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Venus mit dem Orgelspieler

Ident. Nr.: 1849

ObjID: obj:863989

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Tizian (1488/90 - 1576),
Maler*in
Bestellung: Philipp II. (Spanien,
König) (1578 - 1598)
Datierung
Ausführung: um 1550
Weitere Titel
Sammlungstitel: Venus mit dem Orgelspieler
Übersetzung: Venus with the Organ Player
Geografische Bezüge
Italien,
Land
Material / Technik
Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 115 x 210 cm
Erwerbung
1918 Ankauf von Carl Moll, Wien

Objektbeschreibung

Tizian hat es bekanntlich nicht verschmäht, besonders in seinen späteren Jahren, seine Bilderfindungen variierend zu wiederholen und weiterzuentwickeln, den Wünschen der Auftraggeber nachkommend, oft unter Beteiligung der Werkstatt. Zu ihnen gehören die Venusdarstellungen, die von 1545 bis um 1565/70 entstanden. Am 8. Dezember 1545 hatte Tizian aus Rom an Kaiser Karl V. geschrieben, er hoffe, ihm bald persönlich das Bild einer Venus überbringen zu können, das er in seinem Namen gemacht habe. 1547 lud der Kaiser Tizian zum Reichstag nach Augsburg ein. Tizian kam mit seinem Sohn Orazio im Januar 1548 von Venedig dorthin und fuhr Mitte September wieder zurück, nachdem der Hofstaat am 12. August nach Brüssel aufgebrochen war. Am 1. September erwähnte Tizian in einem Brief an Antoine Perrenot de Granvella, Bischof von Arras, Sohn des Kanzlers Karls V. und dessen Berater in Brüssel, »eine Venus«, die er im Auftrag des Kaisers gemalt und von Venedig nach Augsburg mitgebracht hätte und nun offenbar nach Brüssel schickte. In der Folge schuf Tizian, der 1550/51 erneut in Augsburg weilte, eine Reihe weiterer Venusbilder, zu denen offenbar auch das Berliner Bild gehört. Die neuere italienische Forschung und, mit Vorbehalt, auch H. Wethey (1971, 1975) nehmen an, daß die Venus von 1545 mit der im Brief von Granvella 1548 erwähnten identisch sei und daß der Kaiser sie Granvella geschenkt habe. Dies wurde allerdings von C. Hope (1980) bestritten. Tatsächlich aber war später in Granvella- Besitz eine signierte Venus mit Orgelspieler (Nr. 421), die sich heute im Prado in Madrid befindet. Der italienischen Forschung und Wethey zufolge ist dieses Bild die älteste erhaltene Fassung der Serie und die unmittelbare Vorstufe des Berliner Bildes, das in der neueren Forschung im allgemeinen um 1550/52 datiert wird, mit Ausnahme von Wethey, der das Bild um 1548/49 ansetzte in der Annahme, es sei in Zusammenhang mit Tizians Zusammentreffen mit Prinz Philipp, dem späteren König von Spanien, in Mailand Ende Dezember 1548 entstanden und gehöre zu den »gewissen Porträts«, für die er am 29. Januar 1549 eine Zahlung von 1000 Dukaten erhielt. V. Herzner (1993) dagegen meint, daß das Madrider Bild vom Berliner Bild abhänge. Hope und Herzner lehnten Wetheys Hypothese und auch die Identifizierung des Orgelspielers mit Philipp II. ab. Das Verhältnis der verschiedenen Fassungen zueinander, ihre zeitliche Abfolge, die Frage der Eigenhändigkeit der Ausführung, die Datierung und auch die Deutung sind in der Forschung bis in die jüngste Zeit umstritten geblieben. Die von O. Brendel (1946) vorgeschlagene und von Panofsky (1969) aufgenommene und weiterentwickelte Deutung im Sinne des Neuplatonismus der Renaissance, wonach dem Bild die Idee der Rivalität zwischen Hören und Sehen beim Erkennen der Schönheit unter dem Vorzeichen der Liebe zugrunde liegt, wird neuerdings entschieden abgelehnt, so zuletzt von Herzner (1993), Hope (1980) und E. Goodman (1983). Goodman erklärte die Bilder aus dem Geist der Liebeslyrik des Petrarchismus (auf den Dichter Petrarca zurückgehend). Hope und Goodman glaubten, daß die nackte weibliche Gestalt in den Fassungen mit einem männlichen Partner (Orgel- oder Lautenspieler) nicht Venus, sondern eine Dame oder Kurtisane darstelle, der das Liebeswerben des Kavaliers gelte. Cupido wird nicht als Attribut seiner Mutter Venus, sondern als Liebesbote des Kavaliers verstanden. Er schmiegt sein Gesicht an das der Dame, die sich zu ihm zurückwendet, und flüstert ihr die Liebesbotschaft zu. Diese Deutung wird von Herzner abgelehnt, der die weibliche Figur wieder als Venus interpretiert. Hope glaubt, daß die Fassung in Florenz, die Venus (mit Cupido) ohne einen männlichen Partner zeigt, eine Werkstattkopie der 1545 für Karl V. gemalten, von ihm für verloren gehaltenen Urfassung der Venus sei. Er meint, daß die drei Bilder in Florenz, Madrid (Nr. 421) und Cambridge hinsichtlich der Draperie unmittelbar auf die Urfassung zurückgehen und ihr näherstehen als die anderen drei Bilder in Berlin, Madrid (Nr. 420) und New York, in denen er Derivationen zweiten Grades sah. Daß die Granvella-Fassung in Madrid (Nr. 421) vom Berliner Bild abhängt und nicht umgekehrt, wie Hope gemeint hatte, hat Herzner (1993) betont. Hope sah, wie vor ihm schon T. Hetzer (1940), in dem Berliner Bild unverständlicherweise nur ein schwaches Werkstattprodukt. Doch gibt die malerische Qualität und das Vorhandensein von Pentimenten (besonders beim Orgelspieler) eher denen recht, die das Bild als eigenhändig einstufen. Die beiden Bilder der Venus mit einem Lautenspieler im Fitzwilliam Museum in Cambridge und im Metropolitan Museum in New York stammen erst aus den sechziger Jahren. Das etwas frühere Bild in Cambridge wurde von Zeri (1973) für ganz eigenhändig angesehen, während Pallucchini (1969) und Wethey (1975) Werkstattbeteiligung annahmen. Das etwas spätere New Yorker Bild gilt als eigenhändiges, aber unfertig von Tizian im Atelier stehengelassenes, später von anderer Hand vollendetes Werk. Es hat mit dem Berliner Bild die Provenienz aus der Sammlung der Fürsten Pio in Rom gemeinsam. Erich Schleier | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019

SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. links unten am Schemel: TITIANVS • F •
_______________________________

Especially in later years, Titian was hardly averse to repeating and further developing his pictorial inventions in varied forms – often with the participation of his workshop – in order to accommodate the wishes of clients. Among such works are his depictions of Venus, which were produced between 1545 and circa 1565/70.

On December 8, 1545, Titian sent a letter from Rome to the Emperor Charles V in which he expressed the desire to personally deliver a picture of Venus, which he had executed in the Emperor’s name. In 1547, the Emperor invited Titian to attend the Imperial Diet in Augsburg. Titian arrived from Venice in January of 1548 with his son Orazio, travelling home in mid-September, the imperial retinue having departed for Brussels on August 12. On September 1, in a letter addressed to Antoine Perrenot de Granvella, the Bishop of Arras, the son of the Chancellor of Charles V and his advisor in Brussels, Titian mentions a “Venus” he had painted on a commission from the Emperor, and had brought with him from Venice to Augsburg, and was now evidently shipping it to Brussels. Subsequently, Titian – residing again in Augsburg in 1550/51 – produced a series of further Venus pictures, the Berlin picture evidently among them.

Italian research, as well as (with reservations) H. Wethey (1971, 1975), assume that the Venus of 1545 is identical with the one mentioned in a letter written by Granvella in 1548, and that the Emperor gave it to Granvella as a gift. This is however, disputed by C. Hope (1980). In fact, Granvella later owned the signed Venus with Organ Player that is today in the Prado in Madrid (Venus with Organist and Amor). According to the Italian research and Wethey, this picture is the oldest surviving version of the series, and the immediate precursor of the Berlin picture, which has been dated by recent research in general to circa 1550–52, with the exception of Wethey, who dates it circa 1548/49 based on the assumption that it was produced in connection with Titian’s meeting with Prince Philip, later the King of Spain, in Milan in late December of 1548, and is among “certain portraits” for which he received 1000 ducats on January 29, 1549. In opposition to this, V. Herzner (1993) asserts that the Madrid picture derives from the one in Berlin. Hope and Herzner reject Wethey’s hypothesis, as well as the identification of the organ player with Philip II.

The relationship between the various versions, their temporal sequence, the question of Titian’s degree of responsibility for their execution, their dating, along with their interpretation: all remain contested matters in the research. O. Brendel’s proposal (1946), taken up and developed further by Panofsky (1969), for interpreting the picture in the spirit of the Renaissance Neoplatonism, and according
to which it embodies the idea of a rivalry between hearing and sight vis à vis the recognition of beauty under the sign of love, has been decisively rejected by Herzner (1993), Hope (1980), and E. Goodman (1983). Goodman explains the image in relation to the spirit of romantic poetry found in Petrarchism (going back to the poet Petrarch). Hope and Goodman believed that the nude female form in the versions with a male partner (whether an organ or lute player) represented not Venus, but instead a lady or courtesan being courted by a cavalier. The Cupid is interpreted here not as the attribute of his mother Venus, but instead as a messenger of love sent by the cavalier.

Cupid snuggles up to the woman’s face, which turns toward him, and whispers a declaration of love into her ear. This reading is rejected by Herzner, who again identifies the female figure as Venus. Hope believes that the version in Florence, which displays Venus (with Cupid) without a male partner, is a workshop copy of the original painting of Venus that was executed for Charles V in 1545, and which he regards as lost. With reference to the draperies, he claims that the three pictures in Florence, Madrid (Venus with Organist and Amor), and Cambridge can be traced directly to the original version, and are closer to it than the other three pictures in Berlin, Madrid (Venus with Dog and Organist), and New York, which he considers second-rate derivatives. Herzner (1993) has emphasized that the Granvella version in Madrid (Venus with Organist and Amor) is dependent upon the Berlin picture, and not the reverse, as asserted by Hope. Incomprehensibly, and like T. Hetzer (1940) before him, Hope perceives in the Berlin picture only a weak workshop product. But its painterly quality and the presence of pentimenti (particularly with the organist) would seem to support the belief that the painting comes from Titian’s own hand.

Both of the pictures of Venus with a lute player, in the Fitzwilliam Museum in Cambridge and in the Metropolitan Museum in New York, date from the 1560s. The somewhat earlier picture in Cambridge was regarded by Zeri (1973) as entirely from the artists own hand, while both Pallucchini (1969) and Wethey (1975) perceived workshop participation. The somewhat later New York picture is regarded as by Titian’s own hand, although it was left unfinished by the artist in the studio, and completed later by a different hand. It shares the provenance from the collection of the Pio princes of Rome with the Berlin picture. Erich Schleier | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

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Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Bildnis einer vornehmen genuesischen Dame

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Als die Bildnisse von Alessandro Giustiniani-Longo und seiner vermeintlichen Ehefrau (Kat.Nr. 782C) 1901 als Pendants in die Gemäldegalerie gelangten, hatten sie bereits eine lange gemeinsame Geschichte hinter sich. Schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts befanden sie sich im Besitz von Costantino Balbi (1676-1740) in Genua, der das Frauenporträt vermutlich von Giovanni Luca Spinola, das des Mannes von Alessandro Saluzzo und seinen Brüdern erworben hatte. Beide Porträts dürften etwa zur selben Zeit, um 1622/23, von Anton van Dyck während seines Aufenthaltes in Italien (1621-1627) in Genua gemalt worden sein. Auf den Bildern treten dem Betrachter ausdrucksstarke, faszinierende Persönlichkeiten entgegen, in beiden Fällen wiedergegeben in Lebensgröße und in sitzender Haltung. Es verwundert daher kaum, dass man für mehr als 200 Jahre annahm, es handle sich bei den Porträts um die Darstellung eines Ehepaares. Wie die Forschung gezeigt hat, trifft diese Annahme jedoch nicht zu. Bei dem Bildnis des alten Mannes handelt es sich um den genuesischen Senator Alessandro Giustiniani-Longo (1544-1631), der um 1622/23 bereits weit in den Siebzigern war. Er entstammte einer alteingesessenen und hoch angesehenen, genuesischen Familie. Von 1611 bis 1613 bekleidete er das höchste Amt, das der aristokratisch konstituierte, ligurische Stadtstaat zu vergeben hatte: das des Dogen. 1613 wurde er schließlich auf Lebenszeit Prokurator (Sachverwalter für Finanzen) der Genueser Republik. Das gerollte Papier in der Rechten des Mannes sowie sein ebenso herrisch wie misstrauischer Blick scheinen dieser Position, deren Ausübung Unbestechlichkeit voraussetzte, zu entsprechen. Auch die von ihm getragene schwarze Kappe weist bereits auf eine offizielle Bestimmung seiner Person hin. Im Falle des Frauenbildnisses ist eine eindeutige Identifizierung der Dargestellten dagegen bislang nicht gelungen. Die von ihr getragene, auf der Stirn spitz zulaufende Haartracht verweist jedoch auf ihren Status als Witwe, was eine Zuordnung der beiden Porträts als Ehepaar sehr unwahrscheinlich macht. Zudem belegt eine Kopie des Bildes aus dem 17. Jahrhundert, dass das Werk ursprünglich nach links hin breiter angelegt war und erst nachträglich beschnitten und so dem Männerporträt angeglichen wurde. Auch widersprechen die unterschiedlichen Schauplätze und ihre spezifische Ausstattung sowie der Umstand, dass die Frau deutlich höher im Bild sitzt als der Mann, der Annahme, es handle sich hierbei um zusammengehörige Pendants. Porträts dieser Art verhalfen van Dyck zu weit verbreiteter Anerkennung und zu reichen Aufträgen durch die Familien des Adels, für die er vornehmlich gearbeitet hat. Ausgehend von Rubens, in dessen Antwerpener Atelier er als blutjunger, genialer Künstler im Alter von 17 Jahren eingetreten war, aber auch im Rückgriff auf den höfischen Porträtstil Tizians, entwickelte er jenen vornehm-gelassenen, distanzierten Ausdruck, der die Vorstellung vom aristokratischen Menschenbild für seine Zeit außerordentlich geprägt hat. Die Werke verblieben lange im Palazzo Balbi in Genua. 1828 wurden sie, durch Vermittlung des Malers David Wilkie, von dem englischen Sammler Sir Robert Peel erworben und gelangten aus dessen Hinterlassenschaft, die 1900 versteigert wurde, schließlich nach Berlin. Jan Kelch und Katja Kleinert | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________________________________________________When the Gemäldegalerie received these two portraits as companion pieces in 1901, they already had a long common history behind them. At the beginning of the 18th century, the two portraits were owned by Costantino Balbi (1676–1740) in Genoa; he is believed to have purchased the portrait of the woman from Giovanni Luca Spinola, and that of the man from Alessandro Saluzzo and his brothers. Both portraits are very likely to have been painted in Genoa by Anton van Dyck around the same time – 1622–23 – during the artist’s stay in Italy (1621–27). Both portraits show very individual, compelling personalities; both are depicted in life-size and shown seated. It is unsurprising that for over 200 years it was assumed that these two pictures were portraits of a married couple. However, historical records show that this is not the case.The painting of the man is the portrait of the Genoese senator Alessandro Giustiniani- Longo (1544–1631), who was in his late seventies around 1622–23. He belonged to an ancient and very noble Genoese family. Between 1611 and 1613, he held the highest office that the oligarchic merchant city-state in Liguria had: that of the Doge. In 1613, he was appointed Procurator of the Genoese Republic, a life-long office that put him in charge of finances. The rolled document in his right hand and his imperious and suspicious gaze appear to correspond to this position, which presupposed incorruptibility. The black cap on his head also illustrates that the sitter holds a public office. In contrast, the identity of the woman remains uncertain. Her hairstyle with the lacy ornament on her forehead indicates that she is a widow, thus making it unlikely that the two portraits are pictures of a married couple. In addition, a copy of the portrait made in the 17th century shows that the picture was originally wider, and that a section on the left side was removed at a later point, presumably to make it match the portrait of the man. The different settings and the furnishing details, as well as the fact that the woman is sitting higher than the man also challenge the assumption that these are companion portraits.For Anton van Dyck, portraits such as these were useful in building his reputation as a portrait painter and gaining commissions from aristocratic families, who were his main clients. Inspired originally by Rubens, whose Antwerp studio he had joined as a young but precociously talented painter aged 17, and also by the courtly portrait style of Titian, van Dyck developed a distinguished, serene and distant expression which decisively influenced the idea of what an aristocrat should look like.The paintings remained in the Palazzo Balbi in Genoa for many decades. In 1828, they were acquired by the English collector Sir Robert Peel, through the mediation of the painter David Wilkie, and finally arrived in Berlin from his estate, which was sold at auction in 1900. Jan Kelch und Katja Kleinert | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Bildnis des Alessandro Giustiniani-Longo

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Als die Bildnisse von Alessandro Giustiniani-Longo (1544-1631) und seiner vermeintlichen Ehefrau (Kat.Nr. 782C) 1901 als Pendants in die Gemäldegalerie gelangten, hatten sie bereits eine lange gemeinsame Geschichte hinter sich. Schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts befanden sie sich im Besitz von Costantino Balbi (1676-1740) in Genua, der das Frauenporträt vermutlich von Giovanni Luca Spinola, das des Mannes von Alessandro Saluzzo und seinen Brüdern erworben hatte. Beide Porträts dürften etwa zur selben Zeit, um 1622/23, von Anton van Dyck während seines Aufenthaltes in Italien (1621-1627) in Genua gemalt worden sein. Auf den Bildern treten dem Betrachter ausdrucksstarke, faszinierende Persönlichkeiten entgegen, in beiden Fällen wiedergegeben in Lebensgröße und in sitzender Haltung. Es verwundert daher kaum, dass man für mehr als 200 Jahre annahm, es handle sich bei den Porträts um die Darstellung eines Ehepaares. Wie die Forschung gezeigt hat, trifft diese Annahme jedoch nicht zu. Bei dem Bildnis des alten Mannes handelt es sich um den genuesischen Senator Alessandro Giustiniani-Longo, der um 1622/23 bereits weit in den Siebzigern war. Er entstammte einer alteingesessenen und hoch angesehenen, genuesischen Familie. Von 1611 bis 1613 bekleidete er das höchste Amt, das der aristokratisch konstituierte, ligurische Stadtstaat zu vergeben hatte: das des Dogen. 1613 wurde er schließlich auf Lebenszeit Prokurator (Sachverwalter für Finanzen) der Genueser Republik. Das gerollte Papier in der Rechten des Mannes sowie sein ebenso herrisch wie misstrauischer Blick scheinen dieser Position, deren Ausübung Unbestechlichkeit voraussetzte, zu entsprechen. Auch die von ihm getragene schwarze Kappe weist bereits auf eine offizielle Bestimmung seiner Person hin. Im Falle des Frauenbildnisses ist eine eindeutige Identifizierung der Dargestellten dagegen bislang nicht gelungen. Die von ihr getragene, auf der Stirn spitz zulaufende Haartracht verweist jedoch auf ihren Status als Witwe, was eine Zuordnung der beiden Porträts als Ehepaar sehr unwahrscheinlich macht. Zudem belegt eine Kopie des Bildes aus dem 17. Jahrhundert, dass das Werk ursprünglich nach links hin breiter angelegt war und erst nachträglich beschnitten und so dem Männerporträt angeglichen wurde. Auch widersprechen die unterschiedlichen Schauplätze und ihre spezifische Ausstattung sowie der Umstand, dass die Frau deutlich höher im Bild sitzt als der Mann, der Annahme, es handle sich hierbei um zusammengehörige Pendants. Porträts dieser Art verhalfen van Dyck zu weit verbreiteter Anerkennung und zu reichen Aufträgen durch die Familien des Adels, für die er vornehmlich gearbeitet hat. Ausgehend von Rubens, in dessen Antwerpener Atelier er als blutjunger, genialer Künstler im Alter von 17 Jahren eingetreten war, aber auch im Rückgriff auf den höfischen Porträtstil Tizians, entwickelte er jenen vornehm-gelassenen, distanzierten Ausdruck, der die Vorstellung vom aristokratischen Menschenbild für seine Zeit außerordentlich geprägt hat. Die Werke verblieben lange im Palazzo Balbi in Genua. 1828 wurden sie, durch Vermittlung des Malers David Wilkie, von dem englischen Sammler Sir Robert Peel erworben und gelangten aus dessen Hinterlassenschaft, die 1900 versteigert wurde, schließlich nach Berlin. Jan Kelch und Katja Kleinert | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________________________________________________When the Gemäldegalerie received these two portraits as companion pieces in 1901, they already had a long common history behind them. At the beginning of the 18th century, the two portraits were owned by Costantino Balbi (1676–1740) in Genoa; he is believed to have purchased the portrait of the woman from Giovanni Luca Spinola, and that of the man from Alessandro Saluzzo and his brothers. Both portraits are very likely to have been painted in Genoa by Anton van Dyck around the same time – 1622–23 – during the artist’s stay in Italy (1621–27). Both portraits show very individual, compelling personalities; both are depicted in life-size and shown seated. It is unsurprising that for over 200 years it was assumed that these two pictures were portraits of a married couple. However, historical records show that this is not the case.The painting of the man is the portrait of the Genoese senator Alessandro Giustiniani- Longo (1544–1631), who was in his late seventies around 1622–23. He belonged to an ancient and very noble Genoese family. Between 1611 and 1613, he held the highest office that the oligarchic merchant city-state in Liguria had: that of the Doge. In 1613, he was appointed Procurator of the Genoese Republic, a life-long office that put him in charge of finances. The rolled document in his right hand and his imperious and suspicious gaze appear to correspond to this position, which presupposed incorruptibility. The black cap on his head also illustrates that the sitter holds a public office. In contrast, the identity of the woman remains uncertain. Her hairstyle with the lacy ornament on her forehead indicates that she is a widow, thus making it unlikely that the two portraits are pictures of a married couple. In addition, a copy of the portrait made in the 17th century shows that the picture was originally wider, and that a section on the left side was removed at a later point, presumably to make it match the portrait of the man. 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