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"So de Oude songen, so pypen de Jongen" / Wie die Alten sungen, so pfeifen auch die Jungen

Ident. Nr.: 795D

ObjID: obj:864346

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Jan Steen (1625/26 - 1679),
Maler*in
Datierung
Ausführung: um 1665/70
Systematik/Art
Weitere Titel
"So de Oude songen, so pypen de Jongen" / Wie die Alten sungen, so pfeifen auch die Jungen
Übersetzung: "So de Oude songen, so pypen de Jongen" (As the Old sing, so Pipe the Young)
Geografische Bezüge
Herstellungsort: Haarlem,
Stadt
Material / Technik
Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 85,1 x 100,5 cm
Erwerbung
1891 Ankauf aus der Sammlung Pelham-Clinton-Hope, Deepdene

Objektbeschreibung

Jan Steen darf als einer der fruchtbarsten niederländischen Genremaler des 17. Jahrhunderts gelten. Ebenso wie andere Künstler der Zeit produzierte er mehrfach in seiner Karriere Variationen ein und desselben Bildthemas. Ein auf dem Podest neben der Wiege liegender Zettel weist auf das Thema dieses Bildes hin, "Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen", welches Steen in insgesamt 13 Varianten umsetzte. Eine ungewöhnliche Ausnahme in dieser Reihe von Gemälden stellt das Berliner Bild dar, welches sich sowohl was die Form als auch den Inhalt betrifft von den restlichen Werken deutlich unterscheidet.
Wie maltechnische Untersuchungen gezeigt haben, dürfte Jan Steen für das vorliegende Gemälde zunächst jedoch ein vollständig anderes Bildthema mit abweichender Raumkomposition und Figurengruppen im Sinne gehabt haben. Vermutlich handelte es sich hierbei um eine so genannte "Fröhliche Gesellschaft" in einem großzügigen, herrschaftlichen Raum. Zahlreiche Motive dieses ursprünglich sehr viel anspruchsvolleren Ambientes eliminierte der Maler in der heutigen Fassung. Wesentliche Bildelemente - wie die repräsentative Anlage des Raumes - blieben jedoch erhalten, wurden überarbeitet und in die Komposition des neuen Bildes geschickt einbezogen. Auf diese Art und Weise integrierte Jan Steen das Thema "Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen" in einen Kontext, der zunächst für einen anderen Bildzusammenhang entworfen worden war. Indem Steen ein Bild mit fertiger Kompositionsstruktur möglichst effektiv weiterverarbeitete und dem neuen Kunstwerk zu Grunde legte, entwickelte er aufgrund der neuen Bildstruktur auch eine vollkommen neue Darstellungsform des Sprichwortes und schuf auf diese Weise eine ikonographische Innovation.
Statt, wie in seinen anderen Darstellungen des Sprichwortes "Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen", die Erwachsenen in Form einer über die Stränge schlagenden Gesellschaft ausschließlich in ihrer Funktion als negatives Vorbild zu präsentieren, entschied sich Steen hier für eine Zweiteilung: im Vordergrund des Bildes präsentiert er das positive Beispiel einer gesitteten, verantwortungsvollen Gruppe von Erwachsenen, mit Mutter und Baby in der Wiege. Im Hintergrund des Bildes führt er dagegen das negative Beispiel einer genusssüchtigen, enthemmten Gesellschaft vor, gerahmt von zwei, über ihnen befindlichen Gemälden des Frans Hals, die er vermutlich aus eigener Anschauung kannte: links die „Malle Babbe als Raucherin“ und rechts den „Peeckelharing als Trinker“, deutliche Verweise auf zwei äußerst schlechte Gewohnheiten der Erwachsenen: das Rauchen und das Trinken.
Weshalb der Maler sich sein erstes, fast fertiges Werk nochmals vornahm und komplett überarbeitete, ist heute nicht mehr nachzuvollziehen. Dagegen ist seine überaus effektive Vorgehensweise, bei der er geschickt Partien der ersten Version überarbeitete und wirkungsvoll in die Komposition des neuen Bildes einbezog, gut belegbar und der Maler für seine hier zum Einsatz gebrachte Stringenz und Effizienz nur zu bewundern. Dass er gleichzeitig mit der kompositorischen Überarbeitung der Bildanlage auch eine grundlegende inhaltliche Veränderung vornahm, spricht zudem für eine erstaunliche Flexibilität und Erfindungsgabe. Mit seiner neuen ikonographischen Bildinszenierung schuf er eine überraschend innovative und für sein Oeuvre einmalige Version des Sujets. Katja Kleinert und Maria Reimelt | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019

SIGNATUR: links unten: JSteen (JS verbunden)
______________________________________________

Jan Steen may be regarded as one of the most productive Dutch genre painters of the 17th century. Like other artists of the time, in his career he repeatedly produced variations on the same pictorial subject. A note lying on the pedestal next to the cradle indicates the subject of this picture, "As the Old Sing, So the Young Pipe", a theme to which Steen devoted a total of 13 versions. The Berlin painting is an unusual exception in this series. In both form and content, it clearly differs from the other works.

As technical examinations of this painting have shown, at first Jan Steen probably had a completely different subject in mind. This may well have been a so-called “merry company” in a large, fine room. In the present version, the artist removed many motifs from these surroundings, which were originally of much higher quality. Important elements of the scene such as the imposing room were retained, however, reworked and incorporated into the composition of the new work. By this means Steen integrated the theme “As the Old Sing, So the Young Pipe” into a context that was originally designed for a different depiction. By doing further work on a painting with a finished compositional structure and making it the basis for the new scene, Steen developed an entirely new way of presenting the adage by building on the new structure, and thus established an iconographic innovation.

Instead of showing the adults in the function of a negative role model in a company pursuing pleasure wildly, as in other depictions of the saying “As the Old Sing, So the Young Pipe”, here Steen opted for a division into two parts: in the foreground he presents the good example of a well-behaved, responsible group of adults with a mother and a baby in a cradle. In the background, by contrast, he represents the bad example of an unrestrained group bent on pleasure, framed by two paintings by Frans Hals placed above them, which he probably knew from seeing them himself: on the left Malle Babbe Smoking and on the right Peeckelharing Drinking, clear references to two extremely bad adult habits: smoking and drinking.

Today, we can no longer know why the artist returned to his first, almost finished painting and completely reworked it. However, his highly effective way of proceeding, in which he skilfully worked over parts of the first version and successfully incorporated them into the composition of the new work, is well established, and the artist can only be admired for the rigour and efficiency that he brought to bear here. The fact that while reworking the composition of the scene he at the same time undertook a fundamental change in its content demonstrates astonishing flexibility and inventiveness. With his new iconographical presentation, he created a surprisingly innovative version of the subject that is unique in his oeuvre. Katja Kleinert und Maria Reimelt | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Friedrich der Große vor der Schlacht bei Torgau

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Im Jahre 1741 trat Rode in die Werkstatt des preußischen Hofmalers Pesne ein. Hier konnte er seine künstlerischen Fähigkeiten optimal erschließen. Sicher auch auf dessen Anregung hin begab sich Rode um 1749 auf eine mehrjährige Studienreise nach Paris. Anfang der fünfziger Jahre weilte er gemeinsam mit dem Maler Adolf Friedrich Harper in Rom und Venedig. Hier hatten es ihm die glühenden Farben der Bilder von Tizian und Tintoretto angetan. Seit etwa 1753 lebte Rode wieder in Berlin. Die Erfahrungen der Studienreisen prägten sein künstlerisches Selbstverständnis. Mit nur unwesentlichen Modifikationen behielt er seinen Stil bis zum Lebensende bei. Seit 1770 wurde Rode in den Unterlagen der Berliner Kunstakademie als »Historien-Mahler« geführt. Mehrfach hatte er bereits erfolgreich für Friedrich den Großen gearbeitet. Dieser muss Rodes Stücke sehr geschätzt haben. So überrascht es nicht, dass er den Maler 1783 umgehend auf die vakante Akademiepräsidentenstelle berief. Mit der Reorganisation der Akademie unter ihrem Präsidenten Rode und dessen Stellvertreter Daniel Nikolaus Chodowiecki im Jahre 1786 ist auch dem neuen allgemeinen Interesse an vaterländischer Geschichte und ihrer Bewahrung in Artefakten entsprochen worden. Fortan unterstützte die Akademie zeitgemäße Kunst durch die Formulierung geeigneter Prämierungsgrundsätze. Sie sollte gewissermaßen »aus der uns allen sehr interessanten Brandenburgischen Geschichte« schöpfen, wie Chodowiecki im Mai 1786 in einem Vortrag äußerte. Einen Höhepunkt bedeuteten die von Christoph Friedrich Nicolai zwischen 1788 und 1792 veröffentlichten sechs Hefte: Anekdoten von König Friedrich II. von Preußen und von einigen Personen, die um ihn waren. Es handelt sich hierbei um eine geprüfte frühe Quellenliteratur. Diese Veröffentlichungen haben auch Rodes Ereignisbilder zur vaterländischen Geschichte maßgeblich bestimmt. Er war der erste Maler in Brandenburg-Preußen, der sich bemühte, Historiographie frei von barockem Pathos in weltliche Ereignisbilder umzusetzen. Damit hatte der Künstler sich weitgehend vom klassischen Historienbild gelöst, wo die Taten exponierter Personen in mythologische oder religiöse Handlungen eingebettet wurden.Ein Zeugnis dieser neuen Reflexionsweise ist unser Gemälde, für dessen thematische Rahmenhandlung ein Hauptgefecht des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) gewählt wurde. Nachdenklich lehnt der König an einer Eiche, die als Kompositionsachse dient. Er behütet den Schlaf seines treuen Dieners, des Husarengenerals Hans Joachim von Zieten. Eine Soldatenfrau, glücklich über das in der Nähe befindliche Feuer, stellt einen Topf mit Kartoffeln in den provisorischen Herd, ohne die Herrschaften zu bemerken. Eifrig facht sie die Glut an, so dass Asche in des Königs Gesicht geblasen wird. Dieser aber lässt sie gnädig gewähren, während er sich mit seinem Mantel schützt. Die Figuren sind in ein gedachtes ungleichschenkliges Dreieck gespannt, wodurch eine geradezu klassische Statuarik entsteht. Eine schöne Landschaft umschließt die Gruppe. Sie ist das Resultat von Rodes vielfältigen Naturstudien im Harz, im märkischen Oderland sowie in Schlesien. Das Licht des Lagerfeuers hebt die Akteure der Haupthandlung hervor. Damit hatte sich Rode die Möglichkeit eröffnet, die Glut eines gedämpften Kolorits zu verwenden, wie er es während seiner venezianischen Studienzeit kennen- und schätzengelernt haben dürfte. Eine flüchtige Zeichnung zur Vorbereitung der Komposition von Rodes Hand wird im Berliner Kupferstichkabinett aufbewahrt. Das Gemälde wurde auf der Berliner Akademieausstellung des Jahres 1793 gezeigt. Es gehört zu einer locker gefügten Fridericiana, die zwischen 1786, respektive 1791, und 1795 entstand. Von den ursprünglich strenggenommen – acht Bildern sind nur vier erhalten. Erstaunlicherweise ist zu Lebzeiten des Malers keines von ihnen verkauft worden. Offenbar entsprachen die hier geschilderten Charaktereigenschaften des verblichenen Königs – Bescheidenheit, Furchtlosigkeit und Witz – sowie die Verwendung zeitgenössischer Kostüme nicht den Vorstellungen des Publikums, dem das zeitlos Erhabene vorzuschweben schien.| 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2010SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. rechts unten am Stein: B. Rode / 1791._____________________________________________________________An anecdote relates that the king leant thoughtfully against an oak. He is watching over the sleep of his faithful servant, the Hussar General Zieten. A soldier’s wife is placing a pot of potatoes on the provisional hearth, without noticing the gentlemen. She is fanning the ashes so enthusiastically that ash is being blown in the king’s face. However, he graciously allows her to continue, while he protects himself with his cloak. The glow of the campfire highlights the protagonists. The painting was shown at the 1793 Berlin Academy exhibition (picture no. 2). It belongs to the so-called Fridericiana, a loose set of paintings by Rode created between 1786 and 1795, that were subsequently declared to be a series and depict important events of the biography of Frederick the Great (1712–1786). The Fridericiana ideologically follows the Brandenburgiana, a series of paintings by Rode created between 1757 and 1763 depicting events from Brandenburg-Prussian history.

Die Apostel Petrus und Johannes, segnend

Die Apostel Petrus und Johannes, segnend

Das Bild stammt von einer beidseitig bemalten Prozessionsfahne, die Vasari für die Compagnia dello Spirito Santo malte. Auf der anderen Seite war das Pfingstwunder dargestellt. Es befindet sich heute in der Bildergalerie, Potsdam Sanssouci. Beide Szenen stehen inhaltlich in unmittelbarem Zusammenhang. Nach der Ausgießung des Heiligen Geistes zu Pfingsten treten Petrus und Johannes gemeinsam auf, um als Jünger Christi dessen Lehre zu verbreiten. Auf den göttlichen Auftrag verweist die Taube des Heiligen Geistes, die über der Szene schwebt. Laut Apostelgeschichte hält Petrus eine wirkungsvolle Predigt und heilt im Beisein von Johannes einen Lahmen (Apg. 3,1-10). Er ist der Stellvertreter Christi auf Erden, ist befähigt, Wunder zu tun und kann darüber hinaus als Repräsentant der Kirche angesehen werden. Mit den Darstellungen auf der Prozessionsfahne, die zu Pfingsten durch die Stadt getragen wurde, verwiesen die Mitglieder der Bruderschaft auf ihre eigene Jüngerschaft und ihre Aufgabe als Verkünder des Evangeliums. Vasari war als Maler und Baumeister in Arezzo, Florenz und Rom tätig. Auf vielen Reisen sammelte er Material für die Lebensbeschreibungen italienischer Künstler, die heute eine der wichtigsten Quellen der Kunstgeschichte sind. | Prestel-Museumsführer - Gemäldegalerie Berlin, 2017__________________________________________________The picture conies from a processional banner painted on both sides that Vasari painted for the Compagnia dello Spirito Santo. The miracle of Pentecost was depicted on the other side. This work is now in the Bildergalerie in Potsdam- Sanssouci. The two scenes are closely linked in terms of content. After the outpouring of the Holy Spirit at Pentecost, Peter and John appeared together to spread Christ’s teaching as his disciples. The pentecostal dove hovering over the scene refers to the divine mission. The account adds that sick people were healed by Peter’s shadow as he passed by (Acts of the Apostles 3, 1-10). He is Christ’s representative on earth, is able to perform miracles and can also be seen as representing the whole church. The members of the Brotherhood were identifying their own discipleship and their mission to proclaim the gospel in the images on the processional banner that was carried through the city at Whitsuntide. Vasari worked as a painter and architect in Arezzo, Florence and Rome. He travelled a great deal, and collected material for accounts of Italian artists’ lives, which are important sources of art history. | Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2017