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Die Beweinung Christi

Ident. Nr.: 1059

ObjID: obj:868599

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Puccio di Simone (ca. 1320 - 1360),
Maler*in
Datierung
Ausführung: um 1355
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die Beweinung Christi
Übersetzung: The Lamentation
Geografische Bezüge
Italien,
Land
Material / Technik
Pappelholz
Abmessungen
Bildmaß: 19,8 x 37,8 cm

Objektbeschreibung

Die jüngste Wiederentdeckung von Johannes dem Evangelisten und Johannes dem Täufer erlaubt die Rekonstruktion eines ursprünglich wohl zehnteiligen Altarwerks, von dem sich nun fünf Fragmente (wieder) in der Gemäldegalerie befinden. Gemeinsam mit einer im Museum für Schöne Künste in Gent verwahrten Marienkrönung (Pappelholz, 159,6 × 63 cm, Inv. 1903-A) lassen sie sich in den Inventaren von Sollys Sammlung nachweisen. In der Gründungsphase der Gemäldegalerie trennten sich die Wege der Tafeln räumlich und hinsichtlich ihrer Zuschreibung – ein Umstand, der sich auch im heutigen Erhaltungszustand widerspiegelt. 

1837 wurden Johannes der Evangelist und der Täufer als Werke Spinello Aretinos (um 1350 – vor 1411) dem Westfälischen Kunstverein Münster als Dauerleihgabe überwiesen. Neben Deakzession, im Zuge dessen die Marienkrönung und möglicherweise auch die übrigen Predella-Fragmente die Sammlung verließen, sahen Kultusminister Altenstein und Galeriedirektor Waagen in Dauerleihgaben ein probates Mittel, preußische Kulturpolitik mit den unzureichenden Depotkapazitäten im Museum zu verbinden. Der Galeriekonzeption in der Hauptstadt entsprechend, folgte die Auswahl der für die Provinzmuseen in Königsberg, Breslau oder Münster bestimmten Gemälde didaktischen Prämissen; ausgehend von Giotto und seiner Schule sollte die Stilgeschichte der Malerei entlang von Klassen und Schulen entfaltet werden, wobei aus dem Werkkontext herausgenommene Fragmente pars pro toto als Vertreter einer Stilrichtung genügten. Allein 60 der insgesamt 81 nach Münster verschickten Gemälde waren italienischer Provenienz und stammten größtenteils aus der Sammlung Solly. Bis zu ihrer Rückgabe im Jahr 1912 waren die Bilder im Münsteraner »Alten Stadtkeller« ausgestellt. Im selben Jahr noch wurden Johannes der Täufer und Johannes der Evangelist auf Veranlassung Wilhelm Bodes in die katholische Pfarrkirche St. Andreas nach Halberstadt überführt – mit einer höchst ungewöhnlichen Bestimmung: Bode befürwortete die Idee des Pfarrers, einen 1883 als Leihgabe der Königlichen Kunstkammer erhaltenen venezianischen Schnitzaltar durch die Tafeln in seiner Breite vergrößern zu lassen. Im Gegenzug wollte der Museumsdirektor drei im frühen 13. Jahrhundert angefertigte eicherne Briefladen aus Pfarreibesitz dem Berliner Kunstgewerbemuseum zuführen. Der Tausch kam nicht zustande, doch die Tafeln flankierten, mit einfachen Scharnieren befestigt – Johannes der Evangelist links, Johannes der Täufer rechts –, das Hochaltarretabel der Bettelordenskirche bis zu ihrer Zerstörung im April 1945. Rechtzeitig geborgen, schmückten sie nach dem Krieg in Unkenntnis ihrer Geschichte und Provenienz die Gemeinderäume des anliegenden Franziskanerklosters. Da der ohne Registrierung erfolgte Vorgang in Vergessenheit geriet, wurden die Tafeln, ohne Abbildungen, in der Dokumentation der Verluste und der Lost-Art-Datenbank publiziert. Die Wiederentdeckung veranlasste das Kloster zu ihrer Rückführung in den Bestand der Gemäldegalerie, die im Herbst 2019 erfolgte.
 
Seit der Zerteilung des Polyptychons blieben auch die Heiligen Laurentius und Katharina als Paar zusammen. Von Beginn an in der Berliner Schausammlung vertreten, wurden sie in einem im Stil des Trecento gehaltenen Rahmen vis-à-vis gegenübergestellt und so zu einer Tafel vereint. Als »Giotto in Zeit und Art nahe verwandt[,] womöglich Giovanni da Milano«, wurde das Paar 1884 der Universitätssammlung Göttingen als Dauerleihgabe übergeben; 1976 kehrte es zurück in die Dahlemer Gemäldegalerie

Die vier Tafeln gleichen Formats werden jeweils von einem aus elf Segmenten bestehenden Spitzbogen bekrönt und zeigen einen Heiligen vor einem Goldgrund – den auf Felsen stehenden Täufer ausgenommen – auf blütenverziertem rotem Teppich. Der von dem Dominikaner Jacobus de Voragine verfassten Legenda Aurea zufolge war Katharina von Alexandrien eine gottgeweihte Jungfrau, die mit ihrer Gelehrsamkeit fünfzig Philosophen zur Taufe bewegte. Die edelsteinbesetzte Lilienkrone, der Palmwedel in ihrer Hand, das Buch vor ihrer Brust sowie die mit Nägeln gesäumten Radhälften verweisen allesamt auf ihr Martyrium und ihre Erhebung in den Stand der Heiligen. Sie ist in einem roten Untergewand und einem blauen Mantel gekleidet, der von einer geometrisch gemusterten Bordüre und einer pseudo-kufischen Inschrift gesäumt wird. Dieselbe Kombination, allein in umgekehrter Farbgebung, schmückt Johannes den Evangelisten. Sein roter Mantel hebt sich kontrastreich von dem ehemals grünblauen, heute schwarzen, Innenfutter ab und schmiegt sich von der linken Schulter um seinen Körper. Die kirchliche Tradition identifizierte den Lieblingsjünger Jesu, der hier an der Ehrenseite, heraldisch rechts der Mitteltafel, verortet wird, mit dem Evangelisten. Einen Federkiel haltend schreibt er in ein goldschnittverziertes Buch den Beginn seines Prologs: »INPR / I[mis erat verbum et verbum erat cum] DE[um]« – Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott (Joh 1,1). Johannes der Täufer steht auf einem felsigen, mit einem Bach und zarten Pflanzen belebten Untergrund, dem Betrachter zugewandt. Der Bußprediger, dessen Blick und Zeigegestus in gegensätzliche Richtungen weisen, hält in seiner Linken einen Doppelkreuzstab. Seine lockigen Haare fallen auf sein Hemd aus Kamelhaar, das unter einem rötlichen Übergewand zum Vorschein tritt. Laurentius war römischer Diakon unter Papst Sixtus II. und fand sein Martyrium auf einem Rost, wie es ihm als Attribut beigestellt wird. Seinem liturgischen Amt entsprechend trägt der Heilige, der unter anderem Stadtpatron von Perugia ist, einen blauen Manipel um den linken Unterarm, ein Evangelistar sowie eine prunkvolle Dalmatika, von deren Rot sich kostbare Seidenmuster abheben. 

Die bisherige Hypothese, wonach die Heiligen Laurentius und Katharina die Genter Marienkrönung flankierten, kann nun bestätigt und komplimentiert werden: Zum einen ist auf den sammlungsgeschichtlichen Zusammenhang der fünf Bilder zu verweisen, die alle aus der Sammlung Solly stammen und auf einem zu unbekannter Zeit erstellten Etikett »Giotto« zugeschrieben wurden. Zum anderen ist die Marienkrönung rückseitig mit einem preußischen Adlerstempel und dem in Tinte verfassten Zusatz »T. N. Nr. 8« bezeichnet, womit auf die im Winter 1820/21 durch den Berliner Akademieprofessor Ernst Heinrich Toelken vorgenommene Teilinventarisierung der Sammlung Solly verwiesen wird. Wohl vor 1871, dem Todesjahr des Genter Schriftstellers und Vorbesitzers Philipp Bloemmart, gelangte die Tafel auf den Kunstmarkt. Danach ging sie in den Besitz des Universitätsprofessors Hulin de Loo, der sie 1903 wiederum dem Museum mit einer Zuschreibung an die »Schule des Orcagna« überantwortete. Neben den fortlaufenden Inventarnummern auf der Rückseite, den stimmigen Maßangaben und dem stilistischen Befund sind die qualitätsvollen Punzierungen, also die technische Behandlung des Goldgrunds durch Einschlagen oder Eindrücken von Punzenstempeln, hervorzuheben. Entlang des Bildrandes weisen alle Tafeln eine fortlaufende Reihung von Arkaden auf, die im oberen Abschluss zusammentrifft. Die Bogenfelder hingegen sind mit einem dreiteiligen Pflanzenmotiv gefüllt, das aus einem umlaufenden Band emporwächst. Besonders aufwendig sind die Motivpunzen der Heiligenscheine gestaltet. Johannes der Evangelist und Johannes der Täufer zeigen ineinandergreifende Palmettenmotive, die Aureole der Heiligen Katharina ziert ein regelmäßiges Muster von Punkt-, Rauten- und Kreispunzen, während der Heilige Laurentius mit sechsblütigen Rosenzweigen ausgezeichnet wird – eine Motivpunze, die in umgedrehter Laufrichtung auch Maria der Mitteltafel schmückt. Verschiedene Altarbilder aus der Werkstatt Bernardo Daddis (um 1295 – um 1348) und Puccio di Simones weisen am unteren Rand eine Inschrift auf, wie sie unter der Marienkrönung zu lesen ist (AVE.MARIA.GRATIA.PLENA.D[OMI]N[U]S.T[ECUM]). Es bleibt offen, ob auch die Seitentafeln in dieser Form bezeichnet waren und möglicherweise den Namen des jeweiligen Heiligen nannten. 

Das in Berlin verwahrte Fragment der Beweinung Christi wurde 1830 als Werk der »Schule des Taddeo Gaddi« in der Galerie ausgestellt. Die Szene spielt sich vor einem schmalen Balkenkreuz ab, das noch die Maserungen eines Astloches und die Blutspuren erkennen lässt. In einer Felsensenke nehmen die Trauernden um den vom Kreuz Genommenen Platz, wobei sich die in einem schwarzen, goldbemusterten Gewand gekleidete Maria zärtlich über ihren Sohn neigt. Zu beiden Seiten gruppieren sich vier Frauen um den überlangen, auf weißen Linnen ruhenden Körper. Von links treten Josef von Arimathäa und Johannes zu der Gruppe und weisen tröstend auf ihren toten Herrn. Die rhythmische Anordnung der Trauernden, nuanciert aufeinander abgestimmt in Gestik und Farbgebung der Kleider, sowie die psychologische Dichte des Geschehens zeugen von einer engen Vertrautheit mit den künstlerischen Innovationen Giottos. In der Tat gibt es Hinweise, wonach Puccio di Simone mit dessen Werkstatt in Verbindung stand, hier womöglich eine Ausbildung erhielt. Die frühesten bekannten Schriftquellen datieren in die Jahrhundertmitte: Puccio war 1346 und 1348 in der Malerzunft von Florenz, der Arte dei Medici e Speziali eingeschrieben; ein in Pistoia 1348/49 erstelltes Dokument rechnet ihn zu den bedeutendsten Malern von Florenz. Womöglich beteiligte sich Puccio an der von der Giotto-Werkstatt ausgeführten Ausmalung der Kapelle im Palazzo del Podestà und griff bei der Anfertigung des größten in Florenz erhaltenen bemalten Kreuz, der croce dipinta von San Marco, auf Entwürfe des Meisters zurück. Zu überprüfen wäre, ob Vasaris Aussagen über den in Umbrien und in der Toskana tätigen Gehilfen Giottos, Puccio Capanna, auf Verwechslungen mit Puccio di Simone beruhen. Nach dem Tod Giottos kam dem wohl um 1320 geborenen Maler in der Werkstatt Daddis eine zentrale Rolle zu. Zusammen fertigten beide in den 1340er-Jahren mehrere Altarwerke an, deren Händescheidung nicht abschließend geklärt ist. Nach Daddis Tod übernahm Puccio dessen Werkstatt in der Via Larga, einschließlich zahlreicher Punzenstempel. 

Die Verbindung Daddi–Puccio ist für die hypothetische Rekonstruktion und Provenienz des Polyptychons von Bedeutung. Der junge Connaisseur Richard Offner brachte 1925 die Beweinung mit einer Geburt Christi (New York, Metropolitan Museum, Inv. 1975.1.105) und der ungewöhnlichen Darstellung der Ohnmacht Mariens (Kopenhagen, Statens Museum, Inv. 3756) zusammen und legte damit den Grundstein für die Kunstgeschichtsforschung zu Puccio di Simone; Miklos Boskovits verband 1987 erstmals die Predella, die unterdessen um eine Verkündigung (Privatsammlung, England) erweitert worden war, mit der Genter Marienkrönung und den Heiligen Laurentius und Katharina. Einer rückseitigen Inschrift auf dem Kopenhagener Fragment zufolge stammt das Altarwerk aus dem Dominikanerkloster in Perugia. Die Genter Marienkrönung ist eine leicht veränderte Wiederholung des von Bernardo Daddi gemalten Altarbildes für die Hauptkirche desselben Ordens in Florenz, Santa Maria Novella (Florenz, Galleria dell’Accademia, Inv. No. 3449). Die Vermittlung des Auftrags an Puccio in Perugia sowie die Auswahl des Bildthemas könnte demnach leicht durch den bestehenden Kontakt mit den Florentiner Predigern ermöglicht worden sein. Die wohl um 1345 zu datierenden Tafeln fügen sich zu einem ikonografisch und theologisch sinnvollem Ganzen: Die Predella zeigt mit Verkündigung, Geburt und Kreuzigung, die für das verlorene Mittelstück anzunehmen ist, die wesentlichen Ereignisse der Heilsgeschichte, kontempliert durch Maria. Die »freudenreichen Geheimnisse« (Verkündigung und Geburt) werden dabei den »schmerzhaften« (Kreuzigung und Beweinung) ihres Lebens gegenübergestellt, wobei die auf dem Kopenhagener Fragment gezeigte, höchst selten dargestellte Ohnmacht Mariens eine Extremform der Trauer schildert. Die dramatische Unterredung der als Witwe gekleideten Muttergottes mit dem im Grab ruhenden Christus entspricht Frömmigkeitstendenzen, die besonders in der Ordenskultur des 14. Jahrhunderts präsent waren. Sinnvollerweise findet diese Katabasis ihre Bestimmung und Vollendung in dem »glorreichen Geheimnis« der himmlischen Hochzeit und Krönung Mariens durch ihren erhöhten Sohn. 

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

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Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Johannes der Täufer

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Johannes der Täufer predigt in der Wüste und verkündet die Ankunft des Messias. In diesem Gemälde ist er als Prophet dargestellt, mit einem vor Entbehrung ausgezehrtem Körper, eingefallenem Gesicht und beinahe ekstatisch auf das kleine Kruzifix starrend, das den Stab in seinen Händen krönt. Dieses Detail ist sehr ungewöhnlich, da sich das Kreuzsymbol erst lange nach dem Tod Jesu verbreitete. Dem Maler ging es jedoch nicht um historischen Realismus; vielmehr verstärkt er allein durch die Landschaft den zeitlosen Charakter einer fantastischen Vision, die auch aus einem modernen Science-Fiction-Film stammen könnte: Die Sonne ist gerade hinter dem Horizont einer unwirklich anmutenden Landschaft aus merkwürdig geformten und dunstverhangenen Felsen untergegangen. Links erkennt man eine bemerkenswert detailliert ausgeführte Hafenstadt, die Landzunge rechts im Vordergrund scheint einst über die zerstörte Brücke mit ihr verbunden gewesen zu sein. Alles in dieser Szenerie regt zum Nachdenken über zwei untrennbare Aspekte an: das tragische Schicksal Christi und die Vergänglichkeit der irdischen Welt.Trotz ihres zeitlosen Charakters handelt es sich um ein typisches Werk Ercole de’ Robertis, der bei Cosmè Tura in die Lehre gegangen und in Ferrara in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts tätig war. Die expressionistischen Züge von Turas Figuren und deren an Bronzeskulpturen erinnernden Drapierungen sind hier deutlich zu erkennen, während der Maler seine Originalität in der Landschaft bekundet. Bereits in seiner Altartafel für die Basilika S. Maria in Porto in Ravenna (heute in der Pinacoteca di Brera, Mailand) hatte Ercole dem traditionellen Schema der Sacra conversazione mit Maria, Christuskind und Heiligen unter dem Thron der Gottesmutter eine Landschaft hinzugefügt, die sich mit der Landschaft in diesem Gemälde vergleichen lässt.Die Landschaftsdarstellung ist hier als Mittel zu verstehen, die Kontemplation eines Gemäldes zu verstärken und die religiöse Meditation zu fördern – ein Bildverständnis, das sich nördlich der Alpen unter der Bezeichnung »Devotio Moderna« oder »neue Frömmigkeit« entwickelte. Der Venezianer Giovanni Bellini gilt als erster großer Interpret dieses Landschaftstypus in Norditalien. Seine heute in Berlin aufbewahrte Auferstehung Christi ist hier als exemplarisch anzusehen. Ercole übernahm von Bellini auch die Verwendung von Öl als Bindemittel, die damals in Norditalien, und vor allem in Ferrara, noch relativ ungebräuchlich war. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Werk indes Bellinis Schwager Andrea Mantegna zugeschrieben, dessen enormer Ruf ihn zum Autor sehr unterschiedlicher Werke werden ließ (beispielsweise im Falle der Grabbereitung Christi von Vittore Carpaccio). Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019__________________________Saint John the Baptist spent his life in the desert announcing the advent of the Messiah: he is here shown as a prophet, his body stunted, his face emaciated and his possessed gaze turned towards the tiny Crucifix crowning the stock that he holds in his hands. Such a detail is most implausible, as the use of the Crucifix only spread long after the death of Jesus Christ, who was John’s contemporary. But the painter did not pay attention to historic realism; rather, the landscape itself reinforces this timeless impression of a fantastic vision, worthy of the best modern science fiction movies: the sun has just set on a phantasmagorical landscape, made of strangely shaped rocks invaded by mist. On the left is a remarkably detailed harbour city, while on the right a promontory seems to have been once connected to the city by a now destroyed bridge. Everything in this landscape encourages us to meditate on two inseparable aspects: the tragic destiny of Christ and the perishable nature of the human world.Even if this painting seems timeless, it is a characteristic work by Ercole de’ Roberti, a Ferrarese painter trained by Cosmè Tura in the second half of the 15th century. The expressionist character of Tura’s figures, and his draperies which look alike bronze sculptures are clearly visible here, even if the painter shows his originality into the landscape. In his altarpiece for the church of Santa Maria in Porto, near Ravenna (today in the Pinacoteca di Brera in Milan), Ercole had already decided to represent, in addition to the Virgin, the Christ Child and the Saints according to the traditional scheme known as the “holy conversation”, a far landscape view under the throne of the Virgin. Such a view is to be strictly compared to the present painting.Landscape is understood here as a way to extend the contemplation of a painting and to deepen religious meditation. This way of appreciating paintings came from the North of the Alps, where it was named devotio moderna or “modern devotion”. The first great interpret of this type of conception of landscape in Northern Italy was the Venetian painter Giovanni Bellini; his Resurrection, today in Berlin, is particularly characteristic in that sense. Ercole took also directly from Bellini the use of oil for binding pigments, which was a relative novelty in Northern Italy at the time, and especially in Ferrara. Until the end of the 19th century, however, the present work was attributed to Bellini’s brother-in-law, Andrea Mantegna, whose enormous fame justified he was considered as the author of many works that had only in common the virtuosity of drawing (this was also the case of the Preparation of Christ’s Tomb by Vittore Carpaccio). Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Die Ausfahrt des Duc de Choiseul auf dem Petersplatz in Rom

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Von einem leicht erhöhten Betrachterstandpunkt richtet sich der Blick über den Kirchenvorplatz auf die überkuppelte Fassade von St. Peter. Von dort kommend, fährt der aus elf prunkvollen Kutschen bestehende Korso des französischen Botschafters beim Heiligen Stuhl, Etienne-François de Choiseul (1719–1785), über den Platz. Ihn hat Panini in der zweiten Kutsche am offenen Fenster sitzend dargestellt. Choiseul trägt über der Brust das blaue Band des Ordens vom Heiligen Geist (Ordre du Saint-Esprit), den König Ludwig XV. ihm erst im Januar 1756 verliehen hatte. Anlass für die pompöse Ausfahrt war der offizielle Antrittsbesuch des Botschafters bei Papst Benedikt XIV. im Frühjahr 1756. Mit dieser Komposition ließ Choiseul von dem wichtigsten römischen Architektur- und Vedutenmaler seiner Zeit den bis dahin wichtigsten Moment seiner diplomatischen Karriere ins Bild setzen.Lange Zeit hielt man das Berliner Gemälde für die von Choiseul in Auftrag gegebene Version. Diese befindet sich jedoch in Privatbesitz (zuvor als Leihgabe in Edinburgh, National Gallery of Scotland). Bei dem Berliner Bild handelt es sich um eine zweite Version der Komposition aus der Sammlung von Claude François Rogier de Beaufort-Montboissier, abbé de Canilliac (1699–1761). Canilliac war der ranghöchste Gesandte der französischen Kirche in Rom und nach dem Botschafter der zweitwichtigste Vertreter Frankreichs in der Ewigen Stadt. Er gehörte zu jenen kirchlichen Würdenträgern, die Choiseul bei der Papstaudienz begleiteten und mit ihm in der Botschafterkutsche reisten. Während in der von Choiseul beauftragten Version lediglich er selbst als Fahrgast identifizierbar ist, ist auf dem Berliner Gemälde neben ihm auf der Sitzbank ergänzend der abbé de Canilliac dargestellt. Auch er trägt das blaue Band des Ordre du Saint-Esprit, allerdings in der Variante des Klerus nicht diagonal über der Brust sondern um den Nacken gelegt. Ein interessantes Detail des Berliner Gemäldes ist seine gut lesbare Datierung durch den Künstler auf das Jahr 1754 und damit zwei Jahre vor dem dargestellten Ereignis. Canilliac muss also eine bereits 1754 von Panini geschaffene Ansicht des Petersplatzes aus seinem Besitz nachträglich - wohl kurze Zeit nach der Fertigstellung von Choiseuls Gemälde - um die namengebende Figurenstaffage erweitert und um seine Person ergänzt haben lassen. Damit wertete er sein Gemälde nachträglich auf und sicherte sich zugleich symbolisch einen sichtbaren Platz in diesem so wichtigen diplomatischen und kirchenpolitischen Ereignis.Das Berliner Gemälde wurde nach Canilliacs Tod in Rom von Pierre-Jacques-Onésime Bergeret de Grancourt erworben. Wohl aus dieser Zeit stammt sein heutiger Louis XVI-Rahmen mit der unten eingelassenen, ausführlichen Beschreibung der Fassade und des Platzes von St. Peter in französischer Sprache, in dem das dargestellte Ereignis und seine Protagonisten jedoch schon keine Erwähnung mehr finden. | Sarah SalomonSIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. links unten auf einem Stein über dem springenden Hund: I.P. PANINI / 1754

Giovanni Mocenigo (1508-1580)

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Der Porträtierte wurde 1954 von Rodolfo Pallucchini überzeugend als Giovanni Mocenigo identifiziert, dem jüngeren Bruder des Dogen Alvise I. Mocenigo. Giovanni bekleidete hohe Staatsämter in Venedig, unter anderem als Consigliere und Savio del Consiglio. Ein enges persönliches Verhältnis verband ihn mit seinem Bruder; nach dem Tod des kinderlosen Dogen fielen dessen Erbansprüche an Giovannis Kinder. Beide Brüder erscheinen gemeinsam in einem Votivbild Tintorettos, das um 1575 entstand und sich heute in der National Gallery of Art in Washington befindet (Samuel H. Kress Collection; Inv.-Nr. 1961.9.44). Es zeigt den Dogen Alvise Mocenigo und seine Frau gemeinsam mit seinem Bruder Giovanni sowie dessen Söhnen vor der Jungfrau mit dem Kind. In diesem Gemälde wurden vier der dargestellten Köpfe – darunter der Giovanni Mocenigos – offenbar nach dem lebenden Modell auf kleineren Leinwänden gemalt und anschließend in die größere Komposition eingefügt. Dieses Werk ermöglichte Pallucchini die Identifizierung des Berliner Porträts. In dem Einzelporträt Giovannis in der Gemäldegalerie wählte Tintoretto das in seinem Porträtschaffen ungewöhnliche Brustbildformat. Im Vergleich zum Gemälde in Washington erscheint Giovanni Mocenigo hier gealtert; das Berliner Porträt dürfte daher kurz vor seinem Tod im Jahr 1580 entstanden sein. Unter Verzicht auf die repräsentative Würde, die Tintorettos Halb- und Dreiviertelfigurenporträts sonst auszeichnet, ging es dem Künstler hier um eine geistige Erfassung und psychologische Durchdringung des Dargestellten. In der Ausstrahlung dieses durch den musternden Blick Distanz schaffenden, zugleich aber in seiner Schlichtheit und Direktheit intim wirkenden Porträts gehört das Werk zu den bedeutenden Leistungen Tintorettos im Bereich der Porträtmalerei. | Aus: Gemäldegalerie. Katalog der ausgestellten Gemälde des 13.-18. Jahrhunderts 1975 (2025 aktualisiert von Sven Jakstat)