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Ein Stifter vor dem Kreuz Christi

Ident. Nr.: 1656

ObjID: obj:864577

Details (Expert)

Beteiligte
Zuschreibung unsicher: Konrad Witz (1400/10 - 1444/46),
Maler*in
Datierung
Ausführung: um 1440/50
Weitere Titel
Sammlungstitel: Ein Stifter vor dem Kreuz Christi
Übersetzung: A Donor before Christ on the Cross
Geografische Bezüge
Abmessungen
Tafelmaß: 34,0 x 26,0 cm
Erwerbung
Ankauf 1908

Objektbeschreibung

Auf den ersten Blick erscheint das kleine Gemälde wie eine gewöhnliche Kreuzigungsdarstellung, die allerdings in eine wunderbar erfasste nordalpine Landschaft versetzt ist. Doch irritiert dabei die Position des Stifters, der im Gebet genau vor Christus kniet, während die biblischen Gestalten, Maria mit zwei heiligen Frauen und Johannes, merkwürdigerweise hinter dem Kreuz platziert sind. Aufschluss ergibt die Betrachtung des Kreuzes selbst, das mit seinem profilierten Sockel offenbar nicht als das historische Leidensgerät auf Golgatha zu verstehen ist, sondern als ein skulptiertes Wegekreuz, wie es sie in Mitteleuropa zahllos gab. Dementsprechend ist das Bild so zu lesen, dass der Stifter auf seinem abendlichen Weg zur hinten sichtbaren Stadt vor einem Wegekreuz niedergekniet ist. Die Tiefe seiner Meditation wird dadurch belohnt, dass der leibhaftige Christus anstelle des geschnitzten Kruzifixus erscheint und mit ihm die Trauernden. Wir sehen also gleichsam die persönliche Vision des Stifters, die dieser in seiner heimatlichen Umgebung, an einem See inmitten der Schweizer Berge, erlebt. Bei diesem Stifter handelt es sich um einen Laien, dessen gänzlich rote Kleidung auf ein bestimmtes Amt verweisen könnte – es ist jedoch kein Kardinal, wie oft angenommen wurde. Trefflich hat der Maler die Abendstimmung über dem See eingefangen, den atmosphärischen Dunst der Ferne und die ziehenden Wolken wiedergegeben. Dieser Künstler war entweder Konrad Witz selbst, der in dem Täfelchen dann sein einziges kleinformatiges Werk hinterlassen hätte, oder ein unbekannter Maler aus der unmittelbaren Umgebung des berühmten Basler Meisters.| Prestel-Museumsführer – Gemäldegalerie Berlin, 2017
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At first sight this small painting seems to be a normal depiction of the Crucifixion, though one that has been transferred to a wonderfully conceived north Alpine landscape. However, the position of the donor is surprising. He kneels in prayer directly in front of Christ, while the biblical figures, Mary with two female saints and St. John, are strangely placed behind the cross. The solution is to be found by looking at the cross itself, which with its profiled base should obviously not be regarded as the historic instrument of the Passion on Golgotha but as a carved wayside cross of the type that existed in their thousands in central Europe. Accordingly the painting should be read as showing the donor, who has fallen to his knees in front of a roadside cross in the evening on his way to the town that is visible in the background. The reward for the profundity of his meditation is that Christ himself appears in place of the carved crucifix, and the mourners with him. We are seeing, as it were, the personal vision of the donor, as he experiences it in his home surroundings, by a lake among the Swiss mountains. This donor is a layman whose entirely red 13th to 16th Century German Painting 23 clothing may be a reference to a particular office that he held—he is, however, not a cardinal, as is often assumed. The painter has superbly captured the evening mood on the lake and reproduced the atmosphere of haze in the distance and the passing clouds. The artist was either Konrad Witz himself, which would make this little panel his sole surviving smallformat work, or an unknown painter from the immediate circle of the famous master from Basel.| Prestel Museum Guides – Gemäldegalerie Berlin, 2017

Letzte Aktualisierung: 29.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Kardinal Ludovico Trevisan

Kardinal Ludovico Trevisan

Mantegnas außergewöhnliches Porträt zeigt den in Venedig geborenen Ludovico Trevisan (1401-1465), der auch unter dem Namen Scarampi oder Mezzarota bekannt ist. Es entstand zwischen dem 27. Mai 1459 und dem 8. Februar 1460 während des Fürstenkongresses von Mantua, auf dem Papst Pius II. um Unterstützung für den Kampf gegen die Osmanen warb. Trevisan war als reicher, mächtiger und gebildeter Mann innerhalb der kirchlichen Hierarchie aufgestiegen; 1435 wurde er Bischof von Trau, 1437 Erzbischof von Florenz, 1439 Patriarch von Aquileia und am 1. Juli 1440 Kardinal und zugleich Kämmerer (camerlengo) des Heiligen Stuhls. In der Schlacht von Anghiari stellte er 1440 seine militärischen Fähigkeiten als Befehlshaber der päpstlichen Truppen im Kampf gegen den Mailänder General Niccolò Piccinino unter Beweis. 1457 führte er eine erfolgreiche Seekampagne gegen die Türken im östlichen Mittelmeer und kehrte im März 1459 nach Rom zurück. Auf dem Kongress von Mantua wandte er sich gegen die Kreuzzugspläne Papst Pius’ II. und opponierte öffentlich gegen den venezianischen Kardinal Pietro Barbo, den späteren Papst Paul II. Er stand in Kontakt mit den bedeutendsten Humanisten und Antiquaren seiner Zeit, darunter Niccolò Niccoli, Poggio Bracciolini und Cyriacus von Ancona. Zudem trug er eine außergewöhnliche Sammlung von Kunstwerken und Altertümern darunter Münzen, Kameen, Gemmen und Bronzebüsten zusammen (s. das Inventar seiner Sammlungen in Florenz, publiziert bei Bagemihl 1993). Um 1461 beschäftigte er den Medailleur und Goldschmied Cristoforo di Geremia aus Mantua, der sich in Rom mit Altertümern befasst hatte und dem die Portraitmedaille mit offensichtlichen Rekursen auf römische Münzen (s. unten) zugeschrieben wird.Mantegnas Bildnis ist ein Meilenstein der italienischen Porträtkunst. Qualitäten der klassischen Skulptur werden in dieser Tafel auf die Malerei übertragen, sodass sich die Forderung des Dichters und Humanisten Ulisse degli Aleotti an den Künstler, der »in der Malerei [ein Bild] lebensnah und wahr herauszumodellieren und zu formen habe« wie ein Bildhauer (scolpi in pictura [l’imagine] propria viva et vera; s. Kristeller 1902, S. 488), zu erfüllen scheint. Der rote Klerikermantel oder ferraiolo gibt dem im Dreiviertelprofil gezeigten Brustbildnis Ludovicos auf ähnliche Weise Halt wie die Umhangdraperien (paludamentum) von Mantegnas gemalten Marmorbüsten römischer Kaiser oder Generäle an der Decke der Camera degli Sposi im Castello di San Giorgio des Palazzo Ducale zu Mantua. Zugleich akzentuiert Mantegna die darstellerischen Möglichkeiten der Malerei: in der stofflichen Wiedergabe des Seidenmoirés und dem unter dem weißen, halbtransparenten Chorhemd durchscheinenden Rot des Talars. Beim Vergleich des kompromisslos strengen Porträts des Kardinals Trevisan mit dem delikaten Profilbildnis des jungen Gonzaga-Prälaten oder mit dem naturalistischer anmutenden Bildnis in den Uffizien, dessen Modell meist als Carlo de’ Medici angesprochen wird (Agosti 2005, S. 320–321, 352–354, Nr. 173–177; Ausst.-Kat. Mantua 2006/07, S. 70), zeigt sich das Potenzial seiner malerischen Annäherungsmöglichkeiten an die Persönlichkeit des jeweils Dargestellten (In dem weicher ausgeleuchteten, doch noch klar beschreibenden Bildnis in den Uffizien scheint Mantegna mit dem Naturalismus der niederländischen Portraits zu wetteifern, ohne jedoch die strenge, skulptural begriffene Monumentalität seiner Kunst aufzugeben.). Der Rekurs auf ein klassisches Repertoire, der etwa an das Relief einer römischen Stele denken lässt, wie sie auf den Gütern von Jacopo Marcello in Monselice bei Padua zu finden waren, mäßigt im Fall des Trevisan-Bildnisses einerseits die herbe Erscheinung des Kardinals, den der Mantuaner Chronist Andrea Schivenoglia so beschrieb: »Ein kleiner, schwarzer, haariger Mann von äußerst hochmütigem und finsterem Aussehen« (»homo pizolo, negro, peloxo, com aìero molto superbo e schuro«; Übers. SH); andererseits dient er der Veranschaulichung eines besonderen Wesenszugs Trevisans: der virtù. Wie Kristeller bemerkte, »prägt sich in dem scharf geschnittenen Munde, den fest zusammengezogenen Augenbrauen« ein eiserner Wille aus; »hohe Intelligenz und feurige Leidenschaftlichkeit leuchten aus den klaren, scharfblickenden Augen; etwas Misstrauisches liegt in dem Blick, in der Senkung der Augenbrauen. Energie und Selbstsucht, die Grundzüge dieses Charakters, sind überzeugend in dem Gesichte zum Ausdruck gebracht.« (Kristeller 1902, S. 179–180).Bibliographie:Kristeller, 1901, pp. 170-73; Tietze-Conrat, 1955, pp. 11-12; Lightbown, 1986, pp. 81-82, 408-10; Campbell, 1990, p. 228; Christiansen, in Martineau, 1992, pp. 333-35; de Nicolò Salmazo 2004, pp. 146; Santucci 2004, pp. 98-100; Agosti 2005, p. 28; Poldi and Villa, in Lucco 2006, p. 57.Text aus "Gesichter der Renaissance" 2011, Autor: Keith Christiansen