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Bildnis der Frau eines Rechtsgelehrten

Ident. Nr.: 1907

ObjID: obj:868691

Details (Expert)

Datierung
Ausführung: 1503
Weitere Titel
Sammlungstitel: Bildnis der Frau eines Rechtsgelehrten
Übersetzung: Portrait of a Scholar's Wife
Geografische Bezüge
Wien,
Stadt
Material / Technik
Fichtenholz
Abmessungen
Bildmaß: 52,6 x 36,7 cm

Objektbeschreibung

Eine Frau in einem roten, reich mit Gold bestickten Kleid sitzt in einer bergigen Landschaft. Eine Haube bedeckt ihren Kopf; sie ist also verheiratet. Ein kostbarer Gürtel und mehrere Ringe an den Fingern beider Hände unterstreichen den Eindruck von Wohlhabenheit, den die Darstellung offenbar erwecken will. Die Bäume im Gelände verbinden die dargestellte Person mit der Berglandschaft im Hintergrund und beziehen sie in ihre Umwelt ein. Sie sind aber nicht nur ein formales Mittel. Der linke Baum grünt und steht kräftig im Laub, der rechte hingegen ist nahezu entblättert. In diesem Gegensatz wird der Gang des Jahres und der Ablauf der Zeit schlechthin anschaulich. Die Vorstellung von Werden und Vergehen, von Blühen und Welken wird in das Bild einbezogen und bestimmt den Bildsinn mit. Unser Frauenporträt ist ursprünglich kein Einzelbildnis gewesen, sondern Teil eines Doppelbildnisses oder der rechte Flügel eines Bildnisdiptychons. Das Konterfei des zugehörigen Ehemannes wird im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg aufbewahrt. Es zeigt einen Rechtsgelehrten in roter Robe und ist 1503 datiert. Nach einer späteren Bleistiftnotiz auf der Rückseite des Nürnberger Porträts, die inzwischen geschwunden ist, soll es sich bei dem Dargestellten um Stephan Reuss aus Konstanz handeln, einen Juristen der Wiener Universität und deren Rektor. Danach hieß auch das Berliner Gemälde »Bildnis der Frau Reuss«. Nach neueren Untersuchungen schloss jedoch in der fraglichen Zeit das Amt des Rektors der Universität eine Ehe aus. Die Identifizierung des Porträtierten mit Stephan Reuss muß also aufgegeben werden. Die übrige Bestimmung bleibt jedoch zutreffend. Nach der Tracht zeigt das Bildnis einen Rechtsgelehrten der Wiener Universität. Cranach arbeitete 1503 in Wien. Die Zuschreibung unseres Bildes an ihn war dennoch nicht einfach. Seine Werke aus der Zeit um 1500 bis zu seiner Anstellung als Hofmaler in Wittenberg 1505 lagen lange im Dunkeln. Das eigentliche Frühwerk Cranachs, der ja beinahe gleichaltrig mit Dürer ist und von dem man etwa ab 1490 Arbeiten voraussetzen muss, ist auch heute noch unbekannt. Im 19. Jahrhundert galt unser Frauenbildnis als »Dürer«, wohl seiner hohen Qualität wegen. Später wurde es Albrecht Altdorfer und Hans von Kulmbach zugeschrieben. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden allmählich diejenigen Bilder Cranachs unter seinem Namen zusammengestellt, die wir heute seine frühen nennen. 1903 wurden das Nürnberger Porträt eines Rechtsgelehrten und unser Frauenbildnis erstmals in einer Ausstellung zusammengestellt, und die Zusammengehörigkeit ist seitdem unbezweifelt. Damit ist auch das Jahr der Fertigung des Gemäldes bestimmt. Wilhelm H. Köhler | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019
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A woman in a red dress richly embroidered in gold is sitting in a mountain landscape. Her head covering reveals that she is married. The woman’s magnificent belt and the rings on the fingers of both her hands further underline the impression of prosperity, which the depiction apparently sets out to create. The trees connect the sitter with the mountainous landscape in the background and draw her into her surroundings. The trees are not merely a formal device, however. The tree on the left is in full leaf, while the one on the right has lost almost all its leaves. This contrast stands for the
changing seasons of the year and indeed the passing of time in general. The ideas of genesis and demise, of blossoming and wilting endow the painting with meaning.

This painting of a woman was originally not a solo portrait but one of a pair of portraits on the right wing of a portrait diptych. The likeness of the woman’s husband, a lawyer in a red robe, is held by the Germanisches Nationalmuseum in Nuremberg and is likewise dated 1503 (fig. left). According to a later, no longer extant note in pencil on the reverse of the Nuremberg portrait, the sitter was apparently Stephan Reuss from Constance, a lawyer at Vienna University and also its rector. According to this same source, the Berlin painting was originally called Portrait of Frau Reuss. More recent research has revealed, however, that during the period in question a university rector was not permitted to marry, so the identification of the sitter as Stephan Reuss had to be discarded. The other details are, however, correct. The clothing is certainly that of a lawyer at Vienna University.

Although we know that Cranach worked in Vienna in 1503, it was nonetheless difficult to attribute this work to him conclusively. His works from the period around 1500 until he entered service as a court painter in Wittenberg in 1505 remained a mystery for a long time. The early work of Cranach, who was almost the same age as Dürer and who we can assume began producing art around 1490, is still unknown to this day. In the 19th century, this portrait of a woman was considered to be a “Dürer” probably by virtue of its high quality. Later attributions named both Albrecht Altdorfer and Hans von Kulmbach as the author. Only in the 1890s were the paintings by Cranach that we now classify as his early works gradually assembled under his name. The Nuremberg portrait of a lawyer and this portrait of a woman were first juxtaposed in an exhibition in 1903, dispersing all doubt that they belong together and confirming the year of completion. Wilhelm H. Köhler | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 23.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Die Auferstehung Christi

Die Auferstehung Christi

»Nun, da ich die Methoden dieser Kunst zu verstehen beginne, grämt es mich, dass sie mir nicht den Auftrag erteilen, das gesamte Rund der Stadtmauern von Florenz mit Geschichten zu bemalen.« Diese Aussage soll Domenico Ghirlandaio gegenüber seinem Bruder Davide geäußert haben, nachdem er den Chor der Dominikanerkirche S. Maria Novella ausgeschmückt hatte. Die Fresken sind heute nochzu sehen und gehören zu den künstlerischen Höhepunkten eines Florenzbesuchs. Doch Ghirlandaio war nicht nur ein bemerkenswerter Freskant, er ist auch für die Gemälde des Hochaltars verantwortlich, die Anfang des 19. Jahrhunderts veräußert wurden. Die Mitteltafel der Vorderseite, Maria mit dem Kinde und Heiligen, befindet sich heute in der Alten Pinakothek in München; die heute in der Gemäldegalerie in Berlin aufbewahrte Auferstehung nahm die Rückseite des Altarbilds ein, die nur für die Priester sichtbar war. Um die Mitteltafel und an den Seiten waren drei Heiligenpaare angeordnet. Zwei dieser Heiligen befanden sich einst in der Gemäldegalerie und wurden vermutlich im Mai 1945 in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zerstört (Abb. links).Die Auferstehung zeigt Jesus Christus am Ostermorgen, wie er dem Grab entsteigt und die vier römischen Soldaten, die es bewachen, in Schrecken versetzt. Ghirlandaio wich hier stark vom Inhalt der Heiligen Schrift ab: Das Grab Christi befand sich in einer Höhle und nicht unter freiem Himmel und keinesfalls wies es die Inschrift INRI auf (Jesus von Nazareth, König der Juden), die oben an seinem Kreuz angebracht gewesen sein soll. Auch der Pelikan, der seine Jungen mit demeigenen Blut nährt, entwickelte sich erst viel später zu einem Symbol Christi. Der Maler wollte hier die Theatralik der Szene betonen: Jesus scheint beinahe von einer unsichtbaren Maschinerie in die Luft gehoben, während die Soldaten ihre Überraschung und Angst zu überspielen suchen. Während des 19. Jahrhunderts erfuhr Ghirlandaio für seinen Sentimentalismus große Bewunderung, wurde von einigen Ästheten genau aus diesem Grund jedoch auch stark kritisiert. Der Landschaft in diesem Gemälde gebührt die gleiche Beachtung wie der bemerkenswerten Szene im Vordergrund. Auf der linken Seite nähern sich die drei Marien, die gleich das leere Grab Christi entdecken werden (ihre Namen variieren je nach Evangelium). Dahinter erkennt man im blauen Dunstschleier eine Stadt imflämischen Stil, mit einer besonderen Nähe zur Malweise des Hugo van der Goes. Am 28. Mai 1483 traf Van der Goes’ Bild für den Hochalter von S.’Egidio in Florenz ein (jetzt in den Uffizien), Domenico Ghirlandaio änderte daraufhin seine Vorstellung von Tafelmalerei.Ghirlandaio vollendete weder das Altarbild für S. Maria Novella, noch war es ihm vergönnt, die Stadtmauern von Florenz zu bemalen, wie er gehofft hatte: 1494 starb er im Alter von 45 Jahren an der Pest. Es hat etwas Bewegendes, stellt man sich vor, dass der Tod den Maler während der Arbeit an dieser Auferstehung ereilte, deren Botschaft die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod enthielt. Giorgio Vasari zufolge wurde dieser Teil des Bildes von Ghirlandaios Brüdern Davide undBenedetto fertiggestellt. Kritiker stimmen jedoch darin überein, dass die Landschaft von einem anderen Künstler stammen muss, in dem man Ghirlandaios Schüler Francesco Granacci sah, der heute als Pseudo Granacci bezeichnet wird. Trotz dessen Mitwirkens kann die Auferstehung als eines der letzten Meisterwerke von Domenico Ghirlandaio gelten. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________________“Now that I have begun to understand the methods of this art, it grieves me that they will not commission me to paint the whole circuit of the walls of the city of Florence with stories.” This is what the painter Domenico Ghirlandaio is reputed to have said to his brother Davide, after having finished decorating the choir of the Dominican Church of Santa Maria Novella. The frescoes are still in place and are one of the highlights of any visitor who discovers Florence. But Ghirlandaio was not only a remarkable fresco painter: he was also responsible for the gigantic altarpiece adorning the chapel, dispersed at the beginning of the 19th century. The Virgin and Child in Glory among Saints which occupied the central compartment on the front side is now to be seen in Alte Pinakothek in Munich; as for the present Resurrection now in the Gemäldegalerie in Berlin, it was on the other side of the altarpiece, only visible to priests. Around the central panels and on the lateral sides of the altarpiece, three pairs of saints were displayed; two of these saints, once part of the collection of the Gemäldegalerie, were probably destroyed in May 1945 in the last days of the Second World War (fig. left).The Resurrection shows Jesus-Christ on Easter morning, coming out of his tomb, to the complete astonishment of the four Roman soldiers charged to guard his sepulture. Ghirlandaio freed himself largely from the Holy Scriptures: Christ’s tomb was set in a cave and not in the open air; and it was certainly not inscribed with the acronym “I.N.R.I.” (Jesus Christ King of Nazareth), placed instead on top of his cross, nor with the Pelican who fed his children with his blood, a symbol of Christ adopted much later (it is true that the inscription appears to have been painted over a former one). What mattered for the painter was to accentuate the theatrical character of the scene: Jesus seems to be pulled into the air by some backstage machinery, while the soldiers over-play their surprise and their fear. During the 19th century, Ghirlandaio was greatly admired for his sentimentalism; and also despised by a few aesthetes for this very reason.The landscape of this painting is to be admired on the same level as the ostentatious foreground. On the left side, we see the three Mary who, soon, will discover the empty tomb of Christ (their identities vary according to the gospels). Further on, one distinguishes a city in a blue mist, painted like in a Flemish style, and close in particular to Hugo van der Goes. On 28 May 1483, the high altarpiece of the church of Sant’Egidio, painted by Van der Goes, had arrived in Florence (it is now in the Uffizi); from that moment on, Domenico Ghirlandaio changed his conception of panel painting.Ghirlandaio did not have time to finish the Santa Maria Novella altarpiece, nor to fresco the whole circuit of the walls of Florence, as he had hoped: he died from the plague in 1494, only aged 45. There is something moving about imagining the painter agonizing while trying to complete this Resurrection, whose religious message is to give hope in a life after death. According to Vasari, this part of the altarpiece was completed by the painter’s brothers, Davide and Benedetto; but critics nowagree that the landscape is due to another artist, long confused with the pupil of Ghirlandaio Francesco Granacci and now known as the “Pseudo Granacci”. Despite the latter’s intervention, one can fully consider the Resurrection as one of the last masterpieces by Domenico Ghirlandaio. Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019