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Der heilige Hieronymus

Ident. Nr.: 1904

ObjID: obj:866188

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Piero della Francesca (1412 - 12.10.1492),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1450
Weitere Titel
Sammlungstitel: Der heilige Hieronymus
Übersetzung: Saint Jerome
Geografische Bezüge
Italien,
Land
Material / Technik
Kastanienholz
Abmessungen
Bildmaß: 58,8 x 46 cm mit Rahmen

Objektbeschreibung

Piero della Francesca zählt zu den bedeutendsten Malern der italienischen Renaissance. Sein Hauptwerk, der Freskenzyklus mit der Legende der Auffindung des Wahren Kreuzes (ca. 1452-1466), befindet sich in der Basilika des heiligen Franziskus zu Arezzo und zeichnet sich durch bewegte Figurenmassen aus, die in weiten Landschaften agieren. In der Tat hat Piero die Landschaftsdarstellung in einer für die italienische Kunst neuartigen Weise interpretiert und mit kompositorischer Bedeutung versehen. Felsmassen, Bäume, Flüsse, wolkige Himmel sind zu tiefenräumlichen Prospekten von monumentaler Wirkung arrangiert. Sie bilden nicht länger Folie und Kulisse, vor der die Figuren agieren, sondern konstituieren einen atmosphärischen Raum. Dieser ist für Piero aber kein neutraler Ort, der den Figuren untergeordnet wird, vielmehr geht die Landschaft mit dem Bildpersonal eine durchdachte Bindung ein, ja, sie ist für die Wirkmacht der Darstellungen grundlegend. Dies gilt ohne Einschränkung auch für die Tafel mit dem büßenden heiligen Hieronymus (um 347-um 419). Zwischen 1968 und 1972 wurde dieses Werk einer Reinigung unterzogen, bei der die ältere Übermalung des Hintergrundes entfernt wurde. Zum Vorschein kamen die originalen Baumkronen sowie der mit delikaten Federwolken angelegte Himmel. Die Wolken tragen, neben den zum Hintergrund hin kleiner werdenden Bäumen und dem sich zum Horizont windenden Flußlauf, zum Eindruck großer Raumtiefe bei. Besonderes Augenmerk richtete der Künstler schließlich auf den illusionistischen Effekt der sich im Wasser spiegelnden Baumstämme. Hieronymus kniet in dieser wohlgeordneten Natur auf kargem Boden, sein Gebet verrichtend. In seiner Linken hält er dazu eine Gebetsschnur, in der Rechten einen Stein, mit dem er sich meditativ-entrückt in einer Bußübung an die offene Brust schlägt. Links im Vordergrund liegt der Löwe, aufgrund des problematischen Erhaltungszustandes kaum noch als solcher erkennbar. Sanftmütig war er zu Hieronymus gekommen, damit dieser ihm einen Dorn aus der Pfote ziehe. Indem selbst wilde Tiere Hieronymus’ besonderen Status erkennen, wird dessen Autorität evident. Der Heilige wird zu einem der zentralen Scholastiker und Kirchenlehrer, dessen Legitimation in jener in der Einsiedelei erfahrenen Gottesnähe gründet. Seine wichtigsten Schriften wird Hieronymus als Kardinal verfassen, der scharlachrote Galero, der Kardinalshut, liegt als Zeichen dieser Würde prominent im Vordergrund. Angesichts seines kleinen Formats wird das in seinem originalen Rahmen erhaltene Gemälde vermutlich der privaten Andacht zugeeignet gewesen sein. Seine ikonographische Kernaussage ist das mönchische Ideal von der Erlangung höherer Erkenntnis (und Weihen) durch Selbstentäußerung, wie es Hieronymus in idealer Weise verkörpert. Mit diesem Thema konnte die Tafel zwar auch in klerikalem Umfeld in Gebrauch stehen, wahrscheinlicher ist aber, gerade angesichts der kunstvoll komponierten und mit optischen Effekten ausstaffierten Landschaft, daß sie einem humanistisch gebildeten Besitzer zur persönlichen Erbauung diente. In der jüngeren Forschung wurde überzeugend dargelegt (Matteo Mazzalupi 2007), daß die Tafel im Zusammenhang mit einem längeren dokumentierten Aufenthalt Pieros in Ancona zu sehen ist und dort ca. 1450 entstand. Als möglicher Auftraggeber kommt Gerolamo (Hieronymus) Ferretti in Frage, dessen Familie zu den ältesten und renommiertesten der Stadt zählte. Gerolamo bekleidete wichtige städtische Ämter, seine Grabkapelle enthielt eine von Nicola di Maestro Antonio da Ancona geschaffene Lünette, die ihr Vorbild in dem Kleinformat der Berliner Gemäldegalerie hat. Stephan Weppelmann | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019

SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf einem Cartellino vorn rechts am Baumstamm: PETRI (T und R zusammengezogen) DE / BVRGO / OPVS• M / CCCCL
_______________________________________________

Piero della Francesca is one of the most important painters of the Italian Renaissance. His principal work, the cycle of frescoes on the Legend of the True Cross (circa 1452–66) in the Basilica of Saint Francis in Arezzo, is characterised by a dynamic mass of figures moving in open landscapes. Indeed, Piero interpreted the depiction of landscape in a manner that was innovative in Italian art and imbued with compositional meaning. He arranged masses of rock, trees, rivers and cloudy skies to form prospects with spatial depth and monumental effect. They are no longer a foil and a stage set in front of which the figures act, but constitute an atmospheric space. For Piero, this is not a neutral place subordinated to the figures. Instead, the landscape has a carefully conceived connection with the persons in the painting, and is even fundamental to the effect of the depiction.

This applies without reservations to the panel of Saint Jerome (circa 347–419) as a penitent. Between 1968 and 1972, this work was cleaned, in the process of which an old overpainting of the background was removed, revealing the original crowns of trees and the sky rendered with delicate, feathery clouds. The clouds, alongside the trees that diminish in size towards the background and the course of the river winding to the horizon, contribute to the impression of great spatial depth. The artistpaid particular attention to the illusionistic effect of the tree trunks reflected in the water. Jerome kneels in prayer on the barren ground in this well-ordered natural scene. In his left hand, he holds prayer beads, in his right a stone with which he beats his bared breast as a penitential exercise with a meditative air, oblivious to the world. On the left in the foreground lies a lion, now hardly recognisable as such due to its poor state of preservation. It has come meekly to Jerome so that the saint can pull a thorn from its paw. Jerome’s authority is evident in the fact that even wild animals sense his special status. The saint became one of the principal scholastics and doctors of the church, his legitimation based on the closeness to God that he experienced in his life as a hermit. Jerome was to write his most important works as a cardinal; the scarlet galero, or cardinal’s hat, lies prominently in the foreground as a symbol of this office.

The small format of the painting, which is preserved in its original frame, suggests that it was intended for private devotion. Its core iconographical message is the monastic ideal of attaining higher wisdom (and holiness) through self-denial, as embodied in an ideal manner by Jerome. Given this subject, the panel may have been in use in a clerical environment, but it is more probable, especially in view
of the artistically composed landscape with its optical effects, that the work was intended for the personal edification of a patron with a humanist education.

Recent research (Matteo Mazzalupi 2006) has convincingly argued that the panel should be seen in connection with a lengthy, documented sojourn in Ancona by Piero and was painted there in 1450. A possible patron of the work is Gerolamo (Jerome) Ferretti, whose family was among the oldest and most prestigious in the city. Gerolamo held important municipal offices, and his funeral chapel contained a lunette by Nicola di Maestro Antonio da Ancona (now in Turin, Galleria Sabauda) which is inspired from Piero’s Berlin picture. Stephan Weppelmann | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 25.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Landschaft mit Kühen und Entenjägern

Landschaft mit Kühen und Entenjägern

Im Vordergrund einer baumreichen Landschaft weidet eine Viehherde am Ufer eines Flußlaufes. Frauen melken die Kühe und füllen die Milch zum Transport und Verkauf in kupferne Kannen. Durch das Grün des Laubwerks dringen die Strahlen der Abendsonne. Die Schatten vertiefen sich zu warmbräunlichen Werten. Im milden Halblicht erlangen die Inkarnattöne, das Rot einer Bluse, das tiefe Blau eines Kleides oder die ockerfarbenen und rostbraunen Valeurs im Fell der Tiere kostbare Leuchtkraft. Beleuchtung und Kolorit verleihen der Landschaft den Charakter erstrebenswerter Idylle, die im nächsten Moment jedoch jäh unterbrochen wird durch den Büchsenschuß des Entenjägers rechts jenseits des Wassers. Gerade diese Störung lässt die friedvolle Stimmung der Landschaftsnatur umso eindringlicher bewusst werden. Obschon Rubens in erster Linie Historienmaler war und nur vergleichsweise wenige Landschaften schuf, bezeichnen seine Werke dieses Gegenstandes den Höhepunkt der flämischen Landschaftsmalerei im 17. Jahrhundert. Dabei beeindruckt die Spannweite seiner Naturdeutungen. Im Berliner Gemälde spiegelt sich Rubens Interesse an der ländlichen Umgebung Antwerpens wieder, wobei wesentliche Elemente von Figurenerzählung und Bildaufbau auf zwei frühere Gemälde zurückgehen. Zum einen ist dies die Wiese von Laeken (London, Buckingham Palace) und auf die Polderlandschaft (München, Alte Pinakothek). Dem Münchener Bild ist die aus drei Kühen und den beiden sitzenden Frauen zusammengestellte Mittelgruppe entlehnt. Darüber hinaus sind Eigenzitate im Motiv der pissenden Kuh am Rande des Wassers und im Tier links am Bildrand nachzuweisen. Vergleichbar ist auch der Schauplatz der Weide- bzw. Melkszene mit dem zur vorderen Bildebene absinkenden Terrain und dem Tiefenausblick links. Neben den sichtbaren Analogien lassen sich gewissermaßen auch unsichtbare aufzeigen. Die knorrigen Weidenstämme im rechten Vordergrund der Münchener Arbeit wie auch die dunkelfarbene, im Profil nach links ausgerichtete Kuh im Zentrum der Komposition oder der Hirte mit dem Melkgefäß lassen sich in der Röntgenaufnahme unseres Bildes an entsprechender Stelle nachweisen. Diesen Befunden ist zu entnehmen, dass am Beginn der Genese der Berliner Landschaft eine eigenhändige Zweitfassung des Münchener Bildes gestanden haben dürfte. Es kennzeichnet Rubens’ Arbeitsmethode, einmal erprobte und für gültig befundene Bildlösungen immer wieder verwendet zu haben. Durch Fortlassen oder Hinzufügen und kompositionelles Verschieben, vor allem aber durch Veränderungen des Bildformats, das gegenüber der Münchener Fassung während des Malprozesses nach rechts zur Breite sowie auch zur gesamten Höhe hin erheblich erweitert wurde, entwickelte Rubens eine neue Landschaftsansicht. Fern von der schlichten Auffassung des Münchener Bildes gelangt er in dem Berliner Bild zu einer reicheren Zusammenstellung der Dinge, einer lebhafteren Palette bzw. zu einer Form des Helldunkels, die nicht monochrom ist, sondern mittels farbig differenzierter Nuancen in harmonischer Ausgewogenheit das gegenständliche wie auch das atmosphärische Wesen der Landschaft erfasst. Die bildfüllende Vielfalt der Motive bleibt gewahrt, ohne dass die Kontinuität des Ganzen beeinträchtigt erschiene. Neben der auf repräsentative Wirkung zielenden Gestaltgebung ist es vor allem die bildnerische Deutung der Natur als Träger menschlicher Vorstellungen bzw. Empfindungen, die das Berliner Werk im Einklang mit Rubens’ späten Landschaftsdarstellungen auszeichnet. Jan Kelch | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019____________________________________________________In the foreground of a densely wooded landscape, a herd of cows is grazing along the banks of a river. Women are milking the cows and filling the milk into copper jugs to transport and sell it. The rays of the evening sun pierce the green foliage of the trees; the shadows are getting deeper, taking on warm brown hues. In the soft half-light, the incarnate shades – the red of a blouse, the deep blue of a dress, the ochre-yellow and rust-red tones in the hides of the animals – acquires a rich luminosity. The lighting and the colouring give the landscape an idyllic and very inviting character, which is, however, abruptly disturbed by the shot of the gun of the wildfowler who is crouched on the other bank of the river in the bottom right corner of the painting. This loud interruption serves to underscore the deeply peaceful atmosphere of the scene and the landscape.Although Rubens was primarily interested in historic scenes, painting only few landscapes in his career, the works that belong to this genre mark a high point in Flemish landscape painting in the 17th century. The breadth of his interpretations of natural scenery is impressive. The Berlin painting displays Ruben’s interest in the countryside around Antwerp. Key elements of the composition of the figures and the overall composition can be traced back to two earlier paintings, Farm at Laken (London, Buckingham Palace) and Landscape with Cows (Munich, Alte Pinakothek). From the Munich painting, Rubens has borrowed the central group with the three cows and the two seated women. Also, the urinating cow at the edge of the water and the animal on the left side of the painting are both quotes from this earlier work, as is the scene undulating meadow that sinks towards the front edge of the painting and the view into the distance on the left.As well as the visible analogies, there are also several invisible ones. An X-ray of the Berlin painting reveals the presence in the same place of the knotty trunks of the willow trees in the right foreground of the Munich painting and the dark-coloured cow facing left in profile at the centre of the composition or the cowherd with the milking churn. These findings suggest that the Berlin landscape is likely to have originally started out as a copy or second version of the Munich painting. It is typical of Rubens’ approach to work that he reused compositions that he was happy with. By omitting or adding and by shifting elements in the composition, and especially by altering the format, which was extended considerably during the painting process, both in width and in height, compared to the Munich version, Rubens created a new landscape. Departing from the simple concept of the Munich picture, the Berlin painting has a much richer composition, a more lively palette of colours and a type of light and shade that is not monochrome but which uses carefully nuanced shades to capture both the figurative and the atmospheric essence of the landscape. The variety of the elements, which fill the entire picture, remains without impairing the continuity of the whole. As well as the overall composition, which is intended to have a representational effect, it is above all the pictorial interpretation of nature as the conduit of human ideas and feelings that distinguishes the Berlin work and sets it in the context of Rubens’ late landscape depictions. Jan Kelch | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Landschaft aus der römischen Campagna, mit Matthäus und dem Engel

Landschaft aus der römischen Campagna, mit Matthäus und dem Engel

Poussin, der nach einer lyrisch-romantischen Frühphase in seinen figuralen Kompositionen ein an der Antike orientiertes klassisches Ideal in der Tradition Annibale Carraccis und Raffaels zu verwirklichen suchte, hat sich der Landschaftsmalerei im besonderen Maße erst seit dem Ende der dreißiger Jahre, kurz vor seinem Parisaufenthalt (1640/42), zugewandt, wenn auch das landschaftliche Element als Hintergrund seiner Bilder immer eine bedeutende Rolle spielte, vor allem in seinen lyrisch gestimmten venezianisierenden Frühwerken. Gerade in Rom, wo er seit 1624 arbeitete, hatte ja die Landschaftsmalerei im frühen 17. Jahrhundert eine neue Entwicklung genommen, an der einige der bedeutendsten und fortschrittlichsten Maler teilhatten: die Nordländer Elsheimer und Paul Bril einerseits, deren neue Landschaftskonzeption über Agostino Tassi zur atmosphärisch-romantischen, vom Licht bestimmten Landschaftskunst Claude Lorrains führte, des anderen großen Franzosen und Gegenpols Poussins, und andererseits die Bologneser Figurenmaler Annibale Carracci und Domenichino, deren strenger strukturierte, gebaute Landschaftskunst zur »heroischen« Landschaft Poussins und seines Schwagers Gaspard Dughet führten, deren Stil und Landschaftskonzeption für den größten Teil der späteren römischen Landschaftsmalerei verbindlich wurden. Poussins Landschaften sind überwiegend in den vierziger und frühen fünfziger Jahren entstanden, in einer Zeit, als seine Werke von großer innerer Ruhe, Klarheit und klassischer Ausgewogenheit geprägt waren, einer Phase, die zwischen den großen klassizistischen, oft vielfigurigen Kompositionen der dreißiger Jahre und dem tragisch ge - stimmten Spätwerk liegt. Die Berliner Landschaft mit dem Evangelisten Matthäus ist das früheste Beispiel dieser Phase. Schon immer war bekannt, daß das Berliner Bild und die Landschaft mit Johannes auf Patmos in Chicago zusammengehören. Man vermutete, daß sie vielleicht zu einer möglicherweise nie vollendeten Serie von Landschaften mit den vier Evangelisten gehörten. Da das Berliner Bild seit 1671 in Barberini-Besitz nachweisbar ist, nahm man an, daß es, zusammen mit dem Chicagoer Bild, für den Kardinal Francesco Barberini gemalt worden sei, einen der beiden mächtigen Nepoten des Papstes Urban VIII. Nach den Forschungen von L. Barroero (1979) und S. Corradini (1979) weiß man, daß beide Bilder am 28. Oktober 1640, am Tage der Abreise Poussins nach Paris, vom päpstlichen Hausprälaten Monsignor Gian Maria Roscioli (1609-1644) bezahlt wurden. An diesem Tag jedenfalls trug er die Zahlung von 40 Scudi für die beiden Bilder in sein Ausgabenbuch ein. Er war also offensichtlich der Auftraggeber, nicht der Kardinal. Roscioli hatte eine beachtliche Kunstsammlung und besaß noch mehrere andere Werke Poussins. In seinem Testament, das er einen Tag vor seinem frühen Tod, am 25. September 1644, diktierte, vermachte er das Berliner Bild dem Kardinal Antonio Barberini d. Ä., dem Bruder Urbans VIII., der 1646 starb und das Bild seinem Neffen, dem Kardinal Antonio Barberini d. J., dem jüngeren Bruder des Kardinals Francesco, vermachte, der im Palazzo Barberini ai Giubbonari, der sogenannten Casa Grande, lebte. Dort hing das Gemälde bis zu seinem Tode 1671. Seit spätestens 1692 hing es im Palazzo Barberini alle Quattro Fontane. Das Chicagoer Bild gehörte offenbar zu denjenigen, die Rosciolis Brüder nach seinem Tode veräußerten. Es gelangte bald nach Frankreich, wo es von Louis de Chatillon (1639-1734) gestochen wurde. Als Poussins Berliner Bild im Palazzo Barberini hing, zeichnete es Poussins Schwager, Gaspard Dughet. Diese Kreidenachzeichnung, die nur im hinteren Landschaftsgrund vollendet ist, befindet sich heute im Kunstmuseum Düsseldorf. Das Berliner Bild blieb bis 1812 im Palazzo Barberini und gelangte dann durch Erbgang in den Palazzo Sciarra, aus dem es 1873 für die Gemäldegalerie erworben wurde. Im Gegensatz zu den Kompositionen Claude Lorrains, aber ähnlich wie Dughets spätere, von Poussin beeinflußte Landschaften und wie auch manche von Salvator Rosa hat das Bild einen sehr hohen, hügelig begrenzten Horizont, von dem aus die Gliederung des Bildraums nach vorn ablesbar ist, der Windung des dominierenden Flußlaufes folgend, an dessen vorderem Ufer der Evangelist sitzt, während der stehende Engel ihm die Schrift hält. Die Figurengruppe ist umgeben von antiken Postamenten und Säulenstümpfen. Eine aufragende antike Ruine am Horizont, genau oberhalb der Figurengruppe, akzentuiert diese ganz zurückhaltend. Poussin hat in dieser von feierlicher Ruhe und Klarheit erfüllten Landschaft in unvergleichlicher Weise den Charakter, die Struktur und die Stimmung des Tibertals nördlich von Rom (bei Acqua Acetosa) eingefangen und zugleich ins Zeitlose entrückt.| 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2010_____________________________________________________The French artist Nicolas Poussin is considered to be the most important exponent of the classical tendency in Roman Baroque painting and to have brought it to perfection. He went to Rome at the age of thirty and spent the rest of his life there, with the exception of a short stay in Paris in 1640/42. He received commissions from the most important collectors and patrons in the papal court circle. The Landscape with Matthew the Evangelist was painted in 1640, for the papal secretary Gian Maria Roscioli, along with a companion piece, Landscape with John the Evangelist on Patmos (now in Chicago). It is very probable that a series of the four Evangelists was originally planned, but that only two were painted. St. Matthew is sitting among massive architectural fragments by the riverbank. Behind him is a spacious landscape with a high, hillbound horizon. At John’s side is an angel, the symbol of the Evangelist, inspiring him to write the Gospel. The principal theme of this picture is the solemn, peaceful landscape, similar in some ways to the Tiber valley north of Rome. The ruins towering up on the horizon—presumably representing the “Mura di Santo Stefano” near Anguillara—emphasise the position of the figures by being placed directly above them. The figure’s concentrated colour-tones of blue, yelloworange and white are repeated and softened in the landscape.| Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2017

Selbstbildnis mit seiner Frau

Selbstbildnis mit seiner Frau

Am 18. Juli des Jahres 1755 vermählte sich der Künstler mit Jeanne Barez, der Tochter eines französischen Goldstickers. Sie stammte aus einer in Berlin ansässigen vermögenden Hugenottenfamilie. Die Jungvermählten, so schrieb von Oettingen (1895), »bezogen […] das Rolletsche Haus in der Brüderstraße, das der Barezschen Verwandtschaft gehörte, und führten ihre Haushaltung mit der Genügsamkeit und Stille, die damals in der französischen Kolonie zu herrschen pflegten«. Möglicherweise ist hier, unweit des Berliner Schlosses, die Miniatur entstanden.Gemäß den Anweisungen in Zedlers Universal-Lexicon wurde die Miniatur regelgerecht »angefangen mit Anlegung der Farbe, und der Grund mit grossen und gleichen Strichen untermahlet, doch nicht gleich so starck, wie er zuletzt seyn soll, weil die Farbe durch das punctiren gestaercket wird«.Kurz sieht der Künstler von seiner Tätigkeit auf. Eine schräg vor das Fenster gestellte Milchglasscheibe (?) reflektiert das einfallende Tageslicht auf den Arbeitstisch. So entstehen die notwendigen Voraussetzungen für die auf Präzision beruhende Miniaturmalerei. Unklar bleibt, ob sich Chodowiecki malend oder zeichnend schildert. Jeanne Chodowiecki hält ein Porträt, das die Freundin des Hauses, Louise Erman vorstellt. Es handelt sich dabei um die vergrößerte Detailwiederholung eines Miniaturporträts des Künstlers von etwa 1758 (Kat.Nr. M.627). Eine 1759 datierte Miniatur mit dem Selbstbildnis Chodowieckis sowie die von ihm gemalte Porträtminiatur seiner Frau, vermutlich im selben Jahr entstanden, stützen die angenommene Datierung des Berliner Täfelchens.Chodowiecki suchte vielfach unter Zuhilfenahme einer Lupe seine Bildnisse mit großer Feinheit und Lebendigkeit des Ausdrucks auszuführen. Damit hatte er sich offensichtlich erfolgreich einer großen Konkurrenz entledigt, die auch vom Schriftsteller und Verlagsbuchhändler Christoph Friedrich Nicolai in Berlin, wenigstens im Bereich der Emailminiaturmaler, wahrgenommen wurde, wie ein Brief an Christian Ludwig von Hagedorn von 1758 belegt. Die Elfenbeintafel besitzt einen zugehörigen zeitgenössischen Rokokorahmen. Rainer Michaelis | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________On 18 July, 1755, Chodowiecki married Jeanne Barez, the daughter of a French gold embroiderer. She came from a wealthy Huguenot family in Berlin. As Oettingen wrote in (1895), the newlyweds “moved into […] the Rollet House on Brüderstraße, which belonged to relatives of the Barezs, and ran their household with the modesty and quiet and tranquillity then customary in the French colony”. The present miniature may have been executed here, not far from the Berlin Royal Palace.According to the instructions contained in Zedlers Universal-Lexicon, the miniature was as a rule “begun with by laying out the colours, and the ground underpainted with large, regular strokes, but not so strongly as in the finished picture, since the colours will be strengthened by individual touches”.The artist has just looked up from his activity. A pane of frosted glass (?) placed at an angle in front of the window reflects the daylight onto the work table. This creates the necessary conditions for miniature painting, which relies on precision. It remains uncertain whether he is shown painting or drawing. Jeanne Chodowiecki holds a portrait depicting Louise Erman, a friend of the family. This image is an enlarged detail of a miniature portrait by the artist from circa 1758 (cat. no M.627). A miniature bearing a self-portrait of Chodowiecki, along with his portrait miniature of his wife, is dated 1759, presumably the same year as the present picture.In order to execute his pictures with extreme fineness and lively expressiveness, Chodowiecki often sought the aid of a magnifying glass. At least in the realm of enamel miniature painting, evidently, he was successful in prevailing over the enormous competition, as remarked upon by the author and publisher Christoph Friedrich Nicolai in Berlin, in a letter to Christian Ludwig von Hagedorn in 1758. This ivory panel possesses its original Rococo frame. Rainer Michaelis | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019