Logo

Merkur und Argus

Ident. Nr.: 8585

ObjID: obj:865090

Details (Expert)

Beteiligte
nach: R. Donner,
Bildhauer*in
Datierung
Datierung: um 1750
Material / Technik
Blei
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 39 x 19,5 x 21,5 cm
Gewicht: 8 kg

Objektbeschreibung

Auf felsigem Boden hockt der im Schlaf versunkene Argus, dem sich Merkur von hinten unbemerkt nähert. Der am Flügelhut erkennbare Götterbote stützt sich mit der Linken auf einer Felssäule ab, um Argus mit dem Schwert, das er einst in seiner erhobenen Rechten hielt, zu töten.

Die hier geschilderte Darstellung zeigt eine Episode aus Ovids Metamorphosen I, 624ff. Darin hat Argus von Juno (griechisch: Hera) den Auftrag erhalten, die von Jupiter in eine Kuh verwandelte Io zu bewachen. Der Göttervater wollte mit der Verwandlung (Metamorphose) seine Geliebte vor dem Zorn und der Rache seiner eifersüchtigen Gemahlin Juno schützen. Als Jupiter doch bememerkte, dass seine Frau die List durchschaute, Schickte er Merkur zu Argus, um den "Tausendäugigen" - man beachte das um den Kopf umlaufende Augenband - einzuschläfern und zu töten. Die vielgerühmten Argusarugen wurden wiederum Hera zur Trophäe, die seitdem ihr Wappentier, den Pfau, schmückten. Bemerkenswert ist, dass der Künstler allein den Tötungsakt, den dramatischen Höhepunkt der Geschichte, in seiner Skulptur festhielt. Alle anderen in der Erzählung Beteiligten wie Julpiter, Juno und die in eine Kuh verwandelte Io blendet er in seiner Darstellung aus.

Wie schon bei dem dazugehörigen Pendant, der Figur des Milon von Kroton (Inv.-Nr. 8584), bediente sich der Künstler, der im Umkreis des Wiener Bildhauers Georg Raphael Donner zu suchen ist, einen Stich von Simon Thomassin als Vorbild für seine Gruppe.

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Würfelkapitell mit Blattornamenten

Würfelkapitell mit Blattornamenten

Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. Aus einem mittig unter der Kämpferplatte hervorragenden Knopf wächst eine sich nach unten schildartig ausbreitende Palmette, deren oberer Rand nach vorn umgeschlagen ist. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)