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Der Tod Mariae

Ident. Nr.: 1884

ObjID: obj:865492

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Giotto (um 1267 - 1337),
Maler*in
Datierung
Ausführung: um 1310
Weitere Titel
Sammlungstitel: Der Tod Mariae
Übersetzung: Death of the Virgin
Geografische Bezüge
Italien,
Land
Material / Technik
Pappelholz
Abmessungen
Bildmaß: 75,8 x 179,7 cm Giebelform

Objektbeschreibung

Dargestellt ist die Entschlafung Mariens, ein Bildthema, das sich aus apokryphen Quellenschriften speist, von denen die wichtigste ein mit »Transitus Mariae« überschriebener Text eines anonymen Autors (Pseudo-Meliton) ist, der von Gregor von Tours (538–594) modifiziert wurde. Aufgrund dieser Vorlagen redigierte Jakobus da Voragine seine Version des Geschehens für die Legenda aurea, eine Sammlung mit den Lebensbeschreibungen der Heiligen. In allen Quellen wird zwischen verschiedenen, zeitlich aufeinanderfolgenden Ereignissen unterschieden: Marias Bitte, im Kreise der Apostel, Patriarchen und Engel sterben zu dürfen, ihrer eigentlichen Entschlafung, den Exequien (Trauerfeier), der Grablegung sowie der Auferweckung und Himmelfahrt. Giotto hat mehrere Elemente dieser Ereignisse auf der Berliner Tafel in einer einzigen Darstellung synthetisiert. Das Sujet des Bildes ist hier demnach weniger als »historia« (Bilderzählung) zu bezeichnen, sondern vielmehr als eine ohne zeitliches Kontinuum formulierte Inszenierung des Totenkults, als Darstellung des Rituals gemeinschaftlicher Erinnerung aufzufassen.

Vor diesem Hintergrund nimmt es nicht wunder, dass Giottos Komposition zahlreiche Verweise auf das mittelalterliche Bestattungsritual enthält. Dazu zeigt die Tafel Anwesende verschiedener Kategorien: Neben den Aposteln kommt insbesondere den Engeln eine wichtige Rolle zu. Bei Exequiendarstellungen und in der Grabmalsikonografie treten sie als Liturgen auf und spenden – dem Text der Apokalypse folgend – den Weihrauch. Hier übernimmt ein Engel in der rechten Bildhälfte
diese Aufgabe. Mit vollen Wangen bläst er in ein Rauchfass, um die Glut darin zu entfachen. Zudem sind, am linken Bildrand, Frauen gegenwärtig, die Gefährtinnen Mariens. Sie können gleichzeitig als Verweise auf die zum Trauergeleit gehörenden Frauen im realen Bestattungskult verstanden werden. Neben dem Sarkophag steht ferner beidseitig ein Engelpaar mit speziellen gedrehten Kerzen, die beim Sterbesegen entzündet wurden. Es folgte die Totenklage. Auf der Berliner Tafel vollführen die prominent über dem Haupt Mariens positionierten Apostel Gesten der Trauer. Der Klerus versammelte sich anschließend zur Vigil, die Bußpsalmen wurden gelesen, und der Körper wurde mit Weihwasser besprengt. Wir sehen Petrus auf der linken Seite aus den Psalmen rezitieren, während Andreas, in grüner Gewandung, von rechts das Aspergill mit dem Weihwasser führt. In anschließender Prozession geleitete man den Leichnam unter Gebet und Gesang zu Grabe.

Wenn sich diese Momente des Geschehens auf dem Bild allesamt finden lassen, dann deshalb, weil das Flachgiebeldossale um 1310 auf einem am Lettner befindlichen Seitenaltar des Florentiner Humiliatenkonvents zu Ognissanti aufgestellt war, der explizit der Verrichtung von Totenoffizien und Memorialgottesdiensten zugeeignet war. Unmittelbar vor ihm befanden sich Bodengräber. Das Kultbild war demnach thematisch auf das liturgische Ritual abgestimmt, das sich davor ereignete,
während das Zeremoniell selbst wiederum eine visuelle Überhöhung durch das im Altarbild inszenierte Geschehen erhielt. Mit der Entschlafung Mariens verbindet sich die christliche Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. Das kultische Handeln um Tod und Memoria war für den Humiliatenorden von großer Bedeutung, denn mit dieser seelsorgerischen Tätigkeit waren wichtige Einnahmen verbunden, die den Mönchen durch Anteile am Nachlass Verstorbener zukamen. Als 1296 der innerstädtische Friedhof in Florenz aufgelöst wurde, zählte der außerhalb des Stadtzentrums
gelegene Konvent von Ognissanti für einige Jahre zu den wichtigsten Kirchen für den Bestattungskult, da sich in unmittelbarer Nähe ein großer Friedhof befand, der unbeschränkt ausgedehnt werden konnte. Dieses für die Existenz des Ordens wichtige Bildwerk gaben die Mönche bei dem bedeutenden Florentiner Maler Giotto di Bondone in Auftrag, der es, auf der Höhe seines reifen Schaffens, um 1310 ausführte. Die tiefenräumliche Erscheinung des Geschehens ist durch die Positionierung massiver Figuren und ihre säulenartige Staffelung erwirkt. Bildeinführend kniet einer der Apostel vor dem bildparallel gestellten Sarkophag mit dem darauf ausgestreckten Körper Mariens. Dahinter wird die in hellem Gewand mittig stehende Figur Christi von zwei Aposteln in grüner Toga flankiert. In der rosa- und cremefarbenen Gewandung ist die Gestalt Christi mit den Engelpaaren verbunden, die links und rechts vom Sarkophag stehen: Vorder- und Mittelgrund sind durch derartige Farbklänge kunstvoll miteinander verwoben. Von der mittig vor dem Sarg knienden Figur des Engels entfaltet sich die Handlung hinüber zu den Seiten, hin zum Blau des links stehenden Engels, der seine Hände ringt, und zu jenem auf der rechten Seite, der seine Ellenbogen in seinen Umhang hineindrückt. Es ist auch die prononciert vorgetragene Körperlichkeit, die Giottos Figuren von der vorhergehenden byzantinischen Formensprache abhebt, weshalb der Maler seit frühester historiografischer Tradition als Vater der modernen Malerei gilt.

Im Verlauf seiner bewegten Geschichte hat die Malschicht des Berliner Retabels stark gelitten. Das Flachgiebeldossale wurde im Zuge diverser Umgestaltungen der Ognissanti-Kirche (Entfernung des Lettners und Barockisierung des Raums im 16. Jahrhundert) von seinem Altar entfernt, schließlich veräußert und gelangte im 19. Jahrhundert nach England in die Sammlung des Reverend Walter Davenport Bromley. 1913 wurde es von dem Londoner Kunsthändler Robert Langton Douglas erworben, der es dem Kaiser Friedrich Museumsverein verkaufte. Nachdem dieses wichtige Werk zunächst hinsichtlich der Autorschaft diskutiert wurde, gilt es inzwischen unbestritten als autografes Werk des großen Florentiner Meisters, Farbkomposition und Figurenstil bestätigen dies. Stephan Weppelmann | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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This work depicts the Dormition of the Virgin Mary, a theme that derives from apocryphal scriptures, of which the most important is the text headed Transitus Mariae by an anonymous author (Pseudo-Meliton), which was altered by Gregory of Tours (538–594). On the basis of these sources Jacobus da Voragine edited his version of the events for the Golden Legend (legenda aurea), a collection of saints’ lives. All sources distinguish various events in a chronological sequence: Mary’s wish to be allowed to die among the apostles, patriarchs and angels, her actual dormition, the funeral, the entombment and her resurrection and ascent into heaven. On the Berlin panel, Giotto made a synthesis of several elements of these events in one single depiction. The subject of the painting in this case should therefore be understood less as a historia (pictorial narrative) than as a representation of the
funeral cult rendered without a chronological continuum, a depiction of the ritual of communal commemoration.


Given this background, it is not surprising that Giotto’s composition contains numerous references to the medieval burial ritual. Moreover, the panel shows the participating figures in different categories: alongside the apostles, an important role is given to the angels in particular. In representations of obsequies and in the iconography of funeral monuments they appear as officiants and – following the text of the Apocalypse – are the givers of incense. Here, an angel in the right-hand part of the picture performs this task. With puffed-out cheeks, he blows into a censer in order to ignite the embers within it. Also present, on the left margin of the scene, are women, Mary’s companions. They can be regarded simultaneously as references to women in the cortège in an actual burial ritual. On each side of the sarcophagus, there also stands a pair of angels with special twisted candles, which were lit for
the blessing of the dead. This was followed by the lament for the deceased. On the Berlin panel, the apostles placed prominently above Mary’s head are performing gestures of mourning. After this, the clergy assembled for the vigil, the Penitential Psalms were read, and the body was sprinkled with holy water. We see Saint Peter on the left reciting from the psalms, while Saint Andrew, clothed in green, carries the aspergillum with the holy water from the right. In the subsequent procession, the body was accompanied to the grave with prayers and song.

That all of these aspects of the funeral scene can be identified on the painting is explained by the fact that this low-gabled dossal was placed on a side altar on the screen in the Florentine Ognissanti monastery of the Umiliati order. The altar was explicitly assigned to the offices of burial and memorial services. Graves in the floor of the church were placed directly in front of it. The painting was thus thematically devoted to the liturgical ritual that took place in front of it, while the ceremony itself was visually enhanced by the events depicted on the altarpiece. The Dormition of the Virgin Mary is associated with Christians’ expectation of life after death. The cult of death and commemoration was of great importance to the Umiliati, as this pastoral activity was linked to a significant income that the monks received through a share of the deceased person’s estate. When the cemetery in the inner city of
Florence was dissolved in 1296, the Ognissanti monastery outside the city centre became one of the leading churches for burials for a period of some years, as a large cemetery that could be extended indefinitely was situated in its immediate vicinity. The commission for this painting, which was of significance for the existence of the Umiliati order, was given by the monks to Giotto di Bondone, a leading Florentine painter, who executed it in about 1310 at the pinnacle of his mature period of work.
The three-dimensional appearance of the scene is created through the positioning of weighty figures and their arrangement like staggered columns. By way of introduction, one of the apostles kneels at the sarcophagus, which is set parallel to the edge of the painting, with the body of Mary stretched out upon it. Behind this, the figure of Christ, standing in the middle with a light-coloured robe, is flanked by two apostles wearing green togas. In its pink and cream-coloured clothing, the form of Christ is linked to the pairs of angels standing to the left and right in front of the sarcophagus: by means of such chromatic harmonies, the foreground and middle ground are skilfully interwoven. From the figure of the angel kneeling in front of the sarcophagus at the centre, the story unfolds to the sides, to the blue of the angel on the left who is wringing his hands and to the angel on the right who is pressing his elbows into his cape. The pronounced rendering of corporeality is one element that distinguishes Giotto’s figures from the Byzantine formal language that preceded him. For this reason, the artist has been regarded since the beginnings of art historical tradition as the father of modern painting.

In the course of its rich history, the paint layer of the Berlin altarpiece has suffered considerably. During various alterations to the Ognissanti church (the removal of the screen and the Baroque remodelling of the interior in the 16th century) it was taken from its altar, was eventually sold, and in the 19th century came to England to the collection of Reverend Walter Davenport Bromley. In 1913,
it was purchased by the London art dealer Robert Langton Douglas, who sold it to the Kaiser Friedrich Museumsverein. Following initial discussions of the authorship of this important work, it is now regarded without dispute as a work by the great Florentine master’s own hand, as the colour composition and the style of the figures confirm. Stephan Weppelmann | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

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Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Die Auferstehung Christi

Die Auferstehung Christi

»Nun, da ich die Methoden dieser Kunst zu verstehen beginne, grämt es mich, dass sie mir nicht den Auftrag erteilen, das gesamte Rund der Stadtmauern von Florenz mit Geschichten zu bemalen.« Diese Aussage soll Domenico Ghirlandaio gegenüber seinem Bruder Davide geäußert haben, nachdem er den Chor der Dominikanerkirche S. Maria Novella ausgeschmückt hatte. Die Fresken sind heute nochzu sehen und gehören zu den künstlerischen Höhepunkten eines Florenzbesuchs. Doch Ghirlandaio war nicht nur ein bemerkenswerter Freskant, er ist auch für die Gemälde des Hochaltars verantwortlich, die Anfang des 19. Jahrhunderts veräußert wurden. Die Mitteltafel der Vorderseite, Maria mit dem Kinde und Heiligen, befindet sich heute in der Alten Pinakothek in München; die heute in der Gemäldegalerie in Berlin aufbewahrte Auferstehung nahm die Rückseite des Altarbilds ein, die nur für die Priester sichtbar war. Um die Mitteltafel und an den Seiten waren drei Heiligenpaare angeordnet. Zwei dieser Heiligen befanden sich einst in der Gemäldegalerie und wurden vermutlich im Mai 1945 in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zerstört (Abb. links).Die Auferstehung zeigt Jesus Christus am Ostermorgen, wie er dem Grab entsteigt und die vier römischen Soldaten, die es bewachen, in Schrecken versetzt. Ghirlandaio wich hier stark vom Inhalt der Heiligen Schrift ab: Das Grab Christi befand sich in einer Höhle und nicht unter freiem Himmel und keinesfalls wies es die Inschrift INRI auf (Jesus von Nazareth, König der Juden), die oben an seinem Kreuz angebracht gewesen sein soll. Auch der Pelikan, der seine Jungen mit demeigenen Blut nährt, entwickelte sich erst viel später zu einem Symbol Christi. Der Maler wollte hier die Theatralik der Szene betonen: Jesus scheint beinahe von einer unsichtbaren Maschinerie in die Luft gehoben, während die Soldaten ihre Überraschung und Angst zu überspielen suchen. Während des 19. Jahrhunderts erfuhr Ghirlandaio für seinen Sentimentalismus große Bewunderung, wurde von einigen Ästheten genau aus diesem Grund jedoch auch stark kritisiert. Der Landschaft in diesem Gemälde gebührt die gleiche Beachtung wie der bemerkenswerten Szene im Vordergrund. Auf der linken Seite nähern sich die drei Marien, die gleich das leere Grab Christi entdecken werden (ihre Namen variieren je nach Evangelium). Dahinter erkennt man im blauen Dunstschleier eine Stadt imflämischen Stil, mit einer besonderen Nähe zur Malweise des Hugo van der Goes. Am 28. Mai 1483 traf Van der Goes’ Bild für den Hochalter von S.’Egidio in Florenz ein (jetzt in den Uffizien), Domenico Ghirlandaio änderte daraufhin seine Vorstellung von Tafelmalerei.Ghirlandaio vollendete weder das Altarbild für S. Maria Novella, noch war es ihm vergönnt, die Stadtmauern von Florenz zu bemalen, wie er gehofft hatte: 1494 starb er im Alter von 45 Jahren an der Pest. Es hat etwas Bewegendes, stellt man sich vor, dass der Tod den Maler während der Arbeit an dieser Auferstehung ereilte, deren Botschaft die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod enthielt. Giorgio Vasari zufolge wurde dieser Teil des Bildes von Ghirlandaios Brüdern Davide undBenedetto fertiggestellt. Kritiker stimmen jedoch darin überein, dass die Landschaft von einem anderen Künstler stammen muss, in dem man Ghirlandaios Schüler Francesco Granacci sah, der heute als Pseudo Granacci bezeichnet wird. Trotz dessen Mitwirkens kann die Auferstehung als eines der letzten Meisterwerke von Domenico Ghirlandaio gelten. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________________“Now that I have begun to understand the methods of this art, it grieves me that they will not commission me to paint the whole circuit of the walls of the city of Florence with stories.” This is what the painter Domenico Ghirlandaio is reputed to have said to his brother Davide, after having finished decorating the choir of the Dominican Church of Santa Maria Novella. The frescoes are still in place and are one of the highlights of any visitor who discovers Florence. But Ghirlandaio was not only a remarkable fresco painter: he was also responsible for the gigantic altarpiece adorning the chapel, dispersed at the beginning of the 19th century. The Virgin and Child in Glory among Saints which occupied the central compartment on the front side is now to be seen in Alte Pinakothek in Munich; as for the present Resurrection now in the Gemäldegalerie in Berlin, it was on the other side of the altarpiece, only visible to priests. Around the central panels and on the lateral sides of the altarpiece, three pairs of saints were displayed; two of these saints, once part of the collection of the Gemäldegalerie, were probably destroyed in May 1945 in the last days of the Second World War (fig. left).The Resurrection shows Jesus-Christ on Easter morning, coming out of his tomb, to the complete astonishment of the four Roman soldiers charged to guard his sepulture. Ghirlandaio freed himself largely from the Holy Scriptures: Christ’s tomb was set in a cave and not in the open air; and it was certainly not inscribed with the acronym “I.N.R.I.” (Jesus Christ King of Nazareth), placed instead on top of his cross, nor with the Pelican who fed his children with his blood, a symbol of Christ adopted much later (it is true that the inscription appears to have been painted over a former one). What mattered for the painter was to accentuate the theatrical character of the scene: Jesus seems to be pulled into the air by some backstage machinery, while the soldiers over-play their surprise and their fear. During the 19th century, Ghirlandaio was greatly admired for his sentimentalism; and also despised by a few aesthetes for this very reason.The landscape of this painting is to be admired on the same level as the ostentatious foreground. On the left side, we see the three Mary who, soon, will discover the empty tomb of Christ (their identities vary according to the gospels). Further on, one distinguishes a city in a blue mist, painted like in a Flemish style, and close in particular to Hugo van der Goes. On 28 May 1483, the high altarpiece of the church of Sant’Egidio, painted by Van der Goes, had arrived in Florence (it is now in the Uffizi); from that moment on, Domenico Ghirlandaio changed his conception of panel painting.Ghirlandaio did not have time to finish the Santa Maria Novella altarpiece, nor to fresco the whole circuit of the walls of Florence, as he had hoped: he died from the plague in 1494, only aged 45. There is something moving about imagining the painter agonizing while trying to complete this Resurrection, whose religious message is to give hope in a life after death. According to Vasari, this part of the altarpiece was completed by the painter’s brothers, Davide and Benedetto; but critics nowagree that the landscape is due to another artist, long confused with the pupil of Ghirlandaio Francesco Granacci and now known as the “Pseudo Granacci”. Despite the latter’s intervention, one can fully consider the Resurrection as one of the last masterpieces by Domenico Ghirlandaio. Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Johannes der Täufer

Johannes der Täufer

Johannes der Täufer predigt in der Wüste und verkündet die Ankunft des Messias. In diesem Gemälde ist er als Prophet dargestellt, mit einem vor Entbehrung ausgezehrtem Körper, eingefallenem Gesicht und beinahe ekstatisch auf das kleine Kruzifix starrend, das den Stab in seinen Händen krönt. Dieses Detail ist sehr ungewöhnlich, da sich das Kreuzsymbol erst lange nach dem Tod Jesu verbreitete. Dem Maler ging es jedoch nicht um historischen Realismus; vielmehr verstärkt er allein durch die Landschaft den zeitlosen Charakter einer fantastischen Vision, die auch aus einem modernen Science-Fiction-Film stammen könnte: Die Sonne ist gerade hinter dem Horizont einer unwirklich anmutenden Landschaft aus merkwürdig geformten und dunstverhangenen Felsen untergegangen. Links erkennt man eine bemerkenswert detailliert ausgeführte Hafenstadt, die Landzunge rechts im Vordergrund scheint einst über die zerstörte Brücke mit ihr verbunden gewesen zu sein. Alles in dieser Szenerie regt zum Nachdenken über zwei untrennbare Aspekte an: das tragische Schicksal Christi und die Vergänglichkeit der irdischen Welt.Trotz ihres zeitlosen Charakters handelt es sich um ein typisches Werk Ercole de’ Robertis, der bei Cosmè Tura in die Lehre gegangen und in Ferrara in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts tätig war. Die expressionistischen Züge von Turas Figuren und deren an Bronzeskulpturen erinnernden Drapierungen sind hier deutlich zu erkennen, während der Maler seine Originalität in der Landschaft bekundet. Bereits in seiner Altartafel für die Basilika S. Maria in Porto in Ravenna (heute in der Pinacoteca di Brera, Mailand) hatte Ercole dem traditionellen Schema der Sacra conversazione mit Maria, Christuskind und Heiligen unter dem Thron der Gottesmutter eine Landschaft hinzugefügt, die sich mit der Landschaft in diesem Gemälde vergleichen lässt.Die Landschaftsdarstellung ist hier als Mittel zu verstehen, die Kontemplation eines Gemäldes zu verstärken und die religiöse Meditation zu fördern – ein Bildverständnis, das sich nördlich der Alpen unter der Bezeichnung »Devotio Moderna« oder »neue Frömmigkeit« entwickelte. Der Venezianer Giovanni Bellini gilt als erster großer Interpret dieses Landschaftstypus in Norditalien. Seine heute in Berlin aufbewahrte Auferstehung Christi ist hier als exemplarisch anzusehen. Ercole übernahm von Bellini auch die Verwendung von Öl als Bindemittel, die damals in Norditalien, und vor allem in Ferrara, noch relativ ungebräuchlich war. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Werk indes Bellinis Schwager Andrea Mantegna zugeschrieben, dessen enormer Ruf ihn zum Autor sehr unterschiedlicher Werke werden ließ (beispielsweise im Falle der Grabbereitung Christi von Vittore Carpaccio). Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019__________________________Saint John the Baptist spent his life in the desert announcing the advent of the Messiah: he is here shown as a prophet, his body stunted, his face emaciated and his possessed gaze turned towards the tiny Crucifix crowning the stock that he holds in his hands. Such a detail is most implausible, as the use of the Crucifix only spread long after the death of Jesus Christ, who was John’s contemporary. But the painter did not pay attention to historic realism; rather, the landscape itself reinforces this timeless impression of a fantastic vision, worthy of the best modern science fiction movies: the sun has just set on a phantasmagorical landscape, made of strangely shaped rocks invaded by mist. On the left is a remarkably detailed harbour city, while on the right a promontory seems to have been once connected to the city by a now destroyed bridge. Everything in this landscape encourages us to meditate on two inseparable aspects: the tragic destiny of Christ and the perishable nature of the human world.Even if this painting seems timeless, it is a characteristic work by Ercole de’ Roberti, a Ferrarese painter trained by Cosmè Tura in the second half of the 15th century. The expressionist character of Tura’s figures, and his draperies which look alike bronze sculptures are clearly visible here, even if the painter shows his originality into the landscape. In his altarpiece for the church of Santa Maria in Porto, near Ravenna (today in the Pinacoteca di Brera in Milan), Ercole had already decided to represent, in addition to the Virgin, the Christ Child and the Saints according to the traditional scheme known as the “holy conversation”, a far landscape view under the throne of the Virgin. Such a view is to be strictly compared to the present painting.Landscape is understood here as a way to extend the contemplation of a painting and to deepen religious meditation. This way of appreciating paintings came from the North of the Alps, where it was named devotio moderna or “modern devotion”. The first great interpret of this type of conception of landscape in Northern Italy was the Venetian painter Giovanni Bellini; his Resurrection, today in Berlin, is particularly characteristic in that sense. Ercole took also directly from Bellini the use of oil for binding pigments, which was a relative novelty in Northern Italy at the time, and especially in Ferrara. Until the end of the 19th century, however, the present work was attributed to Bellini’s brother-in-law, Andrea Mantegna, whose enormous fame justified he was considered as the author of many works that had only in common the virtuosity of drawing (this was also the case of the Preparation of Christ’s Tomb by Vittore Carpaccio). Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Die Ausfahrt des Duc de Choiseul auf dem Petersplatz in Rom

Die Ausfahrt des Duc de Choiseul auf dem Petersplatz in Rom

Von einem leicht erhöhten Betrachterstandpunkt richtet sich der Blick über den Kirchenvorplatz auf die überkuppelte Fassade von St. Peter. Von dort kommend, fährt der aus elf prunkvollen Kutschen bestehende Korso des französischen Botschafters beim Heiligen Stuhl, Etienne-François de Choiseul (1719–1785), über den Platz. Ihn hat Panini in der zweiten Kutsche am offenen Fenster sitzend dargestellt. Choiseul trägt über der Brust das blaue Band des Ordens vom Heiligen Geist (Ordre du Saint-Esprit), den König Ludwig XV. ihm erst im Januar 1756 verliehen hatte. Anlass für die pompöse Ausfahrt war der offizielle Antrittsbesuch des Botschafters bei Papst Benedikt XIV. im Frühjahr 1756. Mit dieser Komposition ließ Choiseul von dem wichtigsten römischen Architektur- und Vedutenmaler seiner Zeit den bis dahin wichtigsten Moment seiner diplomatischen Karriere ins Bild setzen.Lange Zeit hielt man das Berliner Gemälde für die von Choiseul in Auftrag gegebene Version. Diese befindet sich jedoch in Privatbesitz (zuvor als Leihgabe in Edinburgh, National Gallery of Scotland). Bei dem Berliner Bild handelt es sich um eine zweite Version der Komposition aus der Sammlung von Claude François Rogier de Beaufort-Montboissier, abbé de Canilliac (1699–1761). Canilliac war der ranghöchste Gesandte der französischen Kirche in Rom und nach dem Botschafter der zweitwichtigste Vertreter Frankreichs in der Ewigen Stadt. Er gehörte zu jenen kirchlichen Würdenträgern, die Choiseul bei der Papstaudienz begleiteten und mit ihm in der Botschafterkutsche reisten. Während in der von Choiseul beauftragten Version lediglich er selbst als Fahrgast identifizierbar ist, ist auf dem Berliner Gemälde neben ihm auf der Sitzbank ergänzend der abbé de Canilliac dargestellt. Auch er trägt das blaue Band des Ordre du Saint-Esprit, allerdings in der Variante des Klerus nicht diagonal über der Brust sondern um den Nacken gelegt. Ein interessantes Detail des Berliner Gemäldes ist seine gut lesbare Datierung durch den Künstler auf das Jahr 1754 und damit zwei Jahre vor dem dargestellten Ereignis. Canilliac muss also eine bereits 1754 von Panini geschaffene Ansicht des Petersplatzes aus seinem Besitz nachträglich - wohl kurze Zeit nach der Fertigstellung von Choiseuls Gemälde - um die namengebende Figurenstaffage erweitert und um seine Person ergänzt haben lassen. Damit wertete er sein Gemälde nachträglich auf und sicherte sich zugleich symbolisch einen sichtbaren Platz in diesem so wichtigen diplomatischen und kirchenpolitischen Ereignis.Das Berliner Gemälde wurde nach Canilliacs Tod in Rom von Pierre-Jacques-Onésime Bergeret de Grancourt erworben. Wohl aus dieser Zeit stammt sein heutiger Louis XVI-Rahmen mit der unten eingelassenen, ausführlichen Beschreibung der Fassade und des Platzes von St. Peter in französischer Sprache, in dem das dargestellte Ereignis und seine Protagonisten jedoch schon keine Erwähnung mehr finden. | Sarah SalomonSIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. links unten auf einem Stein über dem springenden Hund: I.P. PANINI / 1754