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Kreuzschlepper aus Herlazhofen

Ident. Nr.: 7729

ObjID: obj:866375

Details (Expert)

Beteiligte
Datierung
Datierung: 1420/1430
Material / Technik
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 131 x 69 x 37 cm
Erwerbung
Erworben 1916 als Geschenk eines Ungenannten, der nicht identifiziert werden konnte; aus dem Kunsthandel in Osnabrück. Nach Mitteilung des Bildhauers Karl Lösel aus Leutkirch im Allgäu stammt die Figur aus Herlazhofen südlich von Leutkirch.

Objektbeschreibung

Auf polygonaler, vorn spitz zulaufender Plin the steht Christus in einfachem, ungegürteten Gewand und mit mächtiger Dornenkrone, die Knie unter der Last des ehemals auf der rechten Schulter ruhenden Kreuzes gebeugt. Anhand der originalen Einkerbung auf der Rückseite lässt sich rekonstruieren, dass der Längsbalken des verlorenen Kreuzes diagonal auf der Schulter lag. Die nach vorn gestreckte Rechte (Ergänzung) hielt das Ende des Querbalkens; die ursprüngliche Position ist unsicher. Die linke Hand greift in das Gewand und zieht dieses über den somit sichtbar werdenden linken Fuß empor. Dabei handelt es sich nicht nur um eine instinktive Handlung zur Erleichterung des Vorwärtsschreitens, sondern mehr noch um ein verkrampftes Zupacken, in dem sich physischer und seelischer Schmerz des Erlösers zu bündeln scheinen. Sein Haupt ist gesenkt, der Last des Kreuzes folgend, und frontal auf den Betrachter ausgerichtet. Unter der gleichfalls lastenden Dornenkrone, die an ein mächtiges Tau erinnert, zeigt sich ein ausdrucksstarkes bärtiges Antlitz mit geöffnetem Mund mit sichtbaren Zahnreihen, stark hervorgehobenen, zusammengezogenen Augenbrauen und etwas aus den Höhlen tretenden Augäpfeln; besonders markant zeichnen sich die Wangenknochen ab. Das lange Haar fällt in Strähnen auf die Schultern und nach hinten, die Hals- und Schlüsselbeinpartie liegt frei. Dem expressiven Gesicht entspricht eine sehr lebendige Faltenlandschaft des schweren Stoffs, der an den Unterarmen gebauscht ist und ansonsten auf die sich anbahnende oder augenblickliche Bewegung des Körpers, besonders auf den Griff der linken Hand reagiert. Die Last des Kreuzes und das Momenthafte des Innehaltens Christi auf dem Weg nach Golgatha sollen verdeutlicht werden. Von einer Aufstellung vor einer Wand im Innenraum einer Kirche ist auszugehen.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)

Letzte Aktualisierung: 22.05.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Backsteinfragment mit ornamentalem Dekor

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Bei dem Fragment handelt es sich, wie die äußere Form und die Tiefe des Reliefs zeigt, um eine ehemalige Wandfliese, die Teil eines Fensterpfostens oder einer Türrahmung gewesen ist. Der Stein besitzt eine gleichschenklig trapezförmige und könnte zur Mittelstütze einer Fenstergruppe gehört haben, die aus einem schmalen lotrechten Wandstreifen und den im stumpfen Winkel anschließenden Schrägen bestand. Er zeigt einen Fries senkrecht laufender und miteinander verbundener Herzpalmetten und stammt aus dem Zisterzienserkloster St. Urban bei Luzern, wo es in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine florierende Produktion von Formsteinen gab, die weit über die umliegenden Ortschaften hinaus exportiert wurden. Von den bekannten Backsteinherstellungen hebt sich das St. Urbaner Stück in mehrerer Hinsicht ab: Es ist übermäßig groß, Maße von 54 x 30 x 22 cm sind die Regel, wofür man einen riskanten Brennprozess in Kauf nahm; es imitiert Hausteinformen, die in keine backsteingerechte Formen übersetzt wurden. Die Backsteinproduktion in St. Urban lässt sich vor allem aufgrund der zum Teil sicher datierten Burgen und Kirchen, an denen sie zum Einsatz kamen, zeitlich gut eingrenzen. Klar ist außerdem, dass sie gegen Ende des 13. Jahrhunderts zum Erliegen gekommen ist. Es wurde immer wieder vermutet, dass der reiche Motivschatz der St. Urbaner Muster (mehr als 100 verschiedene Motive nachgewiesen) illustrierten Handschriften der Klosterbibliothek entnommen wurde. Immerhin fallen in diese Zeit auch andere Verfeinerungen bestimmter Kunsttechniken in St. Urban (Inkrustationen, Glasuren), die auch dort betrieben wurden.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Wandkonsole mit reichem Blattbesatz (Laubwerkkonsole)

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Die Konsole hat eine kelchförmige Gestalt mit Blattornamenten und rechteckiger Deckplatte. Die Deckplatte zeigt jeweils fünf Seiten eines Achtecks und ist wohl dadurch zu erklären, dass sie an einer der beiden Wandzungen, an den rechtwinklig abknickenden Seiten des Portals gestanden haben wird. Der vegetabile Schmuck besteht aus einer Reihe von Blättern, die dem Kelch aufgelegt sind und zur eckigen Form der Deckplatte vermitteln. Dadurch wird die tektonische Strenge überspielt, ohne gegen die Konventionen des Aufbaus einer gotischen Konsole zu verstoßen.Die Kirche des in den 1030er-Jahren am linken Aaufer gegründeten Damenstifts Liebfrauen war von Beginn an zugleich Pfarrkirche der Bürger der Münsteraner Vorstadt Überwasser. Diese Doppelfunktion, die sich auch in der Finanzierung und Nutzung des 1340 begonnenen Neubaus spiegelt, dürfte für die Konzeption des Westportals von Bedeutung gewesen sein. Mit der Errichtung des Turms wurde, wie man aus einem Bauvertrag weiß, 1363/64 begonnen. 1374 ließ Fürstbischof Florenz von Wevelinghoven (amt. 1364–78) mehrere Reliquien in der rechten Schulter des Marienbildes am Portal einschließen und man hat zu Recht angenommen, dass zu diesem Zeitpunkt das Portal mit seinem Figurenschmuck vollendet war, vielleicht auch schon bereits seit mehreren Jahren. Die Funktion der Konsolen ist die Vermittlung zwischen der streng geometrischen Architektursprache des kunstvollen Portalgebildes und der menschlichen Figur. Daher wurden auch die einzelnen Glieder (Halsring und Kelch) in fantasievolle pflanzliche Gebilde aufgelöst, deren wohl kalkulierter Verismus nicht auf effektvolle Überraschung abzielt, sondern der Wirkungs- und Bedeutungseinheit von Architektur und Skulptur dient.Die Konsolen des Westportals der Liebfrauenkirche passen gut in die Genese gotischer Laubwerkgestaltung, bei der um 1350 eine Tendenz zur stärkeren Bewegung und einem Verwischen der Grenzen zwischen Wand und Ornament festzustellen ist. Die Werkstatt hat, wie die geringere Qualität der späteren Konsolen in Münster zeigt, die Stadt wieder verlassen, möglicherweise, um in Utrecht zu arbeiten, wo sich am Dom um 1380 vergleichbare figürliche Darstellungen finden. Der Steinmetz hat sich eindeutig an der Bauornamentik des Kölner Doms orientiert, wie eine Durchsicht der dortigen Kapitelle im Chor und Langhaus zeigt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)