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Die thronende Maria mit dem Kind, dem heiligen Dominikus und der heiligen Katharina von Siena (Rosenkranzmadonna)

Ident. Nr.: 71.1

ObjID: obj:863728

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Francesco Solimena (1657 - 1747),
Maler*in
Datierung
Ausführung: um 1680
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die thronende Maria mit dem Kind, dem heiligen Dominikus und der heiligen Katharina von Siena (Rosenkranzmadonna)
Die thronende Maria mit dem Kind, dem Heiligen Dominikus und der Heiligen Katharina von Siena
Rosenkranzmadonna
Übersetzung: The Virgin and Child Enthroned, with Saint Dominic and Saint Catherine of Siena / The Madonna of the Rosary
Geografische Bezüge
Italien,
Land
Material / Technik
Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 242,5 x 168,6 cm

Objektbeschreibung

Mit dem 1971 erworbenen Altarbild der Rosenkranzmadonna von Solimena ist neben Giordano, von dem die wiedervereinigte Gemäldegalerie nun sieben Werke besitzt, auch der zweite große Meister der Neapolitaner Hoch- und Spätbarockmalerei in der Sammlung vertreten. Daneben sind noch die beiden Bilder von Solimenas etwas älterem Zeitgenossen Paolo De Matteis und das Gemälde seines bedeutenden Schülers und Nachfolgers Francesco De Mura zu nennen. Schon seit den frühen neunziger Jahren, seit Giordano 1692 für zehn Jahre als Hofmaler nach Madrid ging, und zumal seit Giordanos Tod 1705 war Solimena zu der die Neapler Kunstszene absolut beherrschenden Künstlerpersönlichkeit geworden. Die Rosenkranzmadonna ist ein um 1680/81 gemaltes Frühwerk, knapp zwei Jahrzehnte nach Giordanos heiligem Michael entstanden. Damals hatte Solimena noch nicht jenen kühlen, am Klassizistisch-Akademischen orientierten Stil und jene dunkle, kühle Farbskala entwickelt, die typisch für ihn werden sollte. Der Stil der Rosenkranzmadonna und der verwandten Werke der Zeit um 1680 zeichnet sich vielmehr durch eine helle, leuchtende Farbigkeit mit Betonung von Weiß und Hellrot, durch blühende, schwellende Formen, lockere Modellierung, sehr pastose Malweise und flüssige Pinselschrift aus, stilistische Symptome, in denen sich der Einfluß Luca Giordanos und des in Rom und Florenz wirkenden Pietro da Cortona auswirkt. Die Rosenkranzmadonna, das heißt die Madonna mit dem Christkind, das dem heiligen Dominikus, dem Ordensgründer der Dominikaner, den Rosenkranz überreicht, während die heilige Katharina von Siena, die wichtigste weibliche Heilige des Ordens, das Christkind inbrünstig anbetet, muß als Altarbild für die Rosenkranzkapelle einer Dominikanerkirche entstanden sein. Die bildliche Darstellung der Rosenkranzmadonna kam im späten 15. Jahrhundert auf, fand aber erst im Laufe des 16. Jahrhunderts stärkere Verbreitung, vor allem seit der Stiftung des Rosenkranzfestes (1573) durch Papst Gregor XIII. in Erinnerung an den Sieg über die Türken bei Lepanto (1571). Während die Darstellungen im 16. Jahrhundert in ganz Italien und auch im 17. Jahrhundert außerhalb Roms die Madonna mit einer Vielzahl anbetender Figuren zeigen, beschränkt sich Solimena auf die beiden Haupt heiligen, den Ordensgründer und die heilige Katharina von Siena (1347-1380, heiliggesprochen 1461). Das Kompositionsschema mit nur zwei Heiligen wurde in der römischen Malerei sehr bald vorherrschend. In Neapel wurde dieser Typus durch den Maler Giovanni Lanfranco eingeführt, der von 1602 bis 1633 in Rom gewirkt hatte und 1634 nach Neapel übergesiedelt war. Sein für die Kartause von S. Martino in Neapel bestimmtes, heute in Afragola befindliches Altarbild der thronenden Madonna mit zwei Kartäuserheiligen (das auf seine eigene Rosenkranzmadonna in Perugia zurückgeht), wurde der Prototypus, auf den auch Solimena in seinem Berliner Bild zurückgriff. Ähnlichkeiten gab es auch hinsichtlich der großen roten Draperie, die in Lanfrancos Bild von einem großen Engel oben links in der Ecke gestützt wird. Einen ähnlichen Engel hatte Solimena ursprünglich an analoger Stelle gemalt. Er hielt mit der linken Hand einen Rosenkranz über Marias Haupt. Ein weiterer fliegender Putto machte sich weiter rechts an der Draperie zu schaffen. Das Röntgenbild zeigt beide Figuren ganz deutlich. Erich Schleier | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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With the acquisition in 1971 of the Madonna of the Rosary altarpiece, Solimena became – alongside Giordano, seven of whose works are now owned by the reunified Gemäldegalerie – the second great master of the Neapolitan High and Late Baroque to be represented in the collection. Present, moreover, alongside the two pictures by Solimena are works by his somewhat older contemporary Paolo De Matteis and a painting by Francesco De Mura, an important student and follower. By the early 1690s, with Giordano departing for Madrid in 1692, where he spent ten years as court painter (and especially after Giordano’s death in 1705), Solimena became the indisputably dominant personality on the Neapolitan art scene. The Madonna of the Rosary is an early work, which dates from circa 1680–81, and hence two decades after Giordano’s Saint Michael. At that time, Solimena had not yet developed the chilly style, with its classical and academic orientation and dark, cool chromatic scale, that would become so typical of him. The style of the Madonna of the Rosary and related works executed around 1680 are characterized instead by bright, luminous colours with an emphasis on white and pale red, by vivid, curvaceous forms, relaxed modelling, and by highly impasto paint application and fluid brushstrokes, stylistic symptoms that reflect the influence of Luca Giordano, as well as of Pietro da Cortona, who was active in Rome and Florence.

The Madonna of the Rosary – which is to say the Madonna with the Christ Child, who presents Saint Dominic, the founder of the Dominican order, with the rosary, while Saint Catherine of Siena, the most important saint of the order, passionately adores the Christ Child – must have been produced as an altarpiece for the rosary chapel of a Dominican church.

Depictions of the Madonna of the Rosary first emerged during the late 15th century, becoming widely disseminated however only in the course of the 16th century, in particular beginning with the institution by Pope Gregory XIII of the Feast of the Rosary in 1573 in memory of the victory over the Turks at Lepanto (1571). While in the 16th century throughout Italy, and in the 17th outside of Rome, compositions commonly depicted the Madonna with a multiplicity of adoring figures, Solimena restricts himself to the pair of principal saints, the founder of the order and Saint Catherine of Siena (1347–80, canonized 1461).

The compositional scheme with only two saints would soon become predominant in Roman painting. In Naples, this type was introduced by the painter Giovanni Lanfranco, who had worked in Rome from 1602 until 1633, and resettled in Naples in 1634. His altarpiece of the enthroned Madonna with two
Carthusian saints (which goes back to his own Madonna of the Rosary in Perugia), today in Afragola and originally intended for the Charterhouse of San Martino in Naples, became the prototype upon which Solimena relies in his Berlin picture. There are also evident similarities with regard to the extensive red drapery, supported in Lanfranco’s picture by a large angel at the upper left corner. Originally, Solimena painted a similar angel in an analogous position. This figure held a rosary in its left hand above Mary’s head. Further to the right, an additional airborne putto was also occupied with the drapery. Both figures are revealed quite clearly by X-ray imagery. Erich Schleier | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 25.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Giovanni Mocenigo (1508-1580)

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Der Porträtierte wurde 1954 von Rodolfo Pallucchini überzeugend als Giovanni Mocenigo identifiziert, dem jüngeren Bruder des Dogen Alvise I. Mocenigo. Giovanni bekleidete hohe Staatsämter in Venedig, unter anderem als Consigliere und Savio del Consiglio. Ein enges persönliches Verhältnis verband ihn mit seinem Bruder; nach dem Tod des kinderlosen Dogen fielen dessen Erbansprüche an Giovannis Kinder. Beide Brüder erscheinen gemeinsam in einem Votivbild Tintorettos, das um 1575 entstand und sich heute in der National Gallery of Art in Washington befindet (Samuel H. Kress Collection; Inv.-Nr. 1961.9.44). Es zeigt den Dogen Alvise Mocenigo und seine Frau gemeinsam mit seinem Bruder Giovanni sowie dessen Söhnen vor der Jungfrau mit dem Kind. In diesem Gemälde wurden vier der dargestellten Köpfe – darunter der Giovanni Mocenigos – offenbar nach dem lebenden Modell auf kleineren Leinwänden gemalt und anschließend in die größere Komposition eingefügt. Dieses Werk ermöglichte Pallucchini die Identifizierung des Berliner Porträts. In dem Einzelporträt Giovannis in der Gemäldegalerie wählte Tintoretto das in seinem Porträtschaffen ungewöhnliche Brustbildformat. Im Vergleich zum Gemälde in Washington erscheint Giovanni Mocenigo hier gealtert; das Berliner Porträt dürfte daher kurz vor seinem Tod im Jahr 1580 entstanden sein. Unter Verzicht auf die repräsentative Würde, die Tintorettos Halb- und Dreiviertelfigurenporträts sonst auszeichnet, ging es dem Künstler hier um eine geistige Erfassung und psychologische Durchdringung des Dargestellten. In der Ausstrahlung dieses durch den musternden Blick Distanz schaffenden, zugleich aber in seiner Schlichtheit und Direktheit intim wirkenden Porträts gehört das Werk zu den bedeutenden Leistungen Tintorettos im Bereich der Porträtmalerei. | Aus: Gemäldegalerie. Katalog der ausgestellten Gemälde des 13.-18. Jahrhunderts 1975 (2025 aktualisiert von Sven Jakstat)