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Pfingstretabel

Ident. Nr.: 1143

ObjID: obj:863750

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Alvise Vivarini (1445/46 - 1503/05),
Maler*in
Ausführung: Antonio Vivarini (um 1420 - vor 1484),
Maler*in
Weitere Titel
Sammlungstitel: Pfingstretabel
Übersetzung: Pentecost Altar
Geografische Bezüge
Italien,
Land
Material / Technik
Pappelholz
Abmessungen
Bildmaß: obere Mitteltafel 91 x 127 cm

Objektbeschreibung

Das sechsteilige, monumentale Altarwerk zeigt im Mittelbild des unteren Registers das Pfingstwunder. Maria kniet in der Bildmitte, umgeben von den Aposteln, während Gottvater den Heiligen Geist aussendet. Das Ereignis ist in einer offenen Loggia situiert, durch die der Blick auf die Landschaft hinausgleitet. Dieser Durchblick löst einerseits die Tiefenwirkung der Komposition aus, andererseits macht er das Licht selbst zum Protagonisten des Geschehens. Auf den Seitenflügeln des unteren Registers sind jeweils zwei Heiligenpaare zu sehen: linker Hand sind es die Heiligen Franziskus und Antonius von Padua, rechter Hand die Heiligen Bernhardin von Siena und Ludwig von Toulouse. Im darüberliegenden Geschoß erscheinen zwei weitere Heiligenpaare, die als Halbfiguren abgebildet sind: links Paulus und Viktor und gegenüber Johannes und Hieronymus. Die durch die Rahmenform erhöhte Mitteltafel enthält den Schmerzensmann, von Engeln verehrt. Im Veneto ist das Pfingstgeschehen eher selten im Mittelbild eines Altarwerks anzutreffen. Die Ikonographie dürfte im vorliegenden Fall vornehmlich dem ursprünglichen Aufstellungsort – der dem Heiligen Geist geweihten Franziskanerklosterkirche zu Feltre – Rechnung tragen, wie Mauro Lucco mit Recht vermutet hat (1986). Daß das Altarwerk aus dem nahe Belluno gelegenen Dolomitenort Feltre stammt, wird durch weitere ikonographische Gegebenheiten gestützt: Der Stadtpatron Feltres, der heilige Viktor, ist unter den Figuren des oberen Registers. Schließlich handelt es sich um eine Klosterkirche des Franziskanerordens, weshalb dessen Hauptheilige – Franziskus, Antonius von Padua, Bernhardin von Siena und Ludwig von Toulouse – prominent auf den unteren Seitentafeln versammelt sind. Die Ausführung dieses aufwendigen Polyptychons hatte – darüber besteht in der Forschung weitgehende Übereinstimmung – die große Werkstatt der Künstlerfamilie Vivarini übernommen, umstritten bleibt dabei allerdings der genaue Anteil einzelner Mitglieder dieses Familienbetriebs wie auch die Frage, ob der ebenfalls im Veneto aktive, zuweilen mit Alvise Vivarini kooperierende Jacopo da Valenza an der Ausführung mitwirkte. Die Entstehungszeit läßt sich auf ca. 1478 bis 1480 eingrenzen. 1477 hatten die Franziskaner einen Nachlaß von 100 Dukaten zur Erneuerung ihrer Kirche erhalten. Das Polyptychon wird für den dortigen Hauptaltar bestimmt gewesen sein und dürfte mit dieser Summe in Zusammenhang stehen. Das Altarwerk gehört zu den gewaltigsten Retabelarchitekturen des Veneto. Zwar leugnet die Einteilung in übereinandergestellte Bildfelder kaum die gotische Prägung des Ganzen und damit die feste Anbindung an traditionelle Bildformate und -typologien, doch weisen die Kompositionen der einzelnen Tafeln zahlreiche originelle Bildlösungen auf. Das Pfingstgeschehen ist in der Vierung eines Sakralbaus situiert – die architektonische Inszenierung dürfte eine Verschränkung mit dem realen Raum, in welchem das Polyptychon einst zur Aufstellung kam, intendiert haben. Ebenso führt der Blick hinaus in eine offene Landschaft, womit die Begrenzung des realen Raumes zugleich betont wie durchbrochen wird. Augenfällig ist die monumentale Wirkung der stehenden Heiligen auf den Flügeln, die mit einer hohen Aufmerksamkeit für Detailrealismus ausgeführt sind. Zwar kommt es zwischen den Seiten- und der Mitteltafel zu einem Kontrast der Größenverhältnisse, doch ist diese Divergenz der Absicht geschuldet, die Tiefenwirkung der zentralen Szene durch die großen, dem Betrachter näher erscheinenden Seitenfiguren zu steigern, so daß das Pfingstgeschehen weiter in den Raum zurückversetzt wirkt. Bemerkenswert ist die einheitliche Lichtregie. Bei den Heiligen auf der linken Seitentafel rührt ein Schlagschatten von der gleichen seitlichen Beleuchtung her, die für den Schattenwurf in der zentralen Szene verantwortlich ist. Das hier gezeigte, im Kirchenjahr hochbedeutsame Pfingstereignis wird in der Scholastik als »zweite Taufe« Mariens und der Aposteln angesehen. Nicht mit Wasser werden diese getauft, sondern mit den Feuerzungen des Heiligen Geistes. Vor diesem Hintergrund lieferte das Bild dem Gläubigen eine geeignete Projektionsfläche für seine Hoffung auf Teilhabe am göttlichen Geist und damit auf die eigene Erlösung. In diesem Zusammenhang ist schließlich auch die Darstellung des von Engeln verehrten Christus im Grabe zu verstehen. Durch den Tod des Heilands ist die Voraussetzung für die Einlösung des Heilsversprechens gegeben, das eine seiner wirkmächtigsten, zugleich abstraktesten Formeln im Pfingstgedanken hat. Der Opfertod Christi ist damit exem plum für den Gläubigen. In der Nachahmung Christi, gerade für den Franziskanerorden, ist dies ein zentraler Gedanke, bereitet sich der Christ doch auf den Empfang des Heiligen Geistes vor. Die Apostelgeschichte (Kap. 2) berichtet über den Moment des Pfingstgeschehens, daß die Apostel »einmütig beieinander« waren und der Heilige Geist »in Zungen zerteilt wie von Feuer« vom Himmel auf sie herabkam. Da zwei unterschiedliche Realitäts - ebenen miteinander verwoben werden – das Pfingstgeschehen und die Anwesenheit der Franziskanerheiligen – besteht das Altarwerk aus getrennten Bühnenräumen. Die Heiligen auf den Seitenflügeln stehen auf zum Betrachter hin stufenartig abgeschrägten Granitpodesten, während die Szene des Pfingstfestes auf einem Plattenboden stattfindet. Ein Raumkontinuum ist bewußt vermieden worden. Es verdichtet sich das Gesamtbild auf die Aussage, daß die »neuen« Heiligen des Franziskanerordens das Geschehen – die Sendung der Apostel durch den Geist und damit die Inkraftsetzung des Apostolats – bezeugen. Die prominente Inszenierung der Franziskaner gleichsam als Rahmung des biblischen Ereignisses visualisiert damit einen Kerngedanken des Franziskanerordens: Ihre Angehörigen sahen sich als neue Apostel und leiteten die eigene Sendung direkt von der Aussendung der ersten Apostel ab. Insofern legitimiert das Pfingstgeschehen franziskanisches Handeln. Die Größe des Polyptychons legt nahe, daß Feltre damals ein bedeutenderes Zentrum dieses Ordens war, möglicherweise wurde dort eine Klosterschule betrieben. Mit der Vergrößerung des Chores von Santo Spirito wurde das Altarwerk vermutlich aus dem Kirchenraum entfernt. Während man über seine ältere Historie nichts weiß, ist es im frühen 19. Jahrhundert in Belluno in der Sammlung des Conte Marino Pagani nachgewiesen. Von dort gelangte es wahrscheinlich in den Besitz Edward Sollys, der seine umfangreiche Sammlung 1821 dem preußischen König überließ. Die Tafeln des oberen Registers wurden nach 1945 im Bodemuseum ausgestellt und gehörten damit zum Bestand der auf der Museumsinsel, im Ostteil der Stadt, verbliebenen Gemälde, während die Mitteltafel zusammen mit den Flügeln in der Dahlemer Galerie gezeigt wurde. Mit der Vereinigung beider Sammlungsteile konnten die einzelnen Kompartimente wieder zusammengeführt werden. Seit 2006 ist das imposante Altarwerk mit einer an originale Einfassungen des 15. Jahrhunderts angelehnte, durch aufwendiges Schnitzwerk verzierte Rahmenarchitektur im Bodemuseum ausgestellt. | Stefan Weppelmann

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Die Auferstehung Christi

Die Auferstehung Christi

»Nun, da ich die Methoden dieser Kunst zu verstehen beginne, grämt es mich, dass sie mir nicht den Auftrag erteilen, das gesamte Rund der Stadtmauern von Florenz mit Geschichten zu bemalen.« Diese Aussage soll Domenico Ghirlandaio gegenüber seinem Bruder Davide geäußert haben, nachdem er den Chor der Dominikanerkirche S. Maria Novella ausgeschmückt hatte. Die Fresken sind heute nochzu sehen und gehören zu den künstlerischen Höhepunkten eines Florenzbesuchs. Doch Ghirlandaio war nicht nur ein bemerkenswerter Freskant, er ist auch für die Gemälde des Hochaltars verantwortlich, die Anfang des 19. Jahrhunderts veräußert wurden. Die Mitteltafel der Vorderseite, Maria mit dem Kinde und Heiligen, befindet sich heute in der Alten Pinakothek in München; die heute in der Gemäldegalerie in Berlin aufbewahrte Auferstehung nahm die Rückseite des Altarbilds ein, die nur für die Priester sichtbar war. Um die Mitteltafel und an den Seiten waren drei Heiligenpaare angeordnet. Zwei dieser Heiligen befanden sich einst in der Gemäldegalerie und wurden vermutlich im Mai 1945 in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zerstört (Abb. links).Die Auferstehung zeigt Jesus Christus am Ostermorgen, wie er dem Grab entsteigt und die vier römischen Soldaten, die es bewachen, in Schrecken versetzt. Ghirlandaio wich hier stark vom Inhalt der Heiligen Schrift ab: Das Grab Christi befand sich in einer Höhle und nicht unter freiem Himmel und keinesfalls wies es die Inschrift INRI auf (Jesus von Nazareth, König der Juden), die oben an seinem Kreuz angebracht gewesen sein soll. Auch der Pelikan, der seine Jungen mit demeigenen Blut nährt, entwickelte sich erst viel später zu einem Symbol Christi. Der Maler wollte hier die Theatralik der Szene betonen: Jesus scheint beinahe von einer unsichtbaren Maschinerie in die Luft gehoben, während die Soldaten ihre Überraschung und Angst zu überspielen suchen. Während des 19. Jahrhunderts erfuhr Ghirlandaio für seinen Sentimentalismus große Bewunderung, wurde von einigen Ästheten genau aus diesem Grund jedoch auch stark kritisiert. Der Landschaft in diesem Gemälde gebührt die gleiche Beachtung wie der bemerkenswerten Szene im Vordergrund. Auf der linken Seite nähern sich die drei Marien, die gleich das leere Grab Christi entdecken werden (ihre Namen variieren je nach Evangelium). Dahinter erkennt man im blauen Dunstschleier eine Stadt imflämischen Stil, mit einer besonderen Nähe zur Malweise des Hugo van der Goes. Am 28. Mai 1483 traf Van der Goes’ Bild für den Hochalter von S.’Egidio in Florenz ein (jetzt in den Uffizien), Domenico Ghirlandaio änderte daraufhin seine Vorstellung von Tafelmalerei.Ghirlandaio vollendete weder das Altarbild für S. Maria Novella, noch war es ihm vergönnt, die Stadtmauern von Florenz zu bemalen, wie er gehofft hatte: 1494 starb er im Alter von 45 Jahren an der Pest. Es hat etwas Bewegendes, stellt man sich vor, dass der Tod den Maler während der Arbeit an dieser Auferstehung ereilte, deren Botschaft die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod enthielt. Giorgio Vasari zufolge wurde dieser Teil des Bildes von Ghirlandaios Brüdern Davide undBenedetto fertiggestellt. Kritiker stimmen jedoch darin überein, dass die Landschaft von einem anderen Künstler stammen muss, in dem man Ghirlandaios Schüler Francesco Granacci sah, der heute als Pseudo Granacci bezeichnet wird. Trotz dessen Mitwirkens kann die Auferstehung als eines der letzten Meisterwerke von Domenico Ghirlandaio gelten. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________________“Now that I have begun to understand the methods of this art, it grieves me that they will not commission me to paint the whole circuit of the walls of the city of Florence with stories.” This is what the painter Domenico Ghirlandaio is reputed to have said to his brother Davide, after having finished decorating the choir of the Dominican Church of Santa Maria Novella. The frescoes are still in place and are one of the highlights of any visitor who discovers Florence. But Ghirlandaio was not only a remarkable fresco painter: he was also responsible for the gigantic altarpiece adorning the chapel, dispersed at the beginning of the 19th century. The Virgin and Child in Glory among Saints which occupied the central compartment on the front side is now to be seen in Alte Pinakothek in Munich; as for the present Resurrection now in the Gemäldegalerie in Berlin, it was on the other side of the altarpiece, only visible to priests. Around the central panels and on the lateral sides of the altarpiece, three pairs of saints were displayed; two of these saints, once part of the collection of the Gemäldegalerie, were probably destroyed in May 1945 in the last days of the Second World War (fig. left).The Resurrection shows Jesus-Christ on Easter morning, coming out of his tomb, to the complete astonishment of the four Roman soldiers charged to guard his sepulture. Ghirlandaio freed himself largely from the Holy Scriptures: Christ’s tomb was set in a cave and not in the open air; and it was certainly not inscribed with the acronym “I.N.R.I.” (Jesus Christ King of Nazareth), placed instead on top of his cross, nor with the Pelican who fed his children with his blood, a symbol of Christ adopted much later (it is true that the inscription appears to have been painted over a former one). What mattered for the painter was to accentuate the theatrical character of the scene: Jesus seems to be pulled into the air by some backstage machinery, while the soldiers over-play their surprise and their fear. During the 19th century, Ghirlandaio was greatly admired for his sentimentalism; and also despised by a few aesthetes for this very reason.The landscape of this painting is to be admired on the same level as the ostentatious foreground. On the left side, we see the three Mary who, soon, will discover the empty tomb of Christ (their identities vary according to the gospels). Further on, one distinguishes a city in a blue mist, painted like in a Flemish style, and close in particular to Hugo van der Goes. On 28 May 1483, the high altarpiece of the church of Sant’Egidio, painted by Van der Goes, had arrived in Florence (it is now in the Uffizi); from that moment on, Domenico Ghirlandaio changed his conception of panel painting.Ghirlandaio did not have time to finish the Santa Maria Novella altarpiece, nor to fresco the whole circuit of the walls of Florence, as he had hoped: he died from the plague in 1494, only aged 45. There is something moving about imagining the painter agonizing while trying to complete this Resurrection, whose religious message is to give hope in a life after death. According to Vasari, this part of the altarpiece was completed by the painter’s brothers, Davide and Benedetto; but critics nowagree that the landscape is due to another artist, long confused with the pupil of Ghirlandaio Francesco Granacci and now known as the “Pseudo Granacci”. Despite the latter’s intervention, one can fully consider the Resurrection as one of the last masterpieces by Domenico Ghirlandaio. Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019