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Der Tod Mariae

Ident. Nr.: 552

ObjID: obj:863964

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Bartolomé Bermejo (1425 - 1500),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1460 - 1462
Weitere Titel
Sammlungstitel: Der Tod Mariae
Übersetzung: The Death of the Virgin
Geografische Bezüge
Spanien,
Land
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Bildmaß: 65,2 x 42,4 cm
Erwerbung
1821 Ankauf aus der Sammlung des Kaufmanns Edward Solly, Berlin

Objektbeschreibung

Gemäß der Legenda aurea, einer Sammlung von Geschichten über das Leben der Heiligen und Märtyrer, die im 13. Jahrhundert von Jacobus de Voragine zusammengestellt wurde, warnt ein Engel die Apostel vor dem bevorstehenden Tod der Jungfrau Maria. Die Apostel werden auf wundersame Weise zum Sterbebett der Jungfrau getragen und zu Zeugen ihrer Himmelfahrt.

Bartolomé de Cárdenas, der wahrscheinlich wegen seiner roten Haare Bermejo genannt wurde, war einer der bedeutendsten Künstler im Spanien des 15. Jahrhunderts. Geboren wurde er in Córdoba, arbeitete aber hauptsächlich in Valencia, Daroca, Saragossa und Barcelona. Er gilt als wichtigster Vertreter der sogenannten spanisch-flämischen Gotik, die sich durch einen starken Einfluss der zeitgenössischen flämischen Malerei auszeichnete. Deren neuartige Technik der Ölmalerei
ermöglichte realistische Darstellungen von außergewöhnlicher Präzision und großem Farbreichtum. Die besondere Qualität von Bermejos Werken lässt vermuten, dass er selbst in Flandern ausgebildet wurde. Hierfür sprechen sein technisches Können und die zahlreichen Details, die Werken großer flämischer Meister entlehnt sind. Deutlichen Einfluss übten insbesondere Rogier van der Weyden und Petrus Christus aus. Seine in Flandern erworbenen Fähigkeiten demonstrierte er zu einem frühen Zeitpunkt seiner Laufbahn in dem Tafelbild Der Tod Mariae, das zu seinen Meisterwerken gehört.

In der Darstellung vom Tod Mariae hat Bermejo ikonografische Elemente verschiedener Erzähltraditionen miteinander kombiniert. Im Hintergrund überreicht ein Engel dem auf einem Felsen stehenden Apostel Thomas den Gürtel von Marias Tunika. Diese Szene folgt den Legenden, gemäß derer sowohl der Körper wie auch die Seele der Jungfrau in den Himmel aufgenommen wurden. Die Hauptszene orientiert sich hingegen an anderen Legenden, wonach Maria erst entschlafen und nach drei Tagen wiederauferstanden sei.

Prachtvoll gewandet, liegt die als alte Frau dargestellte Maria in der unteren Bildhälfte in einem architektonischen Interieur auf ihrem Sterbebett. Sie ist umgeben von den restlichen Aposteln, die zumeist lesen oder in Gedanken vertieft sind, während der als Papst gekleidete Petrus sie mit einem Ysop-Zweig segnet. Zwei Apostel unterstützen ihn bei der Durchführung dieses Rituals: Rechts neben
dem Kopfende kümmert sich einer um ein Weihrauchfass, ihm gegenüber trägt ein anderer eine Sterbekerze. An der Tür hält Johannes ein Prozessionskreuz hoch. Es erinnert daran, dass er Maria bei der Kreuzigung Jesu zur Seite stand.

In der oberen Bildhälfte geleiten vier Engel die Seele Marias zu Gott. Goldene Farbtöne unterstreichen den wundersamen Charakter der Szene, während zahlreiche Symbole Marias besondere Bedeutung reflektieren. So ist der aufgehende Mond zu ihren Füßen ein Sinnbild ihrer unbefleckten und damit von der Ursünde freien Empfängnis. Weitere, über das Bild verteilte Allegorien spielen auf die sogenannten Litaneien (Gebete) an, mit denen Maria bei der Rezitation des Rosenkranzes angerufen wird. Die von der Decke herabhängende Öllampe und der grün belaubte Baum in der Landschaft deuten als Reinheitssymbole auf Marias Jungfräulichkeit hin. Eine auf die Bundeslade verweisende Truhe, auf die sich der Apostel in der unteren linken Bildecke stützt, sowie der mit einer hebräischen Inschrift versehene Baldachin spiegeln eventuell Marias Rolle als Fürsprecherin der Menschen vor Gott wider. Die Inschrift im Fußboden im Vordergrund fasst das Wunder schließlich zusammen: EM DIOS ES (»[Maria] ist mit Gott«). Maria López-Fanjul | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019

SIGNATUR/ INSCHRIFT: EM DIOS ES
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According to the Golden Legend (13th century), in which Jacobus da Varagine compiled stories about the lives of saints and martyrs, an angel warned the apostles of the imminent death of the Virgin Mary. They were miraculously transported to her deathbed, witnessing her assumption.

Bartolomé de Cárdenas, known as Bermejo probably because of his red hair, was one of the most important artists in 15th-century Spain. Born in Córdoba, he worked mainly in the cities of Valencia, Daroca, Zaragoza, and Barcelona. He is considered to be the greatest representative of the Hispano-Flemish Gothic style, characterized by the strong influence of 15th-century Flemish painting, which mainly contributed to the new technique of oil painting, allowing a descriptive realism of extraordinary precision and great chromatic richness. The very high quality of Bermejo’s works suggests that he was trained in Flanders. His mastery of technique and the amount of details taken from the works of the great Flemish masters are proof of this. The painters Rogier van der Weyden and Petrus Christus were his most direct influences. The panel with The Dormition of the Virgin is a masterpiece in his production, made in his youth to validate this Flemish formation.

Bermejo combines different traditions for the iconographic representation of the miracle. According to some legends, the Virgin was assumed alive body and soul, and as proof of this event, an angel would give a ribbon of her tunic to Saint Thomas; as you can see in the background in the landscape. According to others, she would first fall asleep, resurrecting after three days. On the lower level, Mary, depicted as an old woman in rich clothing, lies in an architectural interior surrounded by the other apostles. Most of them read or meditate while Saint Peter, dressed as a Pope, blesses her with the help of a hyssop. Two others help him to perform the rite, guarding the incense ashes to the right of the
headboard and holding a candle at the opposite end. Saint John, located in front of the door, raises a processional cross. It reminds us that he accompanied Mary during the crucifixion of Jesus.

At the top, four angels raise the Virgin’s soul to God. The golden tones of the scene underline its miraculous character and the symbols remind us of the exceptional nature of Mary. At her feet, the crescent moon symbolizes the purity of her conception, without Original Sin. Other allegories, distributed in different places of the composition, allude to the so-called litanies (prayers) that are dedicated to the Virgin in the recitation of the Rosary. This is the case of the oil lamp that hangs from the ceiling and of the green tree, decorating the landscape, both symbols of her virginity. The chest on which the apostle rests in the lower left corner refers to the Ark of the Covenant, and the canopy decorated with a legend in Hebrew are possible references to the Virgin as intercessor of men before God. The inscription on the floor in the foreground sums up the miracle: “EM DIOS ES” ([Mary] is with God). Since 2019, this painting hangs in the Spanish room of the Bode-Museum. Maria López-Fanjul | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Maria mit dem Kind

Maria mit dem Kind

Die künstlerische Zusammenarbeit war ein zentrales Thema der flämischen Malerei des 17. Jahrhunderts. So spezialisierten und konzentrierten sich einige Maler auf ganz bestimmte Aufgabenbereiche. Auch in der großen Antwerpener Werkstatt von Peter Paul Rubens kam es häufig zu einem Teamwork von Spezialisten. Ein treffliches Beispiel für diese Form der Zusammenarbeit bietet das Gemälde Maria mit dem Kind.Die Bildidee geht zweifelsohne auf Rubens selbst zurück, der die stehende Gottesmutter hinter einer mit einem persischen Blumenteppich bedeckten Balustrade präsentiert. Sie blättert in einer reich ausgestatteten Handschrift und hält locker mit ihrer rechten Hand das stehende Christuskind, dem sie ihre Brust gibt. Zunächst legte wohl ein Mitarbeiter aus Rubens` gut besetzter Werkstatt, möglicherweise nach einer heute nicht mehr existierenden Skizze des Meisters, das Bild in groben Zügen an. Der Bereich der Gottesmutter und des Christuskindes wurde dann von Rubens` eigener Hand zu guter Letzt noch einmal gründlich überarbeitet. Dadurch erfuhr die Mutter-Kind-Gruppe entscheidende, eigenhändige Veränderungen, so dass sie erst unter Rubens` Pinselführung zur jetzigen Einheit zusammenwachsen konnte.Für die Rosenranken und die mit Frühlingsblumen bestückte Blumenvase bediente sich Rubens eines Spezialisten, dessen Identifizierung bis zum heutigen Zeitpunkt Probleme bereitet. Zur Diskussion stehen Jan Brueghel d. Ä. (1568-1625) und sein Sohn Jan Brueghel d. J. (1601-1678). Lange Zeit datierte man das Gemälde kurz vor Mitte der 20er Jahre und sah bezüglich der Blumen den Schöpfer in Jan Brueghel d. Ä. Heute hält man das Gemälde aus stilistischen Gründen für ein Rubenswerk der Jahre 1625/28. Da mit dem 12. Januar 1625, dem Todestag Jan Brueghels d. Ä., ein terminus ante quem für die Mitarbeit an dem Gemälde vorhanden ist, müsste man die Blumen konsequenter Weise dem Sohne zuschreiben. An der ausführenden Hand des Fruchtkorbes im rechten Vordergrund bestand hingegen in der Forschung nie ein Zweifel. Einhellig sehen in ihm die Experten den Pinselstrich des Stilllebenmalers Frans Snyders (1579-1657), mit dem Rubens eine freundschaftliche Beziehung verband und den er des Öfteren als Spezialisten für Stillleben und Tiere bei seinen Gemälden heranzog.

Roelof de Vos van Steenwijk

Roelof de Vos van Steenwijk

In ungewöhnlich großen goldenen Lettern fasst die Inschrift den Kopf des Dargestellten  (um 1504 - um 1564) ein. Dass der goldene Ring am linken Ringfinger das Wappen der holländischen Familie de Vos van Steenwijk zeigt, wurde schon im 19. Jahrhundert erkannt, allerdings herrschte lange keine Klarheit über die genaue Identität des Porträtierten. Die Identifizierung mit einem gewissen Roelof geht auf den Historiker und Genealogen Albrecht Nicolaas Baron de Vos van Steenwijk (1976) zurück. Diesem zufolge wurde Roelof 1505 als unehelicher Sohn von Reynalt de Vos van Steenwijk und Agnes van Ittersum geboren, im Februar 1537 wurde in Brüssel die Abstammung des damals etwa 31-Jährigen formal in einem Brief von Kaiser Karl V. anerkannt. Bald darauf heiratete er die Kölnerin Catharina Bellinckhausen, 1543 wird eine gemeinsame Tochter erwähnt. Vor 1548 ließ Roelof sich in Antwerpen nieder, wo er vor 1564 gestorben ist. Die aufrecht nach rechts gewandte Haltung des de Roelof Vos van Steenwijk, der aus dem Bild nach rechts und nicht auf den Betrachter blickt, spricht sehr dafür, dass dieses Porträt ursprünglich auf ein Gegenstück hin konzipiert war. Denkbar ist in Anbetracht der Tatsache, dass Roelof zwischen 1537 und 1543 geheiratet hat, dass es als Verlöbnisbild oder aber anlässlich der Eheschließung – mit einem möglichen Pendant der Gattin – in Auftrag gegeben wurde.| Christine SeidelSIGNATUR / INSCHRIFT: ANNO 1541 ETATIS SUAE 37

Friedrich V. von der Pfalz (1596-1632) mit seiner Gemahlin und seinen Kindern (9 Teile)

Friedrich V. von der Pfalz (1596-1632) mit seiner Gemahlin und seinen Kindern (9 Teile)

Medaillonkette mit den Darstellungen von Pfalzgraf Philipp (1627 - 1655), Pfalzgräfin Henriette (Fürstin von Siebenbürgen, 1626 - 1651), Pfalzgraf Moritz (1620 - 1652), Pfalfgräfin Elisabeth (Äbtissin von Herford, 1618 - 1680), Pfalzgraf Karl Ludwig (Kurfürst von der Pfalz, 1617 - 1686), das Herrscherpaar Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz (König von Böhmen, 1596 - 1632), Kurfürsten Elisabeth von der Pfalz (Königin von Böhmen, 1596 - 1662), Pfalzgraf Rupert (1619 - 1682) und Pfalzgräfin Luise Hollandine (Äbtissin von Maubuisson, 1622 - 1709).Sieben der Darstellung sind mit mit den Initialen des Künstlers versehen. Die des Herrscherpaares jedoch nicht, diese weisen auf stilistische Anregungen durch Gemälde von Hoskins d. Ä. oder van Dycks hin. Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz vermählte sich 1613 mit Elisabeth Stuart, der Tochter Jakobs I. von England. Damit waren Hoffnungen auf eine Stärkung der evangelischen Pfalz im Reich verbunden. Im Jahre 1616 heiratete die Schwester des Pfälzers, Elisabeth Charlotte, den brandenburgischen Kurprinzen Georg Wilhelm. 1619 wählte die böhmischen Stände Friedrich V. von der Pfalz zu ihrem König, womit sie die rechtmäßige Herrschaft Kaiser Ferdinand II. mißachteten. Die Unbotmäßigen votierten damit für den Glaubensgenossen Friedrich V. als Haupt der protestantischen Union. Dieser Entscheidung widersetzte sich das Haus Habsburg. Der lebenslustige und risikobereite "Winterkönig" (Freidrich V.) schöpfte die neue königliche Würde reichlich aus. Jedoch weder England noch die Niederlande oder Brandenburg konnten dem Glaubensbruder wegen eigener innenpolitischen Schwierigkeiten beistehen. Auf diplomatischen Druck Englands und Frankreichs hin verhielt sich die protestantische Union neutral, was zu einer Isolierung Friedrich V. führte (3. Juli 1620: Ulmer Vertrag). Am 8. November 1620 stand der "Winterkönig" den Heeren des Kaisers, Kursachsens und Spaniens in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag gegenüber. Schon nach einer Stunde beherrschten die Armeen der katholischen Liga unter Tillys Kommando die Walstatt. Friedrich V. und Familie flohen zuerst zum Schwager nach Brandenburg. Im Neumärkischen Küstrin an der Oder wurde noch im selben Jahr (1620) Pfalzgraf Moritz geboren. In Gefangenschaft von Seeräubern ist er später in Algier verschollen. Pfalzgraf Ruprecht studierte 1634 gemeinsam mit dem brandenburgischen Kurprinzen (seit 1675 der Große Kurfürst genannt) in Leiden. Die einstige böhmische Königin und Tante des Hohenzollern, Elisabeth von der Pfalz, lebte seit Beginn ihres Wittums (1632) in Rhenen bei Arnheim.Die Medaillonkette wurde am 19. März 1689 unter der Inv.Nr.53 auf die Kunstkammer im Berliner Schloß gegeben. Schon das Inventar von 1694 meldete den Verlust des Miniaturporträts von Pfalzgraf Gustav, welcher einjährig starb. Inzwischen fehlen zwei weitere Bildnisse. Aleander Cooper (um 1605 London - 1660 Stockholm) - einer der bedeutendsten Miniaturmaler - war seit 1631 im Haag tätig, wo er wohl auch die Berliner Medaillonkette schuf (R.M.).SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. Auf den beiden Deckeln unter einer Königskrone: SHE? (verbunden)Porträts von links:1. rechts unten im Grund: A[C]; Rückseite: Philippus P.P. / Aet: 5: / 26 Octobrio 1632; 2. links im Grund: AC; Rückseite: Herriette P.P. / Aet. 6: / 7 Juli 1632.;3. links im Grund: AC; Rückseite: Mauritius P.P. / Aet: 11: / 6 Januari 1632.;4. Rückseite: Elisabetha, P.P. / Aet: 13: / 26 Nouem: 1632; 5. rechts unten im Grund: AC; Rückseite: Carolus. P.P.E. / Aet. 14: / 22 Decem 1632.;6. Rückseite: Federicus R•B• / AET: 36 / 16 Augus 1632.7. Rückseite: Elisabetha R• B• / Aet 36: / 19 Augus 1632;8. Rechts unten im Grund: AC; Rückseite: Rupertus P•P• / Aet: 12: / 17 Decem 1632.;9. rechts im Grund: A[C]; Rückseite: Louisa P•P•. / Aet: 10: / 8 April: 1632.;10. Porträt verschollen; Rückseite: Eduardus P•P• / Aet: 8: / 6 Octobrio 1632•; 11. Porträt verschollen; Rückseite: Sophia P•P• / Aet: 2: / 14 Octobris 1633•12. Porträt verschollen; Rückseite: Gustavus P•P• / Aet: 1: / 4 Januari 1633

Kardinal Ludovico Trevisan

Kardinal Ludovico Trevisan

Mantegnas außergewöhnliches Porträt zeigt den in Venedig geborenen Ludovico Trevisan (1401-1465), der auch unter dem Namen Scarampi oder Mezzarota bekannt ist. Es entstand zwischen dem 27. Mai 1459 und dem 8. Februar 1460 während des Fürstenkongresses von Mantua, auf dem Papst Pius II. um Unterstützung für den Kampf gegen die Osmanen warb. Trevisan war als reicher, mächtiger und gebildeter Mann innerhalb der kirchlichen Hierarchie aufgestiegen; 1435 wurde er Bischof von Trau, 1437 Erzbischof von Florenz, 1439 Patriarch von Aquileia und am 1. Juli 1440 Kardinal und zugleich Kämmerer (camerlengo) des Heiligen Stuhls. In der Schlacht von Anghiari stellte er 1440 seine militärischen Fähigkeiten als Befehlshaber der päpstlichen Truppen im Kampf gegen den Mailänder General Niccolò Piccinino unter Beweis. 1457 führte er eine erfolgreiche Seekampagne gegen die Türken im östlichen Mittelmeer und kehrte im März 1459 nach Rom zurück. Auf dem Kongress von Mantua wandte er sich gegen die Kreuzzugspläne Papst Pius’ II. und opponierte öffentlich gegen den venezianischen Kardinal Pietro Barbo, den späteren Papst Paul II. Er stand in Kontakt mit den bedeutendsten Humanisten und Antiquaren seiner Zeit, darunter Niccolò Niccoli, Poggio Bracciolini und Cyriacus von Ancona. Zudem trug er eine außergewöhnliche Sammlung von Kunstwerken und Altertümern darunter Münzen, Kameen, Gemmen und Bronzebüsten zusammen (s. das Inventar seiner Sammlungen in Florenz, publiziert bei Bagemihl 1993). Um 1461 beschäftigte er den Medailleur und Goldschmied Cristoforo di Geremia aus Mantua, der sich in Rom mit Altertümern befasst hatte und dem die Portraitmedaille mit offensichtlichen Rekursen auf römische Münzen (s. unten) zugeschrieben wird.Mantegnas Bildnis ist ein Meilenstein der italienischen Porträtkunst. Qualitäten der klassischen Skulptur werden in dieser Tafel auf die Malerei übertragen, sodass sich die Forderung des Dichters und Humanisten Ulisse degli Aleotti an den Künstler, der »in der Malerei [ein Bild] lebensnah und wahr herauszumodellieren und zu formen habe« wie ein Bildhauer (scolpi in pictura [l’imagine] propria viva et vera; s. Kristeller 1902, S. 488), zu erfüllen scheint. Der rote Klerikermantel oder ferraiolo gibt dem im Dreiviertelprofil gezeigten Brustbildnis Ludovicos auf ähnliche Weise Halt wie die Umhangdraperien (paludamentum) von Mantegnas gemalten Marmorbüsten römischer Kaiser oder Generäle an der Decke der Camera degli Sposi im Castello di San Giorgio des Palazzo Ducale zu Mantua. Zugleich akzentuiert Mantegna die darstellerischen Möglichkeiten der Malerei: in der stofflichen Wiedergabe des Seidenmoirés und dem unter dem weißen, halbtransparenten Chorhemd durchscheinenden Rot des Talars. Beim Vergleich des kompromisslos strengen Porträts des Kardinals Trevisan mit dem delikaten Profilbildnis des jungen Gonzaga-Prälaten oder mit dem naturalistischer anmutenden Bildnis in den Uffizien, dessen Modell meist als Carlo de’ Medici angesprochen wird (Agosti 2005, S. 320–321, 352–354, Nr. 173–177; Ausst.-Kat. Mantua 2006/07, S. 70), zeigt sich das Potenzial seiner malerischen Annäherungsmöglichkeiten an die Persönlichkeit des jeweils Dargestellten (In dem weicher ausgeleuchteten, doch noch klar beschreibenden Bildnis in den Uffizien scheint Mantegna mit dem Naturalismus der niederländischen Portraits zu wetteifern, ohne jedoch die strenge, skulptural begriffene Monumentalität seiner Kunst aufzugeben.). Der Rekurs auf ein klassisches Repertoire, der etwa an das Relief einer römischen Stele denken lässt, wie sie auf den Gütern von Jacopo Marcello in Monselice bei Padua zu finden waren, mäßigt im Fall des Trevisan-Bildnisses einerseits die herbe Erscheinung des Kardinals, den der Mantuaner Chronist Andrea Schivenoglia so beschrieb: »Ein kleiner, schwarzer, haariger Mann von äußerst hochmütigem und finsterem Aussehen« (»homo pizolo, negro, peloxo, com aìero molto superbo e schuro«; Übers. SH); andererseits dient er der Veranschaulichung eines besonderen Wesenszugs Trevisans: der virtù. Wie Kristeller bemerkte, »prägt sich in dem scharf geschnittenen Munde, den fest zusammengezogenen Augenbrauen« ein eiserner Wille aus; »hohe Intelligenz und feurige Leidenschaftlichkeit leuchten aus den klaren, scharfblickenden Augen; etwas Misstrauisches liegt in dem Blick, in der Senkung der Augenbrauen. Energie und Selbstsucht, die Grundzüge dieses Charakters, sind überzeugend in dem Gesichte zum Ausdruck gebracht.« (Kristeller 1902, S. 179–180).Bibliographie:Kristeller, 1901, pp. 170-73; Tietze-Conrat, 1955, pp. 11-12; Lightbown, 1986, pp. 81-82, 408-10; Campbell, 1990, p. 228; Christiansen, in Martineau, 1992, pp. 333-35; de Nicolò Salmazo 2004, pp. 146; Santucci 2004, pp. 98-100; Agosti 2005, p. 28; Poldi and Villa, in Lucco 2006, p. 57.Text aus "Gesichter der Renaissance" 2011, Autor: Keith Christiansen