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Die Madonna in der Kirche

Ident. Nr.: 525C

ObjID: obj:868435

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Jan van Eyck (um 1390/1400 - 1441),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1437/40
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die Madonna in der Kirche
Übersetzung: The Madonna in the Church
Geografische Bezüge
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Bildmaß: 31,1 x 13,9 cm oben halbrund

Objektbeschreibung

Die Madonna in der Kirche ist eines der schönsten und kostbarsten Werke, die Jan van Eyck geschaffen hat. Kopien aus dem 15. und 16. Jahrhundert bezeugen, daß der hohe künstlerische Rang des kleinen Tafelbildes schon früh erkannt worden ist. In der Tat verleihen die detaillierte Wiedergabe der Architektur und die differenzierten Abstufungen des Lichtes dem Kirchenraum eine Atmosphäre von ganz unmittelbarer Wirkung. So entsteht der Eindruck, als blicke man in eine zeitlose Welt. Das durch die Fenster des Obergadens und das Seitenportal einfallende Licht des hellen Tages, das Sonnenreflexe auf die Scherwände und den Boden des Langhauses zaubert, gemahnt an das Verrinnen der Zeit, die dennoch stillzustehen scheint. In dieser Umgebung hat Jan van Eyck die Gottesmutter mit dem Kind in übernatürlicher Größe wiedergegeben. Sie überragt noch die gewaltigen Abmessungen der Kirchenarchitektur und ist dadurch dem Bereich menschlichen Vorstellungsvermögens entzogen. Seit altchristlicher Zeit wurde Maria als Tempel und Haus Gottes bezeichnet, da Christus in ihrem Leib wie in einem Tempel Wohnung genommen hatte. Vor dem Hochaltar im Chor der Kirche sind Engel zu erkennen, die aus einem Antiphonar singen. Sie weisen auf den engen Bezug zwischen Sakrament und Erlösung sowie die immerwährende Messe der Endzeit hin.
Wenn man sich daran erinnert, daß alle gotischen Kirchen mit dem Chor stets gen Osten wiesen, dann zeigt sich, daß in unserem Bild das Sonnenlicht nicht von Süden, sondern entgegen der Realität von Norden in die Kirche einfällt. Es handelt sich also nicht um das natürliche, sondern das ewige Licht, das weder dem Lauf der Sonne noch dem der Sterne folgt. Diese Lichtsymbolik erfährt ihre vielschichtige Fortführung in den brennenden Kerzen, die neben der Marienskulptur in der Nische des Lettners aufgestellt sind. Dabei fällt auf, daß die Statue ganz der uns lebensnah gegenüberstehenden Madonna entspricht. Es hat den Anschein, als sei das Standbild auf wunderbare Weise zum Leben erweckt worden. Realität und Vision sind eins. Es entsteht der Eindruck, als blicke man in eine ferne Welt, die wirklichkeitsnah und doch der Wirklichkeit entrückt ist. Rainald Grosshans | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019
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The Madonna in the Church is one of the most beautiful and precious works of art created by Jan van Eyck. Copies from the 15th and 16th centuries indicate that the exceptional artistic status of this tiny panel painting was recognised early on. Certainly, the detailed rendering of the architecture and the differentiated gradations of light endow the church interior with an atmosphere of immediacy and
realism. The viewer has the impression of gazing into a timeless world. The light of the bright day which enters through the windows of the clerestory and the side portal, the reflections of sunlight on the shear walls and on the floor of the nave cast a spell, reminding us of the passage of time, which nonetheless seems to stand still here. In this setting, Jan van Eyck has depicted the Virgin and Christ child in monumental dimensions. Mary towers over the vast dimensions of the church architecture, thereby surpassing the limits of human imagination.

Ever since the early Christian era, the Virgin Mary has been referred to as the Temple or House of God, based on the notion that Christ took up residence in her womb as though in a temple. Visible in front of the high altar in the choir of the church are angels, who sing from an antiphonary. They allude to the close relationship between sacrament and redemption, as well as the everlasting mass of the End Time.

In medieval theology, sunlight which penetrates the window without breaking it, becomes a metaphor for Mary, who became a mother while nonetheless remaining intact. This explains why Jan van Eyck took so much care in rendering the sunlight, which must be understood as a symbol of God and an emblem of the Virgin Mary.

When we recall that the choir faces towards the east in Gothic churches, we realise that in the present picture, the sunlight enters the church interior not from the south, but instead – and contrary to reality – from the north. It is a question then not of natural but instead of eternal light, which follows neither the movement of the sun nor of the stars. This symbolism of light experiences a complex extension in the candles that burn in the niche of the rood screen alongside a sculpture of the Virgin. It is apparent that the statue corresponds closely to the lifelike Madonna which confronts us. It almost seems as though, in some miraculous way, this lifeless effigy has been awakened to life. Reality and vision are one. One has the impression of gazing into a distant world, one that seems strikingly real, and is nonetheless remote from reality. Rainald Grosshans | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Alles in dieser Szenerie regt zum Nachdenken über zwei untrennbare Aspekte an: das tragische Schicksal Christi und die Vergänglichkeit der irdischen Welt.Trotz ihres zeitlosen Charakters handelt es sich um ein typisches Werk Ercole de’ Robertis, der bei Cosmè Tura in die Lehre gegangen und in Ferrara in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts tätig war. Die expressionistischen Züge von Turas Figuren und deren an Bronzeskulpturen erinnernden Drapierungen sind hier deutlich zu erkennen, während der Maler seine Originalität in der Landschaft bekundet. Bereits in seiner Altartafel für die Basilika S. 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Jahrhunderts wurde das Werk indes Bellinis Schwager Andrea Mantegna zugeschrieben, dessen enormer Ruf ihn zum Autor sehr unterschiedlicher Werke werden ließ (beispielsweise im Falle der Grabbereitung Christi von Vittore Carpaccio). Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019__________________________Saint John the Baptist spent his life in the desert announcing the advent of the Messiah: he is here shown as a prophet, his body stunted, his face emaciated and his possessed gaze turned towards the tiny Crucifix crowning the stock that he holds in his hands. Such a detail is most implausible, as the use of the Crucifix only spread long after the death of Jesus Christ, who was John’s contemporary. But the painter did not pay attention to historic realism; rather, the landscape itself reinforces this timeless impression of a fantastic vision, worthy of the best modern science fiction movies: the sun has just set on a phantasmagorical landscape, made of strangely shaped rocks invaded by mist. On the left is a remarkably detailed harbour city, while on the right a promontory seems to have been once connected to the city by a now destroyed bridge. Everything in this landscape encourages us to meditate on two inseparable aspects: the tragic destiny of Christ and the perishable nature of the human world.Even if this painting seems timeless, it is a characteristic work by Ercole de’ Roberti, a Ferrarese painter trained by Cosmè Tura in the second half of the 15th century. The expressionist character of Tura’s figures, and his draperies which look alike bronze sculptures are clearly visible here, even if the painter shows his originality into the landscape. In his altarpiece for the church of Santa Maria in Porto, near Ravenna (today in the Pinacoteca di Brera in Milan), Ercole had already decided to represent, in addition to the Virgin, the Christ Child and the Saints according to the traditional scheme known as the “holy conversation”, a far landscape view under the throne of the Virgin. Such a view is to be strictly compared to the present painting.Landscape is understood here as a way to extend the contemplation of a painting and to deepen religious meditation. This way of appreciating paintings came from the North of the Alps, where it was named devotio moderna or “modern devotion”. The first great interpret of this type of conception of landscape in Northern Italy was the Venetian painter Giovanni Bellini; his Resurrection, today in Berlin, is particularly characteristic in that sense. Ercole took also directly from Bellini the use of oil for binding pigments, which was a relative novelty in Northern Italy at the time, and especially in Ferrara. Until the end of the 19th century, however, the present work was attributed to Bellini’s brother-in-law, Andrea Mantegna, whose enormous fame justified he was considered as the author of many works that had only in common the virtuosity of drawing (this was also the case of the Preparation of Christ’s Tomb by Vittore Carpaccio). Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

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Von einem leicht erhöhten Betrachterstandpunkt richtet sich der Blick über den Kirchenvorplatz auf die überkuppelte Fassade von St. Peter. Von dort kommend, fährt der aus elf prunkvollen Kutschen bestehende Korso des französischen Botschafters beim Heiligen Stuhl, Etienne-François de Choiseul (1719–1785), über den Platz. Ihn hat Panini in der zweiten Kutsche am offenen Fenster sitzend dargestellt. Choiseul trägt über der Brust das blaue Band des Ordens vom Heiligen Geist (Ordre du Saint-Esprit), den König Ludwig XV. ihm erst im Januar 1756 verliehen hatte. Anlass für die pompöse Ausfahrt war der offizielle Antrittsbesuch des Botschafters bei Papst Benedikt XIV. im Frühjahr 1756. Mit dieser Komposition ließ Choiseul von dem wichtigsten römischen Architektur- und Vedutenmaler seiner Zeit den bis dahin wichtigsten Moment seiner diplomatischen Karriere ins Bild setzen.Lange Zeit hielt man das Berliner Gemälde für die von Choiseul in Auftrag gegebene Version. Diese befindet sich jedoch in Privatbesitz (zuvor als Leihgabe in Edinburgh, National Gallery of Scotland). Bei dem Berliner Bild handelt es sich um eine zweite Version der Komposition aus der Sammlung von Claude François Rogier de Beaufort-Montboissier, abbé de Canilliac (1699–1761). Canilliac war der ranghöchste Gesandte der französischen Kirche in Rom und nach dem Botschafter der zweitwichtigste Vertreter Frankreichs in der Ewigen Stadt. Er gehörte zu jenen kirchlichen Würdenträgern, die Choiseul bei der Papstaudienz begleiteten und mit ihm in der Botschafterkutsche reisten. Während in der von Choiseul beauftragten Version lediglich er selbst als Fahrgast identifizierbar ist, ist auf dem Berliner Gemälde neben ihm auf der Sitzbank ergänzend der abbé de Canilliac dargestellt. Auch er trägt das blaue Band des Ordre du Saint-Esprit, allerdings in der Variante des Klerus nicht diagonal über der Brust sondern um den Nacken gelegt. Ein interessantes Detail des Berliner Gemäldes ist seine gut lesbare Datierung durch den Künstler auf das Jahr 1754 und damit zwei Jahre vor dem dargestellten Ereignis. Canilliac muss also eine bereits 1754 von Panini geschaffene Ansicht des Petersplatzes aus seinem Besitz nachträglich - wohl kurze Zeit nach der Fertigstellung von Choiseuls Gemälde - um die namengebende Figurenstaffage erweitert und um seine Person ergänzt haben lassen. Damit wertete er sein Gemälde nachträglich auf und sicherte sich zugleich symbolisch einen sichtbaren Platz in diesem so wichtigen diplomatischen und kirchenpolitischen Ereignis.Das Berliner Gemälde wurde nach Canilliacs Tod in Rom von Pierre-Jacques-Onésime Bergeret de Grancourt erworben. Wohl aus dieser Zeit stammt sein heutiger Louis XVI-Rahmen mit der unten eingelassenen, ausführlichen Beschreibung der Fassade und des Platzes von St. Peter in französischer Sprache, in dem das dargestellte Ereignis und seine Protagonisten jedoch schon keine Erwähnung mehr finden. | Sarah SalomonSIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. links unten auf einem Stein über dem springenden Hund: I.P. PANINI / 1754

Giovanni Mocenigo (1508-1580)

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Der Porträtierte wurde 1954 von Rodolfo Pallucchini überzeugend als Giovanni Mocenigo identifiziert, dem jüngeren Bruder des Dogen Alvise I. Mocenigo. Giovanni bekleidete hohe Staatsämter in Venedig, unter anderem als Consigliere und Savio del Consiglio. Ein enges persönliches Verhältnis verband ihn mit seinem Bruder; nach dem Tod des kinderlosen Dogen fielen dessen Erbansprüche an Giovannis Kinder. Beide Brüder erscheinen gemeinsam in einem Votivbild Tintorettos, das um 1575 entstand und sich heute in der National Gallery of Art in Washington befindet (Samuel H. Kress Collection; Inv.-Nr. 1961.9.44). Es zeigt den Dogen Alvise Mocenigo und seine Frau gemeinsam mit seinem Bruder Giovanni sowie dessen Söhnen vor der Jungfrau mit dem Kind. In diesem Gemälde wurden vier der dargestellten Köpfe – darunter der Giovanni Mocenigos – offenbar nach dem lebenden Modell auf kleineren Leinwänden gemalt und anschließend in die größere Komposition eingefügt. Dieses Werk ermöglichte Pallucchini die Identifizierung des Berliner Porträts. In dem Einzelporträt Giovannis in der Gemäldegalerie wählte Tintoretto das in seinem Porträtschaffen ungewöhnliche Brustbildformat. Im Vergleich zum Gemälde in Washington erscheint Giovanni Mocenigo hier gealtert; das Berliner Porträt dürfte daher kurz vor seinem Tod im Jahr 1580 entstanden sein. Unter Verzicht auf die repräsentative Würde, die Tintorettos Halb- und Dreiviertelfigurenporträts sonst auszeichnet, ging es dem Künstler hier um eine geistige Erfassung und psychologische Durchdringung des Dargestellten. In der Ausstrahlung dieses durch den musternden Blick Distanz schaffenden, zugleich aber in seiner Schlichtheit und Direktheit intim wirkenden Porträts gehört das Werk zu den bedeutenden Leistungen Tintorettos im Bereich der Porträtmalerei. | Aus: Gemäldegalerie. Katalog der ausgestellten Gemälde des 13.-18. Jahrhunderts 1975 (2025 aktualisiert von Sven Jakstat)