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Christus am Kreuz

Ident. Nr.: 408B

ObjID: obj:867300

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Mateo Cerezo (der Jüngere) (19.4.1637 - 1666),
Maler*in
Datierung
1655–1666
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Christus am Kreuz
Übersetzung: Christ on the Cross
Geografische Bezüge
Herstellungsort: Spanien,
Land
Material / Technik
Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 206 x 162 cm
Erwerbung
1874 Ankauf mit der Sammlung des Bankiers Barthold Suermondt

Objektbeschreibung

Das großformatige Gemälde Mateo Cerezos zeigt den Gekreuzigten im Moment des Todes. »Es war etwa um die sechste Stunde, als eine Finsternis über das ganze Land hereinbrach […] Die Sonne verdunkelte sich […] Jesus rief laut: ›Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.‹ Nach diesen Worten hauchte er den Geist aus« (Lk 23,44–46). Mit weit aufgerissenen Augen schaut Christus nach oben in Richtung Gottvater. Sein Mund ist leicht geöffnet. Der ausgemergelte, mit drei Nägeln ans Kreuz geschlagene Körper ist noch nicht leblos zusammengesackt. Lediglich ein weißes, mit dünnen blauen Streifen verziertes Lendentuch bedeckt den nackten, mit lockeren Pinselstrichen modellierten Leib, der sich kontrastreich vor der düsteren Landschaftsszenerie im Hintergrund abhebt. Das leicht nach vorn gebeugte rechte Bein, das von einem kräftigen Lichtstrahl gestreift wird, scheint plastisch aus der Oberfläche des Bildes hervorzutreten. Der hierdurch erzeugte Eindruck von Nähe und Unmittelbarkeit wird durch den Größenunterschied zwischen dem Körper Christi im Vordergrund und der weit entfernten Gebirgskette jenseits eines Tales im Hintergrund erneut betont. Der neben dem Kreuz liegende Schädel weist den Ort des Geschehens als Golgatha aus und vergegenwärtigt die Überwindung von Sünde und Tod durch das Opfer Christi.
Der Leib Christi ist nahezu unversehrt. Zwar hat sich die Dornenkrone tief in die Kopfhaut gegraben, doch dort, wo die wuchtigen Nägel die Hände und Füße durchstoßen, sind kaum Blutspuren zu erkennen. Ziel der Darstellung ist offensichtlich nicht die möglichst drastische Zurschaustellung körperlichen Leidens. Stattdessen betont das Gemälde auf bedrückende Weise die Einsamkeit Christi in der Zwiesprache mit Gott sowie den seelischen Schmerz in Angesicht des unmittelbar bevorstehenden Todes. Diese innerliche Anspannung findet in der gewittrigen Atmosphäre der Szene zusätzlichen Ausdruck. Das sich vor die Sonne schiebende dunkle Gewölk und der in feurigem Rot leuchtende Himmel verleihen ihr eine spannungsgeladene Unruhe. Andererseits strahlt Christus aber auch eine triumphale Überlegenheit aus. Um das dornenbekrönte Haupt leuchten göttliche Strahlen. Der durch die Gewitterwolken brechende blaue Himmel umgibt den hell erleuchteten Körper mit einer natürlichen Aureole. Das mit einem dicken Pfosten im Boden befestigte Kreuz durchmisst beinahe die gesamte Bildfläche. Die auf diese Weise erzielte Monumentalität wird durch die niedrige Horizontlinie und den in Untersicht dargestellten Körper nochmals gesteigert.
Dass Mateo Cerezo der Autor des Gemäldes ist, belegt eine frühere, von ihm signierte Version der Kreuzigung in der Kathedrale von Burgos. Der offene Duktus und die starken Hell-Dunkel-Kontraste fügen sich nahtlos in die letzte Schaffensphase des 1666 im Alter von nur 29 Jahren verstorben Malers ein. Der in Burgos geborene Cerezo, der in Madrid in der Werkstatt Juan Carreño de Mirandas (Kat.Nr. 407 und Kat.Nr. 1297) ausgebildet worden war, hatte sich bis zu seinem frühen Tod bereits einen Namen als bedeutender Maler von Stillleben und religiösen Bildern gemacht. Noch im 18. Jahrhundert waren zwei weitere, heute verschollene Kreuzigungen Cerezos in situ nachweisbar. Eine befand sich in der Kathedrale von Valladolid, eine zweite war an einem Seitenaltar in der heute zerstörten Capilla de la Soledad in Madrid aufgestellt. Letztere war der Iglesia de los Padres Mínimos angegliedert und befand sich an der Puerta del Sol im Herzen Madrids. Auf Grund des großen, hochrechteckigen Formats kann davon ausgegangen werden, dass die Berliner Kreuzigung ursprünglich für die Aufstellung an einem Altar bestimmt war. Andreas von Schepeler, der erste nachweisbare Besitzer des Bildes, war von 1815 bis 1823 als preußischer Gesandter in Madrid tätig. Diese Umstände veranlassten bereits Elías Tormo 1927 zu der Annahme, dass es sich bei diesem Gemälde um das ehemalige Altarbild aus Madrid handelt.| Sven Jakstat
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This large-format painting by Mateo Cerezo depicts the crucified Jesus at the moment of death: “It was now about the sixth hour, and there was darkness over the whole land until the ninth hour, while the sun’s light failed […] Then Jesus, crying with a loud voice, said, ‘Father, into thy hands I commit my spirit!’ And having said this he breathed his last.” (Lk. 23:44–46) With his eyes wide open, Christ looks up in the direction of God the Father. His mouth is slightly opened, and his emaciated figure, affixed to the cross with three nails, has yet to collapse into lifelessness. Only a white loincloth with narrow blue stripes covers his naked body, which is modelled in loose brushstrokes. His right leg, bent slightly forward, is caught by a powerful ray of light, making it appear to stand out from the surface of the painting. The impression of closeness and immediacy which the painter achieves by means of this effect is further underscored by the difference in size between the body of Christ in the foreground and the distant mountains beyond a valley in the background. The skull lying next to the cross indicates that the scene takes place on Golgotha and brings to mind the triumph over sin and death through Christ’s sacrifice.
Christ’s body is nearly unscathed. Whereas the crown of thorns has dug deep into his scalp, we see hardly any blood at the places in which the heavy nails were driven into his hands and feet. The aim of the painting is clearly not to provide the most drastic possible representation of physical suffering; instead, it impressively underscores Christ’s loneliness in his dialogue with God and his emotional suffering in the face of imminent death. This internal tension is further accentuated by the scene’s stormy skies in the background. The dark clouds drawing across the sun and the fiery red skies lend the painting a sense of tension and unrest. At the same time, Christ radiates a sense of triumphal supremacy. Around his thorncrowned head we can see rays of divine light. The blue sky breaking through the dark clouds surrounds his brightly illuminated body with a natural halo, which contrasts starkly with the dark landscape in the background. The cross fixed into the earth with a thick stake stretches across nearly the entire surface of the painting. The sense of monumentality achieved by means of this effect is further emphasised by the low horizon and the low angle view of the body.
Mateo Cerezo’s authorship is confirmed by an earlier signed version of the crucifixion in the Burgos cathedral. The open strokes and the stark contrasts between light and dark fit perfectly with the final phase of the artist, who died in 1666 at the young age of twenty-nine. Born in Burgos and trained in Juan Carreño de Miranda’s (Cat.No. 407 and Cat.No. 1297) workshop, Cerezo had already made a name for himself as an important painter of still lifes and religious motifs at the time of his death. In the eighteenth century there were two – now lost – scenes of the crucifixion still "in situ". One of them was located in the cathedral in Valladolid and the second in a side altar in the Capilla de la Soledad in Madrid (now destroyed). The latter chapel was attached to the Iglesia de los Padres Mínimos and was located at the Puerta del Sol in the heart of Madrid. The Berlin painting’s large, vertical format would indicate that the crucifixion scene was originally intended as an altarpiece. Andreas von Schepeler, the first confirmed owner of the piece, was active as the Prussian envoy in Madrid from 1815 to 1823, a fact that already led Elías Tormo to conclude in 1927 that this painting is the same as the former altarpiece from Madrid.| Sven Jakstat

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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"Entstanden im Anschluß an die Madonna Solly (Kat.Nr. 141) in Perugia unter dem Einfluß Peruginos und Pintoricchios [...]. Den Typus dieses Dreifigurenbildes, eines Halbfigurigenbildes der Madonna mit flankierenden Heiligen, deren Köpfe über ihrer Schulterkontur sichtbar werden, hat Raffael von Perugino übernommen, (vgl. sein Bild im Louvre, Paris von 1493). Der Typus bildet in Raffaels malerischen Oeuvre eine Ausnahme. Das Bild fällt in jene Phase (1500-03), in der Raffael sich von der Kunst Pinturicchios berührt zeigte, vor allem von dessen Hauptwerk in Perugia, dem Altarbild von S. Maria dei Fossi (1495-98): die Neigung des Madonnenkopfes, seine Drehung ins Profil, eine gewisse zuspitzende Artikulierung der Gesichtszüge und die eher flächige Anlage der Komposition sind pintoricchesk. - Eine Federzeichnung aus der Werkstatt Peruginos (Wien, Albertina, Sc. R. 97), die früher auch Pintoricchio und Raffael selber zugeschrieben wurde, zeigt die gleiche Komposition etwas variiert. Eine Vorzeichnung Raffaels für den Kopf des Hieronymus befindet sich in Lille (Musée Wicar). - Eine Wiederholung (ehemals (?) New York, Slg. Warburg [seit 1959, Cambridge, Mass., Fogg Art Museum, 1959.36: Originalmalerei fast komplett verloren gegangen] ) wurde von Longhi als originale Zweitfassung angesehen." Weitere alte Kopien in Knole, Kent, Slg. Lord Sackville und Florenz, Palazzo Pitti, 18.10.1989, Nr. 536. (Schleier 1975 mit Ergänzungen von Contini 2019).

David mit dem Haupt Goliaths

David mit dem Haupt Goliaths

Gentileschi war sicher der bedeutendste und selbständigste unter den von Caravaggio beeinflußten Malern in Rom. Bis 1600 war sein Stil dem römischen Spät manierismus verhaftet gewesen. Erst in dem Jahrfünft 1600/05 wird Caravaggios Einfluß allmählich spürbar und erreicht in den Jahren 1606 bis 1615 den Höhepunkt. Aus dieser Zeit um 1610 stammt das hier besprochene Bild. Zu dem Einfluß Caravaggios und dem künstlerischen Erbe von Gentileschis toskanischer Herkunft kommt im ersten Jahrzehnt noch der Einfluß des in Rom wirkenden deutschen Malers Adam Elsheimer hinzu. Er schlug sich vor allem in den nicht sehr zahlreichen, auf Kupfer gemalten Bildern in Kabinettformat nieder und in der Betonung landschaftlicher Elemente. Zu diesen Kabinettbildern auf Kupfer gehört auch das hier besprochene Bild, das David, über das abgeschlagene Haupt Goliaths gebeugt, in tiefes Nachsinnen über seine Tat und den Tod versunken, darstellt. Im Gegensatz zu dem bis dahin geläufigen Bildtypus, in dem David das Haupt Goliaths in brutaler Aktion abtrennt, war die hier vorliegende spezifische Ausprägung des Themas eine ikonographische Neuerung. Sie geht auf Caravaggio zurück, auf sein Bild in der Galleria Borghese in Rom. Dort hält David das gerade mit dem Schwert abgetrennte Haupt, aus dem das Leben noch nicht ganz entwichen scheint, dem Betrachter entgegen, mit einem Blick, in dem Abscheu und Trauer gemischt sind. Sein gezielter Blick, der der Armbewegung folgt, ist bei Gentileschi dem Ausdruck der Nachdenklichkeit gewichen. Das Gesicht ist aus der fast reinen Frontalansicht Caravaggios ins reine Profil gewendet. Im Gegensatz zu Caravaggio liebte es Gentileschi, eigenhändige Repliken und Varianten seiner Kompositionen zu malen. So ist die kleine Kupfertafel in Berlin eine Variante des großformatigen Bildes mit lebensgroßer Figur in der Galleria Spada in Rom. Dort ist David nur bis etwas unterhalb der Kniehöhe dargestellt. Der Landschaftsgrund ist völlig anders gestaltet: Die dunkle Kulisse rechts, die als Folie für die Figur dient, besteht nicht aus einer Grotte von schroffem Felsgestein, sondern aus dunklem Waldesdickicht mit zwei aufschimmernden Baumstämmen und dichtem Blattwerk, das sich nach links zum Himmel lichtet. Man hat in Analogie zum Berliner Bild angenommen, daß das Gemälde in Rom unten beschnitten sei. Das ist aber offenbar nicht der Fall. Gentileschi hatte ursprünglich das Bildformat sogar noch enger gefaßt, wie der Aufbau der Leinwand zeigt, die aus einem zentralen Leinwandstück und ringsum angestückten Streifen in anderer Leinwandstruktur besteht. Ursprünglich ruhte der Kopf Goliaths auf dem unteren Bildrand. Der Blick Davids auf das Haupt Goliaths war bei dieser Urfassung auf dem zentralen Leinwandstück noch gegeben, wurde bei Anbringung der Anstückungen bereits ab geschwächt und ging in der Berliner Kupfertafel ganz verloren. Erst hier hat Gentileschi die Gestalt zur stehenden Ganzfigur vervollständigt. Er korrigierte die Haltung der Figur, indem er die Beine näher zusammenrückte und die Figur insgesamt fast unmerklich schlanker machte. Außerdem veränderte er die Perspektive: Der Horizont wurde tiefer herabgezogen. Er gab der Figur nun einen ganz neuen Hintergrund aus jenem schroff-splittrigen, schiefrigen, in kaltem Grau gehaltenen Gestein, wie er es darzustellen liebte. Er veränderte die Position des Goliathhauptes, das nun mit dem Gesicht nach unten flach auf der Felsplatte aufliegt, auf die er seinen Fuß stellt. Davor liegt seine Schleuder, die im römischen Bild fehlt. Erich Schleier | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________Among the painters in Rome who were influenced by Caravaggio, Gentileschi was undoubtedly the most important and independent figure. Until 1600, he remained attached to the style of Roman late Mannerism. Only during the years 1600–05 does Caravaggio’s influence become gradually perceptible, reaching its highpoint in the period between 1606 and 1615. The present picture, produced around 1610, dates from this phase. During the first decade of the 17th century, the influence of Caravaggio and the artistic legacy of Gentileschi’s Tuscan heritage is joined by the impact of the German painter Adam Elsheimer, then working in Rome. This stimulus is reflected in the not especially numerous pictures in cabinet format painted on copper, and in the emphasis of landscape elements. Among these cabinet pictures on copper is the present work, the David, who is depicted bending down over the severed head of Goliath, deeply immersed in reflection on his deed, and of death. In contrast to the pictorial type familiar up to this time, which shows David in the act of brutally decapitating Goliath, this version of the theme was iconographically innovative. It can be traced back to Caravaggio’s painting in the Galleria Borghese in Rome. There, David holds the head he has just severed with his sword, from which the life seems not yet to have drained away entirely, toward the viewer, his gaze a mixture of revulsion and sadness. In Gentileschi’s picture, David’s directed gaze, which follows the movement of his arm, has yielded to a pensive expression. The face has been shifted from Caravaggio’s nearly frontal view to a pure profile. In contradistinction to Caravaggio, Gentileschi was fond of producing replicas and variants of his own compositions by his own hand. The little panel on copper in Berlin is a variant of the large-format picture, featuring life-sized figures, in the Galleria Spada in Rome. There, the David is cut off somewhat below knee height. Moreover, the landscape background is completely different: the dark backdrop on the right, serves as a foil for the figure, and consists not of a grotto with craggy solid rock, but instead of a dark wooded thicket with two luminous tree trunks and dense foliage that thins out on the left near the sky. With reference to the Berlin picture, it has been assumed that the painting in Rome was cut down below. This seems, however, not to be the case. Originally, Gentileschi framed the picture format even more narrowly, as shown by the structure of the canvas, which consists of a central piece that is surrounded by added strips having a different woven structure. Originally, the head of Goliath rested on the lower edge of the picture. In this original version on the central piece of canvas, David’s gaze still fell on the head of Goliath, but has become weakened through the additions, and was lost entirely in the copper panel in Berlin. Only here did Gentileschi complete the standing figure. He corrected the pose, shifting the legs more closely together, and making the figure of David more slender as a whole, albeit almost imperceptibly. He altered the perspective: the horizon has now been shifted downward. He gave the figure a completely different background, consisting of the type of rugged, splintered, slate stone, executed in cold grey tones, of the type he was fond of depicting. He also changed the position of Goliath’s head, which now lays facedown and level with the rock ledge on which David rests his foot. Lying in front of it is the sling, which is missing from the Roman picture. Erich Schleier | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Stillleben mit Fruchtkorb

Stillleben mit Fruchtkorb

Die Wiederentdeckung dieses über lange Zeit fast vergessenen Malers begann in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts. Seine Lebensdaten sind erst seit 1955 zuverlässig bekannt. Inzwischen hat die Forschung ein recht umfängliches Oeuvre an Blumen- und Früchtestilleben Balthasar van der Asts zusammengetragen.Es lässt vor allem seine maltechnische Schulung an den Werken des älteren Ambrosius Bosschaert (1573-1621) erkennen, mit dem er auch verschwägert war. In dem zeeländischen Middelburg um 1600, einer Nahtstelle zwischen flämischer und nordniederländischer Kunstauffassung, stellte die »Bosschaert-Dynastie« eine eigenständige Richtung dar, die die holländische Stillebenmalerei nachhaltig mitgeprägt hat. Balthasar van der Ast wurde in Middelburg geboren, weilte zusammen mit Bosschaert 1615 in Bergen op Zoom und trat 1619 zeitgleich mit dem älteren Roelant Saverij in Utrecht in die Lukasgilde ein. Im Dezember 1651 wurde er »aen de Oude Delft « begraben. In den Jahren ab 1632, als er in Delft arbeitete, hellte sich die Palette des Malers merklich auf. Die Gegenstände wurden gern in klaren lichten Farben, die Gründe in sanften hellen Grautönen gegeben. Aus dieser Schaffensphase stammt auch das kleine Täfelchen der Berliner Sammlung. Fast silhouettenhaft hebt sich das üppige, überbordende Arrangement von Früchten in einem flachen Flechtkorb von dem glatten, weißlichen Hintergrund ab. Das graphische Element wird noch durch die weit über die Fläche greifenden Blätter und Stiele betont, mit denen Weintrauben zwischen die schwereren Äpfel, Quitten und Pfirsiche gelegt sind. Dicht besetzt ist auch das untere Bildviertel, eine durch dunkeltonige Schattenpartien als Tischplatte gedachte Fläche. Zwischen Feigen, einer Pflaume und zwei exotischen Muscheln links und zwei von Nage- und Fäulnisspuren entstellten Äpfeln rechts liegt ein makelloser Zweig Kirschen. Bis in die Ecken hinein ist die gesamte Bildfläche angefüllt, jede Einzelheit in direkter Nahsicht wiedergegeben, wobei ein wohldurchdachtes Zusammenspiel von symmetrisch-statischem Aufbau des Ganzen und lebendiger Ausführung im Detail herrscht. Schmetterlinge, Mücken, Libellen, kleine Raupen, ein Salamander mit geringeltem Schwanz und eine große Fliege bewegen sich zwischen den Früchten, einem natürlichen Mikrokosmos zugehörig, in dem Frische und Verderblichkeit dicht beieinander liegen. Erst die Malergeneration, der Balthasar van der Ast angehört, widmete sich eingehend der Darstellung einzelner Objekte und fand den ästhetischen Reiz in einer mikroskopisch genauen Wiedergabe der farblichen und stofflichen Besonderheiten. Mit geradezu penibler Genauigkeit sind die Schadstellen auf den Äpfeln, ist ein Safttropfen auf der Haut der Quitte im Korb auf dem Berliner Bild festgehalten. Aufgrund dieser überzeugend lebendigen Inszenierung fungiert die auf der Quitte sitzende Fliege nun als überzeugendes „trompe-l'œil“ (Augentrug). Zugleich drückt sich in derartig getreuen Stillebendetails aber auch ein zu dieser Zeit aufkommendes, ausgeprägtes Interesse an den naturwissenschaftlichen Beobachtungen aus. Irene Geismeier und Katja Kleinert | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019___________________________________________________________The rediscovery of this artist, who had long been almost forgotten, began in the 1930s. His dates of birth and death have been reliably known only since 1955. Since then, research has brought to light a most extensive oeuvre of flower and fruit stilllifes by Balthasar van der Ast.In his training in the techniques of painting, the works of Ambrosius Bosschaert the Elder (1573–1621), his relative by marriage, are evident. In Middelburg in Zeeland around 1600, an interface between Flemish and northern Dutch tendencies in art, the “Bosschaert dynasty” constituted an independent current that had a lasting influence on Dutch still-life painting. Balthasar van der Ast was born in Middelburg, was with Bosschaert in Bergen op Zoom in 1615, and entered the Guild of Saint Luke at the same time as the older Roelant Savery in Utrecht in 1619. In December 1651, he was buried “at the Old Delft”. In the years from 1632, when he was working in Delft, his palette became noticeably brighter. He liked to reproduce objects in clear, radiant colours, and the ground in gentle, pale grey tones.The small panel in the Berlin collection dates from this period of his work. Almost like a silhouette, the lavish, luxuriant arrangement of fruits in a shallow woven basket is set off against the smooth, whitish background. This graphic character is underlined by the way that the leaves and stems, with which grapes have been laid between heavier apples, quinces and peaches, extend far across the surface. The bottom quarter of the picture, with a tabletop rendered through dark patches of shadow, is also plentifully filled. Between figs, a plum and two exotic shells on the left, and apples disfigured by traces of gnawing and mould on the right, lies an immaculate twig of cherries. The whole surface of the painting is filled right into the corners, and every detail is depicted in direct close-up, with a well thought-out interplay between symmetrical, static composition of the whole and a lively execution of detail. Butterflies, midges, dragonflies, small caterpillars, a salamander with a ring-striped tail and a large fly move between the fruits, part of a natural microcosm in which freshness and decay are in close juxtaposition.The generation of painters to which Balthasar van der Ast belonged was the first to devote itself thoroughly to the depiction of individual objects and to find the aesthetic attraction of microscopically exact representation of qualities of colour and material. With positively meticulous accuracy, the damaged spots on the apples and a drop of juice on the skin of the quince in the basket have been captured on the Berlin painting. Thanks to this convincingly life-like setting of the scene, the fly perched on the quince acts as an entirely plausible trompe-l’oeil (illusion). At the same time, such faithful details in still-life also express the marked interest in scientific observation of nature that emerged in this period. Irene Geismeier und Katja Kleinert | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019