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Der Jungbrunnen

Ident. Nr.: 593

ObjID: obj:863713

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Lucas Cranach (der Ältere) (1472-1553),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1546
Weitere Titel
Sammlungstitel: Der Jungbrunnen
Übersetzung: The Fountain of Youth
Geografische Bezüge
Material / Technik
Lindenholz
Abmessungen
Tafelmaß: 122,5 x 186,5 cm
Erwerbung
1829/30 Überweisung aus den Königlich Preußischen Schlössern

Objektbeschreibung

Die Sehnsucht des Menschen nach Unsterblichkeit und ewiger Jugend läßt ihn träumen. Er träumt davon, seinen müden, gebrechlichen Leib hinter sich zu lassen und erneuert und jugendfrisch wiederzuerstehen. Hilfe bei solcher Verjüngung versprach man sich von den Vier Elementen, denen man magische, zeugende und reinigende Kräfte zusprach. Erlebt doch jedermann, wie die Natur sich im Kreislauf des Jahres stetig erneuert. Im Frühjahr erwacht sie, reift im Sommer und trägt im Herbst Frucht; sie erstirbt im Winter, um dann erneut wiederzuerstehen. Diese Kräfte, die, immer neu gebärend, junges Leben schaffen, vermochten, so ging der Glaube, auch gealterten Menschen zu neuer Jugend zu verhelfen. Feuer und Wasser sprach man solche magischen Fähigkeiten mit Vorliebe zu. Wie der mythische Vogel Phönix gealtert im Feuer vergehe und zu Asche werde und aus dieser sich glänzend und verjüngt wieder erhebe, so sehne auch der Mensch sich nach Verwandlung. In vielerlei Mythen, Sagen und Märchen spricht sich diese Sehnsucht aus. Weit draußen in der Wildnis, fern von bewohnten Stätten, gebe es eine Quelle oder einen See. Das Wasser darin habe die Kraft, die Spuren des Alters hinwegzuwaschen. Wer darin bade, tauche aus dem Wasser verjüngt wieder auf. Das Thema war zu Cranachs Zeiten wohl jedermann geläufig. Schon im hohen Mittelalter ging die Sage vom Jungbrunnen in die Literatur ein. Im 15. Jahrhundert war ein solches Gedicht des Nürnberger Verseschmiedes Hans Rosenplüt verbreitet. Zwei Jahre nach Cranachs Jungbrunnen verfaßte Hans Sachs ein Gedicht zu dem Thema, mit Motiven, die an dessen Darstellung erinnern. Cranachs Gemälde ist keineswegs die einzige bildliche Fassung, es ist nur das einzige große Tafelgemälde dieses Themas, das wir kennen. In der Graphik ist die Darstellung eines Jungbrunnens nicht selten, auch als Wandgemälde kommt das Thema vor. Der Glaube an die reinigende Kraft des Wassers liegt auch rituellen, religiösen Waschungen zugrunde, die in vielen Religionen verbreitet sind. Die Taufe ist eine solche Reinigung von Sünden. Thomas Murner, der elsässische Humanist, hat in seiner »Badenfahrt« (Straßburg 1514) die Taufe als einen Jungbrunnen der Seele dargestellt. Dieser Gedanke fand auch bildliche Gestalt. Ein Gemälde Jean Bellegambes in Lille zeigt einen Taufstein, gefüllt mit dem Blut Christi. Ein Kruzifix ragt daraus empor wie ein Brunnenstock. Die Tugenden, Caritas und Spes, helfen den Gläubigen in das Bad, das ihre Sünden abwäscht. Der Jungbrunnen Cranachs hingegen ist von mehr weltlicher Art. Er liegt fern von der Stadt, deren Türme im Hintergrund aufragen: ein rechteckiges Becken, zu dem Stufen hinunterführen, zwischen Bergen und Wiesen gelegen. Frauen baden darin. Sie kommen auf dürren steinigen Wegen aus einem unfruchtbaren Bergland, dessen Kargheit sinnbildlich auf die Entbehrungen des Alters hinweist. Hilflos werden sie auf Karren oder Wagen herbeigefahren, auf Tragen oder auf dem Rücken werden sie herbeigeschleppt. Am Beckenrand helfen junge Frauen beim Entkleiden. Ein Doktor wirft noch einen letzten hoffnungslosen Blick auf seine Patientin, ehe diese ins Bad steigt. Als recht unterschiedlich erweisen sich dann die Charaktere. Manche Frauen steigen mutig ins Bad und durchqueren es entschlossen, andere sitzen zögernd am Rand und bedürfen der Überredung oder lassen sich gar hineinziehen. Als hinfällige, greisenhafte Vetteln steigen sie ins Becken. Dort entfaltet sich die zauberhafte Wirkung des Wassers. Wie die Frauen das Becken durchqueren, glätten sich die Runzeln, die graue Haut strafft sich und wird rosig, und rechts am Beckenrand verlassen sie das Bad als mädchenhafte, liebenswerte Frauen. Ein Kavalier empfängt sie und geleitet sie in ein Zelt, wo sie gekleidet werden. In neuem Gewand und geschmückt reihen sie sich ein in den Reigen. Kavaliere unterhalten die Frauen. Eine Tafel lädt zum Mahl. Die Gesellschaft verbringt einen heiteren Tag mit Tanz, Schmausen und mit Liebe. Die Freude am Leben und an der Jugend findet Ausdruck in der heiteren Umwelt. Auf der Seite des Alters sieht man schroffes, steiniges Bergland, hier grüne Wiesen und fruchttragende Pflanzen in einem heiteren Lustgarten. Die Kraft, die den Frauen zu neuer Jugend verhilft, kommt aus dem Wasser. Welcher Art sie ist, deuten die Figuren auf dem Brunnenstock an: Amor, der Gott der Liebe, und Frau Venus, die Göttin der Liebe und der Schönheit, herrschen über den Brunnen. Von ihnen kommt die Kraft, zu verjüngen und zu verschönen. Es ist die Liebe, die das bewirkt. Aber nur Frauen, das fällt auf, baden in dem Becken. Nur sie unterziehen sich der zauberhaften Verwandlung. Des Rätsels Lösung gibt uns ein Zeitgenosse, Rabelais. Er berichtet, wie Pantagruel im »Reich der Quintessenz« unter zahllosen anderen Unmöglichkeiten er fuhr, wie dort die alten Weiber ein- und umgeschmolzen würden, so daß sie wieder jung wie mit fünf zehn oder sechzehn Jahren seien. Befragt, ob denn auch die alten Männer eingeschmolzen würden, antwortet er: nein. Diese verjüngten sich im Umgang mit jungen Frauen. Der Jungbrunnen Cranachs ist also ein Liebesbrunnen. Cranach hat das alte Thema ironisierend umgedeutet und neu ausgelegt, dem höfischen Geschmack seiner fürstlichen Auftraggeber entgegenkommend. Wilhelm H. Köhler | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019

SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. unten, Mitte in Schwarz mit dem Schlangenzeichen mit Vogelflug und dem Datum 1546
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Human beings dream of immortality and eternal youth, of being able to leave behind their weary, frail bodies and to re-emerge fresh and rejuvenated. People used to think that the four elements would help them to attain eternal youth and they attributed to them magical, procreational and cleansing powers. After all, everyone has experienced how nature renews itself every spring, ripens during the summer,
bears fruit in autumn and dies in winter only to emerge anew the following spring. The belief was that the powers that young, continually procreating life generates could also help aged people attain new youth. Fire and water in particular were thought to have such magical properties. For example, the legend of the phoenix, the mythical bird who turns to ash and then rises again fresh and rejuvenated, fired human desire for such a transformation. This desire is expressed in a whole range of myths, legends and fairy tales. Far out in the wilderness, far from places of human habitation, there is a spring or a lake, so the legend goes, where the water has the power to wash away old age. Anyone who bathes in it emerges from the water rejuvenated. In Cranach’s time, this was a widespread legend with which everyone was familiar.

In the High Middle Ages, the legend of the fountain of youth was absorbed into literature. In the 15th century, the Nuremberg poet Hans Rosenplüt wrote a widely known poem on this subject. Two years after Cranach’s Fountain of Youth Hans Sachs also wrote a poem on the theme featuring motifs that recall Cranach’s depiction. Cranach’s painting is by no means the only visualisation of the theme, but it is the only large panel painting devoted to the subject that we know of. In graphic art, the depiction of a fountain of youth crops up quite often and also appears in wall paintings. The belief in the cleansing power of water is founded on the washing rituals that are practiced in many religions. Baptism, for example, is a ritual of washing away a person’s sins. Thomas Murner, the Alsatian humanist, described baptism as a fountain of youth for the soul in his Badenfahrt (Strasbourg 1514).
This idea also appeared in visual form. A painting by Jean Bellegambes in Lille shows a baptism stone filled with the blood of Christ. A crucifix rises out of it like the column in a fountain. The virtues, Caritas and Spes, are helping the believers into a bath that will wash away their sins.

Cranach’s Fountain of Youth, by contrast, is more secular. It lies far from the city whose towers are visible in the background. A rectangular basin with steps leading down to it is located between mountains and meadows. Women are bathing in it. They arrive along barren, stony paths from the infertile mountains whose bleakness symbolically alludes to the privations of old age. They are being wheeled along helplessly in carts or wagons or else carried on stretchers or on people’s backs. On
the rim of the basin, young women are helping them to undress. A doctor throws a last hopeless glance at his patient before she steps into the bath. The scene reveals a whole range of different characters. Some women climb into the basin and then walk through the water determinedly, others sit hesitantly on the edge and have to be talked into bathing or even pulled into the water. They enter the bath as decrepit old hags. But as soon as the women begin to walk through the water it unfolds its magical powers: their wrinkles become smooth, their grey skin becomes firm and rosy and they leave the basin again on the right as charming, girl-like young women. A gentleman receives them and brings them to a tent where they are dressed. Clad in new garments and jewellery they join in the dancing. The gentlemen entertain the women. They are invited to feast at a banqueting table. The assembled company spends the day merrymaking with dancing, feasting and love-making. Their joie de vivre finds expression in their merry surroundings. On the side of old age, there are craggy, stony mountains, but here, on the side of youth, the scene is of green meadows and plants bearing fruit in a serene garden of pleasure. The power that endows the women with new youthfulness comes from the water, and the figures on the fountain column tell us what kind of power this is: for it is Cupid, the god
of love, and Venus, the goddess of love and beauty, who rule over the fountain and from whom the power of rejuvenation and beautification exudes. It is love that brings this about. Strikingly, only women are bathing in the pool. Only they are subjecting themselves to the magical transformation. The solution to this puzzle is offered by a contemporary, Rabelais. He tells us how Pantagruel discovers in the “realm of the quintessential” numerous other impossible ways to rejuvenate women – by melting them down or refounding them – so that they once again resemble 15- or 16-yearolds.
Asked whether old men are melted down too, he answers: no, because they are rejuvenated by spending time with young women. Cranach’s fountain of youth is thus a fountain of love. Cranach has reinterpreted the old theme ironically and retold it to comply with the taste of the princes at court, those who commissioned the painting, in other words. Wilhelm H. Köhler | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 09.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Bildnis eines jungen Mannes

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Versonnen blickt der dunkelhaarige junge Mann nach rechts in die Ferne. Von seinem schwarzen Gewand hebt sich ein kostbarer, weißer Spitzenkragen ab, auf den sein langes Haar fällt. Maratti präsentiert den Dargestellten hier schlicht und unprätentiös, zugleich jedoch sehr würdevoll und elegant. Durch eine Inschrift auf der Rückseite sind uns heute Entstehungsjahr und -ort des Gemäldes bekannt, sowie das Alter des Dargestellten. Als er sich 1663 in Rom porträtieren ließ, war er 24 Jahre und drei Monate alt. Maratti gehörte zu den begehrtesten Malern in Rom und arbeitete für die höchsten gesellschaftlichen Kreise, u.a. auch für Papst Clemens IX., dessen von Maratti geschaffenes Bildnis heute zu den bedeutendsten Porträts des 17. Jahrhunderts zählt.| Britta BodeSIGNATUR / INSCHRIFT: Auf der Doublierleinwand Transkription (des 19. Jh.) einer alten Inschrift: AETATIS VAE XXIV / ET III MENS / IN ROMA 1663 / C.M.F.___________________________________________________________________________With a pensive gaze, a dark-haired young man looks to the right into the distance. His long hair falls on the sumptuous, white lace collar that stands out against his black garment. Maratti presents the portrayed modestly and unpretentiously, yet also elegantly and dignified. An inscription on the back tells us the year and place of creation, as well as the age of the portrayed. In 1663, when he was painted in Rome, he was 24 years and three-months-old. Maratti was one of the most sought after artists in Rome and worked for the social elite, including Pope Clemens IX, whose portrait is considered one of the most important paintings of the 17th century.| Britta Bode

Die Kreuzigung Christi

Die Kreuzigung Christi

Gerard David stammte aus den nördlichen Niederlanden, dem holländischen Oudewater. Einflüsse von Geertgen tot Sint Jans in seinen frühen Werken deuten darauf hin, daß er seine erste Ausbildung in Haarlem erhalten hat. 1484 war er nach Brügge ausgewandert, der Stadt, in der Memling als führender Meister tätig war. Hier wurde er als Mitglied und schließlich als leitender Künstler der Malerzunft vom Magistrat der Stadt mit Aufträgen bedacht. In Brügge entstanden seine Hauptwerke. Hier lebte und arbeitete er, von kurzen Unterbrechungen abgesehen, bis zu seinem Tode. Für einige Zeit scheint er sich in Antwerpen aufgehalten zu haben. Darauf deutet eine Eintragung in den Registern der Antwerpener Malergilde hin, die für das Jahr 1515 die Aufnahme eines »Gheraet van Brugghe, scildere« vermeldet. Brügge hatte damals seine führende Rolle als Hafenstadt durch die Versandung des Swijn, seiner Verbindung zum Meer, eingebüßt, während Antwerpen seinen Rang als neues Handelszentrum auszubauen begann und damit zahlreichen Künstlern neue Verdienstmöglichkeiten eröffnete. Es ist denkbar, daß sich Gerard David den neuen Gegebenheiten auf Dauer nicht mehr an - passen wollte und deshalb nach Brügge zurückkehrte, wo er als der letzte herausragende Vertreter der traditionsreichen Malerei dieser Stadt großes Ansehen genoß. Das Schaffen Davids schlägt eine Brücke zwischen den niederländischen Meistern des 15. Jahrhunderts und den neuen Bestrebungen der Renaissance. Seine Werke zeichnen sich durch eine stille Monumentalität und eine klare Anordnung der plastisch wiedergegebenen Bildfiguren aus, die auf neuartige Weise mit dem sie umgebenden Raum verbunden sind. In dieser Hinsicht bezeichnet die Kunst Davids eine entscheidende Etappe auf dem Weg zu einer einheitlichen malerischen Gestaltung des Bildraumes. Die Darstellung des Christus am Kreuz stammt aus der Spätzeit des Künstlers. Das Kolorit, in dem grüne und blaue Farbklänge dominieren, ist eigentümlich kühl und verhalten, dabei in den nuancenreichen Abstufungen dennoch von höchster Subtilität. Dieser konsequenten Vereinheitlichung der Farbgebung, von der eine starke atmosphärische Wirkung ausgeht, entspricht eine gleichermaßen prägnante wie durch seine Schlichtheit ergreifende Schilderung des Bildgeschehens. Auf der Höhe Golgathas erhebt sich das Kreuz Christi, dessen Querbalken in die Tiefe weisen. Mit geöffneten Augen blickt der Gekreuzigte auf die Leidtragenden zu seinen Füßen herab, auf Maria Magdalena nahe dem Kreuzesstamm, auf Maria, die von Johannes gestützt wird, und auf Maria Salome und Maria Jacobi. Mit den Worten »mulier ecce filius tuus« (Weib, siehe, das ist dein Sohn; Johannes 19, 26) empfiehlt er seine Mutter der Fürsorge seines Lieblingsjüngers. Die verhaltene Trauer der Angehörigen scheint sich auf den Hauptmann und seine Soldaten übertragen zu haben, die still zur Seite getreten sind und sich beraten. Im Hintergrund erkennt man Kriegsknechte, die Golgatha bereits verlassen haben und Jerusalem zustreben. Daran zeigt sich, daß kein bestimmter Augenblick des Geschehens gestaltet ist, sondern daß es dem Künstler darauf ankam, uns dessen zeitlose Bedeutung vor Augen zu führen, wie er es wenig später in dem eindrucksvollen Golgathabild (Genua, Palazzo Bianco) in äußerster Reduktion des Themas getan hat. Der Eindruck der Zeitlosigkeit des Geschehens in unserem Bild verstärkt sich angesichts der weiten Landschaft mit den im blauen Licht des Abends verdämmernden Bergkuppen. Svea Janzen | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2010SIGNATUR / INSCHRIFT: mulier ecce filius tuus_______________________________________________________________Gerard David was born in the Dutch city of Oudewater. In 1484 he moved to Brugge where, with a few interruptions, he lived and worked until his death. David’s work forms a link between the 15th-century Netherlandish masters and the new line taken in the Renaissance. His works have a quiet monumental quality and a clear arrangement of figures, who relate in an innovative way to the space that surrounds them. In this respect David’s work represents a crucial stage on the way towards uniform painterly control over the pictorial space. This scene of Christ on the Cross dates from the artist’s late period. The colouring, dominated by notes of green and blue, is strangely cool and reticent, although extremely refined in its nuanced gradations. The events of the picture are portrayed both succinctly and plainly, corresponding with the consistently uniform colouring, which creates a strongly atmospheric effect. | Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2012

Der Engel weckt den Propheten Elias in der Wüste

Der Engel weckt den Propheten Elias in der Wüste

Das kleine Täfelchen zeigt den Propheten Elias eingeschlafen unter einem Baum. Die Darstellung bezieht sich auf eine in der Bibel erzählte Episode, in der die Flucht des Elias vor der ihm angedrohten Rache für die Ermordung der Propheten des Baal geschildert wird (1. Könige 19,1–8). Ein Engel hat sich über Elias gebeugt. Er versucht, ihn mit einer zarten Berührung an der Schulter zu wecken. Mit dem Zeigefinger seiner Rechten weist er auf einen Laib Brot und einen mit Wasser gefüllten Krug, die neben der herabgesunkenen Hand des Propheten stehen. Alle drei Elemente sind in helles Licht getaucht. Das rosafarbene Gewand des Engels, die blonden Haare seines gesenkten Hauptes sowie die weit ausladenden Flügel mit den schwarzen und weißen Federn sind mit pastos aufgetragenen Pinselstrichen ausgeführt. Die Rinde des kräftigen, die linke Bildhälfte begrenzenden Baumes und das Gestrüpp am Boden sind mit dicken Farbtupfern modelliert.Maltechnische Untersuchungen haben gezeigt, dass sich inmitten des Baumstammes einst ein Schlüsselloch befand. In der Röntgenaufnahme sind an der rechten Seite der Tafel zudem zwei Scharniere zu erkennen. Die Ausführung auf Holz und das kleine Format sind demzufolge auf die Funktion des Gemäldes als Türchen zurückzuführen. Da die im Alten Testament geschilderte Speisung des Propheten Elias mit Wasser und Brot eine häufig verwendete Präfiguration für das Abendmahl darstellt, fungierte die Tafel mit großer Wahrscheinlichkeit als Verschluss eines Tabernakels, das zur Aufbewahrung der Hostien und des Abendmahlkelchs diente. In Spanien sind derartige mit bildlichen Darstellungen versehene Türchen in zahlreichen Predellenzonen von Altarretabeln des 17. Jahrhunderts nachweisbar. Zudem lassen die Röntgenaufnahmen darauf schließen, dass die Tafel einst einige Zentimeter höher war und ein länglicheres Format aufwies.Auf Grund der überaus lockeren, an die venezianische Malerei erinnernden Malweise wurde das Bild, das vormals als Werk Domenico Fettis galt, von Giuseppe Fiocco in das Oeuvre von Francesco Maffei eingeordnet. 1970 wurde es von José Roge lío Buendía auf Grund stilistischer Erwägungen schließlich dem in Madrid tätigen Maler Juan Antonio de Frías y Escalante zugeschrieben. Bei dem abgebildeten Tonkrug handelt es sich seiner Meinung nach zudem um ein Modell, wie es in dem bei Madrid gelegenen Städtchen Talavera de la Reina produziert wird. Für eine Verbindung des Gemäldes mit Spanien spricht ferner die Existenz einer vorbereitenden Zeichnung in der Nationalbibliothek in Madrid, die die zentralen Elemente der Komposition wiedergibt, sowie die Provenienz aus der Sammlung Suermondt, zu der zahlreiche Werke zählten, die der preußische Offizier Andreas von Schepeler während seiner Tätigkeit in Madrid zwischen 1815 und 1823 erworben hatte.Von 1667 bis 1668 hatte Escalante einen 18 Leinwandgemälde umfassenden Zyklus mit alttestamentlichen Präfigurationen der Eucharistie für die Ausstattung der Sakristei des im 19. Jahrhundert zerstörten Convento de la Merced Calzada in Madrid ausgeführt, darunter auch eine Darstellung von Elias und dem Engel, die heute im Museo del Prado aufbewahrt wird. Auch wenn sich Paola Rossi 1991 nochmals für eine Zuschreibung des Berliner Bildes an Francesco Maffei aussprach, so machen die genannten Argumente dennoch plausibel, dass das Gemälde erstens von Escalante geschaffen wurde und zweitens zur Ausstattung des genannten Konvents gehörte, der sich ehemals auf dem heute nach Tirso de Molina benannten Platz in Madrid befand. Vor der Feier des Abendmahls hatte es den Priestern dort bei der Entnahme der Hostien und des Weines die heilsgeschichtliche Erfüllung der Ankündigungen des Alten Testamentes ins Bewusstsein gerufen.| Sven Jakstat___________________________________________________________________________________________________This small panel depicts the Prophet Elijah sleeping under a tree. The scene refers to the Bible’s story of Elijah’s flight from retribution for his killing of Baal’s prophets (1 Kings 19:1–8). An angel bends over Elijah and tries to wake him by gently laying a hand on his shoulder. With the finger of his right hand the angel points to a loaf of bread and a water-filled jug next to the Prophet’s limp hand. All three elements are suffused in bright light. The angel’s rose-coloured robe, the blond hair on his lowered head, and the white feathers of his wings are executed in pastose brushstrokes. The bark of the massive tree and undergrowth bounding the left-hand side of the composition are modelled with thick dabs of paint.Scientific examinations showed that there was once a keyhole in the middle of the tree trunk. X-ray images also revealed two hinges attached to the right end of the panel. These combined with the wooden support medium and the painting’s small format indicate that the work once served as a small door. As the story of Elijah being given bread and water was often used in art to prefigure the Eucharist, it is highly likely that this panel once served as the door covering of a tabernacle where the host and Communion chalice were kept. Numerous examples of such decorated doors in the predella areas of seventeenth-century altarpieces have been found in Spain. Furthermore, the X-ray images indicate that the panel was once several centimetres longer and more elongated in shape.The extremely flowing style of painting, reminiscent of Venetian works, led Giuseppe Fiocco to attribute the painting – previously believed to be by Domenico Fetti – to Francesco Maffei. Stylistic considerations finally led José Rogelío Buendía in 1970 to ascribe it to the Madrid painter Juan Antonio de Frias y Escalante. In Buendía’s opinion, the ceramic jug seen in the painting is based on the types of jugs produced in the town of Talavera de la Reina near Madrid. Further evidence of the work’s Spanish provenance is offered by a preliminary drawing in the National Library in Madrid, which displays the same central elements that appear in the painting, as well as its provenance from the Suermondt Collection, which included numerous works acquired by the Prussian officer Andreas von Schepeler while he was stationed in Madrid between 1815 and 1823.From 1667 to 1668, Escalante completed a cycle of eighteen paintings on canvas with Old-Testament prefigurements of the Eucharist for the sacristy of the now destroyed Convento de la Merced Calzada in Madrid, including a painting depicting the angel and Elijah today held by the Museo del Prado. Even though Paola Rossi once again insisted in 1991 that the Berlin painting should be attributed to Francesco Maffei, the arguments given above make a plausible case both that the painting was made by Escalante and that it belonged to the convent, once located on the square now named for Tirso de Molina. The painting served to remind priests of the salvific fulfilment of the Old Testament’s prophecies when they went to remove the host and wine before distributing Holy Communion.| Sven Jakstat