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Der heilige Hieronymus

Ident. Nr.: 1904

ObjID: obj:866188

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Piero della Francesca (1412 - 12.10.1492),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1450
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Der heilige Hieronymus
Übersetzung: Saint Jerome
Geografische Bezüge
Herstellungsort: Italien,
Land
Material / Technik
Kastanienholz
Abmessungen
Bildmaß: 58,8 x 46 cm mit Rahmen
Erwerbung
1922 Schenkung von Henryk Lion, Berlin

Objektbeschreibung

Piero della Francesca zählt zu den bedeutendsten Malern der italienischen Renaissance. Sein Hauptwerk, der Freskenzyklus mit der Legende der Auffindung des Wahren Kreuzes (ca. 1452-1466), befindet sich in der Basilika des heiligen Franziskus zu Arezzo und zeichnet sich durch bewegte Figurenmassen aus, die in weiten Landschaften agieren. In der Tat hat Piero die Landschaftsdarstellung in einer für die italienische Kunst neuartigen Weise interpretiert und mit kompositorischer Bedeutung versehen. Felsmassen, Bäume, Flüsse, wolkige Himmel sind zu tiefenräumlichen Prospekten von monumentaler Wirkung arrangiert. Sie bilden nicht länger Folie und Kulisse, vor der die Figuren agieren, sondern konstituieren einen atmosphärischen Raum. Dieser ist für Piero aber kein neutraler Ort, der den Figuren untergeordnet wird, vielmehr geht die Landschaft mit dem Bildpersonal eine durchdachte Bindung ein, ja, sie ist für die Wirkmacht der Darstellungen grundlegend. Dies gilt ohne Einschränkung auch für die Tafel mit dem büßenden heiligen Hieronymus (um 347-um 419). Zwischen 1968 und 1972 wurde dieses Werk einer Reinigung unterzogen, bei der die ältere Übermalung des Hintergrundes entfernt wurde. Zum Vorschein kamen die originalen Baumkronen sowie der mit delikaten Federwolken angelegte Himmel. Die Wolken tragen, neben den zum Hintergrund hin kleiner werdenden Bäumen und dem sich zum Horizont windenden Flußlauf, zum Eindruck großer Raumtiefe bei. Besonderes Augenmerk richtete der Künstler schließlich auf den illusionistischen Effekt der sich im Wasser spiegelnden Baumstämme. Hieronymus kniet in dieser wohlgeordneten Natur auf kargem Boden, sein Gebet verrichtend. In seiner Linken hält er dazu eine Gebetsschnur, in der Rechten einen Stein, mit dem er sich meditativ-entrückt in einer Bußübung an die offene Brust schlägt. Links im Vordergrund liegt der Löwe, aufgrund des problematischen Erhaltungszustandes kaum noch als solcher erkennbar. Sanftmütig war er zu Hieronymus gekommen, damit dieser ihm einen Dorn aus der Pfote ziehe. Indem selbst wilde Tiere Hieronymus’ besonderen Status erkennen, wird dessen Autorität evident. Der Heilige wird zu einem der zentralen Scholastiker und Kirchenlehrer, dessen Legitimation in jener in der Einsiedelei erfahrenen Gottesnähe gründet. Seine wichtigsten Schriften wird Hieronymus als Kardinal verfassen, der scharlachrote Galero, der Kardinalshut, liegt als Zeichen dieser Würde prominent im Vordergrund. Angesichts seines kleinen Formats wird das in seinem originalen Rahmen erhaltene Gemälde vermutlich der privaten Andacht zugeeignet gewesen sein. Seine ikonographische Kernaussage ist das mönchische Ideal von der Erlangung höherer Erkenntnis (und Weihen) durch Selbstentäußerung, wie es Hieronymus in idealer Weise verkörpert. Mit diesem Thema konnte die Tafel zwar auch in klerikalem Umfeld in Gebrauch stehen, wahrscheinlicher ist aber, gerade angesichts der kunstvoll komponierten und mit optischen Effekten ausstaffierten Landschaft, daß sie einem humanistisch gebildeten Besitzer zur persönlichen Erbauung diente. In der jüngeren Forschung wurde überzeugend dargelegt (Matteo Mazzalupi 2007), daß die Tafel im Zusammenhang mit einem längeren dokumentierten Aufenthalt Pieros in Ancona zu sehen ist und dort ca. 1450 entstand. Als möglicher Auftraggeber kommt Gerolamo (Hieronymus) Ferretti in Frage, dessen Familie zu den ältesten und renommiertesten der Stadt zählte. Gerolamo bekleidete wichtige städtische Ämter, seine Grabkapelle enthielt eine von Nicola di Maestro Antonio da Ancona geschaffene Lünette, die ihr Vorbild in dem Kleinformat der Berliner Gemäldegalerie hat. Stephan Weppelmann | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019

SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf einem Cartellino vorn rechts am Baumstamm: PETRI (T und R zusammengezogen) DE / BVRGO / OPVS• M / CCCCL
_______________________________________________

Piero della Francesca is one of the most important painters of the Italian Renaissance. His principal work, the cycle of frescoes on the Legend of the True Cross (circa 1452–66) in the Basilica of Saint Francis in Arezzo, is characterised by a dynamic mass of figures moving in open landscapes. Indeed, Piero interpreted the depiction of landscape in a manner that was innovative in Italian art and imbued with compositional meaning. He arranged masses of rock, trees, rivers and cloudy skies to form prospects with spatial depth and monumental effect. They are no longer a foil and a stage set in front of which the figures act, but constitute an atmospheric space. For Piero, this is not a neutral place subordinated to the figures. Instead, the landscape has a carefully conceived connection with the persons in the painting, and is even fundamental to the effect of the depiction.

This applies without reservations to the panel of Saint Jerome (circa 347–419) as a penitent. Between 1968 and 1972, this work was cleaned, in the process of which an old overpainting of the background was removed, revealing the original crowns of trees and the sky rendered with delicate, feathery clouds. The clouds, alongside the trees that diminish in size towards the background and the course of the river winding to the horizon, contribute to the impression of great spatial depth. The artistpaid particular attention to the illusionistic effect of the tree trunks reflected in the water. Jerome kneels in prayer on the barren ground in this well-ordered natural scene. In his left hand, he holds prayer beads, in his right a stone with which he beats his bared breast as a penitential exercise with a meditative air, oblivious to the world. On the left in the foreground lies a lion, now hardly recognisable as such due to its poor state of preservation. It has come meekly to Jerome so that the saint can pull a thorn from its paw. Jerome’s authority is evident in the fact that even wild animals sense his special status. The saint became one of the principal scholastics and doctors of the church, his legitimation based on the closeness to God that he experienced in his life as a hermit. Jerome was to write his most important works as a cardinal; the scarlet galero, or cardinal’s hat, lies prominently in the foreground as a symbol of this office.

The small format of the painting, which is preserved in its original frame, suggests that it was intended for private devotion. Its core iconographical message is the monastic ideal of attaining higher wisdom (and holiness) through self-denial, as embodied in an ideal manner by Jerome. Given this subject, the panel may have been in use in a clerical environment, but it is more probable, especially in view
of the artistically composed landscape with its optical effects, that the work was intended for the personal edification of a patron with a humanist education.

Recent research (Matteo Mazzalupi 2006) has convincingly argued that the panel should be seen in connection with a lengthy, documented sojourn in Ancona by Piero and was painted there in 1450. A possible patron of the work is Gerolamo (Jerome) Ferretti, whose family was among the oldest and most prestigious in the city. Gerolamo held important municipal offices, and his funeral chapel contained a lunette by Nicola di Maestro Antonio da Ancona (now in Turin, Galleria Sabauda) which is inspired from Piero’s Berlin picture. Stephan Weppelmann | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 25.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Der Engel weckt den Propheten Elias in der Wüste

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Das kleine Täfelchen zeigt den Propheten Elias eingeschlafen unter einem Baum. Die Darstellung bezieht sich auf eine in der Bibel erzählte Episode, in der die Flucht des Elias vor der ihm angedrohten Rache für die Ermordung der Propheten des Baal geschildert wird (1. Könige 19,1–8). Ein Engel hat sich über Elias gebeugt. Er versucht, ihn mit einer zarten Berührung an der Schulter zu wecken. Mit dem Zeigefinger seiner Rechten weist er auf einen Laib Brot und einen mit Wasser gefüllten Krug, die neben der herabgesunkenen Hand des Propheten stehen. Alle drei Elemente sind in helles Licht getaucht. Das rosafarbene Gewand des Engels, die blonden Haare seines gesenkten Hauptes sowie die weit ausladenden Flügel mit den schwarzen und weißen Federn sind mit pastos aufgetragenen Pinselstrichen ausgeführt. Die Rinde des kräftigen, die linke Bildhälfte begrenzenden Baumes und das Gestrüpp am Boden sind mit dicken Farbtupfern modelliert.Maltechnische Untersuchungen haben gezeigt, dass sich inmitten des Baumstammes einst ein Schlüsselloch befand. In der Röntgenaufnahme sind an der rechten Seite der Tafel zudem zwei Scharniere zu erkennen. Die Ausführung auf Holz und das kleine Format sind demzufolge auf die Funktion des Gemäldes als Türchen zurückzuführen. Da die im Alten Testament geschilderte Speisung des Propheten Elias mit Wasser und Brot eine häufig verwendete Präfiguration für das Abendmahl darstellt, fungierte die Tafel mit großer Wahrscheinlichkeit als Verschluss eines Tabernakels, das zur Aufbewahrung der Hostien und des Abendmahlkelchs diente. In Spanien sind derartige mit bildlichen Darstellungen versehene Türchen in zahlreichen Predellenzonen von Altarretabeln des 17. Jahrhunderts nachweisbar. Zudem lassen die Röntgenaufnahmen darauf schließen, dass die Tafel einst einige Zentimeter höher war und ein länglicheres Format aufwies.Auf Grund der überaus lockeren, an die venezianische Malerei erinnernden Malweise wurde das Bild, das vormals als Werk Domenico Fettis galt, von Giuseppe Fiocco in das Oeuvre von Francesco Maffei eingeordnet. 1970 wurde es von José Roge lío Buendía auf Grund stilistischer Erwägungen schließlich dem in Madrid tätigen Maler Juan Antonio de Frías y Escalante zugeschrieben. Bei dem abgebildeten Tonkrug handelt es sich seiner Meinung nach zudem um ein Modell, wie es in dem bei Madrid gelegenen Städtchen Talavera de la Reina produziert wird. Für eine Verbindung des Gemäldes mit Spanien spricht ferner die Existenz einer vorbereitenden Zeichnung in der Nationalbibliothek in Madrid, die die zentralen Elemente der Komposition wiedergibt, sowie die Provenienz aus der Sammlung Suermondt, zu der zahlreiche Werke zählten, die der preußische Offizier Andreas von Schepeler während seiner Tätigkeit in Madrid zwischen 1815 und 1823 erworben hatte.Von 1667 bis 1668 hatte Escalante einen 18 Leinwandgemälde umfassenden Zyklus mit alttestamentlichen Präfigurationen der Eucharistie für die Ausstattung der Sakristei des im 19. Jahrhundert zerstörten Convento de la Merced Calzada in Madrid ausgeführt, darunter auch eine Darstellung von Elias und dem Engel, die heute im Museo del Prado aufbewahrt wird. Auch wenn sich Paola Rossi 1991 nochmals für eine Zuschreibung des Berliner Bildes an Francesco Maffei aussprach, so machen die genannten Argumente dennoch plausibel, dass das Gemälde erstens von Escalante geschaffen wurde und zweitens zur Ausstattung des genannten Konvents gehörte, der sich ehemals auf dem heute nach Tirso de Molina benannten Platz in Madrid befand. Vor der Feier des Abendmahls hatte es den Priestern dort bei der Entnahme der Hostien und des Weines die heilsgeschichtliche Erfüllung der Ankündigungen des Alten Testamentes ins Bewusstsein gerufen.| Sven Jakstat___________________________________________________________________________________________________This small panel depicts the Prophet Elijah sleeping under a tree. The scene refers to the Bible’s story of Elijah’s flight from retribution for his killing of Baal’s prophets (1 Kings 19:1–8). An angel bends over Elijah and tries to wake him by gently laying a hand on his shoulder. With the finger of his right hand the angel points to a loaf of bread and a water-filled jug next to the Prophet’s limp hand. All three elements are suffused in bright light. The angel’s rose-coloured robe, the blond hair on his lowered head, and the white feathers of his wings are executed in pastose brushstrokes. The bark of the massive tree and undergrowth bounding the left-hand side of the composition are modelled with thick dabs of paint.Scientific examinations showed that there was once a keyhole in the middle of the tree trunk. X-ray images also revealed two hinges attached to the right end of the panel. These combined with the wooden support medium and the painting’s small format indicate that the work once served as a small door. As the story of Elijah being given bread and water was often used in art to prefigure the Eucharist, it is highly likely that this panel once served as the door covering of a tabernacle where the host and Communion chalice were kept. Numerous examples of such decorated doors in the predella areas of seventeenth-century altarpieces have been found in Spain. Furthermore, the X-ray images indicate that the panel was once several centimetres longer and more elongated in shape.The extremely flowing style of painting, reminiscent of Venetian works, led Giuseppe Fiocco to attribute the painting – previously believed to be by Domenico Fetti – to Francesco Maffei. Stylistic considerations finally led José Rogelío Buendía in 1970 to ascribe it to the Madrid painter Juan Antonio de Frias y Escalante. In Buendía’s opinion, the ceramic jug seen in the painting is based on the types of jugs produced in the town of Talavera de la Reina near Madrid. Further evidence of the work’s Spanish provenance is offered by a preliminary drawing in the National Library in Madrid, which displays the same central elements that appear in the painting, as well as its provenance from the Suermondt Collection, which included numerous works acquired by the Prussian officer Andreas von Schepeler while he was stationed in Madrid between 1815 and 1823.From 1667 to 1668, Escalante completed a cycle of eighteen paintings on canvas with Old-Testament prefigurements of the Eucharist for the sacristy of the now destroyed Convento de la Merced Calzada in Madrid, including a painting depicting the angel and Elijah today held by the Museo del Prado. Even though Paola Rossi once again insisted in 1991 that the Berlin painting should be attributed to Francesco Maffei, the arguments given above make a plausible case both that the painting was made by Escalante and that it belonged to the convent, once located on the square now named for Tirso de Molina. The painting served to remind priests of the salvific fulfilment of the Old Testament’s prophecies when they went to remove the host and wine before distributing Holy Communion.| Sven Jakstat