Logo

Die Heimsuchung Mariens

Ident. Nr.: 542

ObjID: obj:867262

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Jacques Daret (um 1403 - nach 1468),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1434 - 1435
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die Heimsuchung Mariens
Übersetzung: The Visitation
Geografische Bezüge
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Tafelmaß: 59,5 x 54,8 cm

Objektbeschreibung

Daret wird erstmals 1418 im Hause des Malers Robert Campin erwähnt. Hier erhielt er seine künstlerische Ausbildung und wurde 1427 zusammen mit Rogier van der Weyden offiziell als Lehrling angemeldet; im Jahre 1432 erwarb er die Freimeisterschaft. Die Leistungen Darets sind schon früh geschätzt worden. Dies beweisen die Auf träge für Dekorationsarbeiten anläßlich eines Hoffestes Philipps des Guten in Lille (1454) oder der Feierlichkeiten zur Hochzeit Karls des Kühnen mit Margarete von York, die 1468 in Brügge stattfand. In den Jahren 1434/35, 1441 und 1452 arbeitete Daret für die Abtei St. Vaast in Arras. Aus den ersten Jahren seiner Tätigkeit für das Kloster stammen auch die wenigen Bilder, die die Zeiten überdauert haben. Es handelt sich um insgesamt vier Gemälde, die einst die Außenseiten der Flügel eines Altares bildeten, den Daret 1434/35 für die Marienkapelle der Klosterkirche von St. Vaast in Arras gemalt hat. Auftraggeber war Jean du Clercq (geb. 1376), der von 1428 bis 1462 Abt des Klosters war. Im Juli des Jahres 1435 ist der Altar im Kloster aufgestellt worden. Er erregte die Bewunderung der Teilnehmer des damals in Arras stattfindenden Friedenskongresses. Der Mittelschrein des Altares zeigte die Marienkrönung, gerahmt von den Statuen der zwölf Apostel. Der Schrein besaß zwei Flügel auf beiden Seiten des Mittelschreines. Sie zeigten auf den Innenseiten goldene Lilien auf azurblauem Grund. Wurde der Altar geschlossen, dann bildeten die Außenseiten der Flügel mit den Gemälden von Daret ein Programm, das ganz im Zeichen der Gottesmutter stand. Es begann mit der einst auf den kleinen oberen Auszügen der Flügel angebrachten Szene der Verkündigung an Maria. Darunter sah man, von links beginnend, in chronologischer Abfolge diese Heimsuchung Mariae, die Geburt Christi (Madrid, Sammlung Thyssen-Bornemisza), die Anbetung der Könige (Kat.Nr. 527) und die Darstellung im Tempel (Paris, Musée du Petit Palais). Die Heimsuchung folgt dem Bericht des Lukas-Evangeliums (1, 39-56). Sie zeigt die Begegnung zwischen Maria und Elisabeth, der Frau des Zacharias und Mutter Johannes’ des Täufers. Links im Vordergrund kniet der Stifter Jean du Clercq als andächtiger Zeuge des Geschehens. Sein Wappen ist hinter ihm an einem Baum aufgehängt. Rainald Grosshans | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019
____________________________________________________________

Daret is mentioned for the first time in 1418 as being present in the house of the painter Robert Campin in Tournai. Here, he received his artistic training, and was registered officially as an apprentice in 1427 together with Rogier van der Weyden; he acquired the status of master craftsman in 1432.

Daret’s achievements were recognised early on, as shown by his receipt of the commission for decorative work for the marriage festival of Philip the Good in Lille (1454) and the festivities to mark the marriage between Charles the Bold and Margaret of York, which took place in Bruges in 1468. In the years 1434/35, 1441, and 1452, Daret worked for the Abbey of Saint Vaast in Arras. The small number of his pictures that have survived date from the initial years of his activity as an artist for the cloister. His existing oeuvre consists of altogether four paintings, which originally formed the outer sides of the wings of an altarpiece Daret painted in 1434/35 for the Chapel of Saint Mary in the monastery church of Saint Vaast in Arras. The commissioning client was Jean du Clercq (born 1376), who was the monastery’s abbot from 1428 until 1462. The altarpiece was set up in the monastery in July of 1435.

This work excited the admiration of the participants in the Congress of Arras, then taking place. The central shrine of the altarpiece displayed the Coronation of the Virgin framed by statues of the twelve apostles. The shrine had two wings on each side of the central shrine. Their inner sides displayed gold lilies on an azure blue ground. When the altarpiece was closed, the outer sides of the wings with paintings by Daret formed a program devoted to the Mother of God. It began with a scene showing the Annunciation to Mary, once mounted on the small upper sections of the wings. Displayed below this, beginning from the left and in chronological sequence, were the Visitation (Gemäldegalerie), the Birth of Christ (Madrid, Thyssen-Bornemisza Collection), the Adoration of the Magi (Gemäldegalerie, fig.
left), and the Presentation in the Temple (Paris, Musée du Petit Palais).

The Visitation follows the narrative of the Gospel of Saint Luke (1:39–56), and shows an encounter between Mary and Elisabeth, the wife of Zacharias and the mother of John the Baptist. Kneeling in the left foreground is the donor, Jean du Clercq, who serves as a devout witness to the event. His coat of arms hangs behind him from a tree. Rainald Grosshans | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Giovanni Mocenigo (1508-1580)

Giovanni Mocenigo (1508-1580)

Der Porträtierte wurde 1954 von Rodolfo Pallucchini überzeugend als Giovanni Mocenigo identifiziert, dem jüngeren Bruder des Dogen Alvise I. Mocenigo. Giovanni bekleidete hohe Staatsämter in Venedig, unter anderem als Consigliere und Savio del Consiglio. Ein enges persönliches Verhältnis verband ihn mit seinem Bruder; nach dem Tod des kinderlosen Dogen fielen dessen Erbansprüche an Giovannis Kinder. Beide Brüder erscheinen gemeinsam in einem Votivbild Tintorettos, das um 1575 entstand und sich heute in der National Gallery of Art in Washington befindet (Samuel H. Kress Collection; Inv.-Nr. 1961.9.44). Es zeigt den Dogen Alvise Mocenigo und seine Frau gemeinsam mit seinem Bruder Giovanni sowie dessen Söhnen vor der Jungfrau mit dem Kind. In diesem Gemälde wurden vier der dargestellten Köpfe – darunter der Giovanni Mocenigos – offenbar nach dem lebenden Modell auf kleineren Leinwänden gemalt und anschließend in die größere Komposition eingefügt. Dieses Werk ermöglichte Pallucchini die Identifizierung des Berliner Porträts. In dem Einzelporträt Giovannis in der Gemäldegalerie wählte Tintoretto das in seinem Porträtschaffen ungewöhnliche Brustbildformat. Im Vergleich zum Gemälde in Washington erscheint Giovanni Mocenigo hier gealtert; das Berliner Porträt dürfte daher kurz vor seinem Tod im Jahr 1580 entstanden sein. Unter Verzicht auf die repräsentative Würde, die Tintorettos Halb- und Dreiviertelfigurenporträts sonst auszeichnet, ging es dem Künstler hier um eine geistige Erfassung und psychologische Durchdringung des Dargestellten. In der Ausstrahlung dieses durch den musternden Blick Distanz schaffenden, zugleich aber in seiner Schlichtheit und Direktheit intim wirkenden Porträts gehört das Werk zu den bedeutenden Leistungen Tintorettos im Bereich der Porträtmalerei. | Aus: Gemäldegalerie. Katalog der ausgestellten Gemälde des 13.-18. Jahrhunderts 1975 (2025 aktualisiert von Sven Jakstat)

Allegorie des Wohlstands im Gefolge fürstlicher Pracht

Allegorie des Wohlstands im Gefolge fürstlicher Pracht

Das Bild zeigt einen Ausblick in ein weites Tal. Links vorne, aus Buschwerk emporwachsend, erhebt sich ein türmereicher Palast. Eine weitläufige, geschwungene Treppe führt zu einer arenaartig eingefassten Terrasse, die dem Bauwerk vorgelagert ist. Die Architektur des Palastes ist recht eigenartig. Mächtige Türme unterschiedlicher Form bilden die Ecken des Gebäudes. Dazwischen spannen sich Gebäudeflügel und Kolonnaden. Im unteren Teil wirkt der Bau wie eine Festung aus grobem Mauerwerk, an den Ecken mit Quadern verstärkt und nur durch schießschartenähnliche Öffnungen durchbrochen. In den oberen Geschossen bietet die Architektur ein völlig anderes Bild mit von Balustraden umzogenen Balkonen, loggienartigen Bogenstellungen und gekuppelten Fenstern, die von weiteren Bogen überfangen sind. Die Türme enden in tempelartigen Aufbauten mit Laternen. In den oberen Stockwerken scheint sich das Bauwerk ganz der Umwelt zu öffnen. Es hat den Charakter eines Lustschlosses, das, in heiterer Umgebung gelegen, der Unterhaltung seiner Bewohner dient. Diesem Charakter entspricht auch ein Teil des Geschehens, das wir im Bild erkennen. Ein reich gekleidetes Paar steigt auf der Treppe zum Palast empor. Oben wird es von einem Kavalier empfangen, der ihm aus einem großen Pokal, einem »Willkomm«, den Gast trunk darbietet. Ein zweiter Edelmann lehnt an der Balustrade und betrachtet die Szene. Die Mäntel des vornehmen Paares fließen scheinbar zu einer übergroßen Schleppe zusammen, die sich wie ein Teppich über die Treppe hinbreitet. Darauf hat sich am unteren Ende eine Gruppe von Bettlern oder fahrenden Leuten niedergelassen. Der Unterschied des Standes drückt sich – nicht ganz im Einklang mit den Gesetzen der Perspektive - auch im Größenmaßstab der Figuren aus. Nach rechts hin schließt ein Hain von Bäumen das Bild ab. Im Mittelgrund wird der Blick durch eine reich gestaltete Landschaft geführt. Auf Hügeln erheben sich Burgen, weiter im Tal breiten sich Städte mit Palästen und Türmen aus. Die Bogen einer Brücke überspannen in der Ferne einen Fluss, an dessen Ufer sich Gebäude reihen. Weiter dem Horizont zu steigt eine Kette blauer Berge auf, an deren Hänge sich Burgen und Dörfer schmiegen. Nach rechts hin spannt sich ein See, dessen Ufer in der blauen Weite des Horizonts verdämmern. Anmutig und heiter wirkt diese Landschaft. Was die Darstellung besagen soll, ist nicht mit Gewissheit geklärt. Der allegorische Sinn des Bildes liegt offenbar in dem Gegensatz zwischen dem prunkenden Reichtum des Paares, das zum Schlosse zieht, und der Armut der Bettler, die sich auf der Schleppe niedergelassen haben. An der Schleppe der Reichen hängt die Armut, und die Not wohnt an den Schwellen der Schlösser. Der sprichwörtliche Titel, der Bettel sitzt der Hoffart auf der Schleppe, der dem Bild erst später beigelegt wurde, faßt diesen Sinn in Worte. Wesentlicher Ausdruck des Bildes ist der einer heiteren Unwirklichkeit. Auch die Architektur des Palastes ist nicht real, eher verkörpert sie architektonische Träume. Das wird deutlich, wenn man sich den Bau vorzustellen versucht. Das ist deshalb bemerkenswert, weil Altdorfer selbst Baumeister war. Anregungen zu solchen Architekturbildern entnahm er, das lässt sich nachweisen, graphischen Vorlagen. Unter seinen Händen verwandeln sich die nüchternen Stiche in Erscheinungen einer Märchenwelt. Traumhaft wie die Architektur ist auch die Welt, auf die wir blicken. Der Reiz liegt vor allem in der Wiedergabe der lichterfüllten, durchsonnten Landschaft mit blühenden und grünenden Bäumen und Büschen. Die Figuren im Bild leuchten wie Edelsteine und sind trotzdem ganz in die umgebende Landschaft eingebunden. Mäntel und Schleppe des Paares erscheinen wie die Fortsetzung der Treppe und der Terrasse. Figuren und Umwelt werden zu einer Einheit verschmolzen. Die heitere Zuständlichkeit der Landschaft, die sich vor dem Auge wie eine Weltlandschaft ausbreitet, erscheint dabei eigentümlich bewegt und von geheimnisvollem Leben durchpulst.| 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2010SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. rechts unten auf einem Baumstamm: 1531 / AA (verbunden)_____________________________________________________________________________A richly dressed nobleman and his wife are walking up steps to the terrace of a palace. There a cavalier is waiting for them with a magnificent goblet from which to toast their arrival. A family of beggars has settled down on the end of the long train, and the noble couple are unwittingly pulling them along behind. The title of the picture vividly captures the core of the allegory, which could also be slightly altered as “Pride Goeth Before a Fall”.| Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2012