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Die Versuchung des heiligen Anthonius

Ident. Nr.: 2026

ObjID: obj:864535

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Unbekannt,
Maler*in
Umkreis: Adriaen Brouwer (1603/05 - 1638),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1620 - 1650
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die Versuchung des heiligen Anthonius
Übersetzung: The Temptation of Saint Anthony
Geografische Bezüge
Flandern,
Region
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Bildmaß: 27,4 x 21 cm

Objektbeschreibung

Adriaen Brouwer, der als Künstler in Haarlem, Amsterdam und seit 1631 in Antwerpen nachweisbar ist, war schon zu seinen Lebzeiten wegen seiner humoristischen Bauerndarstellungen besonders geschätzt. Sein Œuvre ist bis heute schwer von einer großen Zahl von Nachahmern und Kopisten zu unterscheiden. Das hier gezeigte, aus dem Umfeld Adriaen Brouwers stammende Werk stellt den heiligen Antonius umgeben von zahlreichen dämonenartigen Wesen in einer Höhle dar, ein Bildthema, das von Brouwer selbst lediglich im Nachlass von Peter Paul Rubens überliefert ist. Die aus diffusem Dunkel hervortretenden Fratzen sind sichtlich darum bemüht, die Aufmerksamkeit des im Gebet versunkenen Eremiten zu erregen. Doch alles Werben scheint umsonst zu sein: Weder die Kröte, die verzweifelt eine überdimensionierte Goldmünze emporstreckt, noch der sich fast fürsorglich an Antonius wendende glupschäugige Dämon können den Heiligen von seinem Vorsatz abbringen. Wie in vielen anderen Darstellungen des 17. Jahrhunderts auch, befindet sich Antonius weder in einem heftigen Kampf mit den aus der Hölle abgesandten Geistern, noch ist er einer echten Versuchung ausgesetzt: Als nähme er das Treiben in seiner engen Klause gar nicht wahr, betet er mit entrücktem Blick vor einem steinernen Pult. Das durch einen Felsspalt einfallende Licht mag hier ebenso an den legendarischen Bericht über die Bezwingung der bösen Geister durch ein plötzlich erscheinendes göttliches Licht erinnern, wie die Höhle an den biblischen Vergleich des Felsens mit der Glaubensfestigkeit (Mt 16,18, 1 Kor 10,4). In Anspielung darauf scheint Antonius mit seiner steinernen Wohnstätte fast verwachsen. Jene Darstellung eines ruhig meditierenden und felsverhafteten Antonius lässt sich vergleichen mit der Berliner Antoniusversuchung, die in direkter Bosch-Nachfolge steht.
Wie in den Antonius-Darstellungen des von Brouwer beeinflussten David Teniers d. J. (1610–1690), liefern sich zwei auf fliegenden Fischen reitende Kröten einen turnierartigen Luftkampf. Von der Verblendung der Dämonen zeugt besonders die unten links sitzende groteske Gestalt, die trotz eines die Augen verdeckenden Schlapphuts ein Schriftstück zu lesen versucht – vielleicht eine briefliche Anweisung aus der Hölle. Fledermaus und Lurch, als im Verborgenen lebende Wesen Repräsentanten des Teufels, fehlen ebenso wenig wie die höllischen Musikanten, welche die Eremitenruhe durch ein kakophones Konzert zu stören versuchen: Das Geige fiedelnde Schwein und ein Flötist sind letztendlich der pandämonischen Bilderwelt des Jheronimus Bosch verpflichtet: In Abwandlung von Boschs Klarinettennasen spielt der Flötist sein Instrument durch die Nase. Das Schwein trägt, ähnlich wie in einer berühmten Szene auf dem Höllenflügel des Madrider Gartens der Lüste, den Habit einer Nonne, die aus dem Dunkel hervortretenden Köpfe erzeugen eine gespenstisch-groteske Atmosphäre.| Johannes Rössler

Letzte Aktualisierung: 25.06.2026

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Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Alles in dieser Szenerie regt zum Nachdenken über zwei untrennbare Aspekte an: das tragische Schicksal Christi und die Vergänglichkeit der irdischen Welt.Trotz ihres zeitlosen Charakters handelt es sich um ein typisches Werk Ercole de’ Robertis, der bei Cosmè Tura in die Lehre gegangen und in Ferrara in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts tätig war. Die expressionistischen Züge von Turas Figuren und deren an Bronzeskulpturen erinnernden Drapierungen sind hier deutlich zu erkennen, während der Maler seine Originalität in der Landschaft bekundet. Bereits in seiner Altartafel für die Basilika S. 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Jahrhunderts wurde das Werk indes Bellinis Schwager Andrea Mantegna zugeschrieben, dessen enormer Ruf ihn zum Autor sehr unterschiedlicher Werke werden ließ (beispielsweise im Falle der Grabbereitung Christi von Vittore Carpaccio). Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019__________________________Saint John the Baptist spent his life in the desert announcing the advent of the Messiah: he is here shown as a prophet, his body stunted, his face emaciated and his possessed gaze turned towards the tiny Crucifix crowning the stock that he holds in his hands. Such a detail is most implausible, as the use of the Crucifix only spread long after the death of Jesus Christ, who was John’s contemporary. But the painter did not pay attention to historic realism; rather, the landscape itself reinforces this timeless impression of a fantastic vision, worthy of the best modern science fiction movies: the sun has just set on a phantasmagorical landscape, made of strangely shaped rocks invaded by mist. On the left is a remarkably detailed harbour city, while on the right a promontory seems to have been once connected to the city by a now destroyed bridge. Everything in this landscape encourages us to meditate on two inseparable aspects: the tragic destiny of Christ and the perishable nature of the human world.Even if this painting seems timeless, it is a characteristic work by Ercole de’ Roberti, a Ferrarese painter trained by Cosmè Tura in the second half of the 15th century. The expressionist character of Tura’s figures, and his draperies which look alike bronze sculptures are clearly visible here, even if the painter shows his originality into the landscape. In his altarpiece for the church of Santa Maria in Porto, near Ravenna (today in the Pinacoteca di Brera in Milan), Ercole had already decided to represent, in addition to the Virgin, the Christ Child and the Saints according to the traditional scheme known as the “holy conversation”, a far landscape view under the throne of the Virgin. Such a view is to be strictly compared to the present painting.Landscape is understood here as a way to extend the contemplation of a painting and to deepen religious meditation. This way of appreciating paintings came from the North of the Alps, where it was named devotio moderna or “modern devotion”. The first great interpret of this type of conception of landscape in Northern Italy was the Venetian painter Giovanni Bellini; his Resurrection, today in Berlin, is particularly characteristic in that sense. 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Giovanni Mocenigo (1508-1580)

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Der Porträtierte wurde 1954 von Rodolfo Pallucchini überzeugend als Giovanni Mocenigo identifiziert, dem jüngeren Bruder des Dogen Alvise I. Mocenigo. Giovanni bekleidete hohe Staatsämter in Venedig, unter anderem als Consigliere und Savio del Consiglio. Ein enges persönliches Verhältnis verband ihn mit seinem Bruder; nach dem Tod des kinderlosen Dogen fielen dessen Erbansprüche an Giovannis Kinder. Beide Brüder erscheinen gemeinsam in einem Votivbild Tintorettos, das um 1575 entstand und sich heute in der National Gallery of Art in Washington befindet (Samuel H. Kress Collection; Inv.-Nr. 1961.9.44). Es zeigt den Dogen Alvise Mocenigo und seine Frau gemeinsam mit seinem Bruder Giovanni sowie dessen Söhnen vor der Jungfrau mit dem Kind. In diesem Gemälde wurden vier der dargestellten Köpfe – darunter der Giovanni Mocenigos – offenbar nach dem lebenden Modell auf kleineren Leinwänden gemalt und anschließend in die größere Komposition eingefügt. Dieses Werk ermöglichte Pallucchini die Identifizierung des Berliner Porträts. In dem Einzelporträt Giovannis in der Gemäldegalerie wählte Tintoretto das in seinem Porträtschaffen ungewöhnliche Brustbildformat. Im Vergleich zum Gemälde in Washington erscheint Giovanni Mocenigo hier gealtert; das Berliner Porträt dürfte daher kurz vor seinem Tod im Jahr 1580 entstanden sein. Unter Verzicht auf die repräsentative Würde, die Tintorettos Halb- und Dreiviertelfigurenporträts sonst auszeichnet, ging es dem Künstler hier um eine geistige Erfassung und psychologische Durchdringung des Dargestellten. In der Ausstrahlung dieses durch den musternden Blick Distanz schaffenden, zugleich aber in seiner Schlichtheit und Direktheit intim wirkenden Porträts gehört das Werk zu den bedeutenden Leistungen Tintorettos im Bereich der Porträtmalerei. | Aus: Gemäldegalerie. Katalog der ausgestellten Gemälde des 13.-18. Jahrhunderts 1975 (2025 aktualisiert von Sven Jakstat)