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Lady Sunderlin

Ident. Nr.: 83.4

ObjID: obj:868647

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Sir Joshua Reynolds (1723 - 1792),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1786
Weitere Titel
Sammlungstitel: Lady Sunderlin
Übersetzung: Lady Sunderlin
Geografische Bezüge
London,
Stadt
Material / Technik
Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 238,5 x 147,9 cm
Erwerbung
1983 Ankauf von Rodney Padmore Esq., West Baldwin, Isle of Man

Objektbeschreibung

Das Bildnis der Lady Sunderlin gehört zu den wichtigsten letzten Werken des Malers und ist fast gleichzeitig mit Gainsboroughs großem Spätwerk in der Gemäldegalerie, den Marsham-Kindern von 1787, entstanden. Philippa Elizabeth Dorothy, Lady Sunderlin (1745–1831) war die älteste Tochter Godolphin Roopers aus Great Berkhamstead (Hertfordshire). Sie heiratete 1778 Richard Malone, einen reichen Rechtsanwalt aus London, der 1785 von George III. zum Baron Sunderlin of Lake Sunderlin erhoben wurde. Reynolds erhielt daraufhin den Auftrag für ein lebensgroßes Porträt, für das bereits im November 1786 das Honorar von £ 157,10 bezahlt wurde.
Der Maler griff auf den klassischen barocken Bildnistypus zurück, der im 17. Jahrhundert von van Dyck in England eingeführt worden war und noch im 18. Jahrhundert als Vorbild für Repräsentationsporträts galt. In seinen jährlichen Ansprachen anlässlich der Preisverleihung der Royal Academy, deren Präsident Reynolds seit 1768 war, hatte er immer wieder begründet, warum die Verwendung traditioneller Bildformeln für den Maler so wichtig sei, und hatte in seinen eigenen Porträts, wenn »grand style« gefordert war, aus Bildern von Holbein und Michelangelo bis van Dyck zitiert, manchmal sogar als Persiflage. Die Kenntnis solcher Anspielungen und deren Abwandlung sind daher wichtig für das Verständnis seiner Bildnisse. Wenn sich also das Berliner Bild in Komposition, Haltung der Figur und Hintergrundlandschaft offensichtlich auf van Dyck bezieht, so soll auch durch diesen Hinweis auf das höfische Repräsentationsporträt des 17. Jahrhunderts der Rang der Dargestellten noch unterstrichen werden.
Die große schlanke Gestalt der 41-jährigen Lady Sunderlin steht hell vor einer dunklen Baumkulisse. Auf der rechten Seite öffnet sich das Bild in eine weite abendliche Landschaft. Über Hügel und Büsche hinweg wird der Blick zu den fernen Bergen geführt. Durch die warme Farbigkeit und die lockere, aufgelöste Malweise hat diese Landschaft viel mehr Anteil an der großartigen Wirkung des Bildnisses als es sonst einer Hintergrundkulisse zukommt. Mit ihrer rechten Hand rafft Lady Sunderlin leicht die weiße, in langen Falten herabfließende Seidenrobe, als ob sie gerade in einer Bewegung innehielte. Soweit galt das Vorbild des 17. Jahrhunderts, während die modischen Details wie das kostbare golddurchwirkte Chiffontuch, die reichen Goldstickereien am gerafften Ärmel, der lässig geschlungene goldene Gürtel und der blaue Turban »à bandeau« über der hochgetürmten Frisur der neuesten türkischen Mode folgen.
Das Magazine à la Mode hatte schon 1777 etwas ironisch zu der orientalischen Mode bemerkt, "that with little or no Operation, an English Lady, taken from one of our polite assemblies and conducted to Constantinople, would be properly dressed appear before the Grand Signior". Diese Verbindung von modischer Aktualität und traditionellem Bildtypus mit der unaufdringlichen Idealisierung der Dargestellten und der großzügigen Malweise ist daher ein besonders schönes Beispiel der Porträtkunst Reynolds’ aus seinen letzten Lebensjahren. Henning Bock | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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The portrait of Lady Sunderlin is among Reynolds’ major late works, and is almost exactly contemporary with Gainsborough’s great late work in the Gemäldegalerie, the Marsham Children of 1787. Philippa Elizabeth Dorothy, Lady Sunderlin (1745–1831) was the eldest daughter of Godolphin Roopers from Great Berkhamstead (Hertfordshire). In 1778, she married Richard Malone, a wealthy attorney from London who was created Baron Sunderlin of Lake Sunderlin by George III in 1785. It was then that Reynolds received a commission for a life-sized portrait, for which he was rewarded with a fee of £157,10 in November of 1786.
Reynolds has recourse here to the classical Baroque pictorial type which had been introduced into England in the 17th century by van Dyck, and remained the model for representative portraits in the 18th century. In his annual address at the awards ceremonies of the Royal Academy, whose president Reynolds was beginning in 1768, the artist repeatedly explained the importance of traditional pictorial formulae, and in his own portraits, when the grand style was called for, he would cite the works of masters ranging from Michelangelo to van Dyck, at times even as pastiche. An awareness of such allusions and their variation is therefore vital for an understanding of his work. The obvious references to van Dyck in the Berlin painting with regard to the composition, figural pose, and background landscape are intended to underscore the status of the depicted individual by drawing upon courtly representative portraits of the 17th century.
The large, slender figure of the 41-year-old Lady Sunderlin stands out brightly against the dark wooded backdrop. On the right, the picture opens up towards an expansive evening landscape. Traversing hills and shrubbery, the viewer’s gaze wanders towards the distant mountains. Through the warm palette and loose, relaxed execution, the landscape contributes more to the splendid effect of this portrait than is generally the case for scenic backdrops. With her right hand, Lady Sunderlin gently gathers the white silk robe that flows downward in long folds, as though pausing in movement momentarily. Up to this point, the image follows 17th century prototypes, while fashionable details such as the sumptuous chiffon cloth, interwoven with gold, the rich golden embroidery on the ruffled sleeve, the casually looped golden belt, and the blue turban à bandeau over the piled-up hairstyle follow the latest Turkish fashions.
As early as 1777, the Magazine à la Mode referred ironically to the Oriental style, remarking “that with little or no Operation, an English Lady, taken from one of our polite assemblies and conducted to Constantinople, would be properly dressed appear before the Grand Signor”. This combination of fashionable present and traditional pictorial type, together with the unobtrusive idealisation of the depicted figure and the opulent execution, makes this an especially lovely example of the portraiture of Reynolds’ later years. Henning Bock | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 26.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Thronende Maria mit dem Kind

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Schützend hält die Jungfrau Maria ihren Sohn Jesus, während sie gleichzeitig eine Rose von ihm fernhält. Trotz ihres Ausdrucks tiefster Schwermut hat sie die fundamentale Aufgabe angenommen, ihren Sohn auf seinem Weg zu begleiten. Der Jesusknabe wiederum hält lächelnd zwei Weinbeeren in der linken Hand. Sie verweisenebenso wie die Rose auf seinen künftigen Leidensweg: Der Rosenzweig deutet symbolisch auf die Dornenkrone hin, wohingegen die Trauben auf jene Episode beim Letzten Abendmahl anspielen, in der Jesus seinen Jüngern Wein reicht und dabei sagt: »Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.« (Lukas 22,20)Robust und majestätisch wie ein Thron wirkt Maria wie ein integraler Bestandteil der Architektur. Das rote Samtkleid spiegelt die Rottöne der Steine wider und ihr Umhang zeigt dieselbe umfassende Geste wie die hinter ihr liegende Nische. Gleich einem stützenden Schemel faltet er sich zugleich unter den Füßen des Kindes undbegrenzt die Intimität der mütterlichen Szene ebenso wie das Brüstungssims aus weißem Marmor den Vordergrund von der Landschaft im Hintergrund trennt. Nur ihr Blick erinnert uns daran, dass sie trotz dieser Transformation immer noch auch eine Mutter ist.Die leuchtende Farbpalette und der Zug zur exakten Wiedergabe der Details ließen anfänglich Flandern als Ursprungsort dieser Tafel vermuten. Auf einen italienischen Urheber schienen hingegen die Monumentalität der Figuren, das Einbinden architektonischer Ruinen und die elaborierte perspektivische Landschaftsdarstellunghinzudeuten. Die Lösung dieses Rätsels findet sich vermutlich in der Entwicklung der spanischen Malerei des 15. Jahrhunderts. In diesem Zeitraum existierten auf der iberischen Halbinsel neben- und gegeneinander flämische und italienische Einflüsse, die sukzessive dem spanischen Geschmack angepasst und zu einer eigenenDarstellungsweise zusammengeführt wurden.Einer der Protagonisten dieses Prozesses war Pedro Berruguete, der um das Jahr 1445 nahe Palencia in Paredes de Nava geboren wurde und vermutlich 1503 in Madrid verstarb. Ausgebildet wurde er wahrscheinlich bei einem Meister der spanisch-flämischen Tradition mit guten Kenntnissen der aktuellen Entwicklungenin Flandern. Konkrete Anhaltspunkte für einen eigenen Aufenthalt Berruguetes in Flandern gibt es nicht, dafür deutet vieles darauf hin, dass er im Zeitraum zwischen etwa 1473/74 und 1483 am Hof Federico da Montefeltros in Urbino wirkte. Die um das Jahr 1475 datierte Tafel könnte somit von ihm in Italien gefertigt worden sein.Hierfür spricht auch das offenkundige Interesse an einer exakten Wiedergabe der verschiedenen Marmorsorten und der architektonischen Details, denn Vergleichbares findet sich in Berruguetes späteren, nach seiner Rückkehr in Kastilien geschaffenen Arbeiten nicht wieder. Das Bild hängt seit 2019 im spanischen Kabinett des Bode-Museums. Maria López-Fanjul | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019____________________________________The Virgin Mary protectively holds her son Jesus, at the same time holding a rose away from him. Despite her expression of deep sadness, she has accepted her fundamental task of accompanying her son on his path. The Child, for his part, smiles and holds two grapes in his left hand. Like the rose, they point to his future suffering: the rose branch refers symbolically to his crown of thorns, the grapes to the episode at the Last Supper in which Jesus serves wine to his apostles, saying: “This cup is the new covenant in my blood, which is shed for you.” (Luke 22:20)Robust and majestic as a throne, Mary seems to be an integral part of the architecture. Her red velvet dress mirrors the red tones of the stones, and her cloak displays the same enclosing gesture as the niche behind her. Like a supporting stool, the cloak is also folded beneath the feet of the child, limiting the intimacy of the scene of mother and child, just as the white marble parapet separates the foreground from the landscape in the background. Only the look in Mary’s eyes reminds us that, despite this transformation, she is still a mother.The palette of glowing colours and the tendency to exact reproduction of detail initially led to the assumption that this panel was painted in Flanders. The monumentality of the figures, the incorporation of architectural ruins and the elaborate representation of the landscape in perspective, on the other hand, seemed to suggest an Italian artist. The solution to this riddle is probably to be found in the development of Spanish painting in the 15th century. In this period in the Iberian peninsula, there existed competing and co-existing Flemish and Italian influences, which were successively adapted to Spanish taste and combined to form a characteristically Spanish manner of depiction.One of the protagonists in this process was Pedro Berruguete, who was born in about 1445 in Paredes de Nava near Palencia and probably died in 1503 in Madrid. He was presumably trained by a master of the Spanish Flemish tradition who had a good knowledge of the latest developments in Flanders. There is no specific indication that Berruguete himself spent time in Flanders, but much to suggest that he was active at the court of Federico da Montefeltro in Urbino between 1473/74 and 1483. The panel dating from approximately 1475 could therefore have been painted by him in Italy. This is suggested by his obvious interest in the exact rendering of different kinds of marble and the architectural details, as comparable traits are not present in Berruguete’s later work, produced after his return to Castile. Since 2019, the picture hangs in the Spanish room of the Bode-Museum. Maria López-Fanjul | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019