Logo

Madonna

Ident. Nr.: 381

ObjID: obj:867855

Details (Expert)

Beteiligte
Hans Leinberger (1480/1485),
Bildhauer*in
Datierung
Datierung: um 1515
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 45,5 x 21 x 16 cm
Gewicht: 20 kg

Objektbeschreibung

Maria trägt ein glockenförmiges Obergewand, ausgestattet mit Kapuze, netzartigen Ziergehängen und einem Stern an der Schulter. Sie ist bekleidet mit der ›paenula‹, welche die Gottesmutter in Darstellungen der byzantinischen Kunst umhüllt. Ihre Gestalt, allansichtig konzipiert, ist von heftiger Bewegung ergriffen. Dabei entsteht der Eindruck, als löse sie sich gleich einer Himmelserscheinung von ihrem trommelförmigen Sockel. Das mit einem Rosenkranz umhängte, weitgehend nackte Kind strebt mit ausgestreckten Ärmchen zum Gesicht der Mutter empor.
Mit dem der ›paenula‹ nachgebildeten Mantel erfolgte eine Rückbesinnung auf altehrwürdige Ikonen, die angeblich eine authentische Vorstellung der Gottesmutter vermittelten. Gravierende technische Fehler deuten auf ein Experimentieren Leinbergers mit dem Bronzeguss hin. Seine Beschäftigung mit diesem erklärt sich durch den Auftrag Kaiser Maximilians an den Künstler, ihm für sein Grabmal eine eine lebensgroße Bronzefigur zu liefern.

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Wandkonsole mit reichem Blattbesatz (Laubwerkkonsole)

Wandkonsole mit reichem Blattbesatz (Laubwerkkonsole)

Die Konsole hat eine kelchförmige Gestalt mit Blattornamenten und rechteckiger Deckplatte. Die Deckplatte zeigt jeweils fünf Seiten eines Achtecks und ist wohl dadurch zu erklären, dass sie an einer der beiden Wandzungen, an den rechtwinklig abknickenden Seiten des Portals gestanden haben wird. Der vegetabile Schmuck besteht aus einer Reihe von Blättern, die dem Kelch aufgelegt sind und zur eckigen Form der Deckplatte vermitteln. Dadurch wird die tektonische Strenge überspielt, ohne gegen die Konventionen des Aufbaus einer gotischen Konsole zu verstoßen.Die Kirche des in den 1030er-Jahren am linken Aaufer gegründeten Damenstifts Liebfrauen war von Beginn an zugleich Pfarrkirche der Bürger der Münsteraner Vorstadt Überwasser. Diese Doppelfunktion, die sich auch in der Finanzierung und Nutzung des 1340 begonnenen Neubaus spiegelt, dürfte für die Konzeption des Westportals von Bedeutung gewesen sein. Mit der Errichtung des Turms wurde, wie man aus einem Bauvertrag weiß, 1363/64 begonnen. 1374 ließ Fürstbischof Florenz von Wevelinghoven (amt. 1364–78) mehrere Reliquien in der rechten Schulter des Marienbildes am Portal einschließen und man hat zu Recht angenommen, dass zu diesem Zeitpunkt das Portal mit seinem Figurenschmuck vollendet war, vielleicht auch schon bereits seit mehreren Jahren. Die Funktion der Konsolen ist die Vermittlung zwischen der streng geometrischen Architektursprache des kunstvollen Portalgebildes und der menschlichen Figur. Daher wurden auch die einzelnen Glieder (Halsring und Kelch) in fantasievolle pflanzliche Gebilde aufgelöst, deren wohl kalkulierter Verismus nicht auf effektvolle Überraschung abzielt, sondern der Wirkungs- und Bedeutungseinheit von Architektur und Skulptur dient.Die Konsolen des Westportals der Liebfrauenkirche passen gut in die Genese gotischer Laubwerkgestaltung, bei der um 1350 eine Tendenz zur stärkeren Bewegung und einem Verwischen der Grenzen zwischen Wand und Ornament festzustellen ist. Die Werkstatt hat, wie die geringere Qualität der späteren Konsolen in Münster zeigt, die Stadt wieder verlassen, möglicherweise, um in Utrecht zu arbeiten, wo sich am Dom um 1380 vergleichbare figürliche Darstellungen finden. Der Steinmetz hat sich eindeutig an der Bauornamentik des Kölner Doms orientiert, wie eine Durchsicht der dortigen Kapitelle im Chor und Langhaus zeigt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)