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Christus am Ölberg

Ident. Nr.: 551A

ObjID: obj:866121

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Jan Gossart (um 1478 - 1532),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1509/10
Weitere Titel
Sammlungstitel: Christus am Ölberg
Übersetzung: Christ on the Mount of Olives
Geografische Bezüge
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Bildmaß: 85,9 x 63,9 cm

Objektbeschreibung

Gossaerts vielseitige Fähigkeiten, seine gediegene Kenntnis der großen Meister des 15. Jahrhunderts und die intensive Beschäftigung mit den Denkmälern der Antike haben seine unverwechselbare Stellung innerhalb der niederländischen Kunst begründet. Sein Bild Christus am Ölberg dürfte um 1509/10, also unmittelbar nach der Italienreise entstanden sein, die der Künstler 1508 im Gefolge Philipps von Burgund (1465- 1524) unternommen hatte. Von den Eindrücken und Erfahrungen des Romaufenthaltes ist in diesem Werk freilich nichts zu bemerken. In den Evangelien wird davon berichtet, wie sich Christus in der auf das Abendmahl folgenden Nacht mit seinen Jüngern zum Ölberg begab, wie er sie bat, mit ihm zu wachen, sich von ihnen entfernte, niederkniete, betete und sprach: »Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. Und es kam, daß er mit dem Tode rang und betete heftiger. Es ward aber sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde. Und er stand auf von dem Gebet und kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafen vor Traurigkeit« (Lukas 22, 42-45). Im Anschluß daran erzählen die Evangelien, wie der Verräter Judas an der Spitze der Häscher in den Garten Gethsemane eindrang, auf Christus zuging und ihn mit dem Kuß als dem verabredeten Zeichen des Verrats begrüßte. Gossaert schildert nicht die dramatische Szene der Verhaftung Christi, sondern den stillen inneren Kampf des Herrn angesichts der Unausweichlichkeit des bevorstehenden Todes. Es sind die letzten Stunden der Nacht, die Christus »betrübt bis an den Tod« allein zu bestehen hat, während seine Jünger schlafen. Am Himmel steht die schmale Sichel des abnehmenden Mondes, der die dahinziehenden Wolken, die Bäume, die Felsen und die Türme des fernen Jerusalem in ein fahles, unwirkliches Licht taucht. Das jugendliche, von Schweiß und Tränen überströmte Gesicht Christi ist hell beleuchtet. Helles Licht trifft auch das Gesicht Petri, der mit dem Schwert an der Seite schlafend im Vordergrund ruht. Neben ihm liegen Johannes und Jacobus, die, vom Schlaf übermannt, den Kopf in die Hand stützen. Aus der Höhe schwebt der Engel zu Christus herab. Er hat den Kelch mit der Hostie vor ihm auf dem Felsen niedergesetzt. Im Hintergrund drängen die von Judas geführten Häscher aus dem geöffneten Stadttor heran. Ihre Waffen und Rüstungen glänzen im Licht des Mondes. Sie tragen Fackeln, um in der Dunkelheit ihren Weg nicht zu verfehlen. Dieses Werk, eines der frühesten und eindrucksvollsten Nachtbilder, das wir kennen, erweist Gossaert als einen Maler von außerordentlicher Virtuosität. Die effektvolle und dabei zugleich erstaunlich differenzierte Lichtführung ist hier dazu eingesetzt, die innere Dramatik des Geschehens, das Unheilvolle der nächtlichen Stunde und die tiefe seelische Verzweiflung des Gottessohnes zu veranschaulichen. Es wird vermutet, daß es sich bei Gossaerts Christus am Ölberg um die Mitteltafel eines kleinen Triptychons handelt, zu dem zwei bewegliche Flügel gehörten. Die aus zwei Tafeln bestehende Grisaillemalerei mit der Darstellung des heiligen Hieronymus, die heute in Washington (National Gallery of Art) bewahrt wird, könnte möglicherweise die Außenseiten der Flügel gebildet haben. Die Innenseiten sind nicht erhalten. Es wäre jedoch denkbar, daß dort einst trauernde Engel mit den Leidenswerkzeugen vor nächtlich dunklem Grund wiedergegeben waren. | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2010
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The gospels tell us how Christ, who went to the Mount of Olives with his disciples at night after the Last Supper, knelt down and prayed: “Father, if it is your will, take this cup from me; yet not my will but yours be done.” An angel then appeared to him from heaven to strengthen him. In his anguish he prayed with all the greater intensity, and his sweat became like drops of blood falling to the ground. Then he rose from prayer and came to his disciples, only to find them asleep, exhausted with grief (Luke 22, 42-45). After this, Judas appeared at the head of the pursuers in the Garden of Gethsemane, went up to Christ and greeted him with the traitor’s kiss. This picture is one of the first night scenes. The effective handling of light reinforces the drama of the events. | Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2012

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Die Auferstehung Christi

Die Auferstehung Christi

»Nun, da ich die Methoden dieser Kunst zu verstehen beginne, grämt es mich, dass sie mir nicht den Auftrag erteilen, das gesamte Rund der Stadtmauern von Florenz mit Geschichten zu bemalen.« Diese Aussage soll Domenico Ghirlandaio gegenüber seinem Bruder Davide geäußert haben, nachdem er den Chor der Dominikanerkirche S. Maria Novella ausgeschmückt hatte. Die Fresken sind heute nochzu sehen und gehören zu den künstlerischen Höhepunkten eines Florenzbesuchs. Doch Ghirlandaio war nicht nur ein bemerkenswerter Freskant, er ist auch für die Gemälde des Hochaltars verantwortlich, die Anfang des 19. Jahrhunderts veräußert wurden. Die Mitteltafel der Vorderseite, Maria mit dem Kinde und Heiligen, befindet sich heute in der Alten Pinakothek in München; die heute in der Gemäldegalerie in Berlin aufbewahrte Auferstehung nahm die Rückseite des Altarbilds ein, die nur für die Priester sichtbar war. Um die Mitteltafel und an den Seiten waren drei Heiligenpaare angeordnet. Zwei dieser Heiligen befanden sich einst in der Gemäldegalerie und wurden vermutlich im Mai 1945 in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zerstört (Abb. links).Die Auferstehung zeigt Jesus Christus am Ostermorgen, wie er dem Grab entsteigt und die vier römischen Soldaten, die es bewachen, in Schrecken versetzt. Ghirlandaio wich hier stark vom Inhalt der Heiligen Schrift ab: Das Grab Christi befand sich in einer Höhle und nicht unter freiem Himmel und keinesfalls wies es die Inschrift INRI auf (Jesus von Nazareth, König der Juden), die oben an seinem Kreuz angebracht gewesen sein soll. Auch der Pelikan, der seine Jungen mit demeigenen Blut nährt, entwickelte sich erst viel später zu einem Symbol Christi. Der Maler wollte hier die Theatralik der Szene betonen: Jesus scheint beinahe von einer unsichtbaren Maschinerie in die Luft gehoben, während die Soldaten ihre Überraschung und Angst zu überspielen suchen. Während des 19. Jahrhunderts erfuhr Ghirlandaio für seinen Sentimentalismus große Bewunderung, wurde von einigen Ästheten genau aus diesem Grund jedoch auch stark kritisiert. Der Landschaft in diesem Gemälde gebührt die gleiche Beachtung wie der bemerkenswerten Szene im Vordergrund. Auf der linken Seite nähern sich die drei Marien, die gleich das leere Grab Christi entdecken werden (ihre Namen variieren je nach Evangelium). Dahinter erkennt man im blauen Dunstschleier eine Stadt imflämischen Stil, mit einer besonderen Nähe zur Malweise des Hugo van der Goes. Am 28. Mai 1483 traf Van der Goes’ Bild für den Hochalter von S.’Egidio in Florenz ein (jetzt in den Uffizien), Domenico Ghirlandaio änderte daraufhin seine Vorstellung von Tafelmalerei.Ghirlandaio vollendete weder das Altarbild für S. Maria Novella, noch war es ihm vergönnt, die Stadtmauern von Florenz zu bemalen, wie er gehofft hatte: 1494 starb er im Alter von 45 Jahren an der Pest. Es hat etwas Bewegendes, stellt man sich vor, dass der Tod den Maler während der Arbeit an dieser Auferstehung ereilte, deren Botschaft die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod enthielt. Giorgio Vasari zufolge wurde dieser Teil des Bildes von Ghirlandaios Brüdern Davide undBenedetto fertiggestellt. Kritiker stimmen jedoch darin überein, dass die Landschaft von einem anderen Künstler stammen muss, in dem man Ghirlandaios Schüler Francesco Granacci sah, der heute als Pseudo Granacci bezeichnet wird. Trotz dessen Mitwirkens kann die Auferstehung als eines der letzten Meisterwerke von Domenico Ghirlandaio gelten. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________________“Now that I have begun to understand the methods of this art, it grieves me that they will not commission me to paint the whole circuit of the walls of the city of Florence with stories.” This is what the painter Domenico Ghirlandaio is reputed to have said to his brother Davide, after having finished decorating the choir of the Dominican Church of Santa Maria Novella. The frescoes are still in place and are one of the highlights of any visitor who discovers Florence. But Ghirlandaio was not only a remarkable fresco painter: he was also responsible for the gigantic altarpiece adorning the chapel, dispersed at the beginning of the 19th century. The Virgin and Child in Glory among Saints which occupied the central compartment on the front side is now to be seen in Alte Pinakothek in Munich; as for the present Resurrection now in the Gemäldegalerie in Berlin, it was on the other side of the altarpiece, only visible to priests. Around the central panels and on the lateral sides of the altarpiece, three pairs of saints were displayed; two of these saints, once part of the collection of the Gemäldegalerie, were probably destroyed in May 1945 in the last days of the Second World War (fig. left).The Resurrection shows Jesus-Christ on Easter morning, coming out of his tomb, to the complete astonishment of the four Roman soldiers charged to guard his sepulture. Ghirlandaio freed himself largely from the Holy Scriptures: Christ’s tomb was set in a cave and not in the open air; and it was certainly not inscribed with the acronym “I.N.R.I.” (Jesus Christ King of Nazareth), placed instead on top of his cross, nor with the Pelican who fed his children with his blood, a symbol of Christ adopted much later (it is true that the inscription appears to have been painted over a former one). What mattered for the painter was to accentuate the theatrical character of the scene: Jesus seems to be pulled into the air by some backstage machinery, while the soldiers over-play their surprise and their fear. During the 19th century, Ghirlandaio was greatly admired for his sentimentalism; and also despised by a few aesthetes for this very reason.The landscape of this painting is to be admired on the same level as the ostentatious foreground. On the left side, we see the three Mary who, soon, will discover the empty tomb of Christ (their identities vary according to the gospels). Further on, one distinguishes a city in a blue mist, painted like in a Flemish style, and close in particular to Hugo van der Goes. On 28 May 1483, the high altarpiece of the church of Sant’Egidio, painted by Van der Goes, had arrived in Florence (it is now in the Uffizi); from that moment on, Domenico Ghirlandaio changed his conception of panel painting.Ghirlandaio did not have time to finish the Santa Maria Novella altarpiece, nor to fresco the whole circuit of the walls of Florence, as he had hoped: he died from the plague in 1494, only aged 45. There is something moving about imagining the painter agonizing while trying to complete this Resurrection, whose religious message is to give hope in a life after death. According to Vasari, this part of the altarpiece was completed by the painter’s brothers, Davide and Benedetto; but critics nowagree that the landscape is due to another artist, long confused with the pupil of Ghirlandaio Francesco Granacci and now known as the “Pseudo Granacci”. Despite the latter’s intervention, one can fully consider the Resurrection as one of the last masterpieces by Domenico Ghirlandaio. Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019