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Landschaft mit Satyrfamilie

Ident. Nr.: 638A

ObjID: obj:868688

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Albrecht Altdorfer (ca. 1480 - 1538),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1507
Weitere Titel
Sammlungstitel: Landschaft mit Satyrfamilie
Übersetzung: Landscape with Satyr Family
Geografische Bezüge
Material / Technik
Lindenholz
Abmessungen
Bildmaß: 23,1 x 20,4 cm

Objektbeschreibung

In einer wilden Naturlandschaft, fern der menschlichen Zivilisation, spielen sich rätselhafte Szenen ab. Am Fuß einer steilen Felswand lagern, geschützt vom Dickicht, drei nackte Figuren auf einem üppigen Wiesenstreifen: ein brauner Satyr mit Hörnern und Bocksfüßen, eine hellhäutige Frau, wohl eine Nymphe, und ein Kleinkind, ihr gemeinsamer Sohn. Offensichtlich sind alle drei soeben durch zwei Eindringlinge aus ihrer mittäglichen Ruhe aufgeschreckt worden. Das Kind scheint durch die beiden alarmiert worden zu sein, die Frau blickt zu ihnen hinüber und macht den Satyr aufmerksam, der eine Keule packt und zur handgreiflichen Verteidigung seiner Familie bereit ist. Bei den beiden Gestalten, denen ihre Aufmerksamkeit gilt, handelt es sich um einen gänzlich nackten Mann mit einer Rute in der Hand und eine Frau in rotem Kleid, die er zu halten versucht; sie hat offenbar vor, mit ausgestreckten Armen und weiten Laufschritten nach rechts hin in den Wald zu fliehen. In der Ferne öffnet sich eine weite, im Sonnenlicht liegende Landschaft mit Gewässer und felsigen Bergen, in denen schemenhaft eine Burg oder Burgruine erkennbar wird.

Viel ist über die dargestellte Handlung gerätselt worden: Ist es eine antike mythologische Geschichte, unkonventionell erzählt und daher schwer erkennbar? Man dachte bei der Gruppe im Mittelgrund beispielsweise an Herkules und Dejanira oder bei der Familie vorne an das aus Italien bekannte Motiv eines Satyrn und einer Nymphe, doch müsste der Bocksbeinige dann der Nymphe auflauern – hier aber bilden sie eine harmonische kleine Familie. Es scheint näher zu liegen, dass sich hier frühe, mit dem Humanismus verbundene Vorstellungen von antiker Mythologie mit der im Norden Europas seit dem Mittelalter geläufigen Vorstellung der »Wilden Leute« verbinden, die bereits im 15. Jahrhundert oftmals als »Wilde Familie« vorkommen – aus dem ganz mit Haaren bedeckten, meist zierlichen »Wilden Mann« wäre dann hier der antikische Satyr geworden. Ohne Zweifel steht die kleine Gruppe im Vordergrund für ein »wildes« Leben in der Natur, ob sie aber zugleich auch auf animalisches Treiben und unkontrollierte Sinnlichkeit verweist, dürfte äußerst fraglich sein: Das Verhalten der drei wird als ganz menschlich gezeigt, als vorsichtig und sorgend, keineswegs als ungezügelt. Indes wird das Naturidyll zumindest von der bekleideten Gestalt und vielleicht auch von ihrem Verfolger weiter hinten gestört. Gehört Letzterer aber in den Wald, so wie die Familie? Um einen Satyr handelt es sich jedenfalls nicht, denn er hat weder Hörner noch Bocksfüße. So scheint es also ein menschliches Tun zu sein – vielleicht wirklich eine Begebenheit aus der klassischen Mythologie –, das die Naturfamilie aufschreckt. Das Eindringen in ihren Lebensbereich fern der Zivilisation scheint eine Provokation der friedlich ruhenden Geschöpfe zu sein.

Die kleine Tafel gehört zu den frühesten Werken Albrecht Altdorfers und zu den ersten Beispielen einer nicht-christlichen Ikonografie in Deutschland und generell außerhalb Italiens. Das wunderbare, fantastisch gewundene Laubwerk verweist deutlich auf die Inspiration durch die frühen Werke Lucas Cranachs, etwa dessen Berliner Flucht nach Ägypten. Wenig später sollte Altdorfer die ersten reinen Landschaftsbilder malen, die ganz oder fast ganz ohne Figuren und Narration auskommen. Stephan Kemperdick | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019

SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. links auf dem Baum: 1507 / AA
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In a wild landscape, far from human civilisation, mysterious scenes are taking place. At the foot of a sheer cliff, sheltered by undergrowth, three naked figures can be seen on a lush strip of meadow: a brown satyr with horns and goat’s feet; a lightskinned woman, probably a nymph; and a small child, their son. Evidently, all three of them have been woken from their afternoon nap by two intruders. The child seems to be alarmed by them. The woman looks across at the intruders and tries to alert the satyr. He, in turn, seizes a club and prepares physically to defend his family. The two figures towards whom their attention is directed are a completely naked man with a stick in his hand and a woman in a red dress, whom he is trying to prevent fleeing into the forest on the right, taking large steps with outstretched arms. In the distance, a broad sunlit landscape with bodies of water and mountains opens up. One can faintly make out a castle or the ruin of a castle.

Art historians have spent a long time puzzling over what is happening here. Is this an ancient myth told in an unconventional way and thus difficult to identify? Some have suggested that the group in the middle ground might be Hercules and Dejanira and the family in the foreground, the motif of a satyr and a nymph familiar from Italy. But then, the goat-footed satyr should really be stalking the nymph; here, however, they form a harmonious little family. A more probable explanation is that early ideas about antique mythology informed by Humanism have been combined here with the commonly held idea in northern Europe since the Middle Ages of “wild people”, who from the 15th century onwards often appear as a “wild family”. In line with this theory, the hairy, usually diminutive “wild man” has here become the antique satyr. We can certainly say that the small group in the foreground stands
for “wild” life in nature, but whether it also refers to animal urges and uncontrolled sensuality is highly questionable: the three are shown behaving in an extremely human manner, cautious, anxious, but certainly not wild or uninhibited. At the same time, the idyll of nature is being disturbed by the robed figure in the background and perhaps also by her pursuer. But does the latter belong in the forest, like the family? It is certainly not a satyr, for it has neither horns nor goat’s feet. So it appears to be a human act – perhaps an occurrence from classical mythology – that has startled the nature family. The intrusion into their realm far from civilisation seems like a provocation of these peacefully resting creatures.

The little panel is among Albrecht Altdorfer’s earliest works and one of the first examples of non-Christian iconography in Germany and generally outside Italy. The wonderful, fantastically twining foliage is clearly inspired by the early works of Lucas Cranach, his Berlin Flight into Egypt, for instance. A short time later, Altdorfer was to begin painting the first pure landscapes that dispense almost entirely with figures or a narrative. Stephan Kemperdick | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Die Auferstehung Christi

Die Auferstehung Christi

»Nun, da ich die Methoden dieser Kunst zu verstehen beginne, grämt es mich, dass sie mir nicht den Auftrag erteilen, das gesamte Rund der Stadtmauern von Florenz mit Geschichten zu bemalen.« Diese Aussage soll Domenico Ghirlandaio gegenüber seinem Bruder Davide geäußert haben, nachdem er den Chor der Dominikanerkirche S. Maria Novella ausgeschmückt hatte. Die Fresken sind heute nochzu sehen und gehören zu den künstlerischen Höhepunkten eines Florenzbesuchs. Doch Ghirlandaio war nicht nur ein bemerkenswerter Freskant, er ist auch für die Gemälde des Hochaltars verantwortlich, die Anfang des 19. Jahrhunderts veräußert wurden. Die Mitteltafel der Vorderseite, Maria mit dem Kinde und Heiligen, befindet sich heute in der Alten Pinakothek in München; die heute in der Gemäldegalerie in Berlin aufbewahrte Auferstehung nahm die Rückseite des Altarbilds ein, die nur für die Priester sichtbar war. Um die Mitteltafel und an den Seiten waren drei Heiligenpaare angeordnet. Zwei dieser Heiligen befanden sich einst in der Gemäldegalerie und wurden vermutlich im Mai 1945 in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zerstört (Abb. links).Die Auferstehung zeigt Jesus Christus am Ostermorgen, wie er dem Grab entsteigt und die vier römischen Soldaten, die es bewachen, in Schrecken versetzt. Ghirlandaio wich hier stark vom Inhalt der Heiligen Schrift ab: Das Grab Christi befand sich in einer Höhle und nicht unter freiem Himmel und keinesfalls wies es die Inschrift INRI auf (Jesus von Nazareth, König der Juden), die oben an seinem Kreuz angebracht gewesen sein soll. Auch der Pelikan, der seine Jungen mit demeigenen Blut nährt, entwickelte sich erst viel später zu einem Symbol Christi. Der Maler wollte hier die Theatralik der Szene betonen: Jesus scheint beinahe von einer unsichtbaren Maschinerie in die Luft gehoben, während die Soldaten ihre Überraschung und Angst zu überspielen suchen. Während des 19. Jahrhunderts erfuhr Ghirlandaio für seinen Sentimentalismus große Bewunderung, wurde von einigen Ästheten genau aus diesem Grund jedoch auch stark kritisiert. Der Landschaft in diesem Gemälde gebührt die gleiche Beachtung wie der bemerkenswerten Szene im Vordergrund. Auf der linken Seite nähern sich die drei Marien, die gleich das leere Grab Christi entdecken werden (ihre Namen variieren je nach Evangelium). Dahinter erkennt man im blauen Dunstschleier eine Stadt imflämischen Stil, mit einer besonderen Nähe zur Malweise des Hugo van der Goes. Am 28. Mai 1483 traf Van der Goes’ Bild für den Hochalter von S.’Egidio in Florenz ein (jetzt in den Uffizien), Domenico Ghirlandaio änderte daraufhin seine Vorstellung von Tafelmalerei.Ghirlandaio vollendete weder das Altarbild für S. Maria Novella, noch war es ihm vergönnt, die Stadtmauern von Florenz zu bemalen, wie er gehofft hatte: 1494 starb er im Alter von 45 Jahren an der Pest. Es hat etwas Bewegendes, stellt man sich vor, dass der Tod den Maler während der Arbeit an dieser Auferstehung ereilte, deren Botschaft die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod enthielt. Giorgio Vasari zufolge wurde dieser Teil des Bildes von Ghirlandaios Brüdern Davide undBenedetto fertiggestellt. Kritiker stimmen jedoch darin überein, dass die Landschaft von einem anderen Künstler stammen muss, in dem man Ghirlandaios Schüler Francesco Granacci sah, der heute als Pseudo Granacci bezeichnet wird. Trotz dessen Mitwirkens kann die Auferstehung als eines der letzten Meisterwerke von Domenico Ghirlandaio gelten. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________________“Now that I have begun to understand the methods of this art, it grieves me that they will not commission me to paint the whole circuit of the walls of the city of Florence with stories.” This is what the painter Domenico Ghirlandaio is reputed to have said to his brother Davide, after having finished decorating the choir of the Dominican Church of Santa Maria Novella. The frescoes are still in place and are one of the highlights of any visitor who discovers Florence. But Ghirlandaio was not only a remarkable fresco painter: he was also responsible for the gigantic altarpiece adorning the chapel, dispersed at the beginning of the 19th century. The Virgin and Child in Glory among Saints which occupied the central compartment on the front side is now to be seen in Alte Pinakothek in Munich; as for the present Resurrection now in the Gemäldegalerie in Berlin, it was on the other side of the altarpiece, only visible to priests. Around the central panels and on the lateral sides of the altarpiece, three pairs of saints were displayed; two of these saints, once part of the collection of the Gemäldegalerie, were probably destroyed in May 1945 in the last days of the Second World War (fig. left).The Resurrection shows Jesus-Christ on Easter morning, coming out of his tomb, to the complete astonishment of the four Roman soldiers charged to guard his sepulture. Ghirlandaio freed himself largely from the Holy Scriptures: Christ’s tomb was set in a cave and not in the open air; and it was certainly not inscribed with the acronym “I.N.R.I.” (Jesus Christ King of Nazareth), placed instead on top of his cross, nor with the Pelican who fed his children with his blood, a symbol of Christ adopted much later (it is true that the inscription appears to have been painted over a former one). What mattered for the painter was to accentuate the theatrical character of the scene: Jesus seems to be pulled into the air by some backstage machinery, while the soldiers over-play their surprise and their fear. During the 19th century, Ghirlandaio was greatly admired for his sentimentalism; and also despised by a few aesthetes for this very reason.The landscape of this painting is to be admired on the same level as the ostentatious foreground. On the left side, we see the three Mary who, soon, will discover the empty tomb of Christ (their identities vary according to the gospels). Further on, one distinguishes a city in a blue mist, painted like in a Flemish style, and close in particular to Hugo van der Goes. On 28 May 1483, the high altarpiece of the church of Sant’Egidio, painted by Van der Goes, had arrived in Florence (it is now in the Uffizi); from that moment on, Domenico Ghirlandaio changed his conception of panel painting.Ghirlandaio did not have time to finish the Santa Maria Novella altarpiece, nor to fresco the whole circuit of the walls of Florence, as he had hoped: he died from the plague in 1494, only aged 45. There is something moving about imagining the painter agonizing while trying to complete this Resurrection, whose religious message is to give hope in a life after death. According to Vasari, this part of the altarpiece was completed by the painter’s brothers, Davide and Benedetto; but critics nowagree that the landscape is due to another artist, long confused with the pupil of Ghirlandaio Francesco Granacci and now known as the “Pseudo Granacci”. Despite the latter’s intervention, one can fully consider the Resurrection as one of the last masterpieces by Domenico Ghirlandaio. Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019