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Thronende Maria mit Kind

Ident. Nr.: M 155

ObjID: obj:868414

Details (Expert)

Datierung
Datierung: 1. Hälfte 14. Jahrhundert?
Weitere Titel
Sammlungstitel: Thronende Maria mit Kind
Maria lactans
Geografische Bezüge
Material / Technik
Kalkstein
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 47,5 x 20,5 x 19,5 cm

Objektbeschreibung

Maria sitzt frontal auf einer schmalen Thronbank, ihre Knie sind parallel nach rechts verschoben, um dem unsicher stehenden Kind zusätzliche Standfläche zu bieten. Ihr Blick geht zwar ebenfalls leicht nach rechts, doch über das Kind hinweg. Mit der linken Hand ergreift es den Mantelsaum Marias, die Rechte ist über ihre linke Brust gelegt, aus der der Knabe trinkt, während er zur Mutter emporschaut. Über dem sonderbar flachen und nicht ausgebreitet nach hinten fallenden Schleier Marias befand sich eine später abgearbeitete und wahrscheinlich ersetzte Krone.
Die allseitige Ausarbeitung der Figur und die nur hinten mit einem Schmuckfries versehene Thronbank sprechen eindeutig für eine freie Aufstellung der kleinformatigen Statuette. Sollte es sich tatsächlich um ein mittelalterliches Bildwerk handeln, wird es wohl für die private Andacht geschaffen worden sein. Die in unbekannter Zeit vorgenommene Abarbeitung der Krone könnte ein Hinweis auf die Hinzufügung einer neuen (nun metallenen?) Krone und somit auf die anhaltende Verehrung in der Neuzeit sein.
Die 1918 als burgundisches Werk des 15. Jahrhunderts erworbene Madonna wurde in die Nachfolge der stehenden Muttergottes im burgundischen Zisterzienserkloster Fontenay gestellt, einer qualitätvollen Skulptur des späten 13. Jahrhunderts mit raffinierter Falten- und Gesichtsbildung. Allenfalls ist jedoch das Material vergleichbar. Dennoch gilt die Maria Lactans weiterhin als burgundisches Werk, wenn auch eher aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Die kompakte Erscheinung, einzelne Motive wie fein ziselierte Haare und reduzierte Falten verraten die Kenntnis des Hofstils Philipps IV. des Schönen von Frankreich bzw. dessen Ausläufer in den Jahrzehnten um 1320 bis 1340. Man sollte sie eher mit kleinformatigen und weniger anspruchsvollen Skulpturen vergleichen, wie etwa mit den um 1300 entstandenen Reliefs von der zerstörten nordburgundischen Abteikirche Crisenon (Yonne; heute in Auxerre, Musée Saint-Germain, Inv. 866.3.1).
Bereits früh wurden nicht unberechtigte Zweifel an der Echtheit der Berliner Figur geäußert. Jedenfalls sprechen die erwähnten bildhauerischen Schwächen, die ganz unterschiedliche Gestaltung der linken und rechten Mantelfaltenpartien sowie die in der Malerei, nicht aber in der Skulptur geläufige Haltung des trinkenden Kindes dafür, dass verschiedene Vorlagen zusammengeführt wurden. Dies kann aber durchaus auch im 14. Jahrhundert geschehen sein.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Letzte Aktualisierung: 06.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Junge Frau

Junge Frau

Die grazile Frauengestalt, in Mieder und einem bodenlangen, die Füße vollständig bedeckenden Kleid gehüllt, ist in einer ausgewogenen Torsion dargestellt. Dem leicht einwärts gekehrten Spielbein, das sich unter dem vom Wind erfassten Stoff deutlich abzeichnet, antwortet der nach links gewendete Oberkörper, während der Kopf sich wiederum über die rechte vorgeschobene Schulter neigt. Die schwungvolle Körperbewegung wird durch die gleichmäßigen, von allen Seiten fein ausgearbeiteten Gewandfalten effektvoll nachgezeichnet. Von gleicher handwerklicher Raffinesse ist die Ausarbeitung der anmutigen Physiognomie und des am Hinterkopf zum Knoten geschlungene Haares. Über die Identität der kleinen Figur lässt sich nur spekulieren. Die frei angesetzten Unterarme mit den zur Seite ausgerichteten und zum Gebet zusammengefalteten Händen, sind wohl eine spätere Ergänzung. In den frühesten Inventareintragungen (1655 und 1757), als sich die Statuette noch in der Brandenburgisch-Preußischen Kunstkammer befand, wurde sie mal mit Turm, mal mit Kelch beschrieben, womit sie eindeutig als hl. Babara zu identifizieren wäre.Bislang konnte kein Künstler dem Werk eindeutig zugeordnet werden. Allerdings finden sich von dem in Regensburg tätigen Maler Albrecht Altdorfer (1480-1538) einige Zeichnungen, in denen nicht nur der gleiche Frauentypus vorkommt, sondern auch ein ganz ähnlicher Körperaufbau mit geradezu identischen Faltenzügen. Es ist daher plausibel, den Autor dieser anmutigen Mädchenfigur in Regensburg, im Umkreis Albrecht Altdorfers zu suchen.

Heiliger Nikolaus

Heiliger Nikolaus

Der schlanke Körper des heiligen Bischofs ist stark durchgebogen, der linke Fuß vorgestellt und das Knie deutlich nach innen geknickt. Dieses bereits Mitte des 14. Jahrhunderts beliebte Standmotiv wird kombiniert mit einer ausladenden rechten Hüfte, über der in der eng anliegenden rechten Hand drei goldene Kugeln, eines der Hauptattribute des Nikolaus von Bari, liegen. In der linken Hand befand sich ehemals ein Bischofsstab, der vielleicht bereits bei der Erwerbung nicht mehr als Original, sondern (mittlerweile ebenfalls verlorene) spätere Ergänzung vorhanden war. Die Hand umfasst den Stab mit einem im Mittelalter zu dessen Schutz gebräuchlichen Schweißtuch (Sudarium). Hinter dem Stab ist der um den linken Unterarm bzw. das Handgelenk gelegte Manipel, ein Rangabzeichen der höheren Kleriker, zu erkennen. Dazu muss man die Figur allerdings aus der Schrägansicht betrachten. Auch die beiden Enden der Stola, die Nikolaus seinem bischöflichen Rang gemäß zwischen Albe und Kasel über beide Schultern gelegt hat, sind nur aus den beiden Halbprofilansichten erkennbar. Der Oberkörper wirkt sehr gelängt – ein Eindruck, der durch Reduktion der Falten an der Kasel auf drei flache, parallel verlaufende Schüsseln verstärkt wird. Im unteren Bereich des Gewandes setzen sich diese stets nach links ausgerichteten Schüsselfalten in etwas voluminöserer Form, doch in ähnlich weiten Abständen fort.Ein auffälliges Motiv ist die schräge Kopfhaltung. Heute scheint es, als würde Nikolaus nach oben schauen, doch war sein Blick ursprünglich geradeaus gerichtet. Die Neigung des Haupts dürfte somit lediglich kompositorisch (und nicht durch eine entsprechende Blickrichtung auch noch szenisch) auf eine zur Rechten des Bischofs befindliche Figur verwiesen haben, der er zugleich die Kugeln präsentierte. Die Geste erhält durch die kostbare Mitra einen zusätzlichen Akzent. Das Haupt ist sehr schlank und mit Abstand am sorgfältigsten ausgearbeitet. Der Bart ist am Kinn gekräuselt, die Wangen mit hoch sitzenden Knochen erscheinen fast glatt, die Unterlippe ist sinnlich geschwungen, die Oberlippe hingegen fast vom hier glatt verlaufenden Bart verdeckt, sodass der Mund verschattet wirkt. Tiefe Augenhöhlen und ein sehr dünner, scharf nach vorn tretender Nasenrücken verleihen dem Antlitz eine asketische Wirkung. Der untere Rand der ansonsten regulär gestalteten Mitra pretiosa besitzt eine ungewöhnliche, wohl als künstlerisches Missverständnis zu deutende Gestalt: Der breite Saum über der Stirn mit zentraler Metallapplikation geht an beiden Seiten in Höhe der Schläfen unvermittelt in den dichten, voluminösen Haarkranz über, der auch die Ohren größtenteils verdeckt. Logischerweise kann es sich dabei nur um sich nach oben kräuselnde Locken handeln, wogegen jedoch der gerade obere Haarabschluss spricht. Der Bildschnitzer der Berliner Nikolausfigur, für deren Provenienz jeder Hinweis fehlt, orientierte sich zweifellos an Prager Werken der Parlerzeit.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)