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Die Steinigung des heiligen Stephanus

Ident. Nr.: 65.3

ObjID: obj:867271

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Garofalo (1481 - 1559),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1540
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die Steinigung des heiligen Stephanus
Übersetzung: The Stoning of Saint Stephen
Geografische Bezüge
Italien,
Land
Abmessungen
Bildmaß: 271 x 195 cm

Objektbeschreibung

"Stephanus, Diakon der christlichen Kirche und ihr erster Märtyrer, wurde 31 oder 32 n.Chr. vor den Toren Jerusalems zu Tode gesteinigt, nachdem er den christlichen Glauben gepredigt und Wunder getan hatte. Noch im Sterben betete er für seine Peiniger und rief: "Herr, behalte Ihnen diese Sünde nicht". Die falschen Zeugen legten zum Werfen ihre Kleider ab, die von dem jungen Saulus, dem späteren Paulus, bewacht wurden (vgl. die Figurengruppe rechts oben im Hintergrund des Bildes) (Apostelgeschichte 7, 57-59).
In der dichtgedrängten, dynamisch-labilen Komposition, den gesuchten und studierten Posen der Figuren, den Drehungen ihrer Körper und deren stark plastischer Durchbildung zeigt sich das manieristische Element in Garofalos Spätstil. Das Format, die Maße und der halbrunde Abschluß deuten auf ein Altarbild. Garofalo hat ein Altarbild mit der Darstellung der "Steinigung des Stephanus" für die Kapelle des Heiligen in S. Francesco in Lugo bei Ferrara gemalt, deren Altar 1541 errichtet wurde. Das Altarbild soll 1540 datiert gewesen sein. Sollte es mit dem Berliner Bild identisch sein, müßte bei dem Datum MDXXX die Ziffer X bei einer späteren Reinigung und Restaurierung verloren gegangen sein" / Schleier 1975

SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. unten links am Sockel des Säulenstumpfes: MDXXX / BENVENVTO•/ GAROFILO•/F•

Das Berliner Gemälde scheint identisch mit dem von Baruffaldi (ante 1755: 1841, I) in der Kirche von Lugo di Romagna mit Lob erwähnten Werk zu sein ("La cospicua terra di Lugo, territorio ferrarese fa gran conto d`una lapidazione di S. Stefano protomartire, mostrata per cosa assai riguardevole"). Girolamo Bonoli (1732, S. 278) erwähnte schon den 1540 verstorbenen Santi Lugaresi gebauten Altar der ´Cappella del Protomartire S. Stefano`. Eigentum des Klosters, lies er 1541 den alten Altar durch einen neuen ersetzen, dort sieht man: "la pittura di Benvenuto Tisi da Garofano luogo del Ferrarese, detto volgarmente il Garofano, e l`Ancona d`Ercole Filippi da Lugo". Cittadella (1872) veröffentliche den Auftrag an Garofalo, der im Jahre 1540 (also nicht 1530) fällig wurde.
Burton B. Frederiksen (Brief an das Museum, 30. Januar 2008) entdeckte, dass das Werk kam nicht unmittelbar aus Italien nach England kam, sondern am 19. April 1825 bei Lapeyrière in Paris (Los 25) für die außerordentliche Summe von 24.900 Franken versteigert wurde. Im Katalog stand, das Bild sei für eine lange Zeit in der Sammlung des Senators und Dogen Genuas, Michelangelo Cambiaso gewesen, also nicht - wie normalerweise bisher angenommen - in derjenigen der Balbi Familie (siehe: The Getty Provenance Index Databases, Garofalo, Benvenuto Tisi da, Catalog F-523).
Danach wurde das Bild durch Mawson nach London importiert und 1840 von Nieuwenhuys, London gekauft. Dann blieb das Werk für mehr als ein Jahrhundert (von 1859 - Northwick Sale - bis 1965) in der Sammlung Spencer-Churchill, Northwick Park, England. Die Steinigung Stephans wurde letzlich bei der Versteigerung in London bei Christie`s am 28. Mai 1965 (Los 23) erworben.

Letzte Aktualisierung: 25.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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»Nun, da ich die Methoden dieser Kunst zu verstehen beginne, grämt es mich, dass sie mir nicht den Auftrag erteilen, das gesamte Rund der Stadtmauern von Florenz mit Geschichten zu bemalen.« Diese Aussage soll Domenico Ghirlandaio gegenüber seinem Bruder Davide geäußert haben, nachdem er den Chor der Dominikanerkirche S. Maria Novella ausgeschmückt hatte. Die Fresken sind heute nochzu sehen und gehören zu den künstlerischen Höhepunkten eines Florenzbesuchs. Doch Ghirlandaio war nicht nur ein bemerkenswerter Freskant, er ist auch für die Gemälde des Hochaltars verantwortlich, die Anfang des 19. Jahrhunderts veräußert wurden. Die Mitteltafel der Vorderseite, Maria mit dem Kinde und Heiligen, befindet sich heute in der Alten Pinakothek in München; die heute in der Gemäldegalerie in Berlin aufbewahrte Auferstehung nahm die Rückseite des Altarbilds ein, die nur für die Priester sichtbar war. Um die Mitteltafel und an den Seiten waren drei Heiligenpaare angeordnet. Zwei dieser Heiligen befanden sich einst in der Gemäldegalerie und wurden vermutlich im Mai 1945 in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zerstört (Abb. links).Die Auferstehung zeigt Jesus Christus am Ostermorgen, wie er dem Grab entsteigt und die vier römischen Soldaten, die es bewachen, in Schrecken versetzt. Ghirlandaio wich hier stark vom Inhalt der Heiligen Schrift ab: Das Grab Christi befand sich in einer Höhle und nicht unter freiem Himmel und keinesfalls wies es die Inschrift INRI auf (Jesus von Nazareth, König der Juden), die oben an seinem Kreuz angebracht gewesen sein soll. Auch der Pelikan, der seine Jungen mit demeigenen Blut nährt, entwickelte sich erst viel später zu einem Symbol Christi. Der Maler wollte hier die Theatralik der Szene betonen: Jesus scheint beinahe von einer unsichtbaren Maschinerie in die Luft gehoben, während die Soldaten ihre Überraschung und Angst zu überspielen suchen. Während des 19. Jahrhunderts erfuhr Ghirlandaio für seinen Sentimentalismus große Bewunderung, wurde von einigen Ästheten genau aus diesem Grund jedoch auch stark kritisiert. Der Landschaft in diesem Gemälde gebührt die gleiche Beachtung wie der bemerkenswerten Szene im Vordergrund. Auf der linken Seite nähern sich die drei Marien, die gleich das leere Grab Christi entdecken werden (ihre Namen variieren je nach Evangelium). Dahinter erkennt man im blauen Dunstschleier eine Stadt imflämischen Stil, mit einer besonderen Nähe zur Malweise des Hugo van der Goes. Am 28. Mai 1483 traf Van der Goes’ Bild für den Hochalter von S.’Egidio in Florenz ein (jetzt in den Uffizien), Domenico Ghirlandaio änderte daraufhin seine Vorstellung von Tafelmalerei.Ghirlandaio vollendete weder das Altarbild für S. Maria Novella, noch war es ihm vergönnt, die Stadtmauern von Florenz zu bemalen, wie er gehofft hatte: 1494 starb er im Alter von 45 Jahren an der Pest. Es hat etwas Bewegendes, stellt man sich vor, dass der Tod den Maler während der Arbeit an dieser Auferstehung ereilte, deren Botschaft die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod enthielt. Giorgio Vasari zufolge wurde dieser Teil des Bildes von Ghirlandaios Brüdern Davide undBenedetto fertiggestellt. Kritiker stimmen jedoch darin überein, dass die Landschaft von einem anderen Künstler stammen muss, in dem man Ghirlandaios Schüler Francesco Granacci sah, der heute als Pseudo Granacci bezeichnet wird. Trotz dessen Mitwirkens kann die Auferstehung als eines der letzten Meisterwerke von Domenico Ghirlandaio gelten. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________________“Now that I have begun to understand the methods of this art, it grieves me that they will not commission me to paint the whole circuit of the walls of the city of Florence with stories.” This is what the painter Domenico Ghirlandaio is reputed to have said to his brother Davide, after having finished decorating the choir of the Dominican Church of Santa Maria Novella. The frescoes are still in place and are one of the highlights of any visitor who discovers Florence. But Ghirlandaio was not only a remarkable fresco painter: he was also responsible for the gigantic altarpiece adorning the chapel, dispersed at the beginning of the 19th century. The Virgin and Child in Glory among Saints which occupied the central compartment on the front side is now to be seen in Alte Pinakothek in Munich; as for the present Resurrection now in the Gemäldegalerie in Berlin, it was on the other side of the altarpiece, only visible to priests. Around the central panels and on the lateral sides of the altarpiece, three pairs of saints were displayed; two of these saints, once part of the collection of the Gemäldegalerie, were probably destroyed in May 1945 in the last days of the Second World War (fig. left).The Resurrection shows Jesus-Christ on Easter morning, coming out of his tomb, to the complete astonishment of the four Roman soldiers charged to guard his sepulture. Ghirlandaio freed himself largely from the Holy Scriptures: Christ’s tomb was set in a cave and not in the open air; and it was certainly not inscribed with the acronym “I.N.R.I.” (Jesus Christ King of Nazareth), placed instead on top of his cross, nor with the Pelican who fed his children with his blood, a symbol of Christ adopted much later (it is true that the inscription appears to have been painted over a former one). What mattered for the painter was to accentuate the theatrical character of the scene: Jesus seems to be pulled into the air by some backstage machinery, while the soldiers over-play their surprise and their fear. During the 19th century, Ghirlandaio was greatly admired for his sentimentalism; and also despised by a few aesthetes for this very reason.The landscape of this painting is to be admired on the same level as the ostentatious foreground. On the left side, we see the three Mary who, soon, will discover the empty tomb of Christ (their identities vary according to the gospels). Further on, one distinguishes a city in a blue mist, painted like in a Flemish style, and close in particular to Hugo van der Goes. On 28 May 1483, the high altarpiece of the church of Sant’Egidio, painted by Van der Goes, had arrived in Florence (it is now in the Uffizi); from that moment on, Domenico Ghirlandaio changed his conception of panel painting.Ghirlandaio did not have time to finish the Santa Maria Novella altarpiece, nor to fresco the whole circuit of the walls of Florence, as he had hoped: he died from the plague in 1494, only aged 45. There is something moving about imagining the painter agonizing while trying to complete this Resurrection, whose religious message is to give hope in a life after death. According to Vasari, this part of the altarpiece was completed by the painter’s brothers, Davide and Benedetto; but critics nowagree that the landscape is due to another artist, long confused with the pupil of Ghirlandaio Francesco Granacci and now known as the “Pseudo Granacci”. Despite the latter’s intervention, one can fully consider the Resurrection as one of the last masterpieces by Domenico Ghirlandaio. Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019