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Sitzende Muttergottes mit Kind

Ident. Nr.: 8142

ObjID: obj:863950

Details (Expert)

Beteiligte
Hans Leinberger (1480/1485),
Bildhauer*in
Datierung
Datierung: um 1515
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 45 x 25,5 x 9,2 cm (Relief)
Höhe x Breite x Tiefe: 64 x 49 x 7,8 cm (Rahmen)

Objektbeschreibung

Die Beherrschung der Bildhauerei in verschiedenen Materialien ist eine technische Herausforderung. Hans Leinberger, ein besonders innovativer Künstler im frühen 16. Jahrhundert, arbeitete hauptsächlich in Holz. Dieses Relief ist ein seltenes Beispiel einer Steinskulptur von seiner Hand.

Letzte Aktualisierung: 12.05.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Enthauptung der Heiligen Katharina

Enthauptung der Heiligen Katharina

Zu den in prachtvoller Originalfassung überlieferten Gruppen gehörte auch die im Kunstmuseum in Düsseldorf überlieferte kniende Figur eines Königs, die – im 19. Jahrhundert umgearbeitet – ursprünglich den heiligen Einsiedler Onuphrius darstellte. Angeblich stammen sie, wie die Schutzmantel-Maria in Berlin (Inv. Nr. 421), ebenfalls aus Ravensburg. Zweifellos sind sie von demselben Schnitzkünstler geschaffen, dem dieses Bildwerk zu verdanken ist. Ein ursprünglich gemeinsamer Kontext scheint daher nicht ausgeschlossen. An der Marienfigur wie auch an dem jugendlichen Diakon der Gregorsmesse und der hl. Katharina fällt der naive, fast kindliche Wesenszug auf, in dem die Teilhabe an überirdischem Glück sinnfällig werden soll.In einer der beiden Berliner Reliefgruppen ist Papst Gregor der Große (540–604) dargestellt, dem während der Meßfeier der Schmerzensmann, blutüberströmt und mit den Zeichen seines Leidens, erscheint, um die Realpräsenz Christi im Vollzug der Eucharistie offenbar werden zu lassen. In der anderen ist die Enthauptung der heiligen Katharina von Alexandrien (um 310) dargestellt. Links erblickt man das Gestell, in das ein mit Messern ausgerüstetes, nicht mehr erhaltenes Rad eingehängt war. Mit diesem Marterinstrument, das jedoch durch Blitz und Feuer zerstört wurde, sollte der Körper der Heiligen zunächst zerfetzt werden. Mit dem eitel herausgeputzten Schergen, mit enganliegenden Kleidungsstücken wie Wams und Beinlingen, um das Gesäß drapiertem, effektvoll geknotetem Tuch sowie Schnabelschuhen, ist das Moment des Unzüchtigen der Unschuld und Keuschheit, verkörpert in der Gestalt Katharinas, gegenübergestellt.H. K.

Apostel Paulus

Apostel Paulus

Die Figur lässt sich durch das Buch in der linken Hand und die unbekleideten Füße als Apostel und durch das in geringen Resten erhaltene Schwert in der Rechten als Paulus identifizieren. Sie zeigt eine auffällig strenge Haltung, die selbst über das hinausgeht, was sich im frühen 14. Jahrhundert als allgemeine Tendenz in Frankreich ausmachen lässt. Dieser Eindruck stellt sich jedoch weniger durch einen Mangel an Dynamik ein, sondern durch die Dominanz vertikaler Falten und das Fehlen lebendiger Unterschneidungen oder Aushöhlungen der Röhrenfalten. Paulus trägt ein gegürtetes Gewand, darüber einen offenen Mantel, der auf der linken Seite gerade nach unten fällt, auf der anderen jedoch gerafft und unter dem Unterarm geklemmt wird. Die gesamte Figur verkörpert einen idealisierten Typus des Apostelfürsten, der Klarheit der Gedanken und Gesetztheit der Gesten ausstrahlt. Der wie zum Sprechen etwas geöffnete Mund deutet sein missionarisches Amt an.Die Figur ist rückseitig ebenso sorgfältig ausgearbeitet wie vorne, auch wenn dort alles noch zurückhaltender gestaltet ist. Eine tiefe Nische darf deshalb als ursprünglicher Aufstellungsort ebenso ausgeschlossen werden wie eine stark architekturgebundene Platzierung in einem Portalgewände. Wahrscheinlicher ist eine Apostelreihe im Kircheninnern, in einer Kapelle oder an Langhauspfeilern – die sichtbaren Verwitterungen könnten auch nach Zerstörung des ursprünglichen Zusammenhangs entstanden sein. Der Bildhauer des Berliner Paulus war zweifellos mit den in Paris und Nordfrankreich im zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts verbreiteten Tendenzen zur Reduktion des höfischen Stils vertraut. Er scheint aber eine in dieser Hinsicht noch weiter gehende Richtung zu vertreten, deren genaue räumliche Zuordnung erst nach Informationen zur Herkunft des Materials möglich scheint.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Bildnis des Bartholomäus Welser

Bildnis des Bartholomäus Welser

Das Relief zeigt vor einer hügeligen Küstenlandschaft mit bebauter Uferpromenade die stattliche und nahezu frontal ausgerichtete Halbfigur eines bärtigen Mannes in vornehmer Kleidung. Neben einem Barett trägt er über einem Brokatgewand einen Mantel, dessen breiter, weit über die Schulter reichender Kragen mit einem kostbaren Fell besetzt ist. Es handelt sich hierbei um eine so genannte Pelzschaube, ein Kleidungsstück, das dem ersten Stand vorbehalten war. Die auffällig luxuriöse Garderobe offenbart, dass es sich bei dem Dargestellten um einen erfolgreichen, wohl im Seehandelsgeschäft tätigen Kaufmann handeln dürfte, worauf vor allem das auf offener See liegende Segelschiff zu seiner Rechten hinweist. Auf die Gefahren solcher Expeditionen mahnt der Totenkopf , auf dem seine rechte Hand ruht, aber auch die Blume in seiner Linken und das Stundenglas am rechten vorderen Bildrand, die an die Vergänglichkeit irdischen Lebens und Wohlstandes erinnern. Das Relief war einst bemalt und so hatte das über seinem Kopf an einer Girlande hängende Wappen sicher Auskunft über die Identität des Kaufmannes gegeben. Trotzdem konnte kürzlich anhand eines von Johann Georg Eimmart gefertigten Kupferstiches, der Porträtierte als der Augsburger Patrizier und Kaufmann Bartholomäus Welser V. identifiziert werden. Die Welser gehörten mit den ebenfalls in Augsburg ansässigen Fuggern zu den einflussreichsten und mächtigsten Fernhandelskaufleuten. Der im Relief dargestellte Bartholomäus Welser V. war zunächst in der von seinem Vater geführten Firma Anton Welser, Konrad Vöhlin & Mitverwandte tätig, die bereits 1505/06 Teile der portugiesischen Flotte für eine Handelsfahrt nach Indien finanzierten. 1518/19 übernahm er schließlich die Leitung des väterlichen Unternehmens und finanzierte mit den Fuggern die Kaiserwahl Karls V., die zahlreiche Darlehensgeschäfte mit dem Hause Habsburgs einleiteten. Aus dieser Verbindung erwuchsen auch Beziehungen zur spanischen Krone, die 1528 in einen Handelsvertrag mündeten, mit denen Bartholomäus Welser die Statthalterschaft der Überseeprovinz Venezuela erlangte. Das Projekt endete jedoch mit einem finanziellen Verlust und als dort 1546 sein gleichnamiger Sohn ermordet wurde, entzog die spanische Krone ihm schließlich die Kontrolle über seine Kolonie.Das Relief mit dem Porträt Bartholomäus Welsers V. entstand vermutlich während des Beginns seiner Statthalterschaft in Venezuela, das wohl den Höhepunkt seines erfolgreichen Geschäftslebens festhalten sollte. Die „memento mori“ am unteren Bildrand zeugen hingegen von seinen hellseherischen Fähigkeiten.Der Notname des Künstlers bezieht sich auf das im British Museum aufbewahrte Porträtrelief des Wolfgang Thenn, das von derselben Hand stammt wie das hier vorliegende Bildnis von Bartholomäus Welser V.

Wandkonsole an profiliertem Wandstück (Laubwerkkonsole)

Wandkonsole an profiliertem Wandstück (Laubwerkkonsole)

Die Konsole hat eine kelchförmige Gestalt mit Blattornamenten und rechteckiger Deckplatte. Die Deckplatte zeigt jeweils fünf Seiten eines Achtecks und ist dadurch zu erklären, dass sie am Mittelpfeiler des Portals gestanden und als Trumeaukonsole eine Marienfigur getragen hat. Der vegetabile Schmuck besteht aus einer Reihe von Blättern, die dem Kelch aufgelegt sind und zur eckigen Form der Deckplatte vermitteln. Dadurch wird die tektonische Strenge überspielt, ohne gegen die Konventionen des Aufbaus einer gotischen Konsole zu verstoßen.Die Kirche des in den 1030er-Jahren am linken Aaufer gegründeten Damenstifts Liebfrauen war von Beginn an zugleich Pfarrkirche der Bürger der Münsteraner Vorstadt Überwasser. Diese Doppelfunktion, die sich auch in der Finanzierung und Nutzung des 1340 begonnenen Neubaus spiegelt, dürfte für die Konzeption des Westportals von Bedeutung gewesen sein. Mit der Errichtung des Turms wurde, wie man aus einem Bauvertrag weiß, 1363/64 begonnen. 1374 ließ Fürstbischof Florenz von Wevelinghoven (amt. 1364–78) mehrere Reliquien in der rechten Schulter des Marienbildes am Portal einschließen und man hat zu Recht angenommen, dass zu diesem Zeitpunkt das Portal mit seinem Figurenschmuck vollendet war, vielleicht auch schon bereits seit mehreren Jahren. Die Funktion der Konsolen ist die Vermittlung zwischen der streng geometrischen Architektursprache des kunstvollen Portalgebildes und der menschlichen Figur. Daher wurden auch die einzelnen Glieder (Halsring und Kelch) in fantasievolle pflanzliche Gebilde aufgelöst, deren wohl kalkulierter Verismus nicht auf effektvolle Überraschung abzielt, sondern der Wirkungs- und Bedeutungseinheit von Architektur und Skulptur dient.Die Konsolen des Westportals der Liebfrauenkirche passen gut in die Genese gotischer Laubwerkgestaltung, bei der um 1350 eine Tendenz zur stärkeren Bewegung und einem Verwischen der Grenzen zwischen Wand und Ornament festzustellen ist. Die Werkstatt hat, wie die geringere Qualität der späteren Konsolen in Münster zeigt, die Stadt wieder verlassen, möglicherweise, um in Utrecht zu arbeiten, wo sich am Dom um 1380 vergleichbare figürliche Darstellungen finden. Der Steinmetz hat sich eindeutig an der Bauornamentik des Kölner Doms orientiert, wie eine Durchsicht der dortigen Kapitelle im Chor und Langhaus zeigt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Stehende Maria mit Kind

Stehende Maria mit Kind

Maria trägt einen Schleier, der sich im weiten Bogen und fast schalenartig um ihr Haupt mit den voluminösen Locken legt und den Rücken herabfällt. Aus der Frontalansicht ist zu erkennen, dass mit dem Verlauf des Schleiers auf der linken Seite der große, um die gesamte Figur geführte Schwung des Mantels aufgenommen wird. Als Abschluss dieses Schwungs fungierte die ursprünglich vielleicht aus demselben Block gearbeitete Krone, deren Fehlen sich besonders nachteilig auf das heutige Erscheinungsbild auswirkt. Sie dürfte prächtig und relativ hoch gewesen sein, vielleicht in der Art der Vierge dorée am südlichen Querhausportal der Kathedrale von Amiens. Das Christuskind ist in ein stoffreiches Gewand mit Brustschlitz gehüllt, dessen Falten zwischen dem vorgestreckten linken Bein und der linken Hüfte der Mutter aufgebauscht werden – eines von vielen realistischen Motiven, das nur aus dem linken Halbprofil wahrgenommen werden kann. Die Skulptur war in einen architektonischen Rahmen eingebunden. Die noch erhaltene Ansatzstelle an der Unterseite der Plinthe zeigt, dass sie auf einem rückseitig mit der Wand verbundenen Sockel stand, dessen polygonaler Grundriss etwas verkleinert den der Plinthe aufnahm. Ein derartiges Arrangement ist typisch für figurengeschmückte Trumeaupfeiler an Doppelportalen – den auch für die Berliner Madonna anzunehmenden Kontext. Dazu passen zudem ein rückseitiger vertikaler Streifen ohne Fassungsreste (ca. 9 cm breit), der direkt auf der Pfeilerfläche gelegen haben wird, und ein ursprünglich in die Rückseite eingelassener Eisenanker. Auch die ausgeprägten Profil- und Seitenansichten sprechen dafür, dass man seitlich an der Madonna vorbeigehen konnte, wie dies bei einer Trumeaufigur der Fall ist.Der Bildhauer der Berliner Muttergottes kannte zweifellos die in den beiden letzten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts entstandenen Skulpturen am Westportal des Straßburger Münsters. Dennoch will es nicht gelingen, das Werk in die Reihe oberrheinischer Madonnen um 1300 einzugliedern. Das flache Gesicht, die großen und nicht zu Schlitzen verengten Augen sowie die gesenkten Mundwinkel fügen sich nicht in das in dieser Zeit geläufige Schema. Der Schwung der Hüfte erweist sich beim genaueren Hinsehen als manieriert und übersteigert. Und besonders die Partie des Marienmantels unterhalb des Kindes mit den übereinander liegenden dünnen Schichten, in denen sich die Faltenbahnen ungebrochen fortsetzen, ist kein Motiv der Straßburger Westfassade. Vielmehr könnte die Figur zu einer größeren Gruppe von Werken gehören, in denen der Stil – im Sinne gezielter Reduktionen teilweise sehr innovativ – weiterentwickelt wurde und die erst um die Jahrhundertmitte entstanden. Dazu zählen vor allem die Skulpturen der Katharinenkapelle am Straßburger Münster (mit Ausnahme der schon um 1330 entstandenen Katharinenfigur) oder die der Westfassade der Wallfahrtskirche im elsässischen Thann. Das letztgenannte Faltenmotiv taucht ganz markant beim Andreas, Johannes dem Täufer und Elisabeth aus der Katharinenkapelle auf, die um 1345 geschaffen wurden.Möglicherweise war die Anlehnung an Stil und Figurenauffassung der Münsterwestfassade eine Forderung der Straßburger Kartäuser, die sich mit ihrer Trumeaumadonna an den großen Werken der Bischofskirche orientieren wollten.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)