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Die Enthauptung Johannes des Täufers

Ident. Nr.: 630C

ObjID: obj:866379

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Meister der Münchner Anbetung (16. Jahrhundert),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1520
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die Enthauptung Johannes des Täufers
Übersetzung: The Beheading of St. John the Baptist
Geografische Bezüge
Antwerpen,
Stadt
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Bildmaß: 50,2 x 37,1 cm

Objektbeschreibung

Antwerpen, das sich durch seine liberale Handelspolitik schon im 15. Jahrhundert zur ernsthaften Konkurrentin von Brügge und Gent aufgeschwungen hatte, entwickelte sich um 1500 zur größten Hafen- und Handelsstadt des gesamten Nordens. Den Listen der Malerzunft entnehmen wir, daß Künstler von überall her nach Antwerpen strömten, daß eine große Anzahl von Ateliers bestand und ein reger künstlerischer Austausch unter den einzelnen Werkstätten stattgefunden hat. Es waren nicht mehr die Wünsche eines einzelnen Auftraggebers, sondern der Geschmack und die Nachfrage einer breiten Schicht von Käufern, für die Kunstwerke auf Vorrat gemalt wurden, um damit auch den Exporthandel mit Kunst zu beliefern. In den Werkstätten der zahlreichen Meister, die uns heute größtenteils nur unter ihren Notnamen bekannt sind, entstanden Andachtsbilder sowie mit Bildwerken und Malereien geschmückte Altäre, die von Skandinavien bis nach Portugal exportiert wurden. Zu dieser Gruppe von Künstlern, die in Antwerpen zu Beginn des 16. Jahrhunderts arbeiteten und bestimmte Bildthemen in immer neuen Variationen malten – was sich auch in den Notnamen ausdrückt – gehören unter anderen der Meister der Antwerpener Anbetung, der Meister der Johannes-Martyrien, der Meister von 1518 und der Meister der Münchner Anbetung, der auch unter dem Namen Pseudo-Bles bekannt ist. Dieser zuletzt genannte Meister, von dessen Hand die in München (Alte Pinakothek) bewahrte Anbetung der Könige mit der falschen Signatur »Henricus Blesius« stammt, ragt aus der Vielzahl der anonymen Künstler heraus, die man als Antwerpener Manieristen bezeichnet. Seinem Schaffen kann auch die Tafel mit der Enthauptung Johannes des Täufers zugeschrieben werden, ein Werk, das sich durch seine hohe Qualität deutlich von der Durchschnittsproduktion abhebt. Ein freier Platz, der an der linken Seite und im Hintergrund von hoch aufragenden Bauwerken mit Rundtürmen, Säulen und schmalen Fenstern begrenzt wird, bildet die phantasievoll gestaltete Kulisse für die Hinrichtungsszene. Wir sehen den Henker mit dem Schwert in der Hand, der Salome, die von zwei Dienerinnen begleitet wird, das abgeschlagene Haupt des Johannes auf die silberne Schüssel legt. Am Boden liegt der Körper des Geköpften. Strahlen von Blut entspringen dem Stumpf des Halses. Daneben steht ein prunkvoll gerüsteter Soldat, der sich mit zwei Männern unterhält, von denen einer einen Falken auf der Hand trägt. Im Hintergrund sehen wir Johannes, der, gefesselt, vom Henker und einem Soldaten zur Hinrichtung geführt wird. In der offenen Halle des Palastes tanzt Salome vor Herodes, um im Anschluß daran den Tod Johannes’ des Täufers zu verlangen. Ganz rechts blickt man in eine bergige Landschaft mit Männern an einem Feuer. Allem Anschein nach handelt es sich hierbei um die Darstellung der Verbrennung der Gebeine des Johannes, die später auf Befehl des Kaisers Julian Apostata stattgefunden hat. Die brillante Farbgebung der virtuos behandelten Komposition, die reiche Architektur und die phantastischen Kostüme zeugen von den hohen handwerklichen Fähigkeiten des Künstlers. Dies alles wie die Vorliebe für die kunstvoll artistischen Bewegungen und überlangen Proportionen der Bildfiguren sind Wesensmerkmale der Kunst der Antwerpener Manieristen, die das Formgefühl von Spätgotik und Renaissance zu verbinden suchten.| 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019
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By 1500 or so, Antwerp – whose liberal mercantile policies had allowed it to rise rapidly already in the 15th century as a serious competitor to Bruges and Ghent – had developed into the largest harbour and trading town in all of northern Europe. The membership lists of the painters’ guild show that artists streamed into Antwerp from all over, that a large number of studios were in operation there, and that vigorous artistic exchange took place between workshops. No longer were artworks produced
in accordance with the wishes of individual commissioning clients, but instead in order to generate an inventory designed to cater to the tastes and requirements of a broad stratum of purchasers, as well as to supply the export trade with paintings.

Produced in the workshops of numerous masters, the majority known today only under “notnamen”, were devotional images as well as altarpieces decorated with sculpture and painting, which were exported to destinations ranging from Scandinavia to Portugal. Belonging to this group of artists, who worked in Antwerp in the early 16th century, treating pictorial themes in continually novel variations
(as suggested by their “notnamen”), were among others the Master of the Antwerp Adoration, the Master of the Martyrdom of John the Baptist, the Master of 1518, and the Master of the Munich Adoration, also known under the name Pseudo-Bles. The last-named master, who was responsible for the Adoration of the Magi, which bears the false signature “Henricus Blesius” and is now in the Alte Pinakothek in Munich, stands out from this throng of anonymous artists, who are referred to collectively as the Antwerp Mannerists. The panel depicting the Beheading of Saint John the Baptist – another work that stands out clearly from the average production by virtue of its high quality – can be attributed to the same artist.

Forming the fantastical backdrop for the execution scene is an open square that is delimited on the left and rear by tall, looming buildings featuring round towers, columns, and narrow windows. The viewer is confronted by the executioner with the sword in his hand, Salome, accompanied by two female servants, and the decapitated head of John the Baptist, which lies on a silver dish. Lying on the floor is
the body of the beheaded saint. Streams of blood spurt from the stump of the neck. Standing next to it is a splendidly armed soldier who engages in conversation with two men, one of whom carries a falcon on one hand. Visible in the background is John the Baptist, who has been bound and is being led by the executioner and a soldier to his place of execution. In the open hall of the palace, Salome performs
a dance before Herod, at whose conclusion she will demand the death of John the Baptist. On the far right, we glimpse a mountainous landscape with men standing around a fire. Apparently, the scene illustrates the burning of the bones of John the Baptist, carried out subsequently on orders from the Emperor Julian the Apostate.

The brilliant colours of this virtuoso composition, the elaborate architectural setting, and the fantastical costumes testify to the superior technical abilities of this artist. All of these elements, along with a preference for the artificial poses and elongated proportions of the figures, are characteristic features of the art of the Antwerp Mannerists, who sought to integrate the formal traits of the late Gothic and Renaissance styles.| 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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