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Johannesaltar

Ident. Nr.: 534B

ObjID: obj:866581

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Rogier van der Weyden (1399 - 1464),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1455
Weitere Titel
Sammlungstitel: Johannesaltar
Übersetzung: St. John Altarpiece
Geografische Bezüge
Brüssel,
Stadt
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Bildmaß: je 78,7 x 49,2 cm

Objektbeschreibung

Das Retabel knüpft in der Grunddisposition an den Miraflores-Altar an, der ebenfalls in der Gemäldegalerie bewahrt wird. Das Programm beginnt auf der linken Tafel mit der Geburt und Namengebung Johannes des Täufers. Im Vordergrund unter dem Portal steht Maria mit dem neugeborenen Johannes auf den Armen. Sie wendet sich Zacharias zu, der ihr gegenüber auf einem Schemel sitzt und den ihm vom Engel bestimmten Namen seines Sohnes niederschreibt. Zacharias, der an die Geburt eines Sohnes nicht hatte glauben wollen, war von Gott mit Stummheit geschlagen worden. Als er jedoch den Namen niederschrieb, »ward sein Mund und seine Zunge aufgetan, und er redete und lobte Gott« (Lukas 1, 64). Hinter Maria und Zacharias öffnet sich der Blick in die Wochenstube, einen Raum mit Balkendecke, gefliestem Boden, einem Kamin und einer Kredenz sowie einem Baldachinbett, in dem Elisabeth ruht. Im Gewände des Portals sind die Apostel Jacobus minor und Philippus (links) sowie Simon und Judas Thaddäus (rechts) wiedergegeben. Die darüber dargestellten Reliefs zeigen, wie der Engel Zacharias erscheint und die Geburt eines Sohnes verkündet und wie der verstummte Zacharias den Tempel verläßt; sie illustrieren weiter die Vermählung Marias mit Joseph, die Verkündigung an Maria, die Heimsuchung und die Geburt Christi. Die Gegenüberstellung dieser Szenen weist unmißverständlich darauf hin, wie eng der Werdegang und das Leben Johannes’ des Täufers mit dem des Herrn verknüpft ist. Das Zentrum des Retabels bildet die Darstellung der Taufe Christi als das heilsgeschichtlich bedeutsamste Ereignis. Christus ist dem Betrachter frontal zugewandt. Er steht bis zu den Knien im Wasser des Jordan, der im Hintergrund eine weite Landschaft durchströmt. Neben ihm steht Johannes und vollzieht den Taufakt. Rechts vorn kniet ein Engel, der zu Christus emporblickt und seinen Mantel bereithält. Über Christus schwebt die Taube des Heiligen Geistes. Am Himmel darüber erscheint Gottvater, von dem die Worte ausgehen: »hic est filius meus dilectus in quo michi bene complacui ipsum audite« (Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören; Matthäus 17, 5). Im Gewände des Portals sehen wir die Apostel Petrus und Andreas (links) sowie Jacobus major und Johannes den Evangelisten (rechts). In der Hohlkehle ist in sechs aufeinander folgenden Reliefs dargestellt, wie Zacharias den Lobgesang anstimmt und die Zukunft des Johannes voraussagt, wie Johannes in die Wüste eilt, um dort ein Leben in Askese zu führen, wie er zur Buße aufruft und Pharisäer und Sadduzäer tauft und wie Christus dreimal vom Teufel versucht wird. Zuerst fordert ihn der Versucher auf, Steine in Brot zu verwandeln. In der zweiten Versuchung soll sich Christus vom Dach des Tempels stürzen, und zuletzt verspricht der Teufel Christus die Herrschaft über die Welt, wenn er ihn anbetet. Auf der dritten Tafel des Retabels ist die Enthauptung Johannes des Täufers wiedergegeben. Vorn steht die in kostbare Gewänder gekleidete Salome, die vom Henker das Haupt des Johannes empfängt. Salome und der Henker blicken ostentativ zur Seite, wodurch die verabscheuungswürdige Tat offenkundig wird. Zu Füßen des Henkers liegt der unter seinem Schwert gefallene Körper des Johannes auf den Stufen, die ins unterirdische Gefängnis hinabführen. Seine Hände sind gefesselt. Blut spritzt in hohem Bogen aus dem Stumpf seines Halses. Nach rechts schließt sich der Ausblick auf den von einer Mauer umgebenen Hof des Palastes an. Von draußen blicken zwei Männer herein, Zeugen der schrecklichen Tat, die mit Tränen in den Augen um den Ermordete trauern. Die Evangelien (Matthäus 14, 2-12; Markus 6, 17-29) berichten, daß Herodes von Johannes öffentlich des ehebrecherischen Verhältnisses zu Herodias, der Frau seines Bruders Philippus, angeklagt worden war und Herodes den Täufer gefangennehmen ließ, ihn jedoch nicht zu töten wagte. Als Salome, die Tochter der Herodias, zu Ehren des Herodes tanzte, fand dieser so großen Gefallen daran, daß er ihr jeden ihrer Wünsche zu erfüllen versprach. Da forderte das Mädchen, angestiftet von ihrer Mutter, den Kopf des Johannes. Durch seinen Eid gebunden, mußte Herodes diesem Wunsch nachkommen und ließ Johannes enthaupten. An den Ort der Hinrichtung unter dem Portal schließt sich ein geräumiger Gang an, der über zweimal drei Stufen in den Festsaal im Hintergrund des Bildes führt. Hier sitzen Herodes und Herodias an der festlich gedeckten Tafel. Kniend überreicht Salome ihrer Mutter das Haupt des Johannes auf einer Schale. Herodias trägt die Schuld am Tod Johannes’ des Täufers, auf dessen abgetrenntes Haupt sie in ihrem maßlosen Zorn mit dem Messer einsticht. Im Gewände hat Rogier van der Weyden die Apostel Matthäus (oder Paulus) und Bartholomäus (links) sowie Thomas und Matthias (rechts)dargestellt. In der Hohlkehle der Arkade zeigen die Reliefs, wie Johannes durch Priester und Leviten befragt wird, wie Johannes Christus als den Messias ausweist (Ecce agnus Dei), wie Herodes von Johannes ermahnt wird, sein ehebrecherisches Verhältnis zu beenden, wie Johannes ins Gefängnis geworfen wird, wie er zwei Jünger ausschickt, Christus zu befragen, ob er der Messias sei und wie Salome an der Tafel des Herodes tanzt. Die letzte Szene, der Tanz der Salome, geht der Enthauptung des Johannes unmittelbar voraus. So werden die drei zentralen Ereignisse der Tafeln des Retabels in den großen Zusammenhang des Geschehens eingeordnet und durch die gleichzeitigen Begebenheiten aus dem Leben Christi auf sehr anschauliche Weise mit dem gesamten Heilsgeschehen verknüpft.| 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2010
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The Altar of St. John, in its basic disposition, is linked with the Miraflores Altar. The presentation starts on the left-hand panel with the birth and naming of St. John. The centre of the retable is taken up by the Baptism of Christ, as the most important event in terms of God’s plan of salvation. The third panel shows the beheading of St. John. Statues of the twelve Apostles are seen in the niches of the painted frames. In the archivolts are scenes from the lives of Christ and St. John, which further link the main scenes with the history of salvation.| Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2012

Letzte Aktualisierung: 17.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Alles in dieser Szenerie regt zum Nachdenken über zwei untrennbare Aspekte an: das tragische Schicksal Christi und die Vergänglichkeit der irdischen Welt.Trotz ihres zeitlosen Charakters handelt es sich um ein typisches Werk Ercole de’ Robertis, der bei Cosmè Tura in die Lehre gegangen und in Ferrara in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts tätig war. Die expressionistischen Züge von Turas Figuren und deren an Bronzeskulpturen erinnernden Drapierungen sind hier deutlich zu erkennen, während der Maler seine Originalität in der Landschaft bekundet. Bereits in seiner Altartafel für die Basilika S. 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Jahrhunderts wurde das Werk indes Bellinis Schwager Andrea Mantegna zugeschrieben, dessen enormer Ruf ihn zum Autor sehr unterschiedlicher Werke werden ließ (beispielsweise im Falle der Grabbereitung Christi von Vittore Carpaccio). Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019__________________________Saint John the Baptist spent his life in the desert announcing the advent of the Messiah: he is here shown as a prophet, his body stunted, his face emaciated and his possessed gaze turned towards the tiny Crucifix crowning the stock that he holds in his hands. Such a detail is most implausible, as the use of the Crucifix only spread long after the death of Jesus Christ, who was John’s contemporary. But the painter did not pay attention to historic realism; rather, the landscape itself reinforces this timeless impression of a fantastic vision, worthy of the best modern science fiction movies: the sun has just set on a phantasmagorical landscape, made of strangely shaped rocks invaded by mist. On the left is a remarkably detailed harbour city, while on the right a promontory seems to have been once connected to the city by a now destroyed bridge. Everything in this landscape encourages us to meditate on two inseparable aspects: the tragic destiny of Christ and the perishable nature of the human world.Even if this painting seems timeless, it is a characteristic work by Ercole de’ Roberti, a Ferrarese painter trained by Cosmè Tura in the second half of the 15th century. The expressionist character of Tura’s figures, and his draperies which look alike bronze sculptures are clearly visible here, even if the painter shows his originality into the landscape. 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Die Ausfahrt des Duc de Choiseul auf dem Petersplatz in Rom

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Von einem leicht erhöhten Betrachterstandpunkt richtet sich der Blick über den Kirchenvorplatz auf die überkuppelte Fassade von St. Peter. Von dort kommend, fährt der aus elf prunkvollen Kutschen bestehende Korso des französischen Botschafters beim Heiligen Stuhl, Etienne-François de Choiseul (1719–1785), über den Platz. Ihn hat Panini in der zweiten Kutsche am offenen Fenster sitzend dargestellt. Choiseul trägt über der Brust das blaue Band des Ordens vom Heiligen Geist (Ordre du Saint-Esprit), den König Ludwig XV. ihm erst im Januar 1756 verliehen hatte. Anlass für die pompöse Ausfahrt war der offizielle Antrittsbesuch des Botschafters bei Papst Benedikt XIV. im Frühjahr 1756. Mit dieser Komposition ließ Choiseul von dem wichtigsten römischen Architektur- und Vedutenmaler seiner Zeit den bis dahin wichtigsten Moment seiner diplomatischen Karriere ins Bild setzen.Lange Zeit hielt man das Berliner Gemälde für die von Choiseul in Auftrag gegebene Version. Diese befindet sich jedoch in Privatbesitz (zuvor als Leihgabe in Edinburgh, National Gallery of Scotland). Bei dem Berliner Bild handelt es sich um eine zweite Version der Komposition aus der Sammlung von Claude François Rogier de Beaufort-Montboissier, abbé de Canilliac (1699–1761). Canilliac war der ranghöchste Gesandte der französischen Kirche in Rom und nach dem Botschafter der zweitwichtigste Vertreter Frankreichs in der Ewigen Stadt. Er gehörte zu jenen kirchlichen Würdenträgern, die Choiseul bei der Papstaudienz begleiteten und mit ihm in der Botschafterkutsche reisten. Während in der von Choiseul beauftragten Version lediglich er selbst als Fahrgast identifizierbar ist, ist auf dem Berliner Gemälde neben ihm auf der Sitzbank ergänzend der abbé de Canilliac dargestellt. Auch er trägt das blaue Band des Ordre du Saint-Esprit, allerdings in der Variante des Klerus nicht diagonal über der Brust sondern um den Nacken gelegt. Ein interessantes Detail des Berliner Gemäldes ist seine gut lesbare Datierung durch den Künstler auf das Jahr 1754 und damit zwei Jahre vor dem dargestellten Ereignis. Canilliac muss also eine bereits 1754 von Panini geschaffene Ansicht des Petersplatzes aus seinem Besitz nachträglich - wohl kurze Zeit nach der Fertigstellung von Choiseuls Gemälde - um die namengebende Figurenstaffage erweitert und um seine Person ergänzt haben lassen. Damit wertete er sein Gemälde nachträglich auf und sicherte sich zugleich symbolisch einen sichtbaren Platz in diesem so wichtigen diplomatischen und kirchenpolitischen Ereignis.Das Berliner Gemälde wurde nach Canilliacs Tod in Rom von Pierre-Jacques-Onésime Bergeret de Grancourt erworben. Wohl aus dieser Zeit stammt sein heutiger Louis XVI-Rahmen mit der unten eingelassenen, ausführlichen Beschreibung der Fassade und des Platzes von St. Peter in französischer Sprache, in dem das dargestellte Ereignis und seine Protagonisten jedoch schon keine Erwähnung mehr finden. | Sarah SalomonSIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. links unten auf einem Stein über dem springenden Hund: I.P. PANINI / 1754

Giovanni Mocenigo (1508-1580)

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Der Porträtierte wurde 1954 von Rodolfo Pallucchini überzeugend als Giovanni Mocenigo identifiziert, dem jüngeren Bruder des Dogen Alvise I. Mocenigo. Giovanni bekleidete hohe Staatsämter in Venedig, unter anderem als Consigliere und Savio del Consiglio. Ein enges persönliches Verhältnis verband ihn mit seinem Bruder; nach dem Tod des kinderlosen Dogen fielen dessen Erbansprüche an Giovannis Kinder. Beide Brüder erscheinen gemeinsam in einem Votivbild Tintorettos, das um 1575 entstand und sich heute in der National Gallery of Art in Washington befindet (Samuel H. Kress Collection; Inv.-Nr. 1961.9.44). Es zeigt den Dogen Alvise Mocenigo und seine Frau gemeinsam mit seinem Bruder Giovanni sowie dessen Söhnen vor der Jungfrau mit dem Kind. In diesem Gemälde wurden vier der dargestellten Köpfe – darunter der Giovanni Mocenigos – offenbar nach dem lebenden Modell auf kleineren Leinwänden gemalt und anschließend in die größere Komposition eingefügt. Dieses Werk ermöglichte Pallucchini die Identifizierung des Berliner Porträts. In dem Einzelporträt Giovannis in der Gemäldegalerie wählte Tintoretto das in seinem Porträtschaffen ungewöhnliche Brustbildformat. Im Vergleich zum Gemälde in Washington erscheint Giovanni Mocenigo hier gealtert; das Berliner Porträt dürfte daher kurz vor seinem Tod im Jahr 1580 entstanden sein. Unter Verzicht auf die repräsentative Würde, die Tintorettos Halb- und Dreiviertelfigurenporträts sonst auszeichnet, ging es dem Künstler hier um eine geistige Erfassung und psychologische Durchdringung des Dargestellten. In der Ausstrahlung dieses durch den musternden Blick Distanz schaffenden, zugleich aber in seiner Schlichtheit und Direktheit intim wirkenden Porträts gehört das Werk zu den bedeutenden Leistungen Tintorettos im Bereich der Porträtmalerei. | Aus: Gemäldegalerie. Katalog der ausgestellten Gemälde des 13.-18. Jahrhunderts 1975 (2025 aktualisiert von Sven Jakstat)