Logo

Lot und seine Töchter

Ident. Nr.: 70.2

ObjID: obj:864023

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Orazio Gentileschi (9.7.1563 - 7.2.1639),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1622/23
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Lot und seine Töchter
Übersetzung: Lot and His Daughters
Geografische Bezüge
Herstellungsort: Italien,
Land
Material / Technik
Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 164,6 x 193,4 x 2,5 cm
Erwerbung
Ankauf 1970

Objektbeschreibung

Im Schutz eines dunklen Felsvorsprungs blicken Lots Töchter gebannt in die Ferne. Ihre Aufmerksamkeit gilt der für die Betrachtenden nicht sichtbaren Zerstörung Sodoms durch Gott. In dem Glauben, die einzigen Überlebenden der Menschheit zu sein, fassen die jungen Frauen den Entschluss, ihren Vater mit Wein zu betäuben und mit ihm schlafen, um so den Fortbestand der Menschheit zu sichern. Das aus heutiger Sicht verstörende biblische Thema erfreute sich im 16. und 17. Jahrhundert großer Beliebtheit. Die entsprechenden Darstellungen waren häufig stark erotisch konnotiert. Gentileschi jedoch setzt auf Andeutungen statt auf provokante Explizitheit. Damit traf er offenbar den Geschmack seiner Auftraggeber. Weitere Varianten dieses Bildthemas von Gentileschi haben sich beispielsweise im J. Paul Getty Museum in Los Angeles, im Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid sowie in der National Gallery of Canada in Ottawa erhalten, wobei die Ausführung in Los Angeles als die erste Fassung gilt. Sie entstand im Jahr 1621 im Auftrag des Adligen Giovanni Antonio Sauli für dessen Palazzo in Genua. Die Fassung in Ottawa wird hingegen mit jenem Werk identifiziert, das Gentileschi 1623 an Carlo Emanuele I. von Savoyen übersandte. Die Berliner Version befand sich vermutlich im Besitz von Kardinal Maurizio von Savoyen. Die Komposition des Berliner Gemäldes entspricht weitestgehend jener in Los Angeles, unterscheidet sich jedoch in der Abfolge der Gewandfarben sowie in der Lichtführung.

Letzte Aktualisierung: 29.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Allegorie auf Friedrich den Großen als Gründer des deutschen Fürstenbundes

Allegorie auf Friedrich den Großen als Gründer des deutschen Fürstenbundes

Im Katalog der Berliner Akademieausstellung von 1787 (als Nr. 2) wird das Gemälde folgendermaßen beschrieben: „Der Fürstenbund. Friedrich der Zweite, der mit einer Fackel die Waffen des Krieges angezündet hat, umwindet mit dem friedlichen Oehlzweige, den ihm die Staatsklugheit vorhält, das Bund Wurfpfeile, welches ihm von der Göttin Deutschlands dargereicht wird, hinter dieser steht die Göttin der Eintracht, die man an ihren beiden zusammengeschlungenen Fruchthörnern erkennet.“Der deutsche Fürstenbund wurde auf Anregung Friedrichs des Großen im Jahre 1785 gegründet. Anlass war ein Gesuch des bayerischen Erbfolgers, Herzog Karl von Pfalz-Zweibrücken, um Schutz vor dem Drängen Kaiser Josephs II., Bayern im Tausch gegen die österreichischen Niederlande an das Haus Habsburg abzutreten.Ein Kontrakt zwischen Preußen und den Kurfürstentümern Hannover und Sachsen gründete den Bund, dem sich auch kleinere Länder schnell anschlossen. Die Koalition zerfiel beim Tod des Preußenkönigs im August 1786. Das Gemälde basiert auf Anregungen des mit Rode befreundeten Lyrikers und Logik-Professors an der Berliner Kadettenanstalt, Karl Wilhelm Ramler. Es gehört zu der sogenannten Fridericiana, einer losen Folge von nachträglich zur Serie erklärten Gemälden Rodes, die zwischen 1786 und 1795 entstanden und sich bildkünstlerisch mit der Biografie Friedrichs des Großen (1712–1786) befassen. Die Fridericiana folgt ideologisch der Brandenburgiana, einer zwischen 1757 und 1763 entstandenen Serie von Gemälden Rodes mit Ereignisdarstellungen aus der brandenburgisch-preußischen Geschichte. SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. am Altar: B. Rode 1786

Allegorie auf Friedrich den Großen als Perseus

Allegorie auf Friedrich den Großen als Perseus

Das Gemälde basiert thematisch auf einer „Anleitung zum Gebrauch allegorischer Personen für bildende Künstler“ des mit Rode befreundeten Lyrikers und Logik-Professors an der Berliner Kadettenanstalt, Karl Wilhelm Ramler: „Die Göttin der Weisheit zeigt dem gewaffneten Helden in ihrem spiegelhellem Schilde was hinter seinem Rücken vorgeht: er sieht darin eine schlangenhaarige Göttin schlafen. Sogleich zieht er seinen Degen, noch ehe sie wach wird“. Die Dynamik des Vorgangs wird am rechten Bildrand durch den rücklings ausweichenden geflügelten Genius mit dargebotener Rüstung, Waffe und Lorbeerkranz hervorgehoben. Dazu bietet die dramatische Wolkenlandschaft des Hintergrundes den geeigneten bildkünstlerischen Resonanzraum für die sinnbildliche Darstellung der bedeutenden historischen Entscheidung Friedrichs des Großen, unangekündigt in Sachsen einzumarschieren und damit den später so bezeichneten Siebenjährigen Krieg (1756–1763) zu beginnen. Das Gemälde gehört zu der sogenannten Fridericiana, einer losen Folge von nachträglich zur Serie erklärten Gemälden Rodes, die zwischen 1786 und 1795 entstanden und sich bildkünstlerisch mit der Biografie Friedrichs des Großen (1712–1786) befassen. Die Fridericiana folgt ideologisch der Brandenburgiana, einer zwischen 1757 und 1763 entstandenen Serie von Gemälden Rodes mit Ereignisdarstellungen aus der brandenburgisch-preußischen Geschichte. SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. an der Schwertscheide: B. Rode 1789

Bettelmusikanten

Bettelmusikanten

In Ochtervelts Oeuvre zählen die sogenannten „Hausflurbilder“, in denen der Blick auf Musikanten oder Lebensmittelhändler an der Türschwelle vor dunklen, reich ausgestatteten Hausfluren fällt, zu einer wichtigen, vom Maler entwickelten Themengruppe. Im Gegensatz zu vielen seiner Künstlerkollegen legte Ochtervelt die Szenerien als Interieurs vom voorhuis (Hausflur) an. Symbolisch steht die Tür des eleganten Bürgerhauses hierbei als Übergang zwischen öffentlicher Außenwelt und privatem Innenraum für die Trennung zwischen niedrigen Ständen und feiner Gesellschaft des Bürgertums. Im Eingangsbereich der vornehmen Wohnstätte, die wegen ihrer nächtlichen Verortung beinahe im Dunkel liegt, steht eine junge Frau auf der linken Seite. Durch die Tür sind herannahende Straßenmusikanten zu erkennen, die Anstalten machen in die private Sphäre des marmorgefliesten Flurs einzutreten. Die Frau hält mit beiden Händen ein Kleinkind, das sich um die Aufmerksamkeit eines Hundes bemüht, an den Gängelbändern seines gelben Kleides. Ein zweites Kind im roten Satinkleid und teurem Spitzenkragen blickt gebannt auf die beiden Gestalten im Türrahmen und schickt sich bereits an, die musizierenden Fremden mit einer Münze zu entlohnen. Die holländische Gesellschaft des 17. Jahrhunderts wird hier als idealisierte Form einer festen Ständeordnung wiedergegeben. Ochtervelts wohlhabende Gönner kamen somit in den Genuss eines beruhigenden Bildes sich gegenüberstehender sozialer Klassen. Mit einer neunteiligen Serie solcher Bilder trug Ochtervelt auf innovative Weise zur holländischen Genremalerei bei. Es ist anzunehmen, dass die „Bettlermusikanten“ das erste Bild dieser Varianten ist. In den späteren Darstellungen versetzte der Künstler die Straßenmusikanten allmählich über die Schwelle in den Innenraum, wo die Verkäufer auch der Hausherrin selber ihre Ware anbieten. Ochtervelts besonderes Augenmerk lag jedoch nicht auf den technischen Gegebenheiten, wie etwa bei Pieter de Hooch auf dem Lichteffekt der abgegrenzten Raumsituation, sondern auf dem Verhalten der beteiligten Personen. Trotzdem sind Stoffe, Oberflächen der Kostüme sowie die Architektur in besonderem Detail wiedergegeben.