Jahrhundert stammende Aufschrift auf der Rückseite des Gemäldes nahe: „Malle Babbe van Haerlem […] Frans Hals.“ Erst vor einigen Jahren konnte durch Archivforschungen belegt werden, dass es sich hierbei um Barbara Claes (gest. 1663) handelt, eine geistig zurückgebliebene, „verrückte“ [malle] Frau aus Haarlem. 1646 wurde sie wegen unsittlichem Verhalten in das sogenannte „werkhuis“, eine Unterbringung für geisteskranke Menschen, eingewiesen, wo sie insgesamt 15 Jahre verbrachte. Die am Stadtrand gelegene Einrichtung war gleichzeitig Irrenanstalt und Armenhaus, Zuchthaus für Gewalttätige und Besserungsanstalt für sozial Auffällige. Auch ein Sohn und die älteste Tochter von Hals wurden hier zeitweilig aufgenommen, allerdings erst Jahre, nachdem das Berliner Bild entstanden sein dürfte. Vermutlich kannte Frans Hals die „Malle Babbe“ als eine stadtbekannte, berüchtigte Bewohnerin Haarlems und fertigte ihr Abbild an, welches sich zwischen naturalistischem Porträt und idealtypischem Genrebild bewegt.
Das Gemälde zeigt die lebensgroße, an einem Tisch sitzende Figur der Malle Babbe. Mit ihrer rechten Hand ergreift sie den Henkel eines Zinnkrugs mit aufstehendem Deckel. Auf ihrer linken Schulter sitzt eine Eule. Durch die komplexen, gegenläufigen Bewegungsmotive scheint die Figur spontan und wie in einer Momentaufnahme festgehalten. Während ihr Oberkörper nach links zur Tiefe hin ausgerichtet ist, scheint sie ihren Kopf eben gerade lachend nach links gedreht zu haben. Nur der auf dem Tisch abgestellte Zinnkrug setzt in der von kreuzenden Diagonalen bestimmten Komposition als einzige Lotrechte im Bild einen stabilisierenden Akzent. Auch die offene Pinselführung, die sich nur im Gesicht zu dichterer Modellierung schließt, die Formangaben ansonsten jedoch summarisch – in schlagartig gesetzten Zügen – belässt, trägt zu dem Eindruck einer spontan und wie zufällig erfassten Momentaufnahme bei.
Die auf der Schulter von der „Malle Babbe“ sitzende Eule darf wohl als Symbol der Trunksucht gelesen werden und auf die zeitgenössische Redewendung »zoo beschonken als een uil« (so betrunken wie eine Eule) anspielen. Als Personifizierung eines vergleichbar verurteilenswerten Lasters – dem Rauchen - wurde die „Malle Babbe“ auch auf dem Berliner Bild „Wie die Alten sungen, so pfeifen die Jungen“ von Jan Steen aufgenommen (Kat.Nr. 795D).
Im Zentrum des Bildes steht – auch malerisch - das Lachen. Als „Meister des Lachens“ wusste Frans Hals seinen Bildern und Porträts eine bis dahin ungekannte Lebendigkeit zu verleihen. Etliche seiner meist volkstümlichen Figuren malte er mit einem offenen Lachen und entblößten Zähnen – eine Darstellungsform, die für Porträts aufgrund der gültigen Verhaltensregeln im calvinistisch geprägten Holland unmöglich gewesen wäre. Das unmäßige, vom Alkohol entgleiste Lachen der „Malle Babbe“ stellt denn auch einen deutlichen Verstoß gegen die gültigen Moralvorstellungen der Zeit dar und ist nur für gesellschaftliche Außenseiter als Darstellung denkbar. Durch die offene, ungestüme Malweise fordert Frans Hals ein Zurückweichen des Betrachters vom Bild und verhilft der gesellschaftlich ausgegrenzten, abschreckenden Figur der „Malle Babbe“ so zu eigener Freiheit und Autonomie. Katja Kleinert | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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Since the first publication of Frans Hals’ Malle Babbe in 1869 by Thoré-Bürger, this painting has earned great admiration and recognition for its outstanding intensity of expression, masterly, sketch-like modelling, and spontaneity.

At an early date, seemingly, it was ensured that the person portrayed would still be identifiable in later generations. This, at least, is suggested by an inscription on the back of the painting, dating probably from the 17th century: “Malle Babbe van Haerlem […] Frans Hals.” It was not until a few years ago that archive research demonstrated that this was Barbara Claes (died 1663), a mentally handicapped, “mad” (malle) woman from Haarlem. In 1646, on account of immoral behaviour, she was taken to the so-called “werkhuis”, a home for mentally ill persons, where she spent 15 years in all. This institution on the edge of town was at one and the same time a madhouse and a poorhouse, a prison for violent persons and a place of correction for anti-social persons. A son and the eldest daughter of Hals were admitted to it, though not until some years after the Berlin work was painted. Frans Hals was probably acquainted with Malle Babbe, as she was a notorious resident of Haarlem, well-known in the town. He painted a likeness that is situated between a naturalistic portrait and a genre picture of a type of person.

The painting shows the life-size figure of Malle Babbe, sitting at a table. With her right hand, she grasps the handle of a pewter mug, its lid open. An owl sits on her left shoulder. Thanks to its complex motifs of contrary movements, the figure seems to have been captured spontaneously, as if in a snapshot. Whereas her chest is oriented to the left towards the background, she seems to have turned her head to the left, just beginning to laugh. Only the pewter mug placed on the table, the sole vertical in a composition dominated by crossing diagonals, lends a stabilizing touch to the picture. The open brushwork, too, which closes to model the face more densely but otherwise leaves the forms in summary delineation, with abruptly placed strokes, contributes to the impression of a spontaneous portrayal of a moment, captured as if by chance.

The owl sitting on Malle Babbe’s shoulder should probably be seen as a symbol of drunkenness, a reference to the contemporary idiom “zoo beschonken als een uil” (as drunk as an owl). As a personification of a similarly deplorable vice, smoking, Malle Babbe was also depicted on Jan Steen’s painting in Berlin As the Old Sing,
So the Young Pipe.

Laughter is the middle of the picture, and is also at its centre artistically. As the “master of laughter”, Frans Hals was able to impart an unprecedented liveliness to his scenes and portraits. He painted several of his figures, usually folksy characters, laughing openly and showing their teeth – a manner of depiction that would have been impossible in Calvinist-dominated Holland for portraits, in consequence of the prevalent rules of behaviour. The intemperate, alcohol-induced laughter of Malle Babbe thus represents a clear violation of the moral beliefs valid at that time, and is conceivable only for the portrayal of social outsiders. By means of his open, impetuous manner of painting, Frans Hals demands that the beholder shrinks back from the picture, and thus gives the socially marginalised, off-putting figure of Malle Babbe her own freedom and autonomy. Katja Kleinert | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

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Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Bildnis der Catharina Hooft mit ihrer Amme

Bildnis der Catharina Hooft mit ihrer Amme

Das von Frans Hals um 1620 gemalte Porträt eines kleinen Mädchens stellt eine große Seltenheit innerhalb der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts dar, ist das Kind hier doch zusammen mit seiner Amme präsentiert. Zudem handelt es sich bei dem Bild um das einzige Kinderporträt von Frans Hals, das wir heute noch kennen. Dargestellt ist Catharina Hooft, die 1618 als einziges Kind ihrer Eltern in Amsterdam geboren wurde. Kurz darauf übersiedelten ihre Eltern nach Haarlem, wo ihr Vater, der Jurist Pieter Hooft ein Haus erworben hatte und wo auch das Berliner Porträt entstanden sein dürfte. Ihr Onkel war der berühmte niederländische Dichter, Historiker und Dramatiker Pieter Corneliszoon Hooft. Mit nur 17 Jahren heiratete Catharina 1635 den sehr vermögenden, 19 Jahre älteren Cornelis de Graeff, einen der einflussreichsten Regenten und mehrfachen Bürgermeister von Amsterdam, sowie Staatsmann und Diplomat von Holland und der Republik der Vereinigten Niederlande. Ihrer hervorgehobenen gesellschaftlichen Stellung entsprechend, begegnet uns Catharina 18 Jahre später standesbewusst als einer der ersten Damen des Landes zusammen mit ihrem Ehemann auf zwei lebensgroßen Pendantbildnissen des Amsterdamer Malers Nicolaes Eliasz Pickenoy.Der besondere gesellschaftliche Status des kleinen, hier präsentierten Mädchens wird schnell anhand ihrer aufwendigen Kleidung deutlich. Sie trägt ein kostbares Brokatkleid mit feinsten Spitzen, das detailgetreu wiedergegeben ist. Insbesondere die zarte Klöppelspitze wurde von Frans Hals betont, indem er die abstehenden Spitzen des Kragens und des Häubchens vor einem dunklen Hintergrund präsentiert. Deutlich zu erkennen ist auch der steife Charakter der gestärkten Spitze, die gerade vom Körper absteht und deren Enden nicht umknicken. Obgleich Mädchen und Jungen im 17. Jahrhundert erst ab dem siebten Lebensjahr geschlechtsspezifisch gekleidet wurden, lässt sich aufgrund von Kostümdetails, wie dem flachen, breiten Kragen und der leicht eckigen Form der Haube feststellen, dass es sich bei dem Kind um ein Mädchen handeln muss. Sowohl Jungen als auch Mädchen trugen die rückseitig von den Schultern herabhängenden Stoffbänder, die u.a. als Lauflernhilfe dienten und auch an dem Kleidchen der Catharina Hooft vom rückwärtigen Ärmelansatz herabfallend zu erkennen sind. Neben der sehr hochwertigen Kleidung trägt Catharina Hooft auch reichlich goldenen Schmuck mit einem Anhänger, der mittig einen großen roten Stein zeigt. In ihrer linken Hand hält sie zudem eine goldene Rassel mit kleinen Schellen. Am oberen Ende der Rassel ist ein Stück aus einem dunklen, nicht eindeutig zu definierendem Material zu erkennen. Derartige Aufsätze bestanden in der Regel aus Halbedelsteinen, Korallen oder Perlmutt und dienten als eine Art von Beißring während des Zahnens. Vermutlich wurde die hier dargestellte Rassel nach einem konkreten Vorbild gemalt und befand sich vermutlich wirklich im Besitz von Catharina Hooft. Tatsächlich ist im Nachlass ihres Sohnes, der 1709 kinderlos verstarb, „eine goldene Rassel“ mit exakter Gewichts- und Wertangabe aufgeführt, die möglicherweise von seiner Mutter stammte. Da sich eine erstaunlich große Vielfalt von Rasseln auf niederländischen Kinderporträts des 17. Jahrhunderts finden lässt, geht man heute davon aus, dass es sich in den meisten Fällen um den realen Besitz der präsentierten Kinder handelt.Im Gegensatz zu dem kleinen Mädchen, ist die dargestellte Amme ihrem Status als Bedienstete entsprechend schlicht gekleidet. Sie trägt ein altmodisches, schwarzes Kleid, eine Haube und einen einfachen Faltenkragen. Vor allem jedoch fehlen ihr, die für eine Dame obligatorischen, Manschetten an den Ärmeln. In ihrer Rechten befindet sich eine Birne, die sie empor hält und dem Kind anbietet. Ammen, deren Aufgabe ausschließlich in dem Stillen und Betreuen eines Kindes bestand, nahmen in der Regel im Hausgesinde eine hervorgehobene Stellung ein. Nur wenige Familien der Oberschicht oder des gehobenen Bürgertums konnten sich den Luxus einer Amme leisten, die damit zu einer Art von Statussymbol wurde. Im Gegensatz zu Frankreich oder England, wo viele Kinder zu einer Amme auf dem Land gegeben wurden, handelte es sich in der Republik der Vereinigten Niederlande bei den Ammen um hauseigene Bedienstete. Aufgrund der innigen Bindung zum Kind waren Bezahlung und Wertschätzung der Ammen deutlich höher, als bei anderen Bediensteten. Oftmals blieb auch nach dem Weggang der Frauen eine herzliche Beziehung zu ihnen bestehen. In Frans Hals Porträt kommen die große Vertrautheit und das innige Verhältnis von Amme und Kind, aber auch die deutlichen Standesunterschiede, die sich vor allem in der Kleidung wiederspiegeln, deutlich zum Ausdruck. Möglicherweise wurde das Doppelporträt denn auch als Erinnerungsstück beauftragt. Wie zeitgenössische Dokumente belegen, bewahrte Catharina Hooft ihr Kinderbildnis zeitlebens. Nach ihrem Tod 1691 gelangte es in den Besitz ihres Sohnes Pieter de Graeff, in dessen Nachlassinventar es als »een minne met een Kindje van Frans Hals« (eine Amme mit einem kleinen Kind von Frans Hals) auftaucht.So spontan und natürlich die Berliner Komposition erscheint: die Amme mag derart posiert haben, das einjährige Kind ganz sicher nicht. Es ist Frans Hals Kunstfertigkeit zu verdanken, dass das Bild einen so unkomplizierten, die Figuren einen so eng aufeinander bezogenen Eindruck machen, in dem die Momenthaftigkeit der Erscheinung und die lebensvolle Gegenwärtigkeit in der meisterhaft-illusionistischen Malweise festgehalten wurde.Katja Kleinert | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019______________________________________________________________________________This portrait of a little girl painted by Frans Hals in about 1620 is a great rarity in 17th-century Dutch painting, as she is presented here with her nurse, a highly unusual form of depiction. Furthermore, this painting is the only portrait of a child by Frans Hals that is known today.It represents Catharina Hooft, who was born in 1618 in Amsterdam, her parents’ only child. Shortly afterwards they moved to Haarlem, where her father, the lawyer Pieter Hooft, had bought a house, and where the Berlin portrait was presumably painted. Her uncle was the famous Dutch poet, historian and dramatist Pieter Corneliszoon Hooft. In 1635, at the age of only 17, she married a man 19 years older, the extremely wealthy Cornelis de Graeff, one of the most influential figures in then government of Amsterdam, mayor of the city several times, and also a statesman and diplomat in the service of the province of Holland and the Republic of the United Netherlands. In keeping with her elevated social status, Catharina was shown in 1636 with her husband on two life-sized matching portraits by the Amsterdam painter Nicolaes Eliasz Pickenoy, conscious of her rank as one of the leading ladiesin the country (fig. p. 241).The special social status of the small girl presented here is quickly made apparent by her elaborate clothing. She wears a precious brocade dress, reproduced in faithful detail, with the finest lace. Frans Hals particularly emphasised the bobbin lace by showing the projecting tips of the collar and the bonnet against a dark background. The stiffness of the starched lace, which stands out straight from the body without bent ends, is clearly visible. Although in the 17th century girls and boys were not given gender-specific clothes until their seventh year, it can be seen from details of the costume, for example the flat, broad collar and the slightly angular form of the bonnet, that this child must be a girl. Both girls and boys wore ribbons hanging down at the back from their shoulders, partly as an aid in learning to walk. These can be seen dangling from the top rear of the sleeve of Catharina Hooft’s little dress. In addition to her highly exclusive clothes, Catharina Hooft wears a good deal of golden jewellery, with a pendant that includes a large red stone at its centre. In her left hand, she also holds a golden rattle with small bells. At the top of the rattle is a piece of a dark material that cannot be conclusively identified. Such pieces were usually made of semi-precious stones, coral or mother of pearl, and were used as a kind of teething ring. The rattle shown here was presumably painted according to a specific original and really belonged to Catharina Hooft. Indeed, in the estate of her son, who died childless in 1709, is listed “a golden rattle” with exact details of its weight and value that may have been passed down by his mother. As an astonishing variety of rattles can be seen on Dutch children’s portraits of the 17th century, it is believed today that in most cases they actually belonged to the children portrayed.In contrast to the little girl, the nurse is clothed in accordance with her status as a servant. She wears an old-fashioned black dress, a bonnet and a plain pleated collar. Above all, she lacks the cuffs on her sleeves that were obligatory accessories for a woman. In her right hand is a pear, which she holds up and offers to the child. Nurses, whose tasks consisted exclusively in breast-feeding and looking after a child, usually had a leading position among the household servants. Only a small number of families from the upper class or the higher bourgeoisie could afford the luxury of a nurse, who thus became a kind of status symbol. In contrast to the situation in France and England, where many children were sent out to a nurse in the country, nurses were domestic staff in the Republic of the United Netherlands. In recognition of their close ties to the child, nurses enjoyed considerably higher wages and appreciation than other servants. A warm relationship to these women often remained even after they left. Frans Hals’ portrait clearly expresses the great intimacy and close relationship between nurse and child, but also the large difference in rank, which is reflected above all in their clothing. The double portrait was possibly commissioned as a souvenir piece. As shown by contemporary documents, Catharina Hooft kept the portrait from her childhood to the end of her life. After her death in 1691, it came into the possession of her son Pieter de Graeff and appears in the inventory of his estate as “een minne met een Kindje van Frans Hals” (a nurse with a small child by Frans Hals).Spontaneous and natural as the composition of the work in Berlin seems, the nurse may have posed in this way, but the one-year-old child undoubtedly did not. It is a mark of Frans Hals’ artistry that the painting makes such an uncomplicated impression, the persons portrayed an appearance of such closeness, thanks to his masterly illusionistic manner of painting that captures the momentary nature of the scene and its lifelike presence. Katja Kleinert | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Die Trauernden einer Kreuzabnahme

Die Trauernden einer Kreuzabnahme

Das in Tempera auf Leinwand gemalte Bild gehört zu den wenigen in dieser Technik ausgeführten Gemälden, den sogenannten Tüchlein, die aus dem 15. Jahrhundert erhalten sind. Der empfindliche Farbauftrag und Bildträger sowie das feuchte Klima diesseits der Alpen haben dazu beigetragen, daß die Zahl der Tüchlein gering und ihr Erhaltungszustand oft nicht sehr gut ist. Nicht nur deshalb, sondern auch wegen der halbfigurigen Kompositionsform verdient dieses von Hugo van der Goes geschaffene Werk besondere Beachtung. Dargestellt ist die Gruppe der nächsten Angehörigen Christi, die seinen Tod betrauern. Dicht gedrängt stehen sie beieinander, vereint in ihrem gemeinsamen Schmerz, dem der Künstler auf höchst subtile Weise Ausdruck verliehen hat. Im Vordergrund steht die jugendliche Gottesmutter, die ihre Hände in einer Gebärde tiefer Ergebenheit vor der Brust kreuzt und ihr gesenktes Haupt leicht zur Seite neigt. Bei ihr ist Johannes, der Lieblingsjünger Christi, der ihre Schultern berührt, sie stützt und zu trösten sucht. Lebhafter in den Äußerungen ihrer Trauer erscheint Maria Magdalena, die rechts daneben steht, ihre Hände ringt und den Kopf mit den verweinten Augen zur Seite wendet. Die Gruppe beschließen die beiden anderen Marien, Maria Salome und Maria Jacobi, von denen eine die Hände klagend emporhebt, während sich die andere die Tränen aus den Augen wischt. Den Hintergrund bilden der Hügel Golgathas und ein schmaler Streifen blauen Himmels. Die Farbigkeit des Bildes, in der einst der leuchtendrote Mantel des Johannes und das blaue Kleid Marias die Akzente setzten, wirkt heute matt und gedämpft. Die Komposition und die geschilderte Begebenheit sind unvollständig ohne den Bezugspunkt der Klage und Trauer: die Darstellung des toten Christus, die einst das Gegenstück zu unserem Tüchlein gebildet hat. Die Kopien der beiden Kompositionen, insbesondere die bemerkenswerte Neufassung des Werkes durch Hans Memling (Granada, Capilla Real), vermitteln eine gute Vorstellung von dem ursprünglichen Eindruck der beiden Tüchlein. Erst 1950 ist das vermißte Gegenstück mit der Kreuzabnahme aufgetaucht. Die Darstellung ist hier ganz auf die Präsentation des von drei Männern gehaltenen und dem Betrachter vorgewiesenen Körpers Christi abgestimmt. Den Mittelpunkt bildet der entseelte Leib mit der Seitenwunde und den kraftlos herabhängenden Armen. Der Hügel Golgathas und die Leiter, mit deren Hilfe Christus vom Kreuz abgenommen wurde, sind die einzigen Hinweise auf den Ort der Handlung und den Zeitpunkt des Geschehens. Für das Tüchlein-Diptychon hat sich in der Forschung die Bezeichnung Kleine Kreuzabnahme eingebürgert, im Gegensatz zur sogenannten Großen Kreuzabnahme, einer breitformatigen Komposition des Künstlers, deren originale Fassung nicht mehr erhalten, jedoch durch zahlreiche Kopien überliefert ist. Die anhaltende Bewunderung für die von Hugo van der Goes geschaffenen Kompositionen ist gewiß auch damit zu erklären, daß der Künstler die Bildform des Halbfigurenbildes konsequent auf ein handlungs- und figurenreiches Thema übertragen hat. Es war dies eine kompositionelle und thematische Bereicherung, die die Entwicklung des »erzählenden Halbfigurenbildes« in den Niederlanden bis weit ins 16. Jahrhundert hinein bestimmt hat. | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2010_____________________________________________________________________This picture in tempera on canvas is one of the few 15th-century paintings using this technique to have survived. It shows Christ’s followers mourning his death. In the foreground is the Mother of God, crossing her hand over her breast and inclining her lowered head slightly to the side. Next to her is John, supporting her and trying to comfort her. The group is completed by Mary Magdalene and the two other Marys. In the background the hill of Golgotha and a narrow strip of blue sky can be seen. The composition the event depicted are incomplete without the reference point for the lamentation and mourning. The former companion piece is a depiction of the dead Christ (New York, private collection).| Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2012

Simson und Delila

Simson und Delila

Verse aus dem alttestamentarischen Buch der Richter, die von List und Verrat bestimmt sind, wurden hier von dem preußischen Hofmaler Antoine Pesne bildkünstlerisch umgesetzt. Danach (AT) war der Israelit Simson von Gott dazu auserwählt, sein Volk von der Fremdherrschaft der Philister zu befreien. Aufgrund seiner außergewöhnlichen Kraft kämpfte Simson erfolgreich gegen die Besatzer. Seine Stärke verdankte er seinen ungeschorenen Haaren, denn Gott hatte verfügt, dass kein Schermesser je sein Haupt berühren solle. Die bei den altorientalischen Völkern verankerte Vorstellung, dass üppiger Bart- und Haarwuchs Gewähr für männliche Kraft bietet, fand hier ihren Niederschlag.Simson verliebt sich in die schöne Delila und verrät ihr das Geheimnis seiner übermenschlichen Kraft. Delila verrät Simson an die Fürsten der Philister und gewährt ihnen Zugang zum schlafenden Geliebten. Die Philister schnitten Simson im Schlaf seine Locken ab und nahmen ihm so seine Stärke.Die Gruppe der Hauptfiguren bildet ein gedachtes Dreieck, das auf einem Postament angeordnet ist. Hierdurcch wird eine stabile Komposition geschaffen, welche der Unruhe der Assistenzfiguren entgegenwirkt. Unverkennbar sind die koloristischen Anregungen der flämischen und italienischen Malerei des 17. Jahrhunderts.  Der Franzose Pesne, welcher zu diesem Zeitpunkt bereits in Berlin lebte und für den Preußischen Hof arbeitete, bemühte sich 1719/20 um die Aufnahme in die Pariser Académie royale de peinture et de sculpture. Vorab schickte er seinem Freund, dem Maler und Akademiemitglied Nicolas Vleughels, zur Einschätzung eine Skizze dieser Komposition nach Paris. Möglicherweise studierte auch Jean Antoine Watteau Pesnes Federzeichnung. In der Folge entschloss sich Pesne, eine veränderte Gemäldefassung zu schaffen, mit der er sich dann im Juli 1720 erfolgreich um die Mitgliedschaft in der Pariser Akademie bewarb. Es darf angenommen werden, dass Pesne die Berliner Erstfassung nie nach Paris schickte. Sie dürfte sich später im Eigentum seines bedeutenden Schülers Christian Bernhardt Rode befunden haben.