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Helios und Phaëton mit Saturnus und den vier Jahreszeiten

Ident. Nr.: 478

ObjID: obj:863862

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Nicolas Poussin (1594 - 1665),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1629 - 1630
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Helios und Phaëton mit Saturnus und den vier Jahreszeiten
Übersetzung: Helios and Phaëton with Saturn and the Four Seasons
Geografische Bezüge
Herstellungsort: Frankreich,
Land
Material / Technik
Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 125,1 x 155,7 cm
Erwerbung
1829/30 Überweisung aus den Königlich Preußischen Schlössern

Objektbeschreibung

Die komplexe, relativ seltene Darstellung hat ihre Quelle in den Metamorphosen des Ovid (II, 19-48), die durch die Übersetzung und Überarbeitung von Giovanni Andrea dell`Anguillara (Le Metamorfosi di Ovidio, 1561) zugänglich waren. Der junge Phaëton kniet vor seinem Vater, dem Sonnengott Helios (auch mit Apoll identifiziert) um ihn zu bitten, den links in Hintergrund von den Horen vorbereiteten Sonnenwagen für einen Tag herzuleihen. Ein Wunsch, der tödliche Konsequenzen für den Jungen haben sollte. Helios, unter einem Bogen von Tierkreiszeichen sitzend, ist mit der Leier Apolls gekennzeichnet, Personifikationen der Jahreszeiten umgeben ihn: Zu seiner rechten Seite verkörpert eine junge von Blumen gekrönte Dame den Frühling und reicht Blumen an einigen Amoretten; hinter Phaëton sitzt der Sommer als Frau mit einem Spiegel in den Händen; im Vordergrund liegt rechts der schlafende, betrunkene Herbst neben einer Vase voller Trauben; links die sitzende, frierende Figur des Winters, zu dessen Füßen zwei mit glühender Kohle gefüllten Kohlenbecken ein wenig Abwehr gegen die Kälte leisten. Hinter dem Winter schließlich läuft die geflügelte Darstellung der Zeit, der Titan Chronos, der allerfressende Vater von Zeus. Der greise Gigant isst - wie von Alessandro Della Latta anerkannt - einen Stein: Es war ein Trick seiner Frau Rea, die vermeiden wollte, dass auch Zeus wie der übrige Nachwuchs von Chronos gefressen wurde, und das Neugeborene durch einen Stein ersetze.
Dieses berühmte Gemälde wurde durch Nicolas Pérelle vor 1666 und später auch von dem Florentiner Cesare Fantetti seitenverkehrt gestochen. Höchstwahrscheinlich handelte es sich zudem um jenes Werk, das zwecks Begutachtung vom Maler und Kunsthändler Jean-Michel Picart in der Académie royale de peinture et de sculpture im Jahr 1674 vorgestellt wurde. Es ist ebenso möglich, wenngleich nicht sicher, dass unser Bild mit dem als „Jahreszeiten“ bezeichneten Gemälde identisch ist, das im Inventar des Sammlers Michel Passart 1684 aufgelistet wird. Seit 1773 gehörte die mythologische Darstellung zur Sammlung Friedrichs II., und wird in Oesterreichs Beschreibung des Neuen Palais in Potsdam aufgeführt.
In der Vergangenheit wurde das Werk zu spät datiert (1633-38), doch scheint es unmittelbar vor 1630 ausgeführt worden zu sein. Es gibt kompositorische Elemente, die z.B. an Poussins Parnass (Madrid, Museo del Prado, 1629: die Figur des Apoll) erinnern oder an dessen Tod des Germanicus von 1628 (Minneapolis, Institute of Arts); letzteres gleicht dem vorliegenden Werk auch in der Farbgebung. Die neovenezianisch orientierte Palette und die antiken Inspirationen schaffen eine Verbindung zu Poussins mythologischen Szenen der späten 20er-Jahre, bei denen es sich um freie Adaptionen von Werken Tizians handelt, besonders auffällig beispielsweise zu dem Midas und Bacchus der Alten Pinakothek, München. In dem herrlichen, damals in der Sammlung des Kardinals Mazarin, jetzt im Institute of Arts in Detroit befindlichen, Gemälde Diana und Endymion finden sich erhebliche Ähnlichkeiten, dazu ein ähnliches Format - identisch in der Höhe, aber 15 Zentimeter breiter -, was eine Wirkung als Pendant des vorliegenden Bildes nicht ausschließt. Auch thematisch gesehen wäre eine Verbindung mit dem Helios und Phaeton nicht auszuschließen, etwa, wenn man das Motiv des von vier Pferden gezogenen Wagens von Apoll/Helios im Hintergrund oben betrachtet. Ebenfalls in Poussins römischen Jahren, doch ein wenig später, wiederholte der Künstler den Wagen des Apoll/Helios, abermals vom Zodiakus umgeben, hoch am Himmel in seinem Reich der Flora (Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister), einem Auftrag des Marquis Valguarnera von 1631. Die Figur des Apoll im Berliner Bild wiederholt sich im Parnass des Prado und in der Figur des Crocus im Dresdener Reich der Flora, einem Meisterwerk der ersten römischen Jahre. Roberto Contini | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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This intricate, relatively uncommon pictorial theme has its source in the Metamorphoses of Ovid (II:19–48), which was made accessible in Italian through a translation and reworking by Giovanni Andrea dell’Anguillara (Le Metamorfosi di Ovidio, 1561). The young Phaeton kneels before his father, the sun god Helios (who is also identified with Apollo) and requests permission to borrow the sun chariot, being prepared by the Horae and visible here in the left-hand background, for one day. This desire will have fatal consequences for the youth. Helios, who is seated beneath an arch decorated with zodiacal symbols, is identified by Apollo’s lyre, and surrounded by personifications of the seasons: the young woman on his right, crowned with flowers, and shown proffering flowers to a number of cupids, embodies Springtime; seated behind Phaeton is Summer, who takes the form of a woman holding a mirror in her hands; reclining on the right foreground next to a vase filled with grapes is the sleeping, inebriated Autumn; and visible to his left is the seated, freezing figure of Winter, at whose feet a pair of braziers, filled with glowing coals, provide a minimal defence against the cold. Striding along behind Winter, finally, is the winged personification of Time, the Titan Chronos, the all-devouring father of Zeus. The aged giant eats – as recognized by Alessandro Della Latta – a stone: this was a trick of his wife Rea, who wanted to avoid having Zeus devoured by Chronos alongside her other offspring, and who therefore replaced the newborn with this object.

This famous painting was engraved by Nicolas Pérelle before 1666, and later by the Florentine artist Cesare Fantetti as well, this time laterally reversed. In all likelihood, moreover, this was the same work that was presented by the painter and art dealer Jean-Michel Picart to the Académie royale de peinture et de sculpture in 1674 for their appraisal. It also seems possible, despite some uncertainty that the Berlin picture is identical with the painting referred to as “Seasons” in the inventory of the collector Michel Passart in 1684. Beginning in 1773, this mythological composition was part of the collection of Frederick the Great, and was included in Oesterreich’s description of the Neues Palais in Potsdam.

In the past, this work has been given a date that seems too late (1633–38), for it seems to have been executed just before 1630. Certain compositional elements are reminiscent for example of Poussin’s Parnassus (Madrid, Museo del Prado, 1629: the figure of Apollo), or of his Death of Germanicus of 1628 (Minneapolis, Institute of Arts); the latter painting is also close to the present picture with regard to the colour scheme. The colour palette, with its neo-Venetian orientation, and the inspiration from antiquity, represents a connection to Poussin’s mythological scenes from the late 1620s, which involve free adaptations of works by Titian, an especially striking example being the Midas and Bacchus in the Alte Pinakothek in Munich. Detectable in the marvellous painting Diana and Endymion, formerly in the collection of Cardinal Mazarin and now in the Institute of Arts in Detroit, are significant similarities, and these include the format (identical in height, but 15 cm wider), suggesting the possibility that it functioned originally as a pendant to the present picture. Thematically as well, a connection with Helios and Phaeton cannot be excluded, particularly when we consider the motif of the chariot of Apollo/Helios in the background, a quadriga drawn by four horses. Also in the Roman years, albeit slightly later, Poussin repeated the chariot of Apollo/Helios, once again surrounded by zodiacal symbols, and set high up in the heavens in his Empire of Flora (Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister), commissioned by the Marquis of Valguarnera in 1631. The figure of Apollo in the Berlin picture is repeated in the Parnassus in the Prado and in the figure of Crocus in the Dresden Empire of Flora, a masterwork from the first Roman years. Roberto Contini | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

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Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Das Berliner Täfelchen steht sowohl den Tafeln eines Marienlebens in Klosterneuburg, die unter der Bezeichnung »Meister der Darbringungen « geführt werden, als auch der großen, in London befindlichen Tafel eines Gnadenstuhls nahe; ob es aber von einem der jeweils verantwortlichen Maler selbst stammt, muss offen bleiben. Stephan Kemperdick | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________Christ is slumped on the ground below the cross as evening falls on Golgotha. His limbs are limp, drained of strength; the stigmata on his hands and feet and the crown of thorns signify his martyrdom. Other arma christi or instruments of the Passion – the hyssop reed with, the sponge of vinegar, the lance and the ladder – are leaning against the cross; further behind on the left in the semi-darkness lie the three nails. The Virgin Mary, clad entirely in dark blue, sits a short distance away from Christ. She is wringing her hands in sorrow as she looks sadly across to her son. John, who has wrapped himself tightly in his red cloak, is squatting beside herleaning his sad face on his left hand in the well-known gesture of melancholy. The rocky landscape in the background contrasts with the grassy meadow surrounding the protagonists. Below a tree-lined hill on the far left, the cave sepulchre intended for Christ containing a reddish stone sarcophagus opens up, while on the right the many towers of the walled and moated city of Jerusalem point skywards. The round Temple of Solomon can be seen in the middle. The last of those who attended the crucifixion is returning through the city gate. He has thrown a bluish cloth over his shoulder, probably the Seamless Robe of Christ. In artistic terms, the small panel is extremely subtle and poetic. 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Zwei Marktfrauen und ein Junge mit Geflügel und Gemüse

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Von den bedeutenderen Meistern des Bologneser Spätmanierismus (O. Samacchini, L. Sabatini, P. Fontana) war Bartolomeo Passarotti zweifellos der fortschrittlichste, derjenige, der am deutlichsten Stilelemente der Carracci vorwegnahm. Agostino Carracci war zeitweilig sein Schüler, Annibale Carracci wurde in seiner Frühzeit stark von ihm beeinflusst. Passarotti hat in Rom bei Taddeo Zuccari gearbeitet (1551), stand aber andererseits in der Tradition des Bologneser Manierismus (Pellegrino Tibaldi) und wurde auch von Parmigianino und Niccolò dell`Abate beeinflusst. Sein Oeuvre besteht aus drei Komplexen: Altarbilder, Porträts und Genrebilder. Die Altarbilder befinden sich ausnahmslos noch am Ort, in Kirchen Bolognas und der Emilia sowie im Museum von Bologna. Besonders berühmt war Passarotti als Porträtmaler. Seine weit verbreiteten und gelegentlich auf dem Markt vorkommenden Porträts bildeten die unmittelbare Vorstufe für die Porträtkunst der Carracci.Auch die kleinste Werkgruppe, die der Genrebilder, wurde für die Carracci vorbildlich. So galt das Berliner Bild der "Schachspieler", das 1971 dem Ludovico Carracci zuerkannt wurde, lange als Werk Passarottis (A. Venturi, 1933). Zu der kleinen Gruppe der Genrebilder Passarottis gehört das vorliegende, aus dem Londoner Kunsthandel angebotene Bild einer halb stilllebenhaft, halb porträthaft (in Dreiviertelfiguren) gefassten Marktszene: eine alte Marktfrau, die mit Geflügel und Gemüse handelt, preist ihre Hühner an. Mit beiden Armen hat sie eine Henne und einen Hahn gepackt und hält sie dem Betrachter als ideellem Käufer entgegen, ihn anblickend, den sprechend geöffneten Mund zu einem leichten Lächeln verzogen. Sie lehnt mit dem rechten Arm auf den hölzernen Hühnerkäfig, auf dem links hinten ein Hahn thront. Im Hintergrund ferner eine Stange, an der, mit einem Band befestigt, ein Schild hängt, auf dem der Buchstabe P (= Pollaiolo [Geflügel-Verkäufer], aber wohl auch das Monogramm des Künstlers) steht. In der rechten Bildhälfte sieht man eine bildeinwärts gerichtete junge Frau mit ihrem Jungen. Es bleibt unklar, ob sie eine Kundin oder eine zweite Verkäuferin ist. Das Halsband aus roten Steinen und der relativ aufwendige, schleierartige Überhang deuten wohl eher auf eine Kundin hin. Ihr verlorener Blick aus den Augenwinkeln geht am Betrachter vorbei. Sie schmiegt ihr Kind mit dem linken Arm an sich (sie greift in sein Haar), vielleicht will sie den Jungen, der gerade mit der Hand nach einem Kürbis greift, zurückhalten. Im Vordergrund unten ein Korb (oder eine Karre) prallgefüllt mit Zwiebeln und Kürbissen.Die Figuren und der stilllebenhaft arrangierte Kürbishaufen sind eng ins Bildfeld eingepasst. Figuren und Formen, ganz in der vordersten Bildebene platziert, vermitteln den Eindruck bedrängender Nähe und handgreiflicher Wirklichkeit. Dieser Eindruck wird unterstrichen durch die pastose Malweise, die freie, lockere Pinselschrift, eine Faktur, die, zusammen mit der Art der Gewandbehandlung und der Modellierung, vor allem aber der Farbigkeit, ganz unmittelbar auf die wenige Jahre später entstandenen Genrebilder Annibale Carraccis (Schlachterladen in Oxford, Bohnenesser in Rom, Gal. Colonna) vorausweist. Annibale Carracci hat in seinen Genrebildern, die alle in die Frühzeit fallen, mit dem gleichen Realismus, der gleichen Naturbeobachtung gearbeitet. Gleichwohl würde man die Bilder als lediglich realistische Markstücke im Sinne des 19. Jahrhunderts missverstehen. Im vorliegenden Bild ist offenbar eine Anspielung auf die drei Lebensalter mit gemeint, außerdem hat die neuere Forschung in den Genrestücken Passarottis und Carraccis Bezüge zur Commedia dell`arte gesehen (letztlich auf Aristoteles' Poetik fußend; vgl. B. Wind, Pitture ridicole: Some Late Cinquecento Comic Genre Paintings, in: "Storia dell'Arte", 20, 1974; ders., Annibale Carracci's "Scherzo": The Christ Church Butcher Shop, in: "The Art Bulletin" 1976). So wie Passarottis Genrebilder einerseits auf die Carracci vorausweisen, fußen sie andererseits auf niederländischen Vorbildern, vor allem von Aertsen und Beuckelaer (vgl. H. Bodmer, Die Kunst des Bartolomeo Passerotti, in: "Belvedere" 1938).Das vorliegende Werk war bis zur Erwerbung unpubliziert. Seine Komposition war jedoch aus einer qualitativ unterlegenen Werkstattreplik bekannt, die Daniele Benati (Una 'Lucrezia' e altre proposte per Bartolomeo Passerotti, in: "Paragone" 379, 1981) publiziert hat. Benati datiert das vorliegende Original in die späten siebziger bzw. frühen achtziger Jahre. Es gibt außer diesem Bild nur noch fünf vollwertige Genrebilder Passarottis, von denen drei Bilder (alle querformatig) dem vorliegenden stilistisch und ikonographisch engstens verwandt sind: "Zwei Fischverkäufer" und "Zwei Schlachter" in Rom, Galleria Nazionale d'Arte Antica (ehemals Slg. Messinger, München) und "Zwei Geflügelverkäuferinnen" (Florenz, Stiftung Longhi, ehemals Berlin, C. Benedict). Diese drei Bilder sind in einem Inventar der Slg. der Marchesi Mattei (Rom) von 1614 zusammen mit einem vierten aufgeführt, das zwei Geflügelverkäuferinnen mit einem Kind darstellt. Es läge nahe, das vorliegende Bild mit dem vierten Bild zu identifizieren, wenn nicht das andersartige Hochformat dagegen spräche. Die Verbindung von derber Drastik des Motivs, von zupackendem Realismus mit malerischer Kultur der Ausführung ist das Charakteristische dieses und der anderen Genrebilder Passarottis. Zugleich ist das Bild ein frühes und bedeutendes Beispiel der für Italien auch im frühen 17. Jahrhundert wichtigen Bildform eines vegetabilen Stilllebens (Gemüse, Früchte, Blumen) mit begleitenden Figuren. SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf dem Ladenschild oben: P