Logo

Bildnis eines jungen Mannes

Ident. Nr.: 18

ObjID: obj:864624

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Antonello da Messina (um 1430 - 1479),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1478
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Bildnis eines jungen Mannes
Übersetzung: Portrait of a Young Man
Geografische Bezüge
Herstellungsort: Italien,
Land
Material / Technik
Nußbaumholz
Abmessungen
Bildmaß: 20,4 x 14,5 cm
Erwerbung
1821 Ankauf mit der Sammlung des Kaufmanns Edward Solly, Berlin

Objektbeschreibung

Ein unscheinbarer Zettel, wie zufällig an die Brüstung im Vordergrund geheftet, vermerkt das Entstehungsjahr des Porträts und bezeugt selbstbewusst: »Antonello aus Messina hat mich gemalt« (Antonellus messaneus me pinxit). Ein Jahr vor dem Tod des Malers entstanden, gilt das Bild als das letzte von rund zwölf erhaltenen Porträts des Sizilianers. Ausgeführt wurde es in seiner Heimatstadt, wohin Antonello im Sommer 1476 nach einem etwas mehr als einjährigen Aufenthalt in Venedig
zurückgekehrt war. Es ist mit Abstand das kleinste Bildnis von seiner Hand und zugleich das einzige, das die Figur nicht vor einheitlich dunklem Grund, sondern vor einer Landschaft zeigt. Ein leuchtend blauer Abendhimmel hinterfängt den jungen Mann, der uns, ganz in Schwarz gekleidet, über den Parapetto (die kleine Brüstung) hinweg leicht von oben herab anblickt. Seine charakteristischen Gesichtszüge sind individuell erfasst, das helle Inkarnat und Details wie Wimpern und Augenbrauen
sowie der Pelzbesatz an seinem Wams mit größter Sorgfalt wiedergegeben. Über dem leicht gewellten, rotbraunen Haar sitzt eine zeittypische Kopfbedeckung, die sogenannte Sendelmütze, deren seitlich herabhängende Binde (ital. becho) über die rechte Schulter nach vorn gelegt ist. Bereits mit bloßem Auge ist in diesem Bereich ein Pentimento zu erkennen. Der zunächst breiter angelegte Ärmel, der
ursprünglich bis nahe an den linken Bildrand heranreichen sollte, wurde verkleinert ausgeführt, um so den nötigen Platz für einen Landschaftsausblick zu schaffen. Auf engstem Raum und mit miniaturhafter Genauigkeit evoziert der Maler eine weite baumbestandene Ebene, wobei lange Schatten, einzelne Wolken und der im Dämmerlicht verfärbte Horizont für atmosphärische Stimmung sorgen. Anregungen durch niederländische Vorbilder im Stile Hans Memlings sind unverkennbar. Eine jüngst vorgenommene, eingehende maltechnische Analyse konnte die gelegentlich
geäußerten Zweifel an der Eigenhändigkeit der Landschaftsdarstellung endgültig ausräumen. Die Abfolge der einzelnen Malschichten spricht eindeutig für eine gleichzeitige Ausführung von Figur und Landschaft, eine schwarze Untermalung des Hintergrunds ist nicht nachweisbar. Offenbar entschied sich Antonello mitten im Ausführungsprozess spontan zu einer Planänderung.

Wer sich hier auf solch ungewöhnliche Weise darstellen ließ, wissen wir nicht, doch deuten sowohl die Tracht als auch die frühe Provenienz des Gemäldes aus venezianischem Familienbesitz auf einen in der Lagunenstadt beheimateten Auftraggeber hin.

Nicht ursprünglich ist die unterhalb des Parapetto vielleicht bei einer neuen Rahmung hinzugefügte goldene Inschrift. Sie verleiht dem Porträt im Nachhinein eine moralisierende Note und mahnt den Betrachter: »Im Glück sei bescheiden, im Unglück aber klug« (PROSPERANS • MODESTVS • ESTO • INFORTVNATVS • VERO PRVDENS). Sabine Hoffmann | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
_____________________________

An inconspicuous note, stuck as if by chance to the parapet in the foreground, states the year in which the portrait was painted and testifies self-confidently: “Antonello from Messina painted me” (Antonellus messaneus me pinxit). This work, painted a year before the artist’s death, is thought to be the last of some twelve surviving portraits by the Sicilian. It was made in his home town, to which Antonello had returned in summer 1476 after a stay in Venice lasting somewhat more than a year. It is by far the smallest of his portraits and at the same time the only one that shows the figure against the backdrop of a landscape rather than a uniformly dark background. A radiant blue evening sky lies behind the young man, who, dressed all in black, looks at us slightly from above over the small parapet. His characteristic facial features are shown individually. The light flesh tones and details such as the eyelashes and eyebrows, as well as the fur trimming on his doublet, are rendered with the greatest care. Above his slightly wavy, red-brown hair is placed headgear typical of the time, a cap whose fastening (Italian: becho) hangs down at the side, laid to the front above his right shoulder. Even with the naked eye, an alteration can be discerned in this place. The sleeve, which was originally to have been wider and was intended to extend almost to the left edge of the picture, was painted smaller to make the space needed for a view of the landscape. With great compactness and the accuracy of a miniature, the artist evokes a broad plain with trees. Long shadows, scattered clouds and the horizon coloured by twilight provide an atmospheric mood. The inspiration of models from the Netherlands in the style of Hans Memling is unmistakable. A recently conducted thorough technical analysis of the painting succeeded in dispelling once and for all doubts that had occasionally been expressed about whether the landscape was executed by the artist’s own hand. The sequence of the various layers of paint is clear evidence that the figure and the landscape were painted at the same time. No black underlayer of paint on the background could be demonstrated. Antonello obviously decided suddenly to alter his plans in the middle of the process of producing the work.

We do not know who had himself portraited in such an unusual manner, but both the dress of the sitter and the early provenance of the painting from the ownership of a Venetian family suggest that it was commissioned by a person from that city.

The golden inscription that was added beneath the parapet, perhaps when the work was re-framed, is not original. It lends a retrospective moralising touch to the portrait, admonishing the beholder: “Be modest in prosperity, but prudent in misfortune” (PROSPERANS • MODESTVS • ESTO • INFORTVNATVS • VERO • PRVDENS). Sabine Hoffmann | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 24.09.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Christus als Schmerzensmann mit Maria und Johannes

Christus als Schmerzensmann mit Maria und Johannes

Christus sitzt niedergesunken vor dem Kreuz am Boden, während es auf Golgatha Abend wird. Seine Glieder wirken kraftlos; Wundmale an Händen und Füßen sowie die Dornenkrone zeichnen den Gemarterten. Als weitere Arma Christi lehnen der Ysop-Stab mit Essigschwamm, die Lanze und eine Leiter gegen das Kreuz; die drei Nägel liegen weiter hinten links im Halbdunkel. Ein Stück entfernt von Christus sitzt Maria, ganz in Dunkelblau. Sie ringt die Hände im Schmerz und blickt traurig zu ihrem Sohn hinüber. Neben ihr hockt Johannes, der sich eng in seinen roten Mantel gehüllt hat und das kummervolle Gesicht in der bekannten Melancholie-Geste in die linke Hand stützt. Von der grünen Wiese um die Protagonisten herum setzt sich die felsige Hintergrundlandschaft ab. Unter einem baumbestandenen Hügel ganz links öffnet sich die für Christus bestimmte Grabeshöhle mit einem rötlichen Steinsarkophag darin, während sich rechts die ummauerte, von einem Graben geschützte Stadt Jerusalem mit zahlreichen Türmen und dem runden Salomonischen Tempel in ihrer Mitte erhebt. Durch das Stadttor kehrt soeben der letzte der an der Kreuzigung Beteiligten zurück. Er hat ein bläuliches Tuch über die Schulter geworfen, bei dem es sich um den unteilbaren Rock Christi handeln dürfte.Künstlerisch höchst subtil und poetisch ist die kleine Tafel auch ikonografisch ungewöhnlich, vielleicht sogar einzigartig unter den Gemälden der Zeit um 1400. Auf eigenwillige Art wird nämlich in dem Bild eine Szene, die einen bestimmten Moment der Passionsgeschichte aufgreifen könnte, mit der dem Handlungsablauf völlig enthobenen Gestalt Christi kombiniert. Dieser erscheint als Schmerzensmann, der gestorben und doch lebendig, Mensch und Gott zugleich ist. Die Erlösungstat ist »vollbracht« (Johannes 19,30), doch statt des Todes hat den Erlöser hier Erschöpfung ergriffen. Wahrscheinlich haben wir es bei dem Berliner Bild mit einer ikonografischen Neuerfindung zu tun, die den spezifischen Wünschen des Auftraggebers entsprang. Hier soll nicht zeichenhaft oder repräsentativ vorgeführt, sondern über den emotionalen Gehalt eines üblichen Schmerzensmannes hinaus das Miterleben und Mitfühlen angespornt werden: Johannes scheint die traurig-meditative Haltung vorzugeben, mit der das Bild vom Gläubigen betrachtet sein will. Maria aber fungiertals primäre Vermittlerin, sie nimmt die Mitte des Bildes ein, ist uns zugewandt und zugleich auf Christus ausgerichtet.Künstlerisch lässt sich das Täfelchen der großen Gruppe österreichischer Tafelmalereien aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts zuordnen. Obgleich sich verschiedene Notnamen etabliert haben, ist eine genauere Zuordnung der einzelnen Werke problematisch. Das Berliner Täfelchen steht sowohl den Tafeln eines Marienlebens in Klosterneuburg, die unter der Bezeichnung »Meister der Darbringungen « geführt werden, als auch der großen, in London befindlichen Tafel eines Gnadenstuhls nahe; ob es aber von einem der jeweils verantwortlichen Maler selbst stammt, muss offen bleiben. Stephan Kemperdick | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________Christ is slumped on the ground below the cross as evening falls on Golgotha. His limbs are limp, drained of strength; the stigmata on his hands and feet and the crown of thorns signify his martyrdom. Other arma christi or instruments of the Passion – the hyssop reed with, the sponge of vinegar, the lance and the ladder – are leaning against the cross; further behind on the left in the semi-darkness lie the three nails. The Virgin Mary, clad entirely in dark blue, sits a short distance away from Christ. She is wringing her hands in sorrow as she looks sadly across to her son. John, who has wrapped himself tightly in his red cloak, is squatting beside herleaning his sad face on his left hand in the well-known gesture of melancholy. The rocky landscape in the background contrasts with the grassy meadow surrounding the protagonists. Below a tree-lined hill on the far left, the cave sepulchre intended for Christ containing a reddish stone sarcophagus opens up, while on the right the many towers of the walled and moated city of Jerusalem point skywards. The round Temple of Solomon can be seen in the middle. The last of those who attended the crucifixion is returning through the city gate. He has thrown a bluish cloth over his shoulder, probably the Seamless Robe of Christ. In artistic terms, the small panel is extremely subtle and poetic. Its iconography is unusual, if not indeed unique among the paintings of the period around 1400, for it combines a scene apparently portraying a moment in the Passion story with a Christ figure completely disassociated from the course of events. Here Christ is depicted as the Man of Sorrows, who has died and yet lives on simultaneously as man and God. The act of redemption has been “fulfilled” (John 19:30), but here the saviour is shown not as dead but as overcome with exhaustion. Probably the Berlin painting was an iconographic novelty painted to fulfil the specific wishes of the person who commissioned it. The work is not intended as an emblematic or showcase piece but instead seeks to go beyond the emotional substance usually associated with a Man of Sorrows to encourage the viewer to witness and empathise with what he or she sees: Saint John appears to be demonstrating the melancholy, meditative pose with which the faithful are supposed to view the painting. However, the chief intermediary is Mary. She occupies the centre of the picture, her gaze directed bothtowards the viewer and towards Christ. In art historical terms, the small panel can be placed among the large group of Austrian panel paintings from the first third of the 15th century. Although various provisional names for the artist have become established, a more precise attribution of the individual works is difficult. The little Berlin panel bears a close resemblance both to the panels depicting the Life of the Virgin Mary in Klosterneuburg, whose author is known as Master of the Presentations, and to the large panel of the Throne of Mercy in London. Whether either of the painters responsible for these works painted the Berlin panel must remain open, however. Stephan Kemperdick | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Wladislaw IV. (1595-1648) von Polen / Allegorische Darstellung der Tugend

Wladislaw IV. (1595-1648) von Polen / Allegorische Darstellung der Tugend

Der dargestellte Wladislaw IV. (1595 – 1648) war seit 1632 König von Polen. Auf seinem reich dekorierten Wams ist eine Kette erkennbar, die ihn als Ritter des Ordens vom Goldenen Vließ kennzeichnet, dem er seit 1615 angehörte. Er trägt ein violettes Käppchen. Auffällig an der Frisur Wladislaws IV. ist ein dünner Zopf, der auf die linke Schulter fällt und dessen Ende von einer breiten Schleife zusammengehalten wird. Er war in zweiter Ehe mit Louise – Marie, Prinzessin von Gonzaga, Mantua, Montferrat und Nevers („Fille de France“, d.h. Prinzessin von Geblüht) vermählt. Die Trauung fand in Abwesenheit des Bräutigams im Jahre 1645 in der Kathedrale St. Denis statt. Dabei wurde der polnische König durch den Woiwoden von Posen, Christoph Graf Bnin Opalinski vertreten. Mehrmonatige Feierlichkeiten zogen Viele nach Paris, so auch den gefragten Genfer Miniaturmaler Paul Prieur (Um 1620 - 1682/83). Der umtriebige Hugenotte schuf dort zu dieser Zeit auch die Berliner Miniatur. Es wird sich dabei um ein diplomatisches Geschenk des polnischen Königs an den Großen Kurfürsten (Friedrich Wilhelm von Brandenburg) gehandelt haben, der im Jahre 1640 Wladislaw IV. den Lehnseid als Herzog von Preußen leistete und 1646 aus Anlass des Einzugs der aus Paris kommenden polnischen Königin Louise-Marie in Danzig anwesend war. Auf dem Contreémail der Miniatur ist in der Mitte ein von der Sonne gekrönter Obelisk auf vier Kugeln auf einem Postament geschildert. Traditionell als „Gloria dei principe“ (Ruhm des Prinzen) lesbar. Dem gesellt sich die Umschrift HONOR VIRTVTIS PRAEMIVM (Ehre ist der Lohn der Tugend). Die vorzügliche, auf einem Bildträger aus Gold gearbeitet, Berliner Emailminiatur eröffnet die Reihe von Paul Prieurs datierten Arbeiten. SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf der Rückseite: HONOR VIRTVTIS PRAEMIVM (umlaufend); unten: prieur Fecit / 1645