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Dreimaster auf leicht bewegter See

Ident. Nr.: II.367

ObjID: obj:865635

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Olfert de Vrij (1635 - 1699),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1665
Weitere Titel
Sammlungstitel: Dreimaster auf leicht bewegter See
Übersetzung: Three-Masted Sailing Boat on Gently Moving Water
Geografische Bezüge
Holland,
Region
Material / Technik
Holz
Abmessungen
Bildmaß: 97,4 x 139,8 cm

Objektbeschreibung

Das ausschließlich in Grautönen gehaltene Marinebild zeigt zwei große Fregatten auf stürmischer See, die mit ihrer imposanten Größe alle sie umgebenden Schiffe überragen. Ihre Segel blähen sich, Flaggen flattern im Wind. An der Takelage oder beim Tauwerk der Schiffe wird gut sichtbar, wie präzise hier auch kleinste Details ausgearbeitet wurden. Das Werk stammt von dem heute weitgehend unbekannten Amateurmaler Olfert de Vrij (1635-1699), der hauptberuflich als Jurist und Quartiermeister arbeitete und sich auf Seestücke spezialisierte. Obgleich er nicht als professioneller Maler arbeitete, bewies sich de Vrij als ein überaus begabter und technisch versierter Künstler. Mit seinen Marinebildern schuf er nicht nur lebendige Kompositionen, sondern stellte bewusst die verschiedenen Facetten der Seefahrt des 17. Jahrhunderts dar, die den spektakulären Wohlstand der Niederlande im 17. Jahrhundert begründeten.

Das Gemälde ist bemerkenswert in seiner Präzision: de Vrij gelang es, mit einer sehr dünnen, durchscheinenden und monochrom gehaltenen Farbe, verschiedene, zum Teil identifizierbare Schiffe äußerst detailliert wiederzugeben. In seiner Ausführung ist O. de Vrijs Werk zwischen den Maltechniken der Grisaille und des sogenannten Penschilderij (Federmalerei) anzusiedeln. Die für sogenannte „penschilderijen“ charakteristischen, visuellen Effekte von Feder und Tinte erzeugte Olfert de Vrij hier jedoch mit Pinsel und Farbe.

Wahrscheinlich entstand das Bild im direkten Auftrag von Friedrich Wilhelm (1620-1688), Kurfürst von Brandenburg und Herzog von Preußen, der auch als „der Große Kurfürst“ bezeichnet wird. Bei den dargestellten Schiffen handelt es sich um Fregatten – schnelle, schwer ausgerüstete Schiffe, die sowohl für militärische als auch für Handels-Zwecke geeignet waren. Beide Schiffe sind durch die Wappen am Heck zu identifizieren: Bei dem rechten Schiff handelt es sich um die Grafschaft Mark, bei dem linken um das Herzogtum Cleve, die beide 1661-63 in den Niederlanden für den Großen Kurfürsten gebaut wurden. Die Schiffe unternahmen zwischen 1664 und 1666 eine Reihe von Handelsreisen durch Europa, die sie durch Norwegen, England, die Niederlande und Spanien führten, bevor sie verkauft wurden.

Entgegen dem Rat seiner Minister versuchte Friedrich Wilhelm während seiner gesamten Regierungszeit, seine Macht auf See auszubauen. Der erste Versuch, nach dem Zweiten Nordischen Krieg (1655-1660) eine Seehandelsgesellschaft aufzubauen, führte zum Kauf der beiden hier dargestellten Schiffe. Obwohl dieses erste Projekt wegen mangelnder Finanzierung scheiterte, baute der Kurfürst mit Hilfe des holländischen Kaufmanns Benjamin Raulé (1634-1707) 1682 erneut eine Flotte auf, die Brandenburgisch-Afrikanische Kompanie, die eine Schlüsselrolle bei der Einrichtung des Handelspostens Großfriedrichsburg an der Goldküste Afrikas spielte. 1684 wurde schließlich die Brandenburgisch-Preußische Marine gegründet.

Das Bild Dreimaster auf leicht bewegtem Wasser weist in der rechten oberen Ecke eine erstaunlich exakte Datierung auf. Hier ist nicht nur das Entstehungsjahr, sondern der Monat und der Tag festgehalten: 21. Oktober 1665. Die Angabe eines derart exakten Datums ist in der Malerei des 17. Jahrhunderts nur selten zu finden. Über die Bedeutung dieses Tages ist nichts bekannt. In der brandenburgisch-preußischen Geschichte lässt sich für diesen Tag kein außergewöhnliches Ereignis nachweisen. Am 21. Oktober 1665 lagen beide Schiffe im Hafen von Plymouth, nachdem sie von den Engländern festgehalten worden waren. Hier blieben sie insgesamt 179 Tage und konnten erst am 25. Januar 1666 ihre Reise nach Ostende fortsetzen.

Auch die Annahme, dass de Vrij hier den Moment darstellte, in dem die beiden Schiffe im Hafen von Hoorn stationiert waren, ist nicht zu bestätigen. De Vrijs Gemälde entstand erst etwa ein Jahr nach diesem tatsächlich dokumentierten Aufenthalt der Schiffe in Hoorn.

Möglicherweise folgte de Vrij hier schlicht dem Vorbild anderer niederländischer Marinemaler, wie Willem van de Velde d. Ä. und d. J., die dafür bekannt waren, gelegentlich genaue Datierungen ihrer Werke vorgenommen zu haben. Tatsächlich erinnert seine hier angebrachte Signatur auf schlichtem weißen Grund an ein unterschriebenes Dokument und weist verblüffende Ähnlichkeit mit seinem Namenszug auf erhaltenen Urkunden auf. Vermutlich kommt im Fall des Berliner Bildes der Stolz des Malers und die Gewissenhaftigkeit des Juristen nicht zuletzt auch in der Signatur zum Ausdruck.
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Painted only in shades of gray and brown, the marine painting shows two large frigates on a stormy sea, their imposing size towering above all the ships surrounding them. Their sails billow, flags flutter in the wind. The rigging of the ships clearly show how precisely even the smallest details have been worked out here. The work is by the amateur painter Olfert de Vrij (1635-1699), largely unknown today, who worked full-time as a lawyer and quartermaster and specialized in seascapes. Although he did not work as a professional painter, de Vrij proved to be an extremely talented and technically skilled artist. With his marine paintings, he not only created lively compositions, but deliberately showcased the various facets of 17th century seafaring that were enabling the spectacular prosperity of the Netherlands in the 17th century.

The painting is remarkable in its precision: de Vrij succeeded in rendering various ships, some of them identifiable, in extreme detail, using a very thin, translucent and monochrome paint. In its execution, O. de Vrij's work can be placed between the painting techniques of grisaille and the so-called penschilderij (pen painting). However, the visual effects of pen and ink, characteristic of a "penschilderij", were created here by Olfert de Vrij with brush and paint.

The painting was probably made on direct commission by Frederick William (1620-1688), Elector of Brandenburg and Duke of Prussia, also known as "der Große Kurfürst" (the Great Elector). The ships depicted are frigates - fast, heavily equipped vessels that were suitable for both military and trade purposes. Both vessels can be identified by the coats of arms on their sterns: The right ship is the Grafschaft Mark (County of Mark), the left the Herzogtum Cleve (Duchy of Cleve), both built in the Netherlands for the Great Elector in 1661-63. The vessels set off on a number of trading voyages around Europe, passing through Norway, England, the Netherlands and Spain, between 1664 and 1666 before being sold.

Against the advice of his ministers, Frederick William sought to expand his power at sea throughout his reign. The first attempt to establish a maritime trading company after the Second Northern War (1655-1660) resulted in the purchase of the two ships depicted here. Although this first project failed due to lack of financing, the Elector, with the help of the Dutch merchant Benjamin Raulé (1634-1707), rebuilt a fleet in 1682, the Brandenburg African Company, which played a key role in establishing the trading post of Grossfriedrichsburg on the ‘Gold Coast’ of Africa. Finally, in 1684, the Brandenburg-Prussian Navy was established.

The painting Three-Masted Sailing Boat on Gently Moving Water has an amazingly exact dating in the upper right corner. Not only the year of creation, but the month and the day is recorded: October 21, 1665. The indication of such a specific date is rare in the painting of the 17th century. Nothing is known about the significance of this day. In Brandenburg-Prussian history, no extraordinary event can be traced for this day. On October 21, 1665, both ships were in the port of Plymouth after being detained by the English. They remained here for a total of 179 days and were not able to continue their voyage to Ostend until January 25, 1666.

The assumption that de Vrij depicted here the moment when the two ships were stationed in the port of Hoorn cannot be confirmed either. De Vrij's painting was created only about a year after the actually documented stay of the ships in Hoorn.

It is possible that de Vrij simply followed the example of other Dutch marine painters, such as Willem van de Velde the Elder and the Younger, who were known to have occasionally dated their works precisely. Indeed, his signature here on a plain white background is reminiscent of a signed document and bears a striking resemblance to his signature on surviving documents. Presumably, in the case of the Berlin painting, the painter's pride and the jurist's conscientiousness are expressed not least in the signature.
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SIGNATUR / INSCHRIFT: oben: O. de Vry fecit . A 1665 21/10

Letzte Aktualisierung: 30.06.2026

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