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Die Toilette

Ident. Nr.: 853A

ObjID: obj:867249

Details (Expert)

Beteiligte
zugeschrieben: Adriaen Brouwer (1603/05 - 1638),
Maler*in
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die Toilette
Übersetzung: The Toilet
Geografische Bezüge
Flandern,
Region
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Bildmaß: 18,5 x 13,5 cm

Objektbeschreibung

Das kleine Bildchen zeigt die Halbfigur einer älteren, an einem Tisch sitzenden Frau, die sich vor einem Spiegel zurecht macht. Anders als teilweise beschrieben. Sie ist damit beschäftigt, sich zu schmücken und eine goldene Kette umzulegen - ein Vorgang, der auch durch den an ihrem linken kleinen Finger sichtbaren Ring unterstrichen wird. Konzentriert blickt sie in einen aufrecht auf dem Tisch stehenden Spiegel mit massivem Holzrahmen. Direkt vor ihr auf dem Tisch befinden sich Accessoires für die Toilette: ein Glasfläschchen, einige Ringe und ein gesägter Kamm. Das schwarze Kostüm der Frau ist hochgeschlossen und mit einem in zahlreichen Lagen, flach auf die Schultern fallenden Spitzenkragen versehen. Das Haar hat sie straff zurückgenommen und unter einer weißen Haube bedeckt.
Vermutlich wegen des Monogramms (AB) im Hintergrund rechts, sicher jedoch auch aufgrund der sehr frei und dünn aufgetragenen Malerei wurde das Bild bis 1986 durchweg als Werk von Adriaen Brouwer beurteilt. Auch Bode schätzte das Täfelchen offensichtlich außerordentlich, da er es 1874 mit auf die „Liste der in engster Auswahl bezeichneten Gemälde“ der Sammlung Suermondt aufnahm. Und tatsächlich steht das Werk in der Ausführung der Maltechnik Brouwers überaus nahe. Es ist keine Unterzeichnung sichtbar. Die Malerei ist streifig angelegt und weist eine durchscheinende Grundierung auf, über die im Hintergrund partiell eine opake, leicht grünliche Farbschicht gesetzt wurde - ein für Brouwer charakteristischer Bildaufbau. Zudem sind die Lichthöhungen - wie bei Brouwer- frei, jedoch mit großer Präzision und in erstaunlicher Variationsbreite ausgeführt. So sind die Glanzlichter auf dem kleinen Fläschchen eher verschwimmend und leicht diffus gesetzt. Die zarte Spitze an der Haube besteht dagegen aus feinen, kurzen, zu Dreiecken zusammengesetzten Strichen und findet sich fast identisch auf Brouwers Werk „Die Raucher“ im Metropolitan Museum wieder. Die maltechnische Ausführung ist trotz des kleinen Formates sehr frei und souverän im Auftrag und gleichzeitig genau in der Wiedergabe von Details, eine Vorgehensweise, die sich mit Brouwers Maltechnik deckt. Insgesamt ist die Darstellung für ein Gemälde seiner Hand jedoch ungewöhnlich bürgerlich und entbehrt der sonst für ihn so charakteristischen Drastik. Untypisch ist auch der vergleichsweise dichte Farbauftrag im Kostüm und Gesicht der Frau sowie die sehr reduzierte Farbpalette des Bildes. Wie ein Pentiment im Bereich des oberen Rückens, direkt unterhalb des weißen Kragens, zeigt, war der Körper der Frau ursprünglich breiter angelegt. Hier hatte der Maler offensichtlich mit zu voluminös angelegten Proportionen zu kämpfen. Aufgrund des Pentimentes am Rücken und eines weiteren in der Haube, ist davon auszugehen, dass es sich bei dem Bild um ein eigenständiges Original und nicht um eine Kopie handelt. Die ehemals gut sichtbare Signatur des Bildes ist kein zwingender Beleg für die Eigenhändigkeit Brouwers, da sich sein Monogramm auf zahlreichen Kopien, Versionen und Varianten von anderer Hand nachweisen lässt, stellt jedoch einen möglichen, zusätzlichen Beleg seiner Autorschaft dar. Leider sind die Reste der Signatur heute nur noch schwach unter dem Mikroskop erkennbar. Konkrete Aussagen zur Authentizität des Monogramms sind nicht mehr möglich. Zusammenfassend lässt sich damit feststellen, dass eine Zuschreibung des Werkes an Adriaen Brouwer naheliegt, es zumindest jedoch in seiner unmittelbaren Umgebung entstanden sein dürfte.
Das Berliner Bild darf als eine Art Vorläufer des in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in den nördlichen Niederlanden sehr populären Themas der Frau bei der Toilette gelten.

SIGNATUR / INSCHRIFT: Bezeichnet mit dem Monogramm rechts: AB (heute kaum noch lesbar)

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Die Auferstehung Christi

Die Auferstehung Christi

»Nun, da ich die Methoden dieser Kunst zu verstehen beginne, grämt es mich, dass sie mir nicht den Auftrag erteilen, das gesamte Rund der Stadtmauern von Florenz mit Geschichten zu bemalen.« Diese Aussage soll Domenico Ghirlandaio gegenüber seinem Bruder Davide geäußert haben, nachdem er den Chor der Dominikanerkirche S. Maria Novella ausgeschmückt hatte. Die Fresken sind heute nochzu sehen und gehören zu den künstlerischen Höhepunkten eines Florenzbesuchs. Doch Ghirlandaio war nicht nur ein bemerkenswerter Freskant, er ist auch für die Gemälde des Hochaltars verantwortlich, die Anfang des 19. Jahrhunderts veräußert wurden. Die Mitteltafel der Vorderseite, Maria mit dem Kinde und Heiligen, befindet sich heute in der Alten Pinakothek in München; die heute in der Gemäldegalerie in Berlin aufbewahrte Auferstehung nahm die Rückseite des Altarbilds ein, die nur für die Priester sichtbar war. Um die Mitteltafel und an den Seiten waren drei Heiligenpaare angeordnet. Zwei dieser Heiligen befanden sich einst in der Gemäldegalerie und wurden vermutlich im Mai 1945 in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zerstört (Abb. links).Die Auferstehung zeigt Jesus Christus am Ostermorgen, wie er dem Grab entsteigt und die vier römischen Soldaten, die es bewachen, in Schrecken versetzt. Ghirlandaio wich hier stark vom Inhalt der Heiligen Schrift ab: Das Grab Christi befand sich in einer Höhle und nicht unter freiem Himmel und keinesfalls wies es die Inschrift INRI auf (Jesus von Nazareth, König der Juden), die oben an seinem Kreuz angebracht gewesen sein soll. Auch der Pelikan, der seine Jungen mit demeigenen Blut nährt, entwickelte sich erst viel später zu einem Symbol Christi. Der Maler wollte hier die Theatralik der Szene betonen: Jesus scheint beinahe von einer unsichtbaren Maschinerie in die Luft gehoben, während die Soldaten ihre Überraschung und Angst zu überspielen suchen. Während des 19. Jahrhunderts erfuhr Ghirlandaio für seinen Sentimentalismus große Bewunderung, wurde von einigen Ästheten genau aus diesem Grund jedoch auch stark kritisiert. Der Landschaft in diesem Gemälde gebührt die gleiche Beachtung wie der bemerkenswerten Szene im Vordergrund. Auf der linken Seite nähern sich die drei Marien, die gleich das leere Grab Christi entdecken werden (ihre Namen variieren je nach Evangelium). Dahinter erkennt man im blauen Dunstschleier eine Stadt imflämischen Stil, mit einer besonderen Nähe zur Malweise des Hugo van der Goes. Am 28. Mai 1483 traf Van der Goes’ Bild für den Hochalter von S.’Egidio in Florenz ein (jetzt in den Uffizien), Domenico Ghirlandaio änderte daraufhin seine Vorstellung von Tafelmalerei.Ghirlandaio vollendete weder das Altarbild für S. Maria Novella, noch war es ihm vergönnt, die Stadtmauern von Florenz zu bemalen, wie er gehofft hatte: 1494 starb er im Alter von 45 Jahren an der Pest. Es hat etwas Bewegendes, stellt man sich vor, dass der Tod den Maler während der Arbeit an dieser Auferstehung ereilte, deren Botschaft die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod enthielt. Giorgio Vasari zufolge wurde dieser Teil des Bildes von Ghirlandaios Brüdern Davide undBenedetto fertiggestellt. Kritiker stimmen jedoch darin überein, dass die Landschaft von einem anderen Künstler stammen muss, in dem man Ghirlandaios Schüler Francesco Granacci sah, der heute als Pseudo Granacci bezeichnet wird. Trotz dessen Mitwirkens kann die Auferstehung als eines der letzten Meisterwerke von Domenico Ghirlandaio gelten. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________________“Now that I have begun to understand the methods of this art, it grieves me that they will not commission me to paint the whole circuit of the walls of the city of Florence with stories.” This is what the painter Domenico Ghirlandaio is reputed to have said to his brother Davide, after having finished decorating the choir of the Dominican Church of Santa Maria Novella. The frescoes are still in place and are one of the highlights of any visitor who discovers Florence. But Ghirlandaio was not only a remarkable fresco painter: he was also responsible for the gigantic altarpiece adorning the chapel, dispersed at the beginning of the 19th century. The Virgin and Child in Glory among Saints which occupied the central compartment on the front side is now to be seen in Alte Pinakothek in Munich; as for the present Resurrection now in the Gemäldegalerie in Berlin, it was on the other side of the altarpiece, only visible to priests. Around the central panels and on the lateral sides of the altarpiece, three pairs of saints were displayed; two of these saints, once part of the collection of the Gemäldegalerie, were probably destroyed in May 1945 in the last days of the Second World War (fig. left).The Resurrection shows Jesus-Christ on Easter morning, coming out of his tomb, to the complete astonishment of the four Roman soldiers charged to guard his sepulture. Ghirlandaio freed himself largely from the Holy Scriptures: Christ’s tomb was set in a cave and not in the open air; and it was certainly not inscribed with the acronym “I.N.R.I.” (Jesus Christ King of Nazareth), placed instead on top of his cross, nor with the Pelican who fed his children with his blood, a symbol of Christ adopted much later (it is true that the inscription appears to have been painted over a former one). What mattered for the painter was to accentuate the theatrical character of the scene: Jesus seems to be pulled into the air by some backstage machinery, while the soldiers over-play their surprise and their fear. During the 19th century, Ghirlandaio was greatly admired for his sentimentalism; and also despised by a few aesthetes for this very reason.The landscape of this painting is to be admired on the same level as the ostentatious foreground. On the left side, we see the three Mary who, soon, will discover the empty tomb of Christ (their identities vary according to the gospels). Further on, one distinguishes a city in a blue mist, painted like in a Flemish style, and close in particular to Hugo van der Goes. On 28 May 1483, the high altarpiece of the church of Sant’Egidio, painted by Van der Goes, had arrived in Florence (it is now in the Uffizi); from that moment on, Domenico Ghirlandaio changed his conception of panel painting.Ghirlandaio did not have time to finish the Santa Maria Novella altarpiece, nor to fresco the whole circuit of the walls of Florence, as he had hoped: he died from the plague in 1494, only aged 45. There is something moving about imagining the painter agonizing while trying to complete this Resurrection, whose religious message is to give hope in a life after death. According to Vasari, this part of the altarpiece was completed by the painter’s brothers, Davide and Benedetto; but critics nowagree that the landscape is due to another artist, long confused with the pupil of Ghirlandaio Francesco Granacci and now known as the “Pseudo Granacci”. Despite the latter’s intervention, one can fully consider the Resurrection as one of the last masterpieces by Domenico Ghirlandaio. Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019