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Maria mit dem Kind

Ident. Nr.: 104A

ObjID: obj:865731

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Andrea del Verrocchio (1435 - 1488),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1465/70
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Maria mit dem Kind
Übersetzung: The Virgin and Child
Geografische Bezüge
Herstellungsort: Italien,
Land
Material / Technik
Pappelholz
Abmessungen
Bildmaß: 75,8 x 54,6 cm
Erwerbung
1872/73 Ankauf aus der Sammlung von Napoléon-Jérôme Bonaparte durch den Kunsthändler Auguste Riblet, Florenz

Objektbeschreibung

Zunächst als Goldschmied ausgebildet, wurde Verrocchio vor allem als Bildhauer berühmt. Weit schlechter zu fassen ist sein malerisches Werk. Wie ab 1469 archivalisch belegt, bestellten so namhafte Auftraggeber wie die Familie de’ Medici und Giovanni Rucellai Gemälde bei Verrocchio. Er muss sich also schon vorher als Maler einen Namen gemacht haben. Nur zwei erhaltene Werke lassen sich dokumentarisch mit ihm verbinden: die für S. Salvi in Florenz gemalte Taufe Christi (Florenz, Uffizien), die er um 1470 begann, und das 1475 bei ihm in Auftrag gegebene Altarwerk der Madonna mit Heiligen im Dom von Pistoia. Beide Werke sind aber als Werkstattkollaborationen entstanden: In der Taufe Christi führte sein Schüler Leonardo da Vinci um 1473/75 einen Engel im Profil und Teile der Landschaft aus, während das Altarwerk in Pistoia vor allem von Lorenzo di Credi gemalt und erst um 1485 vollendet wurde. Diese kollaborative Bildherstellung ist charakteristisch für das Werk Verrocchios und erklärt die Inkongruenzen in manchen seiner Gemälde. Verrocchio führte eine große Werkstatt, aus der so bedeutende Maler wie Leonardo, Pietro Perugino und Lorenzo di Credi als Schüler hervorgegangen sind. Unter einer Gruppe von Madonnenbildern ist die hier gezeigte Tafel die einzige, bei der sich ein weitgehender Konsens über die Zuschreibung an Verrocchio gebildet hat,
während die Autorschaft des zweiten Madonnenbilds in Berlin mit stehendem Kind (Abb. links) zwischen Perugino, Domenico Ghirlandaio oder Verrocchio weiter in Frage steht.

Maria sitzt als Halbfigur schräg nach links gewendet vor einer bergigen Landschaft und hält auf ihrem Schoß das Christuskind, das in lebhafter Bewegung beide Arme nach ihr ausstreckt. Ursprünglich war die Komposition sehr knapp gefasst und die Malerei umlaufend je etwa fünf Zentimeter kleiner. Erst kurz nach Ankauf für die Berliner Museen 1873 hat man die Ränder der Holztafel, auf denen einst
Rahmenleisten aufgesetzt waren, grundiert und die Malerei fortgeführt. Der Nimbus der Maria sei dabei – so nahm man bisher an – neu hinzugefügt worden. Dies ist jedoch nicht der Fall, wie Untersuchungen belegen. Der Maler verstand es brillant, die Goldornamente auf den Nimben und die Goldstickereien zu imitieren. Er nutzte dazu kein Gold, sondern setzte die Lichteffekte mit malerischen Mitteln aus Bleizinngelb, aus Zinn und Mosaikgold, einer aus Schwefel bestehenden Goldersatzfarbe.

Durch naturwissenschaftliche Analysen ließ sich auch die Verwendung von Öl in einer Farbpartie nachweisen. Während der größte Teil des Gemäldes in Eitempera ausgeführt ist, zeigt das Röntgenfoto, dass im Bereich der umgeschlagenen grünen Innenseite des blauen Mariengewands zunächst eine weiße Farbschicht aus Bleiweiß und Öl aufgetragen und dann mit den Fingern verrieben wurde. Sie diente als Lichtreflektor, um die Leuchtkraft des darauf gemalten Grün noch zu erhöhen. Das Kupfergrün ist heute so nachgedunkelt, dass man die bewegte Faltengebung nur in
der Infrarotaufnahme ablesen kann. Für die Landschaft wurde ein anderes grünes Pigment (Malachit) verwendet. Es ist in der Literatur viel darüber spekuliert worden, ob die Experimente mit dem in der italienischen Tafelmalerei neuen Ölbindemittel dem Erfindergeist eines Leonardo zuzuschreiben sind. Man darf aber davon
ausgehen, dass die Schüler der Verrocchio-Werkstatt zuerst in der Temperatechnik ausgebildet wurden. Die Vorzüge des öligen Malmittels entdeckten die Maler auch anderer oberitalienischen Werkstätten in dieser Zeit. Babette Hartwieg | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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Initially trained as a goldsmith, Verrocchio is famous above all as a sculptor. His oeuvre of paintings is much more difficult to pin down. As, however, archival sources show such renowned clients as the de’ Medici family and Giovanni Rucellai commissioned paintings from 1469. He must by that time already have made a name as a painter. Only two surviving works can be linked to him in documents: the Baptism of Christ (Florence, Uffizi) painted for San Salvi in Florence, which he began in 1470, and the altarpiece of the Madonna with Saints in the cathedral of Pistoia, for which he was commissioned in 1475. Both works, however, were made as studio collaborations: in the Baptism of Christ, his pupil Leonardo da Vinci completed an angel in profile and parts of the landscape in about 1473/75, while the altarpiece in Pistoia was mainly painted by Lorenzo di Credi and was not finished until 1485. This collaborative production of pictures is characteristic of the work of Verrocchio and explains the incongruences in some of his paintings. Verrocchio headed a large studio from which such important painters as his pupils Leonardo da Vinci, Pietro Perugino and Lorenzo di Credi emerged. Among a group of depictions of the Madonna, the panel shown here is the only one for which a broad consensus on the attribution to Verrocchio has been reached, whereas the authorship of the second Madonna painting in Berlin with a standing Christ Child (fig. left) is still open to debate between Perugino, Domenico Ghirlandaio and Verrocchio himself.

Mary sits in half-profile turning diagonally to the left, with a backdrop of a mountainous landscape. On her lap she holds the Christ Child, who stretches out his arms to her in a lively movement. Originally, the composition was very tightly framed, the painting approximately five centimetres smaller on all sides. Shortly after the work was purchased for the Berlin museums in 1873, the margins of the wooden panel, on which once battens of the frame were fixed, were primed and the painting was extended. The Madonna’s nimbus was assumed to have been newly added with this alteration. However, this is not the case, as investigations have shown. The artist was able to imitate brilliantly the golden decoration of the halos and the golden embroidery on the dresses. He did not use gold for this purpose, but created light effects with painterly means using lead-tin yellow and mosaic gold, a gold substitute consisting of tin and sulphur.

Scientific analyses also proved the use of oil in one area of colour. While the largest part of the painting is executed in egg tempera, an X-ray image shows that on the green upturned inner side of the Madonna’s blue cloak, a white layer of lead white and oil was first applied and then spread with fingers. This served as a light reflector, to further enhance the luminosity of the green that was then painted on top. Today the copper green has darkened so much that the dynamic rendering of folds can only be perceived in an infra-red image. Another green pigment, malachite, was used for the landscape. There has been much speculation in literature as to whether the experiments with the new oil binding medium used in Italian piece painting are attributable to the inventive talent of Leonardo. It can be assumed that students in Verrocchio’s studio were first trained in tempera technique. The advantages of the oil medium for painting were also discovered in other painter’s workshops in Northern Italy at this time. Babette Hartwieg | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Christus sitzt niedergesunken vor dem Kreuz am Boden, während es auf Golgatha Abend wird. Seine Glieder wirken kraftlos; Wundmale an Händen und Füßen sowie die Dornenkrone zeichnen den Gemarterten. Als weitere Arma Christi lehnen der Ysop-Stab mit Essigschwamm, die Lanze und eine Leiter gegen das Kreuz; die drei Nägel liegen weiter hinten links im Halbdunkel. Ein Stück entfernt von Christus sitzt Maria, ganz in Dunkelblau. Sie ringt die Hände im Schmerz und blickt traurig zu ihrem Sohn hinüber. Neben ihr hockt Johannes, der sich eng in seinen roten Mantel gehüllt hat und das kummervolle Gesicht in der bekannten Melancholie-Geste in die linke Hand stützt. Von der grünen Wiese um die Protagonisten herum setzt sich die felsige Hintergrundlandschaft ab. Unter einem baumbestandenen Hügel ganz links öffnet sich die für Christus bestimmte Grabeshöhle mit einem rötlichen Steinsarkophag darin, während sich rechts die ummauerte, von einem Graben geschützte Stadt Jerusalem mit zahlreichen Türmen und dem runden Salomonischen Tempel in ihrer Mitte erhebt. Durch das Stadttor kehrt soeben der letzte der an der Kreuzigung Beteiligten zurück. Er hat ein bläuliches Tuch über die Schulter geworfen, bei dem es sich um den unteilbaren Rock Christi handeln dürfte.Künstlerisch höchst subtil und poetisch ist die kleine Tafel auch ikonografisch ungewöhnlich, vielleicht sogar einzigartig unter den Gemälden der Zeit um 1400. Auf eigenwillige Art wird nämlich in dem Bild eine Szene, die einen bestimmten Moment der Passionsgeschichte aufgreifen könnte, mit der dem Handlungsablauf völlig enthobenen Gestalt Christi kombiniert. Dieser erscheint als Schmerzensmann, der gestorben und doch lebendig, Mensch und Gott zugleich ist. 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Das Berliner Täfelchen steht sowohl den Tafeln eines Marienlebens in Klosterneuburg, die unter der Bezeichnung »Meister der Darbringungen « geführt werden, als auch der großen, in London befindlichen Tafel eines Gnadenstuhls nahe; ob es aber von einem der jeweils verantwortlichen Maler selbst stammt, muss offen bleiben. Stephan Kemperdick | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________Christ is slumped on the ground below the cross as evening falls on Golgotha. His limbs are limp, drained of strength; the stigmata on his hands and feet and the crown of thorns signify his martyrdom. Other arma christi or instruments of the Passion – the hyssop reed with, the sponge of vinegar, the lance and the ladder – are leaning against the cross; further behind on the left in the semi-darkness lie the three nails. The Virgin Mary, clad entirely in dark blue, sits a short distance away from Christ. She is wringing her hands in sorrow as she looks sadly across to her son. John, who has wrapped himself tightly in his red cloak, is squatting beside herleaning his sad face on his left hand in the well-known gesture of melancholy. The rocky landscape in the background contrasts with the grassy meadow surrounding the protagonists. Below a tree-lined hill on the far left, the cave sepulchre intended for Christ containing a reddish stone sarcophagus opens up, while on the right the many towers of the walled and moated city of Jerusalem point skywards. The round Temple of Solomon can be seen in the middle. The last of those who attended the crucifixion is returning through the city gate. He has thrown a bluish cloth over his shoulder, probably the Seamless Robe of Christ. In artistic terms, the small panel is extremely subtle and poetic. 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Wladislaw IV. (1595-1648) von Polen / Allegorische Darstellung der Tugend

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Der dargestellte Wladislaw IV. (1595 – 1648) war seit 1632 König von Polen. Auf seinem reich dekorierten Wams ist eine Kette erkennbar, die ihn als Ritter des Ordens vom Goldenen Vließ kennzeichnet, dem er seit 1615 angehörte. Er trägt ein violettes Käppchen. Auffällig an der Frisur Wladislaws IV. ist ein dünner Zopf, der auf die linke Schulter fällt und dessen Ende von einer breiten Schleife zusammengehalten wird. Er war in zweiter Ehe mit Louise – Marie, Prinzessin von Gonzaga, Mantua, Montferrat und Nevers („Fille de France“, d.h. Prinzessin von Geblüht) vermählt. Die Trauung fand in Abwesenheit des Bräutigams im Jahre 1645 in der Kathedrale St. Denis statt. Dabei wurde der polnische König durch den Woiwoden von Posen, Christoph Graf Bnin Opalinski vertreten. Mehrmonatige Feierlichkeiten zogen Viele nach Paris, so auch den gefragten Genfer Miniaturmaler Paul Prieur (Um 1620 - 1682/83). Der umtriebige Hugenotte schuf dort zu dieser Zeit auch die Berliner Miniatur. Es wird sich dabei um ein diplomatisches Geschenk des polnischen Königs an den Großen Kurfürsten (Friedrich Wilhelm von Brandenburg) gehandelt haben, der im Jahre 1640 Wladislaw IV. den Lehnseid als Herzog von Preußen leistete und 1646 aus Anlass des Einzugs der aus Paris kommenden polnischen Königin Louise-Marie in Danzig anwesend war. Auf dem Contreémail der Miniatur ist in der Mitte ein von der Sonne gekrönter Obelisk auf vier Kugeln auf einem Postament geschildert. Traditionell als „Gloria dei principe“ (Ruhm des Prinzen) lesbar. Dem gesellt sich die Umschrift HONOR VIRTVTIS PRAEMIVM (Ehre ist der Lohn der Tugend). Die vorzügliche, auf einem Bildträger aus Gold gearbeitet, Berliner Emailminiatur eröffnet die Reihe von Paul Prieurs datierten Arbeiten. SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf der Rückseite: HONOR VIRTVTIS PRAEMIVM (umlaufend); unten: prieur Fecit / 1645

Zwei Marktfrauen und ein Junge mit Geflügel und Gemüse

Zwei Marktfrauen und ein Junge mit Geflügel und Gemüse

Von den bedeutenderen Meistern des Bologneser Spätmanierismus (O. Samacchini, L. Sabatini, P. Fontana) war Bartolomeo Passarotti zweifellos der fortschrittlichste, derjenige, der am deutlichsten Stilelemente der Carracci vorwegnahm. Agostino Carracci war zeitweilig sein Schüler, Annibale Carracci wurde in seiner Frühzeit stark von ihm beeinflusst. Passarotti hat in Rom bei Taddeo Zuccari gearbeitet (1551), stand aber andererseits in der Tradition des Bologneser Manierismus (Pellegrino Tibaldi) und wurde auch von Parmigianino und Niccolò dell`Abate beeinflusst. Sein Oeuvre besteht aus drei Komplexen: Altarbilder, Porträts und Genrebilder. Die Altarbilder befinden sich ausnahmslos noch am Ort, in Kirchen Bolognas und der Emilia sowie im Museum von Bologna. Besonders berühmt war Passarotti als Porträtmaler. Seine weit verbreiteten und gelegentlich auf dem Markt vorkommenden Porträts bildeten die unmittelbare Vorstufe für die Porträtkunst der Carracci.Auch die kleinste Werkgruppe, die der Genrebilder, wurde für die Carracci vorbildlich. So galt das Berliner Bild der "Schachspieler", das 1971 dem Ludovico Carracci zuerkannt wurde, lange als Werk Passarottis (A. Venturi, 1933). Zu der kleinen Gruppe der Genrebilder Passarottis gehört das vorliegende, aus dem Londoner Kunsthandel angebotene Bild einer halb stilllebenhaft, halb porträthaft (in Dreiviertelfiguren) gefassten Marktszene: eine alte Marktfrau, die mit Geflügel und Gemüse handelt, preist ihre Hühner an. Mit beiden Armen hat sie eine Henne und einen Hahn gepackt und hält sie dem Betrachter als ideellem Käufer entgegen, ihn anblickend, den sprechend geöffneten Mund zu einem leichten Lächeln verzogen. Sie lehnt mit dem rechten Arm auf den hölzernen Hühnerkäfig, auf dem links hinten ein Hahn thront. Im Hintergrund ferner eine Stange, an der, mit einem Band befestigt, ein Schild hängt, auf dem der Buchstabe P (= Pollaiolo [Geflügel-Verkäufer], aber wohl auch das Monogramm des Künstlers) steht. In der rechten Bildhälfte sieht man eine bildeinwärts gerichtete junge Frau mit ihrem Jungen. Es bleibt unklar, ob sie eine Kundin oder eine zweite Verkäuferin ist. Das Halsband aus roten Steinen und der relativ aufwendige, schleierartige Überhang deuten wohl eher auf eine Kundin hin. Ihr verlorener Blick aus den Augenwinkeln geht am Betrachter vorbei. Sie schmiegt ihr Kind mit dem linken Arm an sich (sie greift in sein Haar), vielleicht will sie den Jungen, der gerade mit der Hand nach einem Kürbis greift, zurückhalten. Im Vordergrund unten ein Korb (oder eine Karre) prallgefüllt mit Zwiebeln und Kürbissen.Die Figuren und der stilllebenhaft arrangierte Kürbishaufen sind eng ins Bildfeld eingepasst. Figuren und Formen, ganz in der vordersten Bildebene platziert, vermitteln den Eindruck bedrängender Nähe und handgreiflicher Wirklichkeit. Dieser Eindruck wird unterstrichen durch die pastose Malweise, die freie, lockere Pinselschrift, eine Faktur, die, zusammen mit der Art der Gewandbehandlung und der Modellierung, vor allem aber der Farbigkeit, ganz unmittelbar auf die wenige Jahre später entstandenen Genrebilder Annibale Carraccis (Schlachterladen in Oxford, Bohnenesser in Rom, Gal. Colonna) vorausweist. Annibale Carracci hat in seinen Genrebildern, die alle in die Frühzeit fallen, mit dem gleichen Realismus, der gleichen Naturbeobachtung gearbeitet. Gleichwohl würde man die Bilder als lediglich realistische Markstücke im Sinne des 19. Jahrhunderts missverstehen. Im vorliegenden Bild ist offenbar eine Anspielung auf die drei Lebensalter mit gemeint, außerdem hat die neuere Forschung in den Genrestücken Passarottis und Carraccis Bezüge zur Commedia dell`arte gesehen (letztlich auf Aristoteles' Poetik fußend; vgl. B. Wind, Pitture ridicole: Some Late Cinquecento Comic Genre Paintings, in: "Storia dell'Arte", 20, 1974; ders., Annibale Carracci's "Scherzo": The Christ Church Butcher Shop, in: "The Art Bulletin" 1976). So wie Passarottis Genrebilder einerseits auf die Carracci vorausweisen, fußen sie andererseits auf niederländischen Vorbildern, vor allem von Aertsen und Beuckelaer (vgl. H. Bodmer, Die Kunst des Bartolomeo Passerotti, in: "Belvedere" 1938).Das vorliegende Werk war bis zur Erwerbung unpubliziert. Seine Komposition war jedoch aus einer qualitativ unterlegenen Werkstattreplik bekannt, die Daniele Benati (Una 'Lucrezia' e altre proposte per Bartolomeo Passerotti, in: "Paragone" 379, 1981) publiziert hat. Benati datiert das vorliegende Original in die späten siebziger bzw. frühen achtziger Jahre. Es gibt außer diesem Bild nur noch fünf vollwertige Genrebilder Passarottis, von denen drei Bilder (alle querformatig) dem vorliegenden stilistisch und ikonographisch engstens verwandt sind: "Zwei Fischverkäufer" und "Zwei Schlachter" in Rom, Galleria Nazionale d'Arte Antica (ehemals Slg. Messinger, München) und "Zwei Geflügelverkäuferinnen" (Florenz, Stiftung Longhi, ehemals Berlin, C. Benedict). Diese drei Bilder sind in einem Inventar der Slg. der Marchesi Mattei (Rom) von 1614 zusammen mit einem vierten aufgeführt, das zwei Geflügelverkäuferinnen mit einem Kind darstellt. Es läge nahe, das vorliegende Bild mit dem vierten Bild zu identifizieren, wenn nicht das andersartige Hochformat dagegen spräche. Die Verbindung von derber Drastik des Motivs, von zupackendem Realismus mit malerischer Kultur der Ausführung ist das Charakteristische dieses und der anderen Genrebilder Passarottis. Zugleich ist das Bild ein frühes und bedeutendes Beispiel der für Italien auch im frühen 17. Jahrhundert wichtigen Bildform eines vegetabilen Stilllebens (Gemüse, Früchte, Blumen) mit begleitenden Figuren. SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf dem Ladenschild oben: P