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Die Auferweckung des Lazarus

Ident. Nr.: 532A

ObjID: obj:866193

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Albert van Ouwater (Lebensdaten unbekannt),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1460/70
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die Auferweckung des Lazarus
Übersetzung: The Raising of Lazarus
Geografische Bezüge
Haarlem,
Stadt
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Tafelmaß: 124,5 x 93,5 x 2,8 cm
Erwerbung
1889/90 Ankauf aus der Sammlung des Marchese Mamelli oder Manelli, Genua

Objektbeschreibung

Alles, was wir heute über Ouwater, diesen für die Kunstentwicklung in den nördlichen Niederlanden im 15. Jahrhundert so bedeutenden Künstler wissen, gründet sich auf den Bericht, den uns Carel van Mander hinterlassen hat. Er führte auch zur Wiederentdeckung unseres Bildes, dem einzigen, das von Ouwater erhalten ist. Die Geschichte von der Wundertat Christi, der Auferweckung des Lazarus in Be thanien, wird im Evangelium des Johannes (11, 1-45) erzählt. Als Lazarus im Hause seiner Schwestern Maria und Martha krank daniederlag, wurde Christus gebeten, eilends zu kommen. Als er schließlich eintraf, lag Lazarus schon seit vier Tagen im Grabe. Im Anschluss an die Begegnung mit Martha, in der sich Christus selbst als die Auferstehung und das Leben bezeugt, wird die Erweckung des Toten geschildert: »Christus rief mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! Und der Verstorbene kam heraus, gebunden mit Grabtüchern an Füßen und Händen und sein Angesicht verhüllt mit einem Schweißtuch« (Johannes 11, 43-44). Dies ist der dramatische Höhepunkt des Geschehens, den Ouwater in seinem Bild schildert. Wir sehen Lazarus, der dem geöffneten Grab im Boden entsteigt. Er sitzt auf der zur Seite geschobenen Deckplatte der Gruft, frontal dem Betrachter zugewendet. Das
Leichentuch ist über seine Beine gebreitet. Die Hände sind in einer Gebärde des Erstaunens erhoben, während sein Blick aus dem Bild heraus unbestimmt in die Ferne gerichtet ist. Links neben ihm steht Christus, der ihn mit segnend erhobener Hand vom Tode erweckt hat. An der Seite Christi kniet Maria, die sich betend ihrem Bruder zuwendet. Martha, die zweite Schwester des Lazarus, und drei Jünger beschließen die Gruppe der um Christus versammelten Menschen. Ihnen gegenüber stehen die vornehm gekleideten Juden, die gekommen waren, um Maria zu trösten und sich nun am Begräbnisort eingefunden haben. Ungläubig und entsetzt wenden sie sich vom Grab und dem vom Tode Erweckten ab, wobei sie sich mit Tüchern vor dem Verwesungsgeruch zu schützen suchen. Zwischen diesen beiden so unterschiedlich reagierenden Gruppen steht Petrus, der die Juden mit ausdrucksvollen, beredten Gebärden auf die tiefe Bedeutung des sich vor ihren Augen vollziehenden Wunders hinweist. Ouwater hat Petrus eine ungewöhnliche Stellung im Mittelpunkt der Komposition eingeräumt. Er zeigt ihn als das von Christus eingesetzte Oberhaupt der Kirche in missionarischer Eloquenz angesichts des Unglaubens der vor ihm versammelten Juden, die wenig später den Tod Christi beschließen werden. Abweichend vom biblischen Bericht der Erweckung des Lazarus aus der von einem Stein verschlossenen Grabeshöhle im Felsen hat Ouwater das Geschehen in den Chor einer romanischen Kirche verlegt. Durch eine vergitterte Tür in der Trennwand zum Chorumgang ist eine dichtgedrängte Volksmenge zu sehen, die das wunderbare Ereignis verfolgt. Es kann kein Zufall sein, dass Ouwater den vom Tode erweckten Lazarus in der Haltung eines Auferstehenden wiedergab und dass die Gruppen von Gläubigen und Ungläubigen den Vergleich mit der Scheidung zwischen Gut und Böse im Weltgericht nahelegen. Im Mittelpunkt der Aussage stehen daher die Worte Christi: »Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubet, der wird leben, ob er gleich stürbe« (Johannes 11, 25). Kathrin Dyballa | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2010
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Little is known about the life of this master. From a stylistic point of view, he is closely related to Jan van Eyck, Petrus Christus and Dieric Bouts. Ouwater is considered to be one of the leading painters of his time in the northern Netherlands. According to the Gospel of St. John (11,1-45), Christ brought Lazarus back to life after he had been buried in a sealed tomb for four days. Placing the event in the choir of a Romanesque church is intended to show that the Old Testament period is ended by the age of the Messiah. Thus Christ’s words are central to the work’s statement: “I am the resurrection and the life. He who believes in me, though he die, yet shall he live” (John 11, 25). This is the only surviving work by the artist, and it was in the church of St. Bavo in Haarlem until 1573. Kathrin Dyballa | Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2012

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Stillleben mit Früchten in einer Porzellanschale

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Umrahmt von Weinlaub türmen sich kunstvoll Weintrauben, Aprikosen, Pfirsiche, Pflaumen und Quitten auf einer blau-weiß gemusterten Schale, bei der es sich vermutlich um Delfter Keramik handelt. Das üppige Arrangement nimmt nahezu den gesamten Bildraum ein, was den Eindruck der Fülle verstärkt. Auf der hölzernen Tischplatte befinden sich zu beiden Seiten der Schale virtuos gemalte Schneckengehäuse. Diese waren in der Stilllebenmalerei nicht ungewöhnlich, stellten sie doch überaus kostbare und beliebte Sammelobjekte dar. Frans Snyders, der mehrfach mit Rubens zusammenarbeitete, zählt zu den bedeutendsten und produktivsten flämischen Stilllebenmalern. In diesem für ihn eher kleinformatigen Gemälde demonstriert Snyders meisterhaft seine Fähigkeit zur Naturnachahmung.| Britta Bode_______________________________________________________________________________________________________________________________________Grapes, apricots, peaches, plums and quinces, framed by vine leaves, pile up artfully on a blue and white patterned platter, most likely a work of Delft ceramics. The bountiful arrangement takes up nearly the entire space of the painting, adding to the impression of abundance. To both sides of the platter the artist virtuously painted a number of snail shells on the wooden table. These are not uncommon in still-life paintings, they were in fact, very valuable and popular collector’s items. Frans Snyder, who often collaborated with Rubens, is one of the most important and productive Flemish still life painters. In this uncharacteristically small painting, Snyders demonstrates his masterful skill of imitation.| Britta Bode

Der Raucher

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Das Genrebild zeigt einen jungen Mann mit Pelzhut und blonden Locken. Sein weißer Brustgurt mit dem dazugehörigen Säbel kennzeichnet ihn als Soldaten. Breitbeinig sitzt er an einem einfachen Holztisch, auf dessen Platte er die Arme stützt. In seiner Rechten hält er eine lange Tonpfeife, deren Ende in einem kleinen Kohlebecken ruht. Eine weitere, zerbrochene Pfeife liegt daneben. Die beruhigte Komposition, einer Momentaufnahme gleich, sowie feinmalerisch ausgearbeitete Details sind charakteristisch für ter Borch. Seitdem man Ende des 16. Jahrhunderts Tabak aus Übersee importierte, gehörte das Rauchen – zeitgenössisch sowohl positiv wie negativ bewertet – zu den häufig dargestellten Themen der niederländischen und flämischen Genremalerei des 17. Jahrhunderts._________________________________________________________________________This genre painting shows a young man with a fur hat and blonde curls. His white chest strap with sabre identifies him as a soldier. He sits at a simple wooden table, legs spread, resting his arms on the surface. In his right hand he holds a long clay pipe, the end of which rests in a coal basin. Another broken pipe lies next to it. The calm composition, a snap-shot like moment, as well as the delicately drawn out details are characteristic for ter Borch. Since the start of the overseas import of tobacco at the end of the 16th century, smoking– considered already by contemporaries positively as well as negatively – had become one of the most frequently painted topics in Dutch and Flemish genre paintings of the 17th century.

Bildnis einer vornehmen genuesischen Dame

Bildnis einer vornehmen genuesischen Dame

Als die Bildnisse von Alessandro Giustiniani-Longo und seiner vermeintlichen Ehefrau (Kat.Nr. 782C) 1901 als Pendants in die Gemäldegalerie gelangten, hatten sie bereits eine lange gemeinsame Geschichte hinter sich. Schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts befanden sie sich im Besitz von Costantino Balbi (1676-1740) in Genua, der das Frauenporträt vermutlich von Giovanni Luca Spinola, das des Mannes von Alessandro Saluzzo und seinen Brüdern erworben hatte. Beide Porträts dürften etwa zur selben Zeit, um 1622/23, von Anton van Dyck während seines Aufenthaltes in Italien (1621-1627) in Genua gemalt worden sein. Auf den Bildern treten dem Betrachter ausdrucksstarke, faszinierende Persönlichkeiten entgegen, in beiden Fällen wiedergegeben in Lebensgröße und in sitzender Haltung. Es verwundert daher kaum, dass man für mehr als 200 Jahre annahm, es handle sich bei den Porträts um die Darstellung eines Ehepaares. Wie die Forschung gezeigt hat, trifft diese Annahme jedoch nicht zu. Bei dem Bildnis des alten Mannes handelt es sich um den genuesischen Senator Alessandro Giustiniani-Longo (1544-1631), der um 1622/23 bereits weit in den Siebzigern war. Er entstammte einer alteingesessenen und hoch angesehenen, genuesischen Familie. Von 1611 bis 1613 bekleidete er das höchste Amt, das der aristokratisch konstituierte, ligurische Stadtstaat zu vergeben hatte: das des Dogen. 1613 wurde er schließlich auf Lebenszeit Prokurator (Sachverwalter für Finanzen) der Genueser Republik. Das gerollte Papier in der Rechten des Mannes sowie sein ebenso herrisch wie misstrauischer Blick scheinen dieser Position, deren Ausübung Unbestechlichkeit voraussetzte, zu entsprechen. Auch die von ihm getragene schwarze Kappe weist bereits auf eine offizielle Bestimmung seiner Person hin. Im Falle des Frauenbildnisses ist eine eindeutige Identifizierung der Dargestellten dagegen bislang nicht gelungen. Die von ihr getragene, auf der Stirn spitz zulaufende Haartracht verweist jedoch auf ihren Status als Witwe, was eine Zuordnung der beiden Porträts als Ehepaar sehr unwahrscheinlich macht. Zudem belegt eine Kopie des Bildes aus dem 17. Jahrhundert, dass das Werk ursprünglich nach links hin breiter angelegt war und erst nachträglich beschnitten und so dem Männerporträt angeglichen wurde. Auch widersprechen die unterschiedlichen Schauplätze und ihre spezifische Ausstattung sowie der Umstand, dass die Frau deutlich höher im Bild sitzt als der Mann, der Annahme, es handle sich hierbei um zusammengehörige Pendants. Porträts dieser Art verhalfen van Dyck zu weit verbreiteter Anerkennung und zu reichen Aufträgen durch die Familien des Adels, für die er vornehmlich gearbeitet hat. Ausgehend von Rubens, in dessen Antwerpener Atelier er als blutjunger, genialer Künstler im Alter von 17 Jahren eingetreten war, aber auch im Rückgriff auf den höfischen Porträtstil Tizians, entwickelte er jenen vornehm-gelassenen, distanzierten Ausdruck, der die Vorstellung vom aristokratischen Menschenbild für seine Zeit außerordentlich geprägt hat. Die Werke verblieben lange im Palazzo Balbi in Genua. 1828 wurden sie, durch Vermittlung des Malers David Wilkie, von dem englischen Sammler Sir Robert Peel erworben und gelangten aus dessen Hinterlassenschaft, die 1900 versteigert wurde, schließlich nach Berlin. Jan Kelch und Katja Kleinert | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________________________________________________When the Gemäldegalerie received these two portraits as companion pieces in 1901, they already had a long common history behind them. At the beginning of the 18th century, the two portraits were owned by Costantino Balbi (1676–1740) in Genoa; he is believed to have purchased the portrait of the woman from Giovanni Luca Spinola, and that of the man from Alessandro Saluzzo and his brothers. Both portraits are very likely to have been painted in Genoa by Anton van Dyck around the same time – 1622–23 – during the artist’s stay in Italy (1621–27). Both portraits show very individual, compelling personalities; both are depicted in life-size and shown seated. It is unsurprising that for over 200 years it was assumed that these two pictures were portraits of a married couple. However, historical records show that this is not the case.The painting of the man is the portrait of the Genoese senator Alessandro Giustiniani- Longo (1544–1631), who was in his late seventies around 1622–23. He belonged to an ancient and very noble Genoese family. Between 1611 and 1613, he held the highest office that the oligarchic merchant city-state in Liguria had: that of the Doge. In 1613, he was appointed Procurator of the Genoese Republic, a life-long office that put him in charge of finances. The rolled document in his right hand and his imperious and suspicious gaze appear to correspond to this position, which presupposed incorruptibility. The black cap on his head also illustrates that the sitter holds a public office. In contrast, the identity of the woman remains uncertain. Her hairstyle with the lacy ornament on her forehead indicates that she is a widow, thus making it unlikely that the two portraits are pictures of a married couple. In addition, a copy of the portrait made in the 17th century shows that the picture was originally wider, and that a section on the left side was removed at a later point, presumably to make it match the portrait of the man. The different settings and the furnishing details, as well as the fact that the woman is sitting higher than the man also challenge the assumption that these are companion portraits.For Anton van Dyck, portraits such as these were useful in building his reputation as a portrait painter and gaining commissions from aristocratic families, who were his main clients. Inspired originally by Rubens, whose Antwerp studio he had joined as a young but precociously talented painter aged 17, and also by the courtly portrait style of Titian, van Dyck developed a distinguished, serene and distant expression which decisively influenced the idea of what an aristocrat should look like.The paintings remained in the Palazzo Balbi in Genoa for many decades. In 1828, they were acquired by the English collector Sir Robert Peel, through the mediation of the painter David Wilkie, and finally arrived in Berlin from his estate, which was sold at auction in 1900. Jan Kelch und Katja Kleinert | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019