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Christus am Ölberg

Ident. Nr.: 69.2

ObjID: obj:864626

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Matthias Stom (um 1600 - um 1652),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1630 / 1632
Weitere Titel
Sammlungstitel: Christus am Ölberg
Übersetzung: Christ on the Mount of Olives
Geografische Bezüge
Rom,
Stadt
Material / Technik
Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 155,7 x 204,5 cm
Erwerbung
1969 Ankauf von der David M. Koetser Gallery, Zürich

Objektbeschreibung

Matteus Stoms Werk ist – wie generell die Stilphase des nordeuropäischen Caravaggismus – erst vor wenigen Jahrzehnten genauer erforscht worden. Man erkannte den Künstler in seiner den Utrechter Lehrer Gerard van Honthorst überragenden Bedeutung und als einen der interessantesten Vertreter der niederländischen Caravaggisten. Seit etwa 1630 wirkte Stom bis zu seinem Tod in Rom, Neapel und auf Sizilien. Den von Michelangelo da Caravaggio beeinflussten suggestiv-realistischen Figurenstil, verbunden mit einem eigenwilligen klaren und intensiven Kolorit, zeigt auch das Berliner Bild. Es gehört vermutlich zu einer mehrteiligen Passionsfolge, die Stom etwa 1631 für S. Efrem Nuovo in Neapel malte. Die in der Bildkunst traditionell breit mit Nebenszenen erzählte Ölberggeschichte reduziert Stom konsequent auf zwei Halbfiguren. Ausgespart sind die schlafenden Jünger und die detaillierte Ortsschilderung. Nur rechts im Hintergrund ist mit der von einer Kerze und ihrem weißen, zerfaserten Licht erhellten Gruppe des Judas mit den Häschern angedeutet, dass es eine Nachtszene ist. Zugleich ist in den typisierten, plumpen Physiognomien dieser Gruppe auch die Bedrohlichkeit des Geschehens unterstrichen. Der an einem steinernen Tisch kniende Christus, der die Hände zum flehenden Gebet faltet, wendet sich dem körperlich und geistig eng auf ihn bezogenen Engel zu. Sein Blick folgt der großen, eindringlichen Gebärde, dem doppelten Zeigegestus des Engels, mit dem er auf den mystisch von Gegenlicht beleuchteten Kelch am linken Bildrand weist. Kraftvoll sind in der nächtlichen Situation Licht- und Schattenkontraste herausgearbeitet, wobei das überirdische Licht von links auf die Hauptfiguren fällt und die Dramatik steigert. Die beiden einander zugeneigten, herausragend modellierten Köpfe, ihre konzentrierten Blicke bilden die geistige und auch die exakte formale Bildmitte, wobei die Flügelschwingen des Engels nahezu die gesamte Bildbreite überspannen. Die Plastizität und Ausdrucksstärke der Köpfe, der Mimik und der Gestik setzt sich fort in der dichten, malerischen Behandlung der schweren Gewänder.| Prestel-Museumsführer - Gemäldegalerie Berlin, 2017
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Detailed research in to Matteus Stom’s work has been undertaken only in recent decades—as is the case with all the Northern European artists strongly influenced by Caravaggio. Stom was acknowledged to be more important than his Utrecht teacher Gerard van Honthorst, and as one of the most interesting exponents of Dutch painting influenced by Caravaggio. From about 1630 up until the time of his death, Stom worked exclusively in Rome, Naples and Sicily. The Berlin picture also shows Michelangelo da Caravaggio’s poignantly realistic figure-style, combined with a highly individual clear and intense approach to colour. It is presumably part of a passion sequence with several parts painted for S. Efrem Nuovo in Naples in about 1631. Stom logically reduces the story of the Mount of Olives, traditionally presented broadly in pictorial art, with subsidiary scenes, to two half-figures. The sleeping disciples and any detailed representation of the place are omitted. Only the group of Judas and the soldiers on the right in the background, lit by the white, frayed light of a candle, indicates that the scene is taking place at night. At the same time the stylised, blatant features of this group also underline the threatening nature of the event. Christ is kneeling at a stone table, with his hands folded in fervent prayer, and turning to the angel, who is close to him both physically and spiritually. Christ’s eyes are following the angel’s sweeping, powerful gesture, pointing with both arms to indicate the goblet, mystically glowing in the sidelighting, on the left-hand edge of the picture. Contrasting light and shade have been powerfully developed in this nocturnal situation, with supernatural light striking the main figures from the left, and increasing the drama. The two wonderfully modelled heads, inclined towards each other, and their concentrated expressions form the spiritual centre of the picture, and also its precise formal centre, with the angel’s wings spanning almost the entire width of the picture. The heads are plastic and expressive, and this quality and their actions and gestures are continued in the, poetic, painterly treatment of the heavy garments with their rich folds.| Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2017

Letzte Aktualisierung: 30.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Stillleben mit Früchten in einer Porzellanschale

Stillleben mit Früchten in einer Porzellanschale

Umrahmt von Weinlaub türmen sich kunstvoll Weintrauben, Aprikosen, Pfirsiche, Pflaumen und Quitten auf einer blau-weiß gemusterten Schale, bei der es sich vermutlich um Delfter Keramik handelt. Das üppige Arrangement nimmt nahezu den gesamten Bildraum ein, was den Eindruck der Fülle verstärkt. Auf der hölzernen Tischplatte befinden sich zu beiden Seiten der Schale virtuos gemalte Schneckengehäuse. Diese waren in der Stilllebenmalerei nicht ungewöhnlich, stellten sie doch überaus kostbare und beliebte Sammelobjekte dar. Frans Snyders, der mehrfach mit Rubens zusammenarbeitete, zählt zu den bedeutendsten und produktivsten flämischen Stilllebenmalern. In diesem für ihn eher kleinformatigen Gemälde demonstriert Snyders meisterhaft seine Fähigkeit zur Naturnachahmung.| Britta Bode_______________________________________________________________________________________________________________________________________Grapes, apricots, peaches, plums and quinces, framed by vine leaves, pile up artfully on a blue and white patterned platter, most likely a work of Delft ceramics. The bountiful arrangement takes up nearly the entire space of the painting, adding to the impression of abundance. To both sides of the platter the artist virtuously painted a number of snail shells on the wooden table. These are not uncommon in still-life paintings, they were in fact, very valuable and popular collector’s items. Frans Snyder, who often collaborated with Rubens, is one of the most important and productive Flemish still life painters. In this uncharacteristically small painting, Snyders demonstrates his masterful skill of imitation.| Britta Bode

Der Raucher

Der Raucher

Das Genrebild zeigt einen jungen Mann mit Pelzhut und blonden Locken. Sein weißer Brustgurt mit dem dazugehörigen Säbel kennzeichnet ihn als Soldaten. Breitbeinig sitzt er an einem einfachen Holztisch, auf dessen Platte er die Arme stützt. In seiner Rechten hält er eine lange Tonpfeife, deren Ende in einem kleinen Kohlebecken ruht. Eine weitere, zerbrochene Pfeife liegt daneben. Die beruhigte Komposition, einer Momentaufnahme gleich, sowie feinmalerisch ausgearbeitete Details sind charakteristisch für ter Borch. Seitdem man Ende des 16. Jahrhunderts Tabak aus Übersee importierte, gehörte das Rauchen – zeitgenössisch sowohl positiv wie negativ bewertet – zu den häufig dargestellten Themen der niederländischen und flämischen Genremalerei des 17. Jahrhunderts._________________________________________________________________________This genre painting shows a young man with a fur hat and blonde curls. His white chest strap with sabre identifies him as a soldier. He sits at a simple wooden table, legs spread, resting his arms on the surface. In his right hand he holds a long clay pipe, the end of which rests in a coal basin. Another broken pipe lies next to it. The calm composition, a snap-shot like moment, as well as the delicately drawn out details are characteristic for ter Borch. Since the start of the overseas import of tobacco at the end of the 16th century, smoking– considered already by contemporaries positively as well as negatively – had become one of the most frequently painted topics in Dutch and Flemish genre paintings of the 17th century.

Bildnis einer vornehmen genuesischen Dame

Bildnis einer vornehmen genuesischen Dame

Als die Bildnisse von Alessandro Giustiniani-Longo und seiner vermeintlichen Ehefrau (Kat.Nr. 782C) 1901 als Pendants in die Gemäldegalerie gelangten, hatten sie bereits eine lange gemeinsame Geschichte hinter sich. Schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts befanden sie sich im Besitz von Costantino Balbi (1676-1740) in Genua, der das Frauenporträt vermutlich von Giovanni Luca Spinola, das des Mannes von Alessandro Saluzzo und seinen Brüdern erworben hatte. Beide Porträts dürften etwa zur selben Zeit, um 1622/23, von Anton van Dyck während seines Aufenthaltes in Italien (1621-1627) in Genua gemalt worden sein. Auf den Bildern treten dem Betrachter ausdrucksstarke, faszinierende Persönlichkeiten entgegen, in beiden Fällen wiedergegeben in Lebensgröße und in sitzender Haltung. Es verwundert daher kaum, dass man für mehr als 200 Jahre annahm, es handle sich bei den Porträts um die Darstellung eines Ehepaares. Wie die Forschung gezeigt hat, trifft diese Annahme jedoch nicht zu. Bei dem Bildnis des alten Mannes handelt es sich um den genuesischen Senator Alessandro Giustiniani-Longo (1544-1631), der um 1622/23 bereits weit in den Siebzigern war. Er entstammte einer alteingesessenen und hoch angesehenen, genuesischen Familie. Von 1611 bis 1613 bekleidete er das höchste Amt, das der aristokratisch konstituierte, ligurische Stadtstaat zu vergeben hatte: das des Dogen. 1613 wurde er schließlich auf Lebenszeit Prokurator (Sachverwalter für Finanzen) der Genueser Republik. Das gerollte Papier in der Rechten des Mannes sowie sein ebenso herrisch wie misstrauischer Blick scheinen dieser Position, deren Ausübung Unbestechlichkeit voraussetzte, zu entsprechen. Auch die von ihm getragene schwarze Kappe weist bereits auf eine offizielle Bestimmung seiner Person hin. Im Falle des Frauenbildnisses ist eine eindeutige Identifizierung der Dargestellten dagegen bislang nicht gelungen. Die von ihr getragene, auf der Stirn spitz zulaufende Haartracht verweist jedoch auf ihren Status als Witwe, was eine Zuordnung der beiden Porträts als Ehepaar sehr unwahrscheinlich macht. Zudem belegt eine Kopie des Bildes aus dem 17. Jahrhundert, dass das Werk ursprünglich nach links hin breiter angelegt war und erst nachträglich beschnitten und so dem Männerporträt angeglichen wurde. Auch widersprechen die unterschiedlichen Schauplätze und ihre spezifische Ausstattung sowie der Umstand, dass die Frau deutlich höher im Bild sitzt als der Mann, der Annahme, es handle sich hierbei um zusammengehörige Pendants. Porträts dieser Art verhalfen van Dyck zu weit verbreiteter Anerkennung und zu reichen Aufträgen durch die Familien des Adels, für die er vornehmlich gearbeitet hat. Ausgehend von Rubens, in dessen Antwerpener Atelier er als blutjunger, genialer Künstler im Alter von 17 Jahren eingetreten war, aber auch im Rückgriff auf den höfischen Porträtstil Tizians, entwickelte er jenen vornehm-gelassenen, distanzierten Ausdruck, der die Vorstellung vom aristokratischen Menschenbild für seine Zeit außerordentlich geprägt hat. Die Werke verblieben lange im Palazzo Balbi in Genua. 1828 wurden sie, durch Vermittlung des Malers David Wilkie, von dem englischen Sammler Sir Robert Peel erworben und gelangten aus dessen Hinterlassenschaft, die 1900 versteigert wurde, schließlich nach Berlin. Jan Kelch und Katja Kleinert | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________________________________________________When the Gemäldegalerie received these two portraits as companion pieces in 1901, they already had a long common history behind them. At the beginning of the 18th century, the two portraits were owned by Costantino Balbi (1676–1740) in Genoa; he is believed to have purchased the portrait of the woman from Giovanni Luca Spinola, and that of the man from Alessandro Saluzzo and his brothers. Both portraits are very likely to have been painted in Genoa by Anton van Dyck around the same time – 1622–23 – during the artist’s stay in Italy (1621–27). Both portraits show very individual, compelling personalities; both are depicted in life-size and shown seated. It is unsurprising that for over 200 years it was assumed that these two pictures were portraits of a married couple. However, historical records show that this is not the case.The painting of the man is the portrait of the Genoese senator Alessandro Giustiniani- Longo (1544–1631), who was in his late seventies around 1622–23. He belonged to an ancient and very noble Genoese family. Between 1611 and 1613, he held the highest office that the oligarchic merchant city-state in Liguria had: that of the Doge. In 1613, he was appointed Procurator of the Genoese Republic, a life-long office that put him in charge of finances. The rolled document in his right hand and his imperious and suspicious gaze appear to correspond to this position, which presupposed incorruptibility. The black cap on his head also illustrates that the sitter holds a public office. In contrast, the identity of the woman remains uncertain. Her hairstyle with the lacy ornament on her forehead indicates that she is a widow, thus making it unlikely that the two portraits are pictures of a married couple. In addition, a copy of the portrait made in the 17th century shows that the picture was originally wider, and that a section on the left side was removed at a later point, presumably to make it match the portrait of the man. The different settings and the furnishing details, as well as the fact that the woman is sitting higher than the man also challenge the assumption that these are companion portraits.For Anton van Dyck, portraits such as these were useful in building his reputation as a portrait painter and gaining commissions from aristocratic families, who were his main clients. Inspired originally by Rubens, whose Antwerp studio he had joined as a young but precociously talented painter aged 17, and also by the courtly portrait style of Titian, van Dyck developed a distinguished, serene and distant expression which decisively influenced the idea of what an aristocrat should look like.The paintings remained in the Palazzo Balbi in Genoa for many decades. In 1828, they were acquired by the English collector Sir Robert Peel, through the mediation of the painter David Wilkie, and finally arrived in Berlin from his estate, which was sold at auction in 1900. Jan Kelch und Katja Kleinert | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019