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Römische Flußlandschaft mit Kastell und Brücke

Ident. Nr.: 372

ObjID: obj:865329

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Annibale Carracci (1560 - 1609),
Maler*in
Datierung
Ausführung: um 1600
Weitere Titel
Sammlungstitel: Römische Flußlandschaft mit Kastell und Brücke
Übersetzung: A Roman River Scene with a Castle and a Bridge
Geografische Bezüge
Italien,
Land
Material / Technik
Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 76,8 x 146,7 cm

Objektbeschreibung

In enger Werkstattgemeinschaft mit seinem Vetter Ludovico und seinem älteren Bruder Agostino hatte Annibale Carracci in Bologna seit den frühen achtziger Jahren des 16. Jahrhunderts einen neuen Figurenstil geschaffen, der den erstarrten Spätmanierismus ablöste, die Malerei unter Rückbesinnung auf Correggio und die großen venezianischen Meister (Tizian, Veronese, Tintoretto) und durch direkten Rückgriff auf die Wirklichkeit reformierte und damit einen der Ausgangspunkte für die italienische Barockmalerei schuf. 1595 berief ihn Kardinal Odoardo Farnese nach Rom, um ihn Räume in seinem Palast freskieren zu lassen (Camerino, Galerie). Die Übersiedlung nach Rom bedeutete für ihn eine entscheidende Zäsur: die Begegnung mit der Antike und der Kunst Raffaels, die Orientierung am klassischen Ideal der Hochrenaissance. Sie führte Annibale zu einem strengeren Stil und zu mehr tektonisch strukturierten Kompositionen von klassischem Maß. Entgegen der Ansicht einiger Forscher stammt die Berliner Landschaft nicht aus der Bologneser Zeit, sondern entstand in Rom um 1600 im Auftrag des Kardinals Farnese. Sie ist offenbar mit dem Bild identisch, das 1662 in einer Liste von Farnese-Bildern aufgeführt ist, die von Rom nach Parma, der Residenz der Farnese-Herzöge, geschickt werden sollten. Man nimmt an, daß die Landschaft zu dem schon um 1600 geplanten Dekorationsprogramm eines der Zimmer im sogenannten Palazzetto Farnese gehörte, einem niedrigen Anbau an den Palazzo Farnese jenseits der Via Giulia, der 1602/03 ausgeführt wurde. Schon in seiner Bologneser Zeit hatte Annibale Landschaften gemalt, in denen Eindrücke der venezianischen Landschaftskunst Tizians und Paolo Fiammingos sowie der Landschaften des Modenesen Nicolò dell’Abate verarbeitet waren: Landschaften mit Jägern und Fischern, zwanglose Ausschnitte aus der Natur, in denen das architektonische Element kaum eine Rolle spielte. In der Berliner Landschaft dagegen gliedert ein hoch aufragendes Kastell, unterstützt von einer Baumgruppe, den Bildraum deutlich in zwei Hälften, die jeweils Ausblicke in die Landschaftsferne mit blauen Bergen am Horizont zeigen. An den Seiten sind diese Durchblicke von hochragenden Baumgruppen kulissenartig gerahmt. Unverkennbar sind die Architektur, an der ein Fluß vorbeifließt, und die zweibogige Brücke, die das Kastell mit dem Ufer rechts verbindet, von der Tiberinsel mit dem Ponte Fabricio in Rom inspiriert. Figurengruppen unterstreichen die drei Vertikalakzente der Komposition: ein junges, musizierendes, elegant gekleidetes Paar links, ein schwerer Ruderkahn mit Figuren in der Mitte und ein zweiter Kahn mit Figuren rechts. Ein weiterer Beweis für die Entstehung in Rom ist der Umstand, daß ein anderer Bologneser Maler der Carracci-Schule, Giovanni Francesco Grimaldi, in einem um 1635/40 entstandenen Fresko im Palazzo Peretti in Rom Annibales Landschaft paraphrasiert hat. Zusammen mit der lünettenförmigen Landschaft mit der Flucht nach Ägypten in der Galleria Doria (aus der Kapelle des Palazzo Aldobrandini; um 1603/04) ist die Berliner Landschaft das wichtigste frühe Beispiel der klassischen Landschaftsmalerei in Rom und eine der monumentalsten Landschaften vor Poussin. Sie hat nicht nur Annibales Schüler und Nachfolger Domenichino, sondern eben auch Poussin und Claude Lorrain stark beeinflußt. Trotz der tektonischen Durchstrukturierung hat sich Annibale in dieser »gebauten« Landschaft die Frische des Natureindrucks, die Durchlichtung der Bildgründe, die Lebendigkeit der Atmosphäre und die Spontanität der Detailschilderung seiner frühen Bologneser Landschaften durchaus bewahrt. Erich Schleier | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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Beginning in the 1580s, through a close workshop collaboration with his cousin Ludovico and his elder brother Agostino in Bologna, Annibale Carracci inaugurated a new figural style which supplanted the rigidity of Late Mannerism, reforming the art of painting through a return to Correggio and the great Venetian masters (Titian, Veronese, Tintoretto), as well as through direct recourse to the real world, thereby establishing the point of departure for Italian Baroque painting. In 1595, Cardinal Odoardo Farnese called Carracci to Rome, where he was commissioned with decorating the cardinal’s palace with frescoes (Camerino d’Ercole, Galleria Farnese). For Carracci, the move to Rome represented a decisive caesura: there, he encountered antiquity and the art of Raphael, and became oriented toward the classical ideals of the High Renaissance. These influences led Annibale toward a more stringent style, toward more tectonic compositional structures that were classical in character.

Contrary to the views of a number of researchers, the Berlin landscape does not date from the Bolognese period, and was instead executed in Rome around 1600 on a commission from Cardinal Farnese. It is clearly identical with a painting entered into a list of Farnese pictures in 1662, which was sent from Rome to Parma, the residence of the Dukes of Farnese. Presumably, the landscape was part of a decorative program that was planned already around 1600 for a room in the socalled Palazzetto Farnese, a low annex to the Palazzo Farnese located beyond the Via Giulia, and erected around 1602/03. Annibale had produced landscapes already during the Bolognese period, in which he worked through his impressions of the Venetian art of landscape of Titian and Paolo Fiammingo as well as the landscapes of the Modenese artist Nicolò dell’Abate: landscapes with hunters and anglers, informal scenes of the natural world in which architectural elements play hardly any role. In the Berlin landscape, in contrast, the picture space is divided into two distinct halves – each offering views into the distant landscape, with bluish mountains on the horizon – by a towering castle, supported by a grove of trees. At the sides, these vistas are framed by trees in a way that is reminiscent of stage scenery. Unmistakably, the architecture and the double arched bridge, which links the castle to the riverbank on the right-hand side, must have been inspired by the Tiber Island with the Ponte Fabricio in Rome. Figural groups emphasize the composition’s three vertical accents: a young, elegantly dressed couple playing music on the left; a heavy rowboat with figures in the middle; and a second rowboat with figures on the right. An additional indication of this painting’s Roman origin is the circumstance that Annibale’s landscape is paraphrased in a fresco in the Palazzo Peretti in Rome, painted in 1635/40 by another Bolognese painter from the Carracci school, namely Giovanni Francesco Grimaldi.

Together with the lunette-shaped landscape in the Flight into Egypt in the Galleria Doria (from the chapel of the Palazzo Aldobrandini; circa 1603/04), the Berlin landscape is the most important early example of classical landscape painting in Rome, and one of the most monumental landscapes before Nicolas Poussin. It exerted a strong influence not only on Annibale’s student and successor Domenichino, but also on Poussin and Claude Lorrain. In this “built” landscape, despite its tectonic structuring, Annibale succeeds marvelously in preserving the freshness of his impressions of nature, the luminosity of the pictorial surfaces, the liveliness of the atmosphere, and the spontaneity of the rendering of details that are so characteristic of his early Bolognese landscapes. Erich Schleier | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 29.06.2026

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Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Giovanni Mocenigo (1508-1580)

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