Details (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- Ausführung: um 1315/20
- Weitere Titel
- Sammlungstitel: Die Kreuzigung ChristiÜbersetzung: The Crucifixion of Christ
- Geografische Bezüge
- Material / Technik
- Pappelholz
- Abmessungen
- Bildmaß: 59,7 x 36,2 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/866946
Objektbeschreibung
Während acht Gemälde der Sammlung Solly zum Zeitpunkt des Erwerbs der Sammlung für das Berliner Museum – irrtümlich – als Werke des Malers Giotto galten, wird diese großartige Kreuzigung erst seit relativ kurzer Zeit mit Sicherheit diesem Meister zugeordnet. Aloys Hirt entschied 1823, das Bild nicht für das künftige Museum, sondern für einen möglichen Tausch mit anderen Galerien zu bestimmen, ein Hinweis darauf, dass man es als unbedeutend einstufte. Im entsprechenden Inventar wurde die Zuschreibung der Tafel zunächst zu »Bartolo Senese« (möglicherweise Bartolo di Fredi, einem Sieneser Maler im späten 14. Jahrhundert), dann zu »Memmi« (der Nachname zweier weiterer Künstler aus Siena, deren Schaffenszeit in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts fällt, Lippo Memmi und Simone Martini) korrigiert. 1837 war die Kreuzigung eines von 59 Werken, die für das Museum in Königsberg als Teil einer Gruppe von acht Gemälden »aus der Schule von Giotto« bestimmt waren. Geführt wurde es nun als Werk von Spinello Aretino, einem Maler, der zu Beginn des 15. Jahrhunderts in Arezzo tätig war. Die Ausdruckskraft und Bedeutsamkeit dieser Malerei entging offenbar allen, die in jener Zeit damit befasst waren.
Erst durch Wilhelm Bode rückte unsere Tafel stärker in den Fokus: 1884 sortierte er zahlreiche, in seinen Augen weniger bedeutende Arbeiten aus der Berliner Museumssammlung aus und holte im Gegenzug zahlreiche Leihgaben aus Provinzialgalerien in die Hauptstadt zurück, darunter auch diese Tafel, mit der Kreuzigung, die seiner Meinung nach von keinem Geringeren als von Giotto stammte. Zwar stellte man Bodes Kompetenz in Berlin nur selten in Frage, doch war dieses Urteil unter den Experten für italienische Kunst umstritten: Man unterstellte dem Berliner Kunsthistoriker, ein Werk seiner Sammlung zu überschätzen, wie das bei so vielen Kuratoren vor und nach ihm der Fall war. Lange Zeit galt das Bild in Fachkreisen daher als Werk aus der »Werkstatt von Giotto«; so bezeichnet ging es 1937 als Leihgabe nach Florenz, wo eine große Ausstellung dem Florentiner Maler gewidmet war. Zwar änderte auch diese Ausstellung nicht die Meinung der meisten Gelehrten, überzeugte aber Roberto Longhi davon, dass die Tafel zwar stark restauriert, aber vom Meister selbst gemalt worden war. Dieses Urteil fand erst Anfang des 21. Jahrhunderts allgemeine Zustimmung.
Heute gibt es keinen Grund mehr, die Urheberschaft von Giotto in Frage zu stellen: Der Künstler hat Spuren seiner überragenden Malkunst in den kleinsten Details dieser Kreuzigung hinterlassen, der eine große Zahl von Personen mit ganz unterschiedlicher Mimik und Gestik beiwohnen: von den schmerzverzerrten Gesichtern bis zu dem Soldaten, der sich die Nase zuhält, um nicht den Geruch des Todes, der dem Körper des Gekreuzigten entströmt, einatmen zu müssen. So wurde aus der anfangs wenig beachteten Kreuzigung eines der Meisterwerke der Gemäldegalerie.
Letzte Aktualisierung: 03.07.2026
Kontakt
Einrichtung:
Gemäldegalerie
E-Mail:
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