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Madonna mit Kind

Ident. Nr.: 1709

ObjID: obj:865032

Details (Expert)

Beteiligte
Antonio Rossellino (1442-1479),
Bildhauer*in
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 77,5 x 52 x 12 cm
Gewicht: 68 kg (Relief)
Gewicht: 136,8 kg (mit Rahmen und Trägerkonstruktion)

Objektbeschreibung

Mutter und Kind schauen den Betrachter mit Anmut und Empathie an. Jedes Detail wird vom Künstler genau beachtet, vom Schleier, der dem Kopf der Jungfrau sanft abdeckt, bis hin zu dem fein gearbeiteten Thron. Das Relief wurde 1945 verbrannt und große Teile des Hintergrundes sind verloren gegangen. In einer vor kurzem durchgeführten Restaurierung wurde ein Gipsabdruck aus dem Anfang des 20. Jhd. verwendet, sodass die ursprüngliche Komposition wieder verstanden werden kann.

Mother and child look to the viewer with grace and empathy. Every detail is minutely handled by the artist, from the veil subtly covering the head of the Virgin to the finely carved throne. The relief was burnt in 1945, and much of the background was lost. A plaster cast from the early 20th century was used in a recent restoration, so that the original composition can be fully appreciated again.


Restaurierungsgeschichte
Das Relief hatte ursprünglich einen sehr aufwendig gestalteten polychromen Holzrahmen, der seit 1945 verschollen ist. Durch die Brände im Mai 1945 im Leitturm des Flankbunkers Friedrichshain wurde das Objekt stark beschädigt. Dunkle Rußauflagerungen mit Verfärbungen in die Oberflächenstruktur des Marmors, Bruche, Risse und Fehlstellen führten nach dem Abtransport des Objektes in die Sowjetunion Ende 1945/ Anfang 1546 zu Restaurierungsmaßnahmen um 1958 unmittelbar vor dessen Rückgabe an die Berliner Skulpturensammlung. Hierbei wurden vor allem die Bruchstücke wieder zusammengesetzt und desolate Oberflächen gefestigt. Die großen Fehlstellen wurden zurückgesetzt neutral ergänzt.
In der 2011-2012 durchgeführten Restaurierung wurde das Relief in seine Einzelteile zerlegt. Die fehlenden Bereiche wie die Cherubim und weite Teile der Rücklage konnten ergänzt werden, da das Objekt vor 1945 abgeformt wurde und aus dieser Form die Details für die ursprüngliche Gestaltung gewonnen werden konnte. In einer aufwendigen Teilabformung wurden die Einzelteile in einem speziell entwickelten Mörtel zusammengefügt. Neben konservatorischen Arbeiten erfolgte abschließend eine umfangreiche Retusche der zugefügten Ergänzungen.
Das Objekt stellt sich heute wieder geschlossen dar. Trotz noch sichtbarer Schäden ist das Bildwerk als Ganzes wieder wahrzunehmen. Die ursprüngliche Qualität des Bildhauers Antonio Rossellino kann sowohl dem Besucher wieder vermittelt werden und wird darüber hinaus wieder zum Gegenstand der kunstwissenschaftlichen Forschung.
In einem weiteren Arbeitsschritt ist die Rekonstruktion des Rahmens auf der Basis des vorhandenen Schwarzweiß-Fotos von vor 1945 vorgesehen.
Restaurator: Gerhard Kunze, Zeitraum 2011-2012

Letzte Aktualisierung: 19.03.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Junge Frau

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Die grazile Frauengestalt, in Mieder und einem bodenlangen, die Füße vollständig bedeckenden Kleid gehüllt, ist in einer ausgewogenen Torsion dargestellt. Dem leicht einwärts gekehrten Spielbein, das sich unter dem vom Wind erfassten Stoff deutlich abzeichnet, antwortet der nach links gewendete Oberkörper, während der Kopf sich wiederum über die rechte vorgeschobene Schulter neigt. Die schwungvolle Körperbewegung wird durch die gleichmäßigen, von allen Seiten fein ausgearbeiteten Gewandfalten effektvoll nachgezeichnet. Von gleicher handwerklicher Raffinesse ist die Ausarbeitung der anmutigen Physiognomie und des am Hinterkopf zum Knoten geschlungene Haares. Über die Identität der kleinen Figur lässt sich nur spekulieren. Die frei angesetzten Unterarme mit den zur Seite ausgerichteten und zum Gebet zusammengefalteten Händen, sind wohl eine spätere Ergänzung. In den frühesten Inventareintragungen (1655 und 1757), als sich die Statuette noch in der Brandenburgisch-Preußischen Kunstkammer befand, wurde sie mal mit Turm, mal mit Kelch beschrieben, womit sie eindeutig als hl. Babara zu identifizieren wäre.Bislang konnte kein Künstler dem Werk eindeutig zugeordnet werden. Allerdings finden sich von dem in Regensburg tätigen Maler Albrecht Altdorfer (1480-1538) einige Zeichnungen, in denen nicht nur der gleiche Frauentypus vorkommt, sondern auch ein ganz ähnlicher Körperaufbau mit geradezu identischen Faltenzügen. Es ist daher plausibel, den Autor dieser anmutigen Mädchenfigur in Regensburg, im Umkreis Albrecht Altdorfers zu suchen.

Heiliger Nikolaus

Heiliger Nikolaus

Der schlanke Körper des heiligen Bischofs ist stark durchgebogen, der linke Fuß vorgestellt und das Knie deutlich nach innen geknickt. Dieses bereits Mitte des 14. Jahrhunderts beliebte Standmotiv wird kombiniert mit einer ausladenden rechten Hüfte, über der in der eng anliegenden rechten Hand drei goldene Kugeln, eines der Hauptattribute des Nikolaus von Bari, liegen. In der linken Hand befand sich ehemals ein Bischofsstab, der vielleicht bereits bei der Erwerbung nicht mehr als Original, sondern (mittlerweile ebenfalls verlorene) spätere Ergänzung vorhanden war. Die Hand umfasst den Stab mit einem im Mittelalter zu dessen Schutz gebräuchlichen Schweißtuch (Sudarium). Hinter dem Stab ist der um den linken Unterarm bzw. das Handgelenk gelegte Manipel, ein Rangabzeichen der höheren Kleriker, zu erkennen. Dazu muss man die Figur allerdings aus der Schrägansicht betrachten. Auch die beiden Enden der Stola, die Nikolaus seinem bischöflichen Rang gemäß zwischen Albe und Kasel über beide Schultern gelegt hat, sind nur aus den beiden Halbprofilansichten erkennbar. Der Oberkörper wirkt sehr gelängt – ein Eindruck, der durch Reduktion der Falten an der Kasel auf drei flache, parallel verlaufende Schüsseln verstärkt wird. Im unteren Bereich des Gewandes setzen sich diese stets nach links ausgerichteten Schüsselfalten in etwas voluminöserer Form, doch in ähnlich weiten Abständen fort.Ein auffälliges Motiv ist die schräge Kopfhaltung. Heute scheint es, als würde Nikolaus nach oben schauen, doch war sein Blick ursprünglich geradeaus gerichtet. Die Neigung des Haupts dürfte somit lediglich kompositorisch (und nicht durch eine entsprechende Blickrichtung auch noch szenisch) auf eine zur Rechten des Bischofs befindliche Figur verwiesen haben, der er zugleich die Kugeln präsentierte. Die Geste erhält durch die kostbare Mitra einen zusätzlichen Akzent. Das Haupt ist sehr schlank und mit Abstand am sorgfältigsten ausgearbeitet. Der Bart ist am Kinn gekräuselt, die Wangen mit hoch sitzenden Knochen erscheinen fast glatt, die Unterlippe ist sinnlich geschwungen, die Oberlippe hingegen fast vom hier glatt verlaufenden Bart verdeckt, sodass der Mund verschattet wirkt. Tiefe Augenhöhlen und ein sehr dünner, scharf nach vorn tretender Nasenrücken verleihen dem Antlitz eine asketische Wirkung. Der untere Rand der ansonsten regulär gestalteten Mitra pretiosa besitzt eine ungewöhnliche, wohl als künstlerisches Missverständnis zu deutende Gestalt: Der breite Saum über der Stirn mit zentraler Metallapplikation geht an beiden Seiten in Höhe der Schläfen unvermittelt in den dichten, voluminösen Haarkranz über, der auch die Ohren größtenteils verdeckt. Logischerweise kann es sich dabei nur um sich nach oben kräuselnde Locken handeln, wogegen jedoch der gerade obere Haarabschluss spricht. Der Bildschnitzer der Berliner Nikolausfigur, für deren Provenienz jeder Hinweis fehlt, orientierte sich zweifellos an Prager Werken der Parlerzeit.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)