Wandkapitell
Ident. Nr.: AE 517
ObjID: obj:866132
Details (Expert)
- Datierung
- Datierung: 1190-1200
- Geografische Bezüge
- Material / Technik
- Kalksandstein
- Abmessungen
- Höhe x Breite x Tiefe: 28 x 47 x 46 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/866132
Objektbeschreibung
Das Rundkapitell wird geschmückt von einer regelmäßigen Abfolge aufsteigender, schlanker Palmettenstängel mit diamantierten Rippen, deren fleischige Blätter oben relativ weit nach vorn fallen. Der auf dem ersten Blick schlichten Anordnung liegt jedoch ein komplexes System zu Grunde: Es gibt drei Arten von Stängeln, die ersten beiden unterscheiden sich lediglich in der Höhe und alternieren, sodass sich die Blätter weiter ausbreiten können. Jeweils zwischen zwei Stängeln ist ein kürzerer gestellt (nur auf der rechten Seite erhalten), dessen Blatt sich über den größeren Stängel neigt, um mit dem Blatt des nächsten kleineren Stängels zusammengeführt zu werden. Jeweils zwei dieser am Ende zusammengeführter Stängel wirken zusammen wie eine einzige gespaltene Palmette – ein Eindruck, der sich noch dadurch verstärkt, dass jeweils die Seite an der „Schnittstelle“ neben einem Diamantfries jäh abbricht. Durch diese Versprünge, Aufspaltungen und die entsprechende Schattenbildung erhält das Kapitell ein erstaunliches Maß an Plastizität.
Für die ursprüngliche Aufstellung in einem geschützten Innenraum spricht der gute Erhaltungszustand. Größe und Form des Kapitells schließt einen Kirchenraum eigentlich aus. Diskutiert wurden St. Pantaleon und St. Gereon in Köln als ursprüngliche Aufstellungsorte. Beide Klausurkomplexe sind in den 1810er-Jahren abgerissen worden und nur unzureichend dokumentiert. Aus den Quellen lassen sich aber für St. Pantaleon keine größeren und anspruchsvollen Baumaßnahmen in der Zeit um 1200 nachweisen, wohl aber für St. Gereon.
Verbunden wurde dieses und einige andere Kapitelle mit dem sogenannten Samsonmeister – eine Bezeichnung, unter der man inzwischen eine größere Gruppe von Skulpturen in Köln, am Nieder- und Mittelrhein versteht, die von einer, wenn nicht mehreren Werkstätten ausgeführt wurden. Charakteristika der zahlreichen nichtfigürlichen Werke dieser Gruppe sind eine starke Plastizität der Einzelformen bei oftmals tiefen Aushöhlungen, eine variationsreiche Verwendung von Feinornamentik wie Bohrungen und Diamantierungen sowie ein souveräner Umgang mit der Gesamtkomposition, der bei aller Bewegung und Verschränkung den Verlauf der einzelnen Formen stets nachvollziehbar bleiben lässt. Auf Einflüsse der Goldschmiedekunst und aus Nordfrankreich hat die Forschung häufig hingewiesen. Unmittelbare stilistische und motivische Voraussetzungen liegen in der Skulptur des Westbaus von St. Georg in Köln. Für diese gibt es konkrete Anhaltspunkte, die zuletzt zu einer Datierung der Kapitelle vor 1192 (Untergeschoss) bzw. um 1200 (inneres Obergeschoss) geführt haben. Diese Zeitspanne, also im Wesentlichen die 1190er-Jahre, ist als wahrscheinlichste Entstehungszeit anzunehmen.
(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Letzte Aktualisierung: 06.02.2026
Kontakt
Einrichtung:
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
E-Mail:
sbm@smb.spk-berlin.de