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Bücherstillleben

Ident. Nr.: 1667

ObjID: obj:868116

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Unbekannt,
Maler*in
Datierung
Ausführung: um 1630/40
Weitere Titel
Sammlungstitel: Bücherstillleben
Übersetzung: Still Life with Books
Geografische Bezüge
Spanien,
Land
Material / Technik
Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 34,9 x 56,8 cm

Objektbeschreibung

Das Berliner „Bücherstilleben" gilt auf Grund der ungewöhnlichen Thematik und seiner beeindruckenden malerischen Qualität als eines der herausragenden Beispiele dieser damals noch jungen Gattung innerhalb der spanischen Kunstgeschichte. Auf einem hellroten Tuch sind vor schwarzem Hintergrund drei unterschiedlich große, in Pergament gebundene Bücher, ein gefaltetes Papier, eine Sanduhr sowie ein Tintenfass mit einem Federkiel arrangiert. Die wie zufällig verteilt anmutenden Gegenstände, die bis dahin höchstens als Attribute in Darstellungen von Heiligen oder in Portraits Bildwürdigkeit erlangt hatten, werden von einem kräftigen Lichtstrahl von der linken Seite beleuchtet. Deutlich zeichnen sich die harten Schlagschatten auf dem Tuch ab. Die abgegriffene Schreibfeder mit ihren zusammengedrückten Fahnen, die eingeknickten Buchecken und die abgenutzten Einbände weisen auf rege Benutzung hin. Wie die im Halbschatten hinter dem aufgeschlagenen Buch abgestellte Sanduhr, die gerade erst umgedreht wurde, zeugen sie von der Anwesenheit eines im Bild nicht sichtbaren Menschen. Obwohl die geöffneten Seiten des auf dem großen Folianten liegenden Buches sichtbar sind, können die mit brauner Tinte geschriebenen Buchstaben nicht entziffert werden. Auch der Inhalt der anderen Bücher bleibt dem Betrachter verborgen. Offensichtlich ging es dem Maler nicht darum, konkrete Werke, etwa religiösen oder literarischen Inhalts, auf wiedererkennbare Weise darzustellen. Stattdessen lag die Bildintention auf einer möglichst wirklichkeitsnahen Wiedergabe der alltäglichen Gegenstände. Obwohl die Seiten des großen Folianten mit langen groben Pinselstrichen gemalt sind, entsteht der Eindruck, jede einzelne Seite könne angefasst und umgeblättert werden. Selbst das Gewicht der Bücher und die Steifheit ihrer Einbände sind, allein durch die Betrachtung des Gemäldes, erfahrbar. Die Kunstfertigkeit des Malers scheint umso verblüffender, als es ihm gelang, diesen Effekt ausschließlich mit den Farben Weiß, Schwarz, Braun und Rot zu erzielen. Darüber hinaus verzichtete er auf in derartigen Bildern häufig zur Anwendung kommende illusionistische Tricks, durch die das Herausragen einzelner Gegenstände aus der Bildoberfläche vorgetäuscht wird. Lediglich das rote Tuch wirft an der vorderen Kante, die zugleich die Oberfläche des Bildes markiert, drei dezente Falten.
Der Maler, der die einfachen Gegenstände auf so virtuose Weise wiedergegeben hat, ist bislang nicht ermittelt. Zwar wurden immer wieder auch italienische Meister als mögliche Urheber genannt, dennoch geht die Mehrzahl der Experten von einem in Madrid tätigen Maler aus. Zum einen weist das Sujet Verbindungen zu den dort gemalten Vanitas-Bildern auf, zum anderen ist es zuerst im Besitz der Familie des in Spanien tätigen Gesandten John Hookham Frere nachweisbar. Neben Antonio de Pereda und Francisco Collantes, die beide schon zu Lebzeiten für ihre Meisterschaft auf diesem Gebiet berühmt waren (Kat.Nr. 1979), wurde u.a. auf die Nähe zu einem in Privatbesitz befindlichen Bücherstilleben hingewiesen, das auf Grund des eingefügten Monogramms »Alo GV« als Werk von Alonso Gutiérrez gilt. Selbst eine Zuschreibung an Diego Velázquez oder Alonso Cano wurde einst für möglich gehalten.
Auch die Frage, für wen und für welchen Ort das Gemälde bestimmt war, ist nicht geklärt. Die Bücher als Speicher menschlichen Wissens und die Sanduhr, die das Vergehen der Zeit anzeigt, sind Symbole, die häufig in Vanitas-Bildern dargestellt werden. Sie vergegenwärtigen die Vergänglichkeit alles Weltlichen und führen die Kurzlebigkeit und Unbeständigkeit menschlichen Tuns vor Augen. Peter Cherry vermutet deshalb, das Gemälde könne für einen privaten Sammler geschaffen worden sein, in dessem Alltag derartige Objekte eine prägende Rolle spielten. Außer Frage steht, dass das kleinformatige Bild, das auf eine nahsichtige Betrachtung ausgelegt ist, durch seine malerische Virtuosität und die zahlreichen Assoziationsmöglichkeiten sowohl Bewunderung auslösen als auch tiefgreifende Deutungen anregen sollte.| Sven Jakstat
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Because of its unusual subject matter and the impressive quality of the execution, the Berlin painting "Still Life with Books" is considered to be an outstanding example of what was then a still young genre in Spanish art history. Three books of different sizes bound in parchment, a folded paper, an hourglass, and an ink pot with a quill are arranged on a light red cloth before a black background. Until that time, objects such as these had been considered worthy of being painted only as the attributes of saints or in portraits. They are arranged seemingly at random and illuminated by a powerful beam of light from the left, casting hard fall shadows on the cloth. The worn quill with torn vanes, the dog-eared corners of the book’s pages, and the tattered covers suggest that the objects have seen frequent use. Along with the hourglass, which can be seen in the half-shadow behind the open book and which appears to have been turned over just a moment ago, they testify to the presence of a person who cannot be seen in the picture. Although the open pages of the book lying on the large folio volume are visible, it is impossible to decipher the letters written in brown ink, and the content of the other books too remains hidden from the viewer. Apparently the painter’s intention was not to portray clearly identifiable works, with for example religious or literary content, but instead to depict everyday objects as realistically as possible. Although the pages of the large folio volume are painted with long, rough brushstrokes, the impression is created that each page could be touched and turned over, and even the weight of the books and the stiffness of the bindings are almost tangible. The fact that the painter manages to achieve this effect with a palette of nothing but white, black, brown, and red testifies to his astounding artistic talent. What is more, he refrains from employing the kind of illusionist tricks often used in pictures like this to make certain objects appear to project out of the painting. Only the red cloth displays three subtle creases on the front edge, which simultaneously marks the surface of the picture.
The identity of the painter who succeeded in rendering such simple objects in such a virtuoso manner remains a mystery to this day. Even though the painting has on several occasions been attributed to Italian masters, the majority of experts assume the work was painted by an artist working in Madrid. For one thing, the subject reminds us of the "Vanitas" pictures painted in Spain, and for another, the first record we have of the painting is in the possession of the family of the British envoy to Spain, John Hookham Frere. Alongside Antonio de Pereda and Francisco Collantes, both known during their lifetimes for their mastery in this genre (Cat.No. 1979), reference has also been made to a privately owned still life of books, which on the evidence of the monogram “Alo GV” is considered to be the work of Alonso Gutiérrez. There has also been some speculation that it may have been created by Diego Velázquez or Alonso Cano.
The question of the painting’s intended recipient and location too remains unresolved. The books as reservoirs of human knowledge and the hourglass showing the passing of time are symbols that often appear in "Vanitas" pictures. They illustrate the transitory nature of all worldly things and highlight the temporary, evanescent nature of human activity. Peter Cherry therefore suspects that the painting may have been created for a private collector in whose everyday life such objects played a significant role. Unquestionably, the painterly virtuosity and multiple associations of the small-format picture, which art historians assume was intended to be viewed at close quarters, are intended to arouse admiration and prompt profound interpretations.| Sven Jakstat

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Die Auferstehung Christi

Die Auferstehung Christi

»Nun, da ich die Methoden dieser Kunst zu verstehen beginne, grämt es mich, dass sie mir nicht den Auftrag erteilen, das gesamte Rund der Stadtmauern von Florenz mit Geschichten zu bemalen.« Diese Aussage soll Domenico Ghirlandaio gegenüber seinem Bruder Davide geäußert haben, nachdem er den Chor der Dominikanerkirche S. Maria Novella ausgeschmückt hatte. Die Fresken sind heute nochzu sehen und gehören zu den künstlerischen Höhepunkten eines Florenzbesuchs. Doch Ghirlandaio war nicht nur ein bemerkenswerter Freskant, er ist auch für die Gemälde des Hochaltars verantwortlich, die Anfang des 19. Jahrhunderts veräußert wurden. Die Mitteltafel der Vorderseite, Maria mit dem Kinde und Heiligen, befindet sich heute in der Alten Pinakothek in München; die heute in der Gemäldegalerie in Berlin aufbewahrte Auferstehung nahm die Rückseite des Altarbilds ein, die nur für die Priester sichtbar war. Um die Mitteltafel und an den Seiten waren drei Heiligenpaare angeordnet. Zwei dieser Heiligen befanden sich einst in der Gemäldegalerie und wurden vermutlich im Mai 1945 in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zerstört (Abb. links).Die Auferstehung zeigt Jesus Christus am Ostermorgen, wie er dem Grab entsteigt und die vier römischen Soldaten, die es bewachen, in Schrecken versetzt. Ghirlandaio wich hier stark vom Inhalt der Heiligen Schrift ab: Das Grab Christi befand sich in einer Höhle und nicht unter freiem Himmel und keinesfalls wies es die Inschrift INRI auf (Jesus von Nazareth, König der Juden), die oben an seinem Kreuz angebracht gewesen sein soll. Auch der Pelikan, der seine Jungen mit demeigenen Blut nährt, entwickelte sich erst viel später zu einem Symbol Christi. Der Maler wollte hier die Theatralik der Szene betonen: Jesus scheint beinahe von einer unsichtbaren Maschinerie in die Luft gehoben, während die Soldaten ihre Überraschung und Angst zu überspielen suchen. Während des 19. Jahrhunderts erfuhr Ghirlandaio für seinen Sentimentalismus große Bewunderung, wurde von einigen Ästheten genau aus diesem Grund jedoch auch stark kritisiert. Der Landschaft in diesem Gemälde gebührt die gleiche Beachtung wie der bemerkenswerten Szene im Vordergrund. Auf der linken Seite nähern sich die drei Marien, die gleich das leere Grab Christi entdecken werden (ihre Namen variieren je nach Evangelium). Dahinter erkennt man im blauen Dunstschleier eine Stadt imflämischen Stil, mit einer besonderen Nähe zur Malweise des Hugo van der Goes. Am 28. Mai 1483 traf Van der Goes’ Bild für den Hochalter von S.’Egidio in Florenz ein (jetzt in den Uffizien), Domenico Ghirlandaio änderte daraufhin seine Vorstellung von Tafelmalerei.Ghirlandaio vollendete weder das Altarbild für S. Maria Novella, noch war es ihm vergönnt, die Stadtmauern von Florenz zu bemalen, wie er gehofft hatte: 1494 starb er im Alter von 45 Jahren an der Pest. Es hat etwas Bewegendes, stellt man sich vor, dass der Tod den Maler während der Arbeit an dieser Auferstehung ereilte, deren Botschaft die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod enthielt. Giorgio Vasari zufolge wurde dieser Teil des Bildes von Ghirlandaios Brüdern Davide undBenedetto fertiggestellt. Kritiker stimmen jedoch darin überein, dass die Landschaft von einem anderen Künstler stammen muss, in dem man Ghirlandaios Schüler Francesco Granacci sah, der heute als Pseudo Granacci bezeichnet wird. Trotz dessen Mitwirkens kann die Auferstehung als eines der letzten Meisterwerke von Domenico Ghirlandaio gelten. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________________“Now that I have begun to understand the methods of this art, it grieves me that they will not commission me to paint the whole circuit of the walls of the city of Florence with stories.” This is what the painter Domenico Ghirlandaio is reputed to have said to his brother Davide, after having finished decorating the choir of the Dominican Church of Santa Maria Novella. The frescoes are still in place and are one of the highlights of any visitor who discovers Florence. But Ghirlandaio was not only a remarkable fresco painter: he was also responsible for the gigantic altarpiece adorning the chapel, dispersed at the beginning of the 19th century. The Virgin and Child in Glory among Saints which occupied the central compartment on the front side is now to be seen in Alte Pinakothek in Munich; as for the present Resurrection now in the Gemäldegalerie in Berlin, it was on the other side of the altarpiece, only visible to priests. Around the central panels and on the lateral sides of the altarpiece, three pairs of saints were displayed; two of these saints, once part of the collection of the Gemäldegalerie, were probably destroyed in May 1945 in the last days of the Second World War (fig. left).The Resurrection shows Jesus-Christ on Easter morning, coming out of his tomb, to the complete astonishment of the four Roman soldiers charged to guard his sepulture. Ghirlandaio freed himself largely from the Holy Scriptures: Christ’s tomb was set in a cave and not in the open air; and it was certainly not inscribed with the acronym “I.N.R.I.” (Jesus Christ King of Nazareth), placed instead on top of his cross, nor with the Pelican who fed his children with his blood, a symbol of Christ adopted much later (it is true that the inscription appears to have been painted over a former one). What mattered for the painter was to accentuate the theatrical character of the scene: Jesus seems to be pulled into the air by some backstage machinery, while the soldiers over-play their surprise and their fear. During the 19th century, Ghirlandaio was greatly admired for his sentimentalism; and also despised by a few aesthetes for this very reason.The landscape of this painting is to be admired on the same level as the ostentatious foreground. On the left side, we see the three Mary who, soon, will discover the empty tomb of Christ (their identities vary according to the gospels). Further on, one distinguishes a city in a blue mist, painted like in a Flemish style, and close in particular to Hugo van der Goes. On 28 May 1483, the high altarpiece of the church of Sant’Egidio, painted by Van der Goes, had arrived in Florence (it is now in the Uffizi); from that moment on, Domenico Ghirlandaio changed his conception of panel painting.Ghirlandaio did not have time to finish the Santa Maria Novella altarpiece, nor to fresco the whole circuit of the walls of Florence, as he had hoped: he died from the plague in 1494, only aged 45. There is something moving about imagining the painter agonizing while trying to complete this Resurrection, whose religious message is to give hope in a life after death. According to Vasari, this part of the altarpiece was completed by the painter’s brothers, Davide and Benedetto; but critics nowagree that the landscape is due to another artist, long confused with the pupil of Ghirlandaio Francesco Granacci and now known as the “Pseudo Granacci”. Despite the latter’s intervention, one can fully consider the Resurrection as one of the last masterpieces by Domenico Ghirlandaio. Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019