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Rechter Flügel eines Kreuzaltars (Außen- und Innenseite)

Ident. Nr.: 1206

ObjID: obj:868251

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Meister der Darmstädter Passion (15. Jahrhundert),
Maler*in
Datierung
Ausführung: um 1460
Weitere Titel
Sammlungstitel: Rechter Flügel eines Kreuzaltars (Außen- und Innenseite)
Übersetzung: Right wing of an altarpiece of the cross (inner and outer side)
Geografische Bezüge
Material / Technik
Nadelholz
Abmessungen
Bildmaß: je 207 x 109 cm

Objektbeschreibung

Rechter Flügel Innenseite:
Der anonyme Meister gehört zu den bedeutendsten Künstlern, die um die Mitte des 15. Jahrhunderts in Oberschwaben und am Mittelrhein tätig waren. Sein Notname leitet sich von zwei Flügeln eines großen Altares mit Darstellungen der Passion Christi her, einer Kreuztragung und einer Kreuzigung Christi, die sich im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt befinden. Die vier großen Tafelbilder in der Berliner Gemäldegalerie bildeten einst die Vorder- und Rückseiten zweier beweglicher Altarflügel, die zu einem monumentalen Altarretabel gehörten, in dessen Zentrum die Darstellung eines volkreichen Kalvarienberges zu sehen war. Das Mittelbild befand sich in der St. Martins-Kirche von Bad Orb im Spessart, wo es durch einen Brand 1983 zerstört wurde. Die Außenseiten der Flügel zeigen links die thronende Gottesmutter mit dem Kind und einem geistlichen Stifter sowie rechts die Heilige Dreifaltigkeit. Das Programm der Festtagsseite des Altares beginnt auf dem linken Flügel mit der Anbetung der Heiligen Drei Könige. Die Weisen sind mit ihrem Gefolge herbeigeeilt, um das Kind anzubeten. Maria, das Kind und Joseph erwarten sie am Tor eines verfallenen Palastes, in dem ein mit Stroh gedecktes Dach notdürftigen Schutz gewährt. Die romanischen Bauformen des ruinösen, fahlgrauen Gemäuers bezeugen den Verfall eines vergangenen Zeitalters, das dem Untergang geweiht ist. So ist die Ruine ein Sinnbild der Zeit des mosaischen Gesetzes, die durch das Erscheinen Christi ihr Ende gefunden hat. Nach einer Legende soll Christus in der Ruine von Davids Palast in Bethlehem geboren sein als Hinweis darauf, daß er von dessen Geschlecht abstamme. Mit der Verehrung des neugeborenen Christkönigs an der Stätte der Herrschaft Davids wird nicht nur die Überwindung des Alten Testaments veranschaulicht, sondern zugleich die Verheißung des Neuen Testaments symbolisch gedeutet. Das Gesamtthema des Altares war der Verehrung Christi gewidmet. Es erfuhr seinen inhaltlichen Höhepunkt in der Kreuzigung Christi, die einst das Zentrum des Altares gebildet hat. Im Anschluß an die Anbetung des Erlösers und die Erlösungstat am Kreuz wird auf der Innenseite des rechten Flügels die Auffindung und Verehrung des Heiligen Kreuzes gezeigt. Vor dem Portal einer gotischen Kirche, an das sich die im Bau befindliche Mauer des Kirchenschiffs anschließt, steht ein Bischof mit dem Kreuz des Herrn, umgeben von Kerzen tragenden Diakonen. Auf den Stufen davor knien Kaiser Konstantin der Große und seine Mutter Helena mit ihrem Gefolge. Im Jahre 312 hatte Konstantin seinen Rivalen Maxentius an der Milvischen Brücke vor den Toren Roms geschlagen. Es wird von einer Kreuzvision berichtet, die Konstantin vor der Schlacht empfing. Unter dem Zeichen des Kreuzes errangen seine Legionen den Sieg. Im Jahre 326 reiste Helena nach Jerusalem, um das Kreuz Christi zu suchen. Sie soll es auf Golgatha gefunden haben, wo man es zusammen mit den Kreuzen der Schächer verscharrt hatte. Um zu ermitteln, welches das Kreuz des Herrn sei, ließ Helena die Kreuze nacheinander auf einen Toten legen. Die Legende berichtet weiter, daß dieser durch das Kreuz Christi zum Leben erweckt wurde, woran man es sogleich erkannte. Die Darstellung zeigt Konstantin und Helena in Verehrung des wahren Kreuzes, das sie der Kirche übereigneten. Die im Bau befindliche gotische Kirche soll das Wachsen der Kirche Christi als weltlicher Institution veranschaulichen. Diesen Gedanken untersteicht auch die rötliche Steinfarbe des Kirchenbaus, die einen wirkungsvollen Kontrast zur fahlen Palastruine bildet, die vom Verfall einer überholten Ordnung kündet.Der Meister der Darmstädter Passion hat es verstanden, Licht und Farbe miteinander zu verflechten und das Licht zur Intensivierung zartester Farbnuancen einzusetzen. Trotz des durch die Lichtmalerei gesteigerten Detailrealismus wirken seine Bildfiguren still und auf merkwürdige Weise der Wirklichkeit entrückt. Daß sie trotz dieser Verhaltenheit von Leben und innerer Bewegung erfüllt sind, macht den besonderen Reiz der großen Altarflügel aus, die auf eindrucksvolle Weise die unverwechselbare Stellung des Meisters dokumentieren, der vielleicht einer der größten Koloristen seiner Zeit gewesen ist. | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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The anonymous master was one of the most important artists working in Upper Swabia and the Middle Rhine around the middle of the 15th century. His “notname” name is derived from two wings of a large altarpiece with scenes from the Passion, Christ Carrying the Cross and the Crucifixion of Christ, now in the Hessisches Landesmuseum in Darmstadt. The four large panel paintings in the Berlin Gemäldegalerie once formed the front and reverse of two movable wings that belonged to
a monumental altarpiece, at the centre of which a crowded Calvary was depicted (fig. left above). This central panel had been in Saint Martin’s church in Bad Orb in the Spessart region, where it was destroyed by a fire in 1983.

The outer sides of the wings show on the left the mother of God enthroned with child and a clerical donor and on the right the Holy Trinity (fig. left below). The iconography of the inner side of the altarpiece, displayed only on feast days, begins on the left wing with the Adoration of the Magi. The wise men and their entourage have hurried to Bethlehem to worship the child. Mary, the infant and
Joseph are awaiting them at the gate of a ruined palace, where a roof covered with straw provides makeshift protection. The Romanesque architecture of the ruined, greyish walls testifies to the decline of a previous age that is now doomed. Thus, the ruin symbolises the era of the Law of Moses, which came to an end with the advent of Christ. According to legend, Christ was born in the ruins of David’s palace in Bethlehem, a reference to their shared lineage. The adoration of the newborn king, Jesus Christ, at the site of David’s rule represents not only the overcoming of the Old Testament but also the promise of the New Testament. The general theme of the altarpiece is the worship of Christ, which has its climax in the Crucifixion on the centre panel of the altarpiece. The adoration of the saviour and the act of redemption on the cross is followed by a depiction of the finding and worship of the True Cross.

Before the portal of a Gothic church, to which the walls of a nave in the process of construction are attached, stands a bishop holding the cross of the Lord, surrounded by deacons carrying candles. On the steps in front of this scene, Emperor Constantine the Great and his mother Helena are kneeling with their entourage. In 312, Constantine had defeated his rival Maxentius on the Milvian Bridge before the gates of Rome. Constantine is reported to have had a vision of the cross prior to the battle, and his legions scored their victory under the sign of the cross. In 326, Helena travelled to Jerusalem to seek Christ’s cross. She is alleged to have found it on Golgotha, where it had been buried together with the crosses of the thieves. In order to find out which one was the cross of the Lord, Helena had each cross in turn placed on a deceased person. According to the legend, it was Christ’s cross
that brought the deceased back to life, enabling this cross to be identified as such. The depiction shows Constantine and Helena worshipping the True Cross, which they transferred to the property of the Church. The Gothic church in the process of construction is intended to illustrate the growth of Christ’s Church as a world institution. This idea is also emphasised by the reddish stone of the church building, which provides an effective contrast to the pallid colour of the ruins of the palace, which signals the decline of an obsolete order.

The Master of the Darmstadt Passion knew how to combine light and colour and to use light to intensify the subtlest of colour nuances. Despite the intensified realistic depiction of details, his figures appear tranquil, lost in reverie, and strangely distant from reality. The fact that they are nonetheless full of life and movement accounts for the special appeal of the large altar wings that impressively document the unmistakeable position of the master, who was perhaps one of the greatest colourists of his time.| 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Die Auferstehung Christi

Die Auferstehung Christi

»Nun, da ich die Methoden dieser Kunst zu verstehen beginne, grämt es mich, dass sie mir nicht den Auftrag erteilen, das gesamte Rund der Stadtmauern von Florenz mit Geschichten zu bemalen.« Diese Aussage soll Domenico Ghirlandaio gegenüber seinem Bruder Davide geäußert haben, nachdem er den Chor der Dominikanerkirche S. Maria Novella ausgeschmückt hatte. Die Fresken sind heute nochzu sehen und gehören zu den künstlerischen Höhepunkten eines Florenzbesuchs. Doch Ghirlandaio war nicht nur ein bemerkenswerter Freskant, er ist auch für die Gemälde des Hochaltars verantwortlich, die Anfang des 19. Jahrhunderts veräußert wurden. Die Mitteltafel der Vorderseite, Maria mit dem Kinde und Heiligen, befindet sich heute in der Alten Pinakothek in München; die heute in der Gemäldegalerie in Berlin aufbewahrte Auferstehung nahm die Rückseite des Altarbilds ein, die nur für die Priester sichtbar war. Um die Mitteltafel und an den Seiten waren drei Heiligenpaare angeordnet. Zwei dieser Heiligen befanden sich einst in der Gemäldegalerie und wurden vermutlich im Mai 1945 in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zerstört (Abb. links).Die Auferstehung zeigt Jesus Christus am Ostermorgen, wie er dem Grab entsteigt und die vier römischen Soldaten, die es bewachen, in Schrecken versetzt. Ghirlandaio wich hier stark vom Inhalt der Heiligen Schrift ab: Das Grab Christi befand sich in einer Höhle und nicht unter freiem Himmel und keinesfalls wies es die Inschrift INRI auf (Jesus von Nazareth, König der Juden), die oben an seinem Kreuz angebracht gewesen sein soll. Auch der Pelikan, der seine Jungen mit demeigenen Blut nährt, entwickelte sich erst viel später zu einem Symbol Christi. Der Maler wollte hier die Theatralik der Szene betonen: Jesus scheint beinahe von einer unsichtbaren Maschinerie in die Luft gehoben, während die Soldaten ihre Überraschung und Angst zu überspielen suchen. Während des 19. Jahrhunderts erfuhr Ghirlandaio für seinen Sentimentalismus große Bewunderung, wurde von einigen Ästheten genau aus diesem Grund jedoch auch stark kritisiert. Der Landschaft in diesem Gemälde gebührt die gleiche Beachtung wie der bemerkenswerten Szene im Vordergrund. Auf der linken Seite nähern sich die drei Marien, die gleich das leere Grab Christi entdecken werden (ihre Namen variieren je nach Evangelium). Dahinter erkennt man im blauen Dunstschleier eine Stadt imflämischen Stil, mit einer besonderen Nähe zur Malweise des Hugo van der Goes. Am 28. Mai 1483 traf Van der Goes’ Bild für den Hochalter von S.’Egidio in Florenz ein (jetzt in den Uffizien), Domenico Ghirlandaio änderte daraufhin seine Vorstellung von Tafelmalerei.Ghirlandaio vollendete weder das Altarbild für S. Maria Novella, noch war es ihm vergönnt, die Stadtmauern von Florenz zu bemalen, wie er gehofft hatte: 1494 starb er im Alter von 45 Jahren an der Pest. Es hat etwas Bewegendes, stellt man sich vor, dass der Tod den Maler während der Arbeit an dieser Auferstehung ereilte, deren Botschaft die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod enthielt. Giorgio Vasari zufolge wurde dieser Teil des Bildes von Ghirlandaios Brüdern Davide undBenedetto fertiggestellt. Kritiker stimmen jedoch darin überein, dass die Landschaft von einem anderen Künstler stammen muss, in dem man Ghirlandaios Schüler Francesco Granacci sah, der heute als Pseudo Granacci bezeichnet wird. Trotz dessen Mitwirkens kann die Auferstehung als eines der letzten Meisterwerke von Domenico Ghirlandaio gelten. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________________“Now that I have begun to understand the methods of this art, it grieves me that they will not commission me to paint the whole circuit of the walls of the city of Florence with stories.” This is what the painter Domenico Ghirlandaio is reputed to have said to his brother Davide, after having finished decorating the choir of the Dominican Church of Santa Maria Novella. The frescoes are still in place and are one of the highlights of any visitor who discovers Florence. But Ghirlandaio was not only a remarkable fresco painter: he was also responsible for the gigantic altarpiece adorning the chapel, dispersed at the beginning of the 19th century. The Virgin and Child in Glory among Saints which occupied the central compartment on the front side is now to be seen in Alte Pinakothek in Munich; as for the present Resurrection now in the Gemäldegalerie in Berlin, it was on the other side of the altarpiece, only visible to priests. Around the central panels and on the lateral sides of the altarpiece, three pairs of saints were displayed; two of these saints, once part of the collection of the Gemäldegalerie, were probably destroyed in May 1945 in the last days of the Second World War (fig. left).The Resurrection shows Jesus-Christ on Easter morning, coming out of his tomb, to the complete astonishment of the four Roman soldiers charged to guard his sepulture. Ghirlandaio freed himself largely from the Holy Scriptures: Christ’s tomb was set in a cave and not in the open air; and it was certainly not inscribed with the acronym “I.N.R.I.” (Jesus Christ King of Nazareth), placed instead on top of his cross, nor with the Pelican who fed his children with his blood, a symbol of Christ adopted much later (it is true that the inscription appears to have been painted over a former one). What mattered for the painter was to accentuate the theatrical character of the scene: Jesus seems to be pulled into the air by some backstage machinery, while the soldiers over-play their surprise and their fear. During the 19th century, Ghirlandaio was greatly admired for his sentimentalism; and also despised by a few aesthetes for this very reason.The landscape of this painting is to be admired on the same level as the ostentatious foreground. On the left side, we see the three Mary who, soon, will discover the empty tomb of Christ (their identities vary according to the gospels). Further on, one distinguishes a city in a blue mist, painted like in a Flemish style, and close in particular to Hugo van der Goes. On 28 May 1483, the high altarpiece of the church of Sant’Egidio, painted by Van der Goes, had arrived in Florence (it is now in the Uffizi); from that moment on, Domenico Ghirlandaio changed his conception of panel painting.Ghirlandaio did not have time to finish the Santa Maria Novella altarpiece, nor to fresco the whole circuit of the walls of Florence, as he had hoped: he died from the plague in 1494, only aged 45. There is something moving about imagining the painter agonizing while trying to complete this Resurrection, whose religious message is to give hope in a life after death. According to Vasari, this part of the altarpiece was completed by the painter’s brothers, Davide and Benedetto; but critics nowagree that the landscape is due to another artist, long confused with the pupil of Ghirlandaio Francesco Granacci and now known as the “Pseudo Granacci”. Despite the latter’s intervention, one can fully consider the Resurrection as one of the last masterpieces by Domenico Ghirlandaio. Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019