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Venus, Mars und Amor

Ident. Nr.: 107

ObjID: obj:865206

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Piero di Cosimo (1462 - 1521),
Maler*in
Datierung
Ausführung: um 1505
Systematik/Art
Weitere Titel
Venus, Mars und Amor
Übersetzung: Venus, Mars and Cupid
Geografische Bezüge
Herstellungsort: Italien,
Land
Material / Technik
Pappelholz
Abmessungen
Bildmaß: 74,5 x 184,5 cm
Erwerbung
1828 Ankauf von Carl Friedrich von Rumohr in Florenz

Objektbeschreibung

In einer sommerlichen Landschaft ruhen die zwei Liebenden: Mars, der römische Gott des Krieges, hat seine Rüstung abgestreift und schläft, nur mit einem Lendentuch bekleidet, in eleganter Pose. Ihm gegenüber liegt Venus, die nahezu ganz entkleidete Göttin der Liebe, und hat ihren Sohn Amor mit einem feinen Schleier umhüllt und an ihre Hüfte gezogen. Vom Fortgang der Geschichte, die, nachdem Hephaistos, der abscheulich anzusehende Gott des Feuers und Gemahl der Venus, das Liebespaar entdeckt, eigentlich von Betrug und Rache erzählt, zeigt der Maler nichts in diesem stillen Idyll. Geflügelte Putten haben sich der Rüstung des ruhenden Kriegsgottes bemächtigt und zwei turtelnde Tauben verweisen auf das eigentliche Thema der Tafel: Die Liebesbeziehung der Götter und damit die neoplatonischem Vorstellung der Bändigung des Kriegs durch die Liebe. Das Querformat, in das sich die ruhenden Körper der jugendlichen Götter mit eleganter Leichtigkeit fügen, gibt
zugleich einen Hinweis auf die ursprüngliche Funktion des Bildes. Derartige Tafeln wurden im Italien der Renaissance anlässlich von Eheschließungen gefertigt und zur Dekoration von Brauttruhen oder Mobiliar als Mitgift überreicht. Dabei evozieren die malerischen Details, die Piero de Cosimo im weichen Gefieder der Tauben, den kostbaren Textilien, der sanften Berührung und der zart schnuppernden Nase des Hasen andeutet, nicht nur sinnliche Freuden, sondern ebenso Anspielungen auf klassische Geschichtsschreibung und Künstlermythen.

Die Wiederentdeckung der Antike spielte in der Bildwelt der italienischen Renaissance eine zentrale Rolle. So ist die Beziehung zwischen Venus und Mars als erotische Anspielung auf den Liebesakt nicht nur ein vortreffliches Sinnbild für die Harmonie und den Triumph der Liebe; die lichtdurchflutete Szene spielt zugleich mit einer raffinierten Kenntnis klassisch-humanistischer Gelehrsamkeit; die mit dem Rüstzeug des Kriegsgottes spielenden Putten verraten die Auseinandersetzung mit dem antiken Künstlermythos und evozieren das berühmte Werk des griechischen Malers Aëtion. Er soll das Bild der Hochzeitsnacht von Alexander dem Großen und Roxane gemalt haben, das die Liebesgötter mit den Waffen des Herrschers spielend zeigte. An diese berühmte Szene erinnern Piero di Cosimos scherzende Putten im Hintergrund des Bildes. Die Erinnerung an das berühmte Hochzeitsbild der Antike, das der Glorifizierung des hellenistischen Herrschers und seiner Gattin diente, mag nicht nur als eine heroische Parabel für die Auftraggeber verstanden worden sein; denn es stellt auch ihren Schöpfer in die unmittelbare Nachfolge der großen Maler der Antike, mit deren Viten sich die Künstler der Renaissance erneut auseinanderzusetzen begannen.

Den antiken Künstlermythos deutet Piero di Cosimo ebenso mit dem Schmetterling an, der nicht etwa auf dem Knie der Venus selbst sitzt, sondern sich als Trompe-l‘OEil, einem Motiv der »Augentäuschung«, auf dem Bild niedergelassen zu haben scheint und damit die Lebensnähe der Darstellung bestätigen soll. Auch hier bedient sich der Schöpfer eines antiken Sinnbilds künstlerischer Meisterschaft, das sich mit dem Maler Zeuxis verbindet, über den Plinius in seiner Naturgeschichte
schreibt, dass er in einem Wettstreit Trauben gemalt habe, die so echt aussähen, dass Vögel versuchten, sie zu picken. So wie der Poet in der Beschreibung mit Worten zu verlebendigen vermag, so erzielt der Maler Gleiches mit dem Pinsel. Christine Seidel | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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The two lovers lie in a summer landscape: Mars, the Roman god of war, has cast off his armour and is asleep, clad only in a loincloth, in an elegant pose. Opposite him lies Venus, the almost entirely naked goddess of love. She has enclosed her son Amor with a fine veil and drawn him to her hip. In this tranquil idyll, the artist shows nothing of the continuation of the story, which in fact tells of deceit and revenge as Hephaistos, the hideous-looking god of fire and the husband of Venus, discovers the two lovers. Winged putti have taken possession of the resting war god’s armour, and two courting doves point to the true subject of the panel: the relationship of love between the two deities and thus the Neoplatonic idea of the taming of war by love. The wide rectangular format, into which the resting bodies of the youthful gods fit with grateful ease, also provides a clue to the original function of the painting. Panels of this kind were made in Renaissance Italy on the occasion of marriages, and presented as a dowry for decorating bridal chests or furniture. Details of the picture that Piero de Cosimo suggests in the soft plumage of the doves, the precious fabrics, the gentle touch and the delicately snuffling nose of the rabbit evoke not only sensual pleasures but also references to classical histories and artists’ myths.

The rediscovery of antiquity played a vital role in the iconography of the Italian Renaissance. Thus, the relationship between Venus and Mars, an erotic reference to carnal love, is not only an excellent symbol of harmony and the triumph of love; at the same time this scene, bathed in light, expresses a sophisticated knowledge of classical, humanist scholarship; the putti playing with the war god’s armour reveal exploration of the antique myth of the artist and evoke a legendary work by the Greek painter Aetion. He is said to have painted a depiction of the wedding night of Alexander the Great and Roxana that showed gods of love playing with the ruler’s weapons. Piero di Cosimo’s gambolling putti in the background of the picture are a reference to this scene. This reminder of the famous wedding picture of antiquity, which glorified the Hellenistic ruler and his consort, may be regarded not only as a heroic parable for the person who commissioned it: it also places its creator in direct succession to the great painters of ancient times, whose lives Renaissance artists were once again beginning to explore.

Piero di Cosimo also hints at the ancient myth of the artist through the butterfly, which does not sit on the knee of Venus herself but has settled on the painting in a trompe-l’oeil, a “deception the eye”, thus confirming the faithfulness to life of the depiction. Here, too, the creator of the painting is appropriating a motive of artistic mastery from ancient times, here connected to the Greek painter Zeuxis, of whom Pliny reports in his Natural History that in a competition he painted grapes so true to life that birds tried to peck at them. As the poet is able to bring things to life by describing them with words, so the painter achieves the same ends with a brush. Christine Seidel | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 04.11.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Bettelmusikanten

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David mit dem Haupt Goliaths

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Gentileschi war sicher der bedeutendste und selbständigste unter den von Caravaggio beeinflußten Malern in Rom. Bis 1600 war sein Stil dem römischen Spät manierismus verhaftet gewesen. Erst in dem Jahrfünft 1600/05 wird Caravaggios Einfluß allmählich spürbar und erreicht in den Jahren 1606 bis 1615 den Höhepunkt. Aus dieser Zeit um 1610 stammt das hier besprochene Bild. Zu dem Einfluß Caravaggios und dem künstlerischen Erbe von Gentileschis toskanischer Herkunft kommt im ersten Jahrzehnt noch der Einfluß des in Rom wirkenden deutschen Malers Adam Elsheimer hinzu. Er schlug sich vor allem in den nicht sehr zahlreichen, auf Kupfer gemalten Bildern in Kabinettformat nieder und in der Betonung landschaftlicher Elemente. Zu diesen Kabinettbildern auf Kupfer gehört auch das hier besprochene Bild, das David, über das abgeschlagene Haupt Goliaths gebeugt, in tiefes Nachsinnen über seine Tat und den Tod versunken, darstellt. 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Der Landschaftsgrund ist völlig anders gestaltet: Die dunkle Kulisse rechts, die als Folie für die Figur dient, besteht nicht aus einer Grotte von schroffem Felsgestein, sondern aus dunklem Waldesdickicht mit zwei aufschimmernden Baumstämmen und dichtem Blattwerk, das sich nach links zum Himmel lichtet. Man hat in Analogie zum Berliner Bild angenommen, daß das Gemälde in Rom unten beschnitten sei. Das ist aber offenbar nicht der Fall. Gentileschi hatte ursprünglich das Bildformat sogar noch enger gefaßt, wie der Aufbau der Leinwand zeigt, die aus einem zentralen Leinwandstück und ringsum angestückten Streifen in anderer Leinwandstruktur besteht. Ursprünglich ruhte der Kopf Goliaths auf dem unteren Bildrand. Der Blick Davids auf das Haupt Goliaths war bei dieser Urfassung auf dem zentralen Leinwandstück noch gegeben, wurde bei Anbringung der Anstückungen bereits ab geschwächt und ging in der Berliner Kupfertafel ganz verloren. Erst hier hat Gentileschi die Gestalt zur stehenden Ganzfigur vervollständigt. Er korrigierte die Haltung der Figur, indem er die Beine näher zusammenrückte und die Figur insgesamt fast unmerklich schlanker machte. Außerdem veränderte er die Perspektive: Der Horizont wurde tiefer herabgezogen. Er gab der Figur nun einen ganz neuen Hintergrund aus jenem schroff-splittrigen, schiefrigen, in kaltem Grau gehaltenen Gestein, wie er es darzustellen liebte. Er veränderte die Position des Goliathhauptes, das nun mit dem Gesicht nach unten flach auf der Felsplatte aufliegt, auf die er seinen Fuß stellt. Davor liegt seine Schleuder, die im römischen Bild fehlt. Erich Schleier | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________Among the painters in Rome who were influenced by Caravaggio, Gentileschi was undoubtedly the most important and independent figure. Until 1600, he remained attached to the style of Roman late Mannerism. Only during the years 1600–05 does Caravaggio’s influence become gradually perceptible, reaching its highpoint in the period between 1606 and 1615. The present picture, produced around 1610, dates from this phase. During the first decade of the 17th century, the influence of Caravaggio and the artistic legacy of Gentileschi’s Tuscan heritage is joined by the impact of the German painter Adam Elsheimer, then working in Rome. This stimulus is reflected in the not especially numerous pictures in cabinet format painted on copper, and in the emphasis of landscape elements. Among these cabinet pictures on copper is the present work, the David, who is depicted bending down over the severed head of Goliath, deeply immersed in reflection on his deed, and of death. In contrast to the pictorial type familiar up to this time, which shows David in the act of brutally decapitating Goliath, this version of the theme was iconographically innovative. It can be traced back to Caravaggio’s painting in the Galleria Borghese in Rome. There, David holds the head he has just severed with his sword, from which the life seems not yet to have drained away entirely, toward the viewer, his gaze a mixture of revulsion and sadness. In Gentileschi’s picture, David’s directed gaze, which follows the movement of his arm, has yielded to a pensive expression. The face has been shifted from Caravaggio’s nearly frontal view to a pure profile. In contradistinction to Caravaggio, Gentileschi was fond of producing replicas and variants of his own compositions by his own hand. The little panel on copper in Berlin is a variant of the large-format picture, featuring life-sized figures, in the Galleria Spada in Rome. There, the David is cut off somewhat below knee height. Moreover, the landscape background is completely different: the dark backdrop on the right, serves as a foil for the figure, and consists not of a grotto with craggy solid rock, but instead of a dark wooded thicket with two luminous tree trunks and dense foliage that thins out on the left near the sky. With reference to the Berlin picture, it has been assumed that the painting in Rome was cut down below. This seems, however, not to be the case. Originally, Gentileschi framed the picture format even more narrowly, as shown by the structure of the canvas, which consists of a central piece that is surrounded by added strips having a different woven structure. Originally, the head of Goliath rested on the lower edge of the picture. In this original version on the central piece of canvas, David’s gaze still fell on the head of Goliath, but has become weakened through the additions, and was lost entirely in the copper panel in Berlin. Only here did Gentileschi complete the standing figure. He corrected the pose, shifting the legs more closely together, and making the figure of David more slender as a whole, albeit almost imperceptibly. He altered the perspective: the horizon has now been shifted downward. He gave the figure a completely different background, consisting of the type of rugged, splintered, slate stone, executed in cold grey tones, of the type he was fond of depicting. He also changed the position of Goliath’s head, which now lays facedown and level with the rock ledge on which David rests his foot. Lying in front of it is the sling, which is missing from the Roman picture. Erich Schleier | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019