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Die Messe des heiligen Antonius Abbas

Ident. Nr.: 63D

ObjID: obj:867047

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Sano di Pietro (1405 - 1481),
Maler*in
frühere Zuschreibung: Meister der Osservanza (15. Jahrhundert),
Maler*in
Datierung
Ausführung: um 1435
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die Messe des heiligen Antonius Abbas
Übersetzung: The mass of Saint Anthony Abbas
Geografische Bezüge
Italien,
Land
Material / Technik
Pappelholz
Abmessungen
Bildmaß: 46,8 x 33,4 cm
Erwerbung
1910 Ankauf von dem Kunsthändler Robert Langton Douglas, London

Objektbeschreibung

Das Berliner Bild ist Teil einer Serie von acht Tafeln, die ursprünglich zu einem Altarwerk gehörten, dessen Mittelkompartiment (ein Gemälde, eine Skulptur oder eine Prozessionsfahne) verloren ist. Die Tafeln waren ehemals Sassetta zugeschrieben und wurden von R. Longhi (1940) und A. Graziani (1948) dem anonymen Meister der Osservanza zugewiesen, benannt nach einem Triptychon in der Kirche der Osservanza bei Siena. Alle acht Tafeln waren 1988/89 in der denkwürdigen Ausstellung
Painting in Renaissance Siena 1420–1500 im Metropolitan Museum in New York versammelt. Der Katalogtext von K. Christiansen und seine nachträglichen Kommentare (1990) bilden die aktuellste Würdigung und eindringlichste Analyse des Gesamtkomplexes und der Persönlichkeit des Meisters bzw. seiner Werkstatt.

Von den sechs hochrechteckigen Tafeln, zu denen auch das Berliner Bild gehört, waren jeweils drei seitlich übereinander angeordnet, während die querformatigen Tafeln zur Predella gehörten. Die Abfolge der Tafeln beginnt links unten mit dem Berliner Bild und ist von unten nach oben, erst links und dann rechts, abzulesen. Die letzte Szene, das Begräbnis, bildete die rechte Predellentafel.

In der zweiten Szene, der Verteilung der Habe, ist das Wappen der prominenten Sieneser Familie Martinozzi zu sehen, die das Altarwerk in Auftrag gegeben haben dürfte. Zahlreiche ikonografische Gründe sprechen dafür, dass das Altarbild aus einer Augustinerkirche stammte, möglicherweise aus S. Agostino in Siena (De Marchi 1988). Augustinus und die Augustinereremiten verehrten den heiligen Antonius besonders. Die Betonung der Zurückweisung des Reichtums und der Wahl des Eremitenlebens, von Armut und der Synthese von Vita activa und Vita contemplativa, die Balance zwischen Szenen mit urbanen, architektonischen und landschaftlichen Schauplätzen bestimmen die Auswahl und den Charakter der Szenen (Christiansen 1988). Grundlage für die Darstellungen ist die Adaption der Vita des Heiligen von Athanasius durch den Pisaner Dominikaner Cavalca aus dem 14. Jahrhundert.

In der Berliner Tafel sind zwei Episoden simultan dargestellt. Im Hintergrund sieht man die Szene, wie der Heilige im Knabenalter vor dem Hochaltar einer gotischen Kirche betend kniet, im Vordergrund, wie er als 18- oder 20-Jähriger, sechs Monate nach dem Tod seiner Eltern, der Messe beiwohnt, während der Priester aus dem Matthäus-Evangelium (19,21) die Worte an den reichen Jüngling liest: »Willst du vollkommen sein, so gehe hin, verkaufe, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach«. Als Antonius
diese Worte hört, als kämen sie von Gott und sich vorstellt, dass Gott sie zu ihm und für ihn gesprochen habe, nimmt er sich Gottes Befehl zu Herzen. Schon lange hat man die Ähnlichkeit der dargestellten gotischen Kirche mit dem Dom von Siena bemerkt, in neuerer Zeit aber hat man nachgewiesen, dass die Kapelle, in der die Messe gelesen wird, die Kapelle des heiligen Ansanus links vom Hochaltar des Doms ist.

Die Szenen der acht Tafeln sind sicher von einem einzigen Meister konzipiert, aber von mehreren Händen ausgeführt worden. Das Altarwerk war das Produkt einer »compagnia«, »einer Werkstattgemeinschaft, in der zwei oder mehr Meister Materialien, Gehilfen und Aufträge sich miteinander teilten« (Christiansen 1988) und die Aufträge gemeinsam ausführten. Seit einigen Jahren wird der Meister der Osservanza mit Sano di Pietro identifiziert. Erich Schleier 
| 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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This painting in Berlin is part of a series of eight panels that originally belonged to an altarpiece whose middle compartment (a painting, a sculpture or a processional banner) has been lost. The panels were once attributed to Sassetta, then by R. Longhi (1940) and A. Graziani (1948) to the anonymous Master of the Osservanza, thus named after a triptych in the Church of the Osservanza near Siena. All eight panels were united in 1988/89 in the memorable exhibition Painting in Renaissance Siena 1420–1500 in the Metropolitan Museum in New York. The catalogue text by K. Christiansen and his subsequent commentaries (1990) constitute the most upto- date appreciation and the most penetrating analysis of the entire complex of the personality of the master and his studio.

Of the six panels in upright rectangular format, to which the Berlin work belongs, three were arranged on each side, one above the other, while the panels in lateral rectangular format belonged to the predella. The sequence of the panels begins at the bottom left with the Berlin painting and is read from bottom to top, first on the left and then on the right. The last scene, the burial, was the right-hand panel of the predella.

The second scene, the distribution of goods, displays the arms of the Martinozzi, a prominent Sienese family who probably commissioned the altarpiece. There are many iconographical reasons to suppose that the work came from an Augustinian church, possibly Sant’Agostino in Siena (De Marchi 1988). Saint Augustine and Augustinian hermits particularly venerated Saint Anthony. The emphasis on the
rejection of wealth, the decision to adopt the life of a hermit, poverty and the synthesis of the vita activa and vita contemplativa, as well as the balance between scenes with urban, architectural and landscape settings determine the choice and character of the scenes (Christiansen 1988). The basis for the depictions is the 14th-century adaptation by Cavalca, a Dominican from Pisa, of the life of the saint written by Athanasius.

Two episodes are shown simultaneously in the Berlin panel. In the background, a scene is visible in which the saint as a boy kneels in prayer in front of the high altar of a Gothic church, and in the foreground, Anthony as a rich young man at the age of 18 or 20, six months after the death of his parents, attending Mass, while the priest reads to him the words of Saint Matthew’s Gospel (19:21): “If you want to be perfect, go and sell all your possessions and give the money to the poor, and you will have treasure in heaven. Then come, and follow me.” When Anthony heard these words, as if they were coming from God, and perceived that God had said them to him and for him, he took God’s command to heart.

The similarity of the Gothic church represented here to the cathedral of Siena has long been noted, but it has recently been shown that the chapel in which Mass is being held was the chapel of Saint Ansanus to the left of the cathedral’s high altar.

The scenes of the eight panels were undoubtedly conceived by one single master, but executed by several hands. The altarpiece was the product of a “compagnia”, a “studio cooperative in which two or more masters shared materials, assistants and commissions between them” (Christiansen 1988) and carried out the commissions jointly. For several years now, the master of the Osservanza has been identified as Sano di Pietro. Erich Schleier | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 25.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Stillleben mit Früchten in einer Porzellanschale

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Der Raucher

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Das Genrebild zeigt einen jungen Mann mit Pelzhut und blonden Locken. Sein weißer Brustgurt mit dem dazugehörigen Säbel kennzeichnet ihn als Soldaten. Breitbeinig sitzt er an einem einfachen Holztisch, auf dessen Platte er die Arme stützt. In seiner Rechten hält er eine lange Tonpfeife, deren Ende in einem kleinen Kohlebecken ruht. Eine weitere, zerbrochene Pfeife liegt daneben. Die beruhigte Komposition, einer Momentaufnahme gleich, sowie feinmalerisch ausgearbeitete Details sind charakteristisch für ter Borch. Seitdem man Ende des 16. Jahrhunderts Tabak aus Übersee importierte, gehörte das Rauchen – zeitgenössisch sowohl positiv wie negativ bewertet – zu den häufig dargestellten Themen der niederländischen und flämischen Genremalerei des 17. Jahrhunderts._________________________________________________________________________This genre painting shows a young man with a fur hat and blonde curls. His white chest strap with sabre identifies him as a soldier. He sits at a simple wooden table, legs spread, resting his arms on the surface. In his right hand he holds a long clay pipe, the end of which rests in a coal basin. Another broken pipe lies next to it. The calm composition, a snap-shot like moment, as well as the delicately drawn out details are characteristic for ter Borch. Since the start of the overseas import of tobacco at the end of the 16th century, smoking– considered already by contemporaries positively as well as negatively – had become one of the most frequently painted topics in Dutch and Flemish genre paintings of the 17th century.

Bildnis einer vornehmen genuesischen Dame

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Als die Bildnisse von Alessandro Giustiniani-Longo und seiner vermeintlichen Ehefrau (Kat.Nr. 782C) 1901 als Pendants in die Gemäldegalerie gelangten, hatten sie bereits eine lange gemeinsame Geschichte hinter sich. Schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts befanden sie sich im Besitz von Costantino Balbi (1676-1740) in Genua, der das Frauenporträt vermutlich von Giovanni Luca Spinola, das des Mannes von Alessandro Saluzzo und seinen Brüdern erworben hatte. Beide Porträts dürften etwa zur selben Zeit, um 1622/23, von Anton van Dyck während seines Aufenthaltes in Italien (1621-1627) in Genua gemalt worden sein. Auf den Bildern treten dem Betrachter ausdrucksstarke, faszinierende Persönlichkeiten entgegen, in beiden Fällen wiedergegeben in Lebensgröße und in sitzender Haltung. Es verwundert daher kaum, dass man für mehr als 200 Jahre annahm, es handle sich bei den Porträts um die Darstellung eines Ehepaares. Wie die Forschung gezeigt hat, trifft diese Annahme jedoch nicht zu. Bei dem Bildnis des alten Mannes handelt es sich um den genuesischen Senator Alessandro Giustiniani-Longo (1544-1631), der um 1622/23 bereits weit in den Siebzigern war. Er entstammte einer alteingesessenen und hoch angesehenen, genuesischen Familie. Von 1611 bis 1613 bekleidete er das höchste Amt, das der aristokratisch konstituierte, ligurische Stadtstaat zu vergeben hatte: das des Dogen. 1613 wurde er schließlich auf Lebenszeit Prokurator (Sachverwalter für Finanzen) der Genueser Republik. Das gerollte Papier in der Rechten des Mannes sowie sein ebenso herrisch wie misstrauischer Blick scheinen dieser Position, deren Ausübung Unbestechlichkeit voraussetzte, zu entsprechen. Auch die von ihm getragene schwarze Kappe weist bereits auf eine offizielle Bestimmung seiner Person hin. Im Falle des Frauenbildnisses ist eine eindeutige Identifizierung der Dargestellten dagegen bislang nicht gelungen. Die von ihr getragene, auf der Stirn spitz zulaufende Haartracht verweist jedoch auf ihren Status als Witwe, was eine Zuordnung der beiden Porträts als Ehepaar sehr unwahrscheinlich macht. Zudem belegt eine Kopie des Bildes aus dem 17. Jahrhundert, dass das Werk ursprünglich nach links hin breiter angelegt war und erst nachträglich beschnitten und so dem Männerporträt angeglichen wurde. Auch widersprechen die unterschiedlichen Schauplätze und ihre spezifische Ausstattung sowie der Umstand, dass die Frau deutlich höher im Bild sitzt als der Mann, der Annahme, es handle sich hierbei um zusammengehörige Pendants. Porträts dieser Art verhalfen van Dyck zu weit verbreiteter Anerkennung und zu reichen Aufträgen durch die Familien des Adels, für die er vornehmlich gearbeitet hat. Ausgehend von Rubens, in dessen Antwerpener Atelier er als blutjunger, genialer Künstler im Alter von 17 Jahren eingetreten war, aber auch im Rückgriff auf den höfischen Porträtstil Tizians, entwickelte er jenen vornehm-gelassenen, distanzierten Ausdruck, der die Vorstellung vom aristokratischen Menschenbild für seine Zeit außerordentlich geprägt hat. Die Werke verblieben lange im Palazzo Balbi in Genua. 1828 wurden sie, durch Vermittlung des Malers David Wilkie, von dem englischen Sammler Sir Robert Peel erworben und gelangten aus dessen Hinterlassenschaft, die 1900 versteigert wurde, schließlich nach Berlin. Jan Kelch und Katja Kleinert | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________________________________________________When the Gemäldegalerie received these two portraits as companion pieces in 1901, they already had a long common history behind them. At the beginning of the 18th century, the two portraits were owned by Costantino Balbi (1676–1740) in Genoa; he is believed to have purchased the portrait of the woman from Giovanni Luca Spinola, and that of the man from Alessandro Saluzzo and his brothers. Both portraits are very likely to have been painted in Genoa by Anton van Dyck around the same time – 1622–23 – during the artist’s stay in Italy (1621–27). Both portraits show very individual, compelling personalities; both are depicted in life-size and shown seated. It is unsurprising that for over 200 years it was assumed that these two pictures were portraits of a married couple. However, historical records show that this is not the case.The painting of the man is the portrait of the Genoese senator Alessandro Giustiniani- Longo (1544–1631), who was in his late seventies around 1622–23. He belonged to an ancient and very noble Genoese family. Between 1611 and 1613, he held the highest office that the oligarchic merchant city-state in Liguria had: that of the Doge. In 1613, he was appointed Procurator of the Genoese Republic, a life-long office that put him in charge of finances. The rolled document in his right hand and his imperious and suspicious gaze appear to correspond to this position, which presupposed incorruptibility. The black cap on his head also illustrates that the sitter holds a public office. In contrast, the identity of the woman remains uncertain. Her hairstyle with the lacy ornament on her forehead indicates that she is a widow, thus making it unlikely that the two portraits are pictures of a married couple. In addition, a copy of the portrait made in the 17th century shows that the picture was originally wider, and that a section on the left side was removed at a later point, presumably to make it match the portrait of the man. The different settings and the furnishing details, as well as the fact that the woman is sitting higher than the man also challenge the assumption that these are companion portraits.For Anton van Dyck, portraits such as these were useful in building his reputation as a portrait painter and gaining commissions from aristocratic families, who were his main clients. Inspired originally by Rubens, whose Antwerp studio he had joined as a young but precociously talented painter aged 17, and also by the courtly portrait style of Titian, van Dyck developed a distinguished, serene and distant expression which decisively influenced the idea of what an aristocrat should look like.The paintings remained in the Palazzo Balbi in Genoa for many decades. In 1828, they were acquired by the English collector Sir Robert Peel, through the mediation of the painter David Wilkie, and finally arrived in Berlin from his estate, which was sold at auction in 1900. Jan Kelch und Katja Kleinert | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019