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Cornelis de Graeff (1599-1664), Bürgermeister von Amsterdam

Ident. Nr.: 753A

ObjID: obj:866891

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Nicolaes Eliasz. Pickenoy (1588 - 1650/56),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1636
Weitere Titel
Sammlungstitel: Cornelis de Graeff (1599-1664), Bürgermeister von Amsterdam
Übersetzung: Cornelis de Graeff (1599-1664), Mayor of Amsterdam
Geografische Bezüge
Amsterdam,
Stadt
Material / Technik
Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 185,5 x 105 cm
Erwerbung
1874 Ankauf mit der Sammlung des Bankiers Barthold Suermondt

Objektbeschreibung

Lebensgroße Ganzfigurenporträts wie die von Cornelis de Graeff und Catharina Hooft (Kat.Nr. 753B), stellten in der holländischen Bildnismalerei des 17. Jahrhunderts eine Seltenheit dar und waren als Statussymbol vor allem aristokratischen Familien vorbehalten. Im Gegensatz zu den kleinformatigen Ganzfigurenbildern etwa des Thomas de Keyser oder des Gerard ter Borch, die vor allem als ästhetische Preziosen betrachtet wurden, hatten sie eine halböffentliche Würdefunktion. Konnten sich Personen aus dem städtisch-bürgerlichen Milieu derartige künstlerische Selbstinszenierungen leisten, waren sie von höchstem gesellschaftlichen Rang und überaus vermögend.
Cornelis de Graeff (1599-1664), dessen öffentliches Wirken 1636 begann, vereinigte als neunmaliger Bürgermeister Amsterdams, Schützenkapitän, Vorstand der Ostindischen Kompanie und einflussreicher Politiker seines Landes eine grandiose Machtfülle auf sich und darf vermutlich als mächtigster Mann seiner Zeit in Amsterdam gelten. Catharina Hooft (1618-1691) entstammte dem vornehmen Patriziergeschlecht der Hooft. Um 1619/20 wurde sie bereits als etwa Einjährige zusammen mit ihrer Amme von Frans Hals porträtiert, ein Werk, das sich ebenfalls in der Berliner Gemäldegalerie befindet. 1635 heiratete sie als Sechszehnjährige den 19 Jahre älteren Cornelis de Graeff. Die Verbindung von Cornelis de Graeff und Catharina Hooft wurde von beiden Familien aus sorgfältig gewählt und geplant.
Anlässlich der Hochzeit 1635 gab Cornelis de Graeff einem der meistbeschäftigten Amsterdamer Porträtisten, Nicolaes Pickenoy, die beiden Bildnisse in Auftrag. Bereits kurz zuvor, 1633, hatte Cornelis de Graeff von sich und seiner ersten Gattin Geertruyd Overlander ebenfalls bei Pickenoy Hochzeitporträts malen lassen. Da seine erste Frau jedoch nach nur zwei Monaten Ehe verstarb, blieb De Graeff unerwartet schnell als Witwer zurück. So aufwendig und gediegen bereits diese ersten Hochzeitsporträts waren, die lebensgroßen Gemälde von Cornelis de Graeff und Catharina Hooft übertreffen diese in ihrer Pracht bei weitem.
Die beiden Pendants sind in der klassischen Form der Ehebildnisse gestaltet, bei denen der Mann traditionell den linken Platz einnimmt. Den Blick auf den Betrachter gerichtet, zeigen die Gesichter keine mimische Bewegung. Die Kostüme sind in ihren Details altmeisterlich exakt und brillant ausgeführt. Catharina Hoofts Kleidung ist an Extravaganz kaum zu übertreffen. Ihr Kragen besteht aus insgesamt drei mit aufwendigen Spitzen versehenen Schichten, sogar ihre Manschetten sind doppellagig. Ihr Kostüm zeigt sowohl an den Ärmeln, der Schärpe mit Rosette sowie ihrem Unterkleid ungewöhnlich viel silberne Spitze. Die holländische Regentenklasse heiratete traditionell in schwarzem Kostüm mit einem Unterrock aus weißem Satin, Silberbrokat war dagegen ein gebräuchliches Material für das Hochzeitskleid einer Fürstin. Durch den reichlichen Besatz von silberner Spitze erweckt Catharina Hoofts Kostüm einen fürstlichen Eindruck. Ergänzend trägt sie, statt einer Haube, in dem vergleichsweise kurzen Haar eine Art von Diadem mit Edelsteinen. In ihrer rechten Hand hält sie einen Fächer mit kleinen buschigen Reiherfedern, ein in dieser Zeit begehrtes, modisches Attribut, das den traditionell bei der Hochzeit übergebenen Handschuh abgelöst hatte. Auch Cornelis de Graeff ist entsprechend modisch gekleidet. Dass klassizistische Interieur mit der geometrischen Anordnung der Bodenfliesen und dem immensen Kamin wurde von Pickenoy ebenfalls standesgemäß passend inszeniert. Jan Kelch und Katja Kleinert | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019

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Life-size full-figure portraits like those of Cornelis de Graeff and Catharina Hooft are rare in Dutch 17th-century portraiture, and were a status symbol reserved mainly to aristocratic families. In contrast to small-format full-figure paintings, for example those by Thomas de Keyser and Gerard Ter Borch, which were regarded primarily as aesthetic gems, they had a semi-public function of showing dignity. If people from the urban bourgeois milieu could afford such artistic self-representation, they were in the highest ranks of society and extremely wealthy.

Cornelis de Graeff (1599–1664), whose public career began in 1636, held a splendid panoply of power as nine-times mayor of Amsterdam, captain of the watch, chairman of the East India Company and an influential politician in the Netherlands, and can probably be considered the most powerful man of his time in Amsterdam. Catharina Hooft (1618–91) came from the distinguished patrician Hooft dynasty. In 1619/20, as a one-year-old, she had already been the subject of a portrait by Frans Hals with her nurse, a work that is also held in the Berlin Gemäldegalerie (fig. p. 231). In 1635, at the age of 16, she married Cornelis de Graeff, who was 19 years older. This marriage of Cornelis de Graeff and Catharina Hooft was carefully planned and arranged by both families.

On the occasion of their wedding in 1635, Cornelis de Graeff commissioned one of the most in-demand Amsterdam portraitists, Nicolaes Eliasz Pickenoy, to paint the two portraits. Shortly before, in 1633, Cornelis de Graeff had had wedding portraits painted of himself and his first wife, Geertruyd Overlander, also by Pickenoy. As his first wife died after only two months of marriage, De Graeff found himself a widower unexpectedly soon. Though the first wedding portraits were elaborate and worthy, the life-sized paintings of Cornelis de Graeff and Catharina Hooft far exceed them in magnificence.

The two matching pictures take the classic form of marriage portraits, in which the man traditionally occupied the left side. Directing their eyes to the beholder, the faces are expressionless. The details of the costumes are rendered with masterly precision and brilliance. The extravagance of Catharina Hooft’s clothes can hardly be surpassed. Her collar consists of no fewer than three layers of costly lace, and even her cuffs are double-layered. Her dress has an unusually large number of silver highlights on the sleeves, the sash with its rosette, and the under-dress. The Dutch ruling class traditionally married wearing black with an under-dress of white satin; silver brocade, by contrast, was a material normal in the wedding dress of a princess. Through the sumptuous application of silver lace, Catharina Hooft’s clothing creates a princely impression. To complement it she wears, instead of a bonnet, a kind of diadem with precious stones in her relatively short hair. In her right hand she holds
a fan with small, bushy heron’s feathers, a coveted fashionable accessory at that time that had replaced the glove traditionally handed to her at the wedding. Cornelis de Graeff is dressed in a correspondingly fashionable manner. In the classical interior with geometrically arranged floor tiles and a huge fireplace, Pickenoy also created a setting in accordance with their rank. Jan Kelch und Katja Kleinert | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

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Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Die heilige Margarete vor Olybrius

Die heilige Margarete vor Olybrius

Geschichten auf Gold, Kat.Nr. 9, pp. 192-195: Stefan WeppelmannDie Predellenszene ist ein repräsentatives Beispiel für die Sieneser Malerei in den ersten beiden Dekaden des 15. Jahrhunderts. Diese Jahre stehen zwar noch im Zeichen der in spätmittelalterlicher Tradition gründenden Kunst eines Bartolo di Fredi, eines Martino di Bartolomeo und vor allen eines Taddeo di Bartolo, der bis 1422 aktiv bleibt, allerdings lässt sich aus dem Wirken dieser Maler die gänzlich andersartige Formensprache der beiden großen Hauptmeister, die Siena in der Folgezeit zwischen 1420 und 1480 prägen – gemeint sind Giovanni di Paolo und Sassetta – nicht unmittelbar erklären. Es bedarf gleichsam eines stilistischen Bindeglieds zwischen der spätgotischen Kunst des Trecento und den Werken der Frührenaissance. Diese Rolle kommt, neben Gregorio di Cecco di Luca, besonders Benedetto di Bindo zu. Benedetto schreibt sich gegen Ende des 14. Jahrhunderts in die Gilderolle der Sieneser Maler ein. 1409 ist er, gemeinsam mit Andrea di Bartolo, mit dem Fassen zweier Büsten der Sieneser Stadtpatrone beschäftigt. 1415 wird er nach Perugia berufen, wo er Kartons für Fenster der dortigen Dominikanerkirche entwirft. Nur zwei Jahre später stirbt er. Die Szene aus dem Leben der Hl. Margarete, die 1821 aus dem Solly-Bestand in die Berliner Galerie gelangte, hat ihre originalen Rahmung verloren; ihre Oberfläche wurde zu unbekannter Zeit drastisch gereinigt, so dass die Farben verrieben sind. Ein Teil der Goldborten auf den Gewandungen ist nachgezogen. Im unteren Bereich des Bildträgers verläuft ein 20 Zentimeter breiter Riss. Die von Miklós Boskovits vorgenommene Rekonstruktion des Ensembles, zu dem das Stück wahrscheinlich gehörte, beinhaltet eine Kreuzigungsdarstellung, die heute im Szepmüveszeti Muzeum zu Budapest ist, und die mit einem Format von 24 x 41 cm gut zu der Berliner Predellentafel passt sowie zwei Flügel, von denen der rechte die Hl. Margarete darstellt (unbekannter Aufbewahrungsort). Für die Mitteltafel, welche somit von der Budapester Kreuzigung unterfangen war, dürfte man eine Madonnendarstellung annehmen. Es bleibt offen, ob die beiden kleinformatigen Heiligenfiguren des Katharinenkonvents in Utrecht, die Boskovits als Teile seitlicher Pilaster in die Rekonstruktion einbezieht (je ca. 34 bzw. 35 x 10 cm), tatsächlich dafür in Frage kommen, da für sie auch andere Werke Benedettos in Betracht zu ziehen wären. Für Boskovits’ Vorschlag spricht jedoch, dass beide Figuren aus der Ramboux-Sammlung stammen, auf die sich auch die Budapester Kreuzigung zurückführen lässt. Hingewiesen sei an dieser Stelle auch auf eine dritte Figur, die bislang nur ein Auktionskatalog abbildet, wobei allerdings nicht erkannt wurde, dass sie mit Abmessungen von 33,4 x 10,8 cm zur gleichen Serie wie die Utrechter Heiligen gehört. Der ursprüngliche Aufstellungsort des Retabels ist unbekannt, jedoch kommt, angesichts der privilegierten Position der Hl. Margarete, eigentlich nur ein dieser Heiligen geweihter Altar in Frage. Hinsichtlich einer zeitlichen Einordnung in das Œuvre Benedettos haben wir es mit einem Werk zu tun, das eine relativ frühe Phase innerhalb der kurzen Schaffenszeit des Künstlers repräsentiert und, in Relation zu den datierten Werken, etwa um 1410 anzusetzen ist. Geht man von der Korrektheit der o. g. Rekonstruktion aus, so lag eine dreiteilige Predella vor. Da rechts der Kreuzigung Margaretes Versuchung durch den Präfekten Olybrius erscheint, wäre zur Linken mit der Antoniusversuchung zu rechnen, die im 14. und 15. Jahrhundert zu einem häufig dargestellten Thema avancierte.Die Passio der Heiligen Margarete geht auf eine griechische Quelle zurück, die in lateinischer Übersetzung im Mittelalter weite Verbreitung findet. Die Heiligenvita wird in das Martirologio Romano aufgenommen; wichtig für die Verbreitung der Legende war auch die unter dem Titel Misteri di S. Margherita bekannt gewordene Schrift, im Spätmittelalter dann schließlich die Vita der Heiligen innerhalb der Legenda aurea. Dargestellt ist auf der Berliner Tafel die Begegnung Margaretes mit dem römischen Präfekten Olybrius, der sich von links zu Pferd mit seinem Gefolge nähert, und der die Heilige zu sich ruft. Margarete steht in der Bildmitte, hinter ihr befinden sich zwei ihrer Begleiterinnen und blicken besorgt auf das Geschehen. Zunächst herrscht der Eindruck vor, dass Benedetto in der Komposition des Ganzen Topoi und Standards der ihm vorausgehende Malerei einbringt. Speziell an die Kunst des frühen Trecento ist zu denken, und hier vornehmlich an Simone Martini. Benedettos Nähe zu älteren Vorbildern geht dabei so weit, dass nicht nur Motive sondern auch modische Details aus der älteren Malerei in die Darstellung einfließen, wie etwa die im Ellenbogen endenden, schräg angeschnittenen und weiten Ärmel des Kleides der Heiligen. Der Ansprache des Präfekten, die dieser mit seiner Rechten unterlegt, wobei er deren schlanke Finger abspreizt, begegnet Katharina ihrerseits durch Hervortun der Linken, hat jedoch dabei den Zeigefinger belehrend erhoben. Diese höfisch anmutende Dialoggestik der Hauptfiguren, die als Frage und Antwort zu lesen ist, hat ihren Ursprung direkt in Werken des Simone Martini. Auch der Lorbeerkranz, der den Präfekten nicht nur als Römer kennzeichnet sondern auch als Heiden, ist keine Invention Benedettos sondern ein weit verbreiteter Topos, der bereits im frühen Trecento vorkommt. Im Blick auf die massiven und plastischen Leiber der Pferde ist schließlich an bildplastische Darstellungen zu denken, wie sie etwa der Sienese Goro di Gregorio am Schrein des Hl. Cerbonius im Dom zu Massa Marittima zeigt (1324). Trotz dieser generell retardierenden Haltung ist zugleich festzuhalten, dass sich unser Maler für die Komposition nicht auf eine Vielzahl existenter Darstellungen dieses Themas berufen konnte, sondern weitgehend eigenständig die schriftliche Fixierung des Geschehens ins Bild umzusetzen hatte. Dies ist an sich schon etwas Besonderes, womit sich diese Szene gegenüber den meisten der in der Ausstellung vertretenen Tafeln abhebt. Von dieser erzählerischen Freiheit ist dann auch Einiges auf diesem kleinen Werk spürbar. Was ist geschehen?Margarete war mit ihren Gefährtinnen dabei, die Schafe ihrer Amme zu hüten, einige der Tiere der Herde sind am rechten Bildrand zu sehen. Da nähert sich Olybrius mit seinem Gefolge. Er entsendet einen Reiter, der Margarete von ihren Gefährtinnen trennt und zu Olybrius geleitet. Da steht sie nun vor dem Pferd des Präfekten, während ihr der Gefolgsmann des Olybrius, ebenfalls hoch zu Ross, den Rückzug versperrt. Dieser Weg führt nämlich über eine hölzerne Brücke, die einen Bach oder eine tiefe Erdspalte überspannt. Margarete ist gefangen und damit ausgeliefert. Dieser Situation tragen die Begleiterinnen Rechnung, die auf der echten Bildhälfte verängstigt dreinschauen, die eine hat die Hände unter dem Kinn in einer Geste der Verzweiflung und zugleich wie im Gebet verschränkt, die andere hebt ihre Rechte und zeigt, wie zur Abwehr, ihre Handinnenseite. In der Linken hält sie die Flachsspindel; offenbar waren die Frauen damit beschäftigt, Schurwolle zu spinnen. Doch nicht nur diese beiden Mädchen nehmen besorgt am Geschehen Anteil, auch der Hirtenhund ist rechts im Bildvordergrund zornig herbei gesprungen und kläfft die Herannahenden an. Hervorzuheben ist ferner die genaue Wiedergabe zeittypischer Details der Rüstungen sowie der Sättel und des Zaumzeugs. Ein naturalistischer Zug ist Benedetto bei der Darstellung der unter Spannung stehenden Steigbügel gelungen. Einhergehend mit diesem Bemühen um Wirklichkeitsnähe ist der Griff zu einem Gestaltungsmittel, mit dem Benedetto dynamische Bewegung des Ganzen suggeriert. Vollkommen unkonventionell und geradezu kühn ist, wie die Heilige mit ihrer massiven Aureole den Kopf des Pferdes überdeckt, das dem Reiter hinter ihr gehört. Damit wird einesteils der über die diagonale Verkürzung des Pferdes schon sehr stark ausgeprägte Tiefenzug noch unterstrichen, andererseits aber der Eindruck von Spontaneität und Momenthaftigkeit erwirkt. Ebendies ist ein Merkmal, das Benedetto die erwähnte Rolle eines Vorläufers der Kunst der Frührenaissance zuweist.Quellen:„Margareta ist von der Stadt Antiochia geboren und war die Tochter des heidnischen Patriarchen Theodosius. Sie ward einer Amme übergeben, und da sie zu ihren Tagen kam, ward sie getauft; darum hasste ihr Vater sie gar sehr. Als sie fünfzehn Jahre alt war, geschah es eines Tages, da sie mit anderen Jungfrauen die Schafe ihrer Amme hütete, dass der Praefect Olybrius daselbst vorüberzog; und da er die schöne Jungfrau erblickte, entbrannte er alsbald in Liebe zu ihr. Er sprach zu seinen Knechten: »Gehet hin und bringt sie mir; ist sie frei, so will ich sie zur Ehe nehmen, ist sie eine Magd, so soll sie meine Beischläferin sein«. Also ward sie vor ihn geführt, und er fragte sie nach Herkunft, Namen und Glauben. Sie antwortete, dass sie wäre von edlem Geschlecht, dass ihr Name wäre Margareta, und dass sie halte Christenglauben. Sprach der Praefect: »Die beiden ersten Dinge stehen dir wohl an: dass du edel bist und dem Steine Margarita gleichest an Schönheit; das dritte aber ist nicht ziemlich, dass eine so schöne Jungfrau einen gekreuzigten Gott habe«. Sie antwortete: »Woher weißt du, dass Christus gekreuzigt ward?«. Er sprach: »Das weiß ich aus den Büchern der Christen«. Margareta antwortete: »Es ist darin geschrieben von Christi Leiden und von seiner Herrlichkeit; wie mag es sein, dass du das eine glaubest und das andere nicht?«. Und hub an zu sagen, wie Christus aus freiem Willen gekreuzigt sei für unsere Erlösung, und dass er nun ewig lebe. Da war der Praefect zornig und hieß sie in das Gefängnis werfen.“(LEGENDA AUREA DES JACOBUS DE VORAGINE (ED. BENZ, 2004), S. 356-357)

Christus nimmt Abschied von seiner Mutter

Christus nimmt Abschied von seiner Mutter

Am Tor, vor den Mauern einer Stadt, umfängt Christus seine im Abschiedsschmerz niedersinkende Mutter. Drei Begleiterinnen Marias stehen rechts neben dem Stadttor. Links, weiter zurück zwischen Bäumen, steht Petrus neben anderen Jüngern. Der Hintergrund bietet einen Ausblick auf Wälder, eine Burg und schroffe, zerklüfteteGebirgsketten am Horizont.Die Tafel ist Teil eines umfangreichen Altarretabels gewesen. Eine weitere Tafel mit der Entkleidung Christi befindet sich ebenfalls in der Gemäldegalerie (Abb.links). Diese Szene zeigt, wie die Henker Christus die Kleider vom Leib reißen, während Maria bemüht ist, die Blöße ihres Sohnes zu bedecken. Die beiden Gruppen sind in einer Bildebene konfrontiert. Die wesentlichen Bewegungen und Gesten spielen sich in bildparallelen Flächen ab. Das Gefüge der Komposition ist wesentlich linear bestimmt. Christus beugt sich zur Mitte hin, sein Gesicht ist so gleichsam ins Zentrum gerückt und frontal dem Betrachter zugekehrt. Das Ereignisbild wird zu einem Andachtsbild erhöht, das Haupt Christi wird zum Heiligen Antlitz, ein Bild im Bild.Wesentliche Züge der Kunst Bernhard Strigels, die aus der schwäbischen Spätgotik erwachsen sind, werden in den beiden Darstellungen sichtbar. Charakteristisch sind die sehr schlanken, manierierten Gestalten, deren Ausdruck überwiegend in der preziösen oder auch brutalen Gebärde liegt. Die Kompositionen sind in klar geschiedenen, in die Tiefe gestaffelten Plänen aufgebaut. Linie und Fläche sind Strigels wesentliche Ausdrucksmittel, das zeigt auch der Vorrang, den die Profilansichten genießen. Von dem zerstörten Retabel sind noch zwei weitere Tafeln in Karlsruhe (Kunsthalle) erhalten: die Verkündigung an Maria und die Fußwaschung. Vier Tafeln mit je zwei Heiligen sind 1945 in Berlin verbrannt. Einige der Themen setzen eine umfangreiche Passionsfolge voraus. Es muss sich demnach um ein sehr großes Retabel mit mehreren Flügelpaaren gehandelt haben. Eine Aussage darüber, wie es aussah, ist jedoch kaum möglich, da das Erhaltene keine ausreichende Basis zur Rekonstruktion bietet.Der klar gegliederte Aufbau der Szenen, das Verhältnis der monumentalen Figuren zur Landschaft und die breit angelegte Malerei mit den tiefleuchtenden Farben deuten auf den Beginn des Spätstils Strigels gegen 1520 hin. Die Provenienz aus Isny im Allgäu ist nicht gesichert. Wilhelm H.Köhler | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019____________________________________________________________________________________ At a gate outside the walls of a city, Christ is embracing his mother who is sinking to the ground overcome with grief at their parting. The three women accompanying Mary are standing on the right, next to the city gate. In the left-hand background and between trees Peter stands next to the other disciples. Behind them, one can see a landscape with woods, a castle and craggy rugged mountains on the horizon.The panel was part of large altarpiece. The Gemäldegalerie holds another panel belonging to the same altarpiece, the Disrobing of Christ (fig. left). This scene shows the executioners tearing off Christ’s clothes, while Mary tries to cover her son’s nakedness. The two groups face one another in a single pictorial plane. The main movements and gestures take place in parallel pictorial fields. The structureof the composition is essentially linear. Christ is leaning over towards the middle, thus bringing his face into central focus, looking directly at the viewer. This raises the narrative painting to the status of a devotional painting. Christ’s head becomes the Holy Countenance, a picture within a picture.Both depictions feature important elements of the art of Bernhard Strigel that developed out of the Swabian late-Gothic style. Characteristic are the very slender, mannered figures whose expressions are generally informed by either contrived or brutal gestures. The compositions are constructed in clearly divided receding planes. Lines and planes are Strigel’s chief means of expression, demonstrated alsoby his penchant for profile views. Two further panels from the destroyed altarpiece have been preserved in Karlsruhe (Kunsthalle): the Annunciation and Christ Washes the Feet of His Disciples. Four panels each showing two saints burned in Berlin in 1945. Some of the themes suggest the context of a major Passion cycle scenes. The altarpiece must therefore have been very large, with several pairs of wings. But it is almost impossible to say what it looked like, since the surviving pieces do not provide a sufficient basis for a reconstruction.The clear structure of the scenes, the relationship of the monumental figures to the landscape and the large-scale painting with the luminescent colours suggest that Strigel’s late style began around 1520. The provenance from Isny im Allgäu is unconfirmed. Wilhelm H.Köhler | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Eislandschaft mit Schlitten und eingefrorenen Booten

Eislandschaft mit Schlitten und eingefrorenen Booten

Isaac van Ostade kreierte in der Berliner Winterlandschaft ein poetisches Stimmungsbild, das eine vermeintliche Alltagsszene zeigt. Eingefasst von dem kahlen Geäst eines Baumes rechts und einigen Bootsmasten zur Linken, gibt das Bild den Blick auf die eisbedeckte Fläche eines zugefrorenen Binnengewässers frei. Die dargestellten, mit Lasten schwer beladenen Schlitten werden von Hand über das Eis geschoben oder von Pferden gezogen. Was im Sommer durch Schiffe, die nun festgefroren im Eis liegen, einfach zu transportieren ist, muss im Winter mühselig befördert werden. Im Hintergrund der Szene sind silhouettenhaft Spaziergänger und Schlittschuhläufer zu erkennen. Im Gegensatz zu den sehr summarisch angelegten Figuren, deren Formen nur sehr grob angelegt sind, treten die aufgeworfenen Schneereste, die Ufergräser und Zweige des Baumes, in feinmalerischer Prägnanz hervor. Auf diese Weise schafft Ostade eine atmosphärisch überzeugende Darstellung der im 17. Jahrhundert noch wenig menschenfreundlichen Jahreszeit des Winters. Einige wenige Lokalfarben in der vorderen Zone – das gedeckte Karminrot eines Rockes, etwas Zitronengelb unter dem stumpfen Blau einer Mütze oder das pastose Weiß eines Schimmels – lösen sich in perspektivisch differenzierter Abfolge in den weich verfließenden Brauntönen von Mittel- und Hintergrund auf. Das Landschaftliche beherrscht das Blickfeld. Dabei gehörte Isaacs Vorliebe der Figuren- bzw. Genremalerei. In Anlehnung an seinen älteren Bruder Adriaen, dessen Schüler er war, bevorzugte er Themen aus dem bäuerlichen Alltagsleben. Nehmen die Figurenszenen in seinen früheren Bildern einen großen Stellenwert ein, so gewinnt die Landschaft in den späteren Werken zunehmend an Bedeutung. Winterlandschaften und der Halt vor einem Wirtshaus gehören dabei zu den Hauptsujets des bereits mit 28 Jahren verstorbenen Malers. Am Ende von Ostades künstlerische Entwicklung entstanden Werke, die ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Figur und Landschaft zeigen. Die Grenzen zum Landschaftsfach hat der spezialisierte Genremaler jedoch nur selten überschritten. Aber gerade seine Tätigkeit auf diesem Gebiet hat herausragende Leistungen hervorgebracht. Denn die von graulilafarbenen Wolkenzügen und frostigem Himmelsblau überspannte Eisansicht erschöpft sich nicht allein in realistischer Wiedergabe der heimischen Natur, sondern erweist sich in den behutsam nuancierten Licht- und Tonwerten als ein poetisch gesteigertes Stimmungsbild. Der berührende Ausdrucksgehalt des Bildes, der an Rembrandts Winterlandschaft von 1647 (Kassel, Staatliche Kunstsammlungen) denken lässt, macht deutlich, welchen Verlust die holländische Malerei durch den frühen Tod Isaac van Ostades erlitten hat. Katja Kleinert und Jan Kelch | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. links unten: Isack .ostade___________________________________________________________________In this winter landscape, Isaac van Ostade created a poetic mood showing what appears to be an everyday scene. Framed by the bare branches of a tree on the right and several boats’ masts on the left, the painting opens a view of the ice-covered surface of a body of water that has frozen over. Heavily laden sledges are being pushed across the ice by hand or pulled by horses. What can easily be transported in summer by ships that now lie in the ice, frozen fast, has to be moved laboriously in winter. In the background, the silhouettes of people walking and skating can be made out. In contrast to the figures, which are delineated very sketchily with forms only depicted roughly, the piled-up remains of snow, the grasses on the banks and the branches of the tree are painted with fine clarity. In this way, Ostade creates an atmospherically convincing representation of winter, a season that was still hostile to humans in the 17th century. A very few patches of local colour in the foreground zone – the muted crimson of a coat, some lemon yellow beneath the matt blue of a cap and the pastose white of a horse – dissolve in a differentiated perspectival sequence into the softly blurring shades of brown of the middle ground and the distance. The landscape element dominates the view.Despite this, Isaac van Ostade’s preference was for painting figures and genre scenes. Following his older brother Adriaen, who was his teacher, he had a liking for subjects from everyday rustic life. Whereas scenes with figures possessed great importance in his early paintings, in later works the landscape became increasingly significant. Winter landscapes and a stop in front of an inn are among the main themes of the artist, who died at the age of only 28. At the end of his artistic development, Ostade painted works that display a balanced relationship between figures and landscape. As a specialised genre painter, he seldom crossed the border to landscape painting, but it was his work in this field that produced outstanding achievements: the view of ice beneath trails of clouds in grey-purple colours and a frosty sky-blue is not limited to the realistic reproduction of nature in his homeland, but in its carefully nuanced gradations of light and colour tones manifests itself asa poetically enhanced portrayal of atmosphere. The touching expressiveness of the work, which is reminiscent of Rembrandt’s winter landscape of 1647 (Kassel,Staatliche Kunstsammlungen), emphasises how great a loss to Dutch painting the early death of Isaac van Ostade was. Katja Kleinert und Jan Kelch | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019