Logo

Winterlandschaft mit Holzsteg

Ident. Nr.: 900F

ObjID: obj:868694

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Philips Wouwerman (1619 - 1668),
Maler*in
Datierung
Ausführung: um 1660
Systematik/Art
Weitere Titel
Winterlandschaft mit Holzsteg
Übersetzung: Winter landscape with a boardwalk
Geografische Bezüge
Herstellungsort: Haarlem,
Stadt
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Bildmaß: 30,6 x 36,9 cm
Erwerbung
1908 Ankauf aus der Sammlung Rudolphe Kann, Paris

Objektbeschreibung

Eine malerische Holzbrücke, die einen zugefrorenen Flußlauf überspannt, begrenzt bereits im Mittelgrund den Blick in die Tiefe der Winterlandschaft. Der Weite des Landes ist dadurch der abgegrenzte Bezirk des Vordergrundes abgewonnen. Figuren sind hier zu sehen, die jedoch eigentümlich verloren wirken und mit ihren Aktivitäten den Bereich, der ihnen zugewiesen ist, nicht füllen. Auf diese Weise dient der Bereich des Vordergrundes nicht ausschließlich als Schauplatz der Figurenstaffage, sondern bleibt Teil des Landschaftsausschnitts. Erst aus dieser Sicht erschließt sich die abwechslungsreiche Beobachtung der Winternatur: die empfindsam abgestuften Spiegelungen auf dem Eis, das unterhalb der Brücke aufgetaut ist, die Übergänge zwischen glattem, verharschtem und flockigem Schnee am rechten Ufer, der Anstieg mit der aufgeweichten, morastig-braunen Altschneedecke links; darüber das Mauerwerk der Brücke, das in seinem ruinösen Zustand den abgerundeten Formen des Terrains nahekommt – und wie alles andere Menschenwerk auch eine verwitterte Beschaffenheit zeigt, als sei es nicht eigentlich gebaut, sondern von der Natur selbst erschaffen und der Zeitlichkeit ihres Werdens und Vergehens unterworfen. Die Vielzahl der dargestellten Details beeindruckt und ist Beleg für die kaum überbietbare Konsequenz, mit der sich der Maler dem Land selbst zugewandt hat. Der Blick bleibt aber nicht nur nach unten gerichtet, sondern führt zugleich auch hoch hinauf in die Weite des Himmels, dessen kühles Licht die naturgegebene Farbigkeit der Dinge auf atmosphärisch gedämpfte Tonwerte abstimmt. Wouwerman komponiert hier eine imposante Wolkendarstellung mit ausgeprägtem Hell-Dunkel-Kontrast in den Bildhälften. Gegen die düster aufziehenden Schneewolken silhouettieren die vereisten Äste des Baumes in fahlsilbrigen Angaben. Zu leicht bänglichen Empfindungen regt dieses Bild an, als sei in ihm ein weithin sichtbares Zeichen für die existenzbedrohenden Kräfte der Natur gesetzt. Ähnlich gehaltvolle Landschaftsbilder, die den poetisch gesteigerten Naturdarstellungen eines Jacob van Ruisdael nicht nachstehen, begegnet man im umfangreichen Schaffen Wouwermans jedoch nur vereinzelt. Sein Interesse galt in erster Linie dem Pferdebild mit edlen Tiermotiven und eleganter Figurenstaffage. Seine Arbeiten dieses Gegenstandes, dem er ebenso abwechslungsreiche wie dekorative Bildgestalt abgewonnen hat, haben die gesamte spätere Pferdemalerei nachhaltig beeinflußt. Jan Kelch | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
_____________________________________________________________

A picturesque wooden bridge that crosses a frozen river restricts in the middle ground a view into the depths of the winter landscape. The enclosed area of the foreground is thus claimed from the openness of the land. Human figures can be seen, yet they seem strangely lost and do not fill with their activities the space allocated to them. Here the foreground area does not act exclusively as the scene for the figural staffage, but remains part of the landscape excerpt.

Only from this point of view does a varied observation of nature in winter reveal itself: the sensitively graded reflections on the ice, which has thawed beneath the bridge, the transitions between smooth, crusted and flaky snow on the right bank, the rise with the softened, marshy-brown cover of old snow on the left; above this the masonry of the bridge, which resembles the rounded shapes of the terrain in its ruined condition – and like everything else made by human hand shows its weathered state, as if it had not actually been built but created by nature herself and subjected to the temporality of nature’s growth and decay.

The large number of details depicted is impressive, and bears witness to the almost unsurpassable dedication with which the artist has engaged with the land itself. The beholder’s eye is not, however, only directed downwards, but moves at the same time high up into the expanse of the sky, whose cool light harmonises the natural colouration of things in atmospherically subdued shades. Here Wouwerman composed an imposing representation of clouds with a marked contrast of dark and light between the two halves of the painting. Against the darkly approaching snow clouds, the icy branches of the tree are silhouetted in silvery paleness.

This work stimulates slightly fearful sensibilities, as if it were sending a signal, visible far and wide, of the existentially menacing forces of nature. Similarly laden landscapes that can hold their own alongside the poetically intense nature scenes of Jacob van Ruisdael are, however, only occasionally to be encountered in Wouwerman’s extensive oeuvre. He was primarily interested in painting horses, with fine animal motifs and elegant figure staffage. His work on this subject, from which he drew both varied and decorative depictions, had a lasting influence on all later horse painting. Jan Kelch | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 29.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Allegorie auf Friedrich den Großen als Gründer des deutschen Fürstenbundes

Allegorie auf Friedrich den Großen als Gründer des deutschen Fürstenbundes

Im Katalog der Berliner Akademieausstellung von 1787 (als Nr. 2) wird das Gemälde folgendermaßen beschrieben: „Der Fürstenbund. Friedrich der Zweite, der mit einer Fackel die Waffen des Krieges angezündet hat, umwindet mit dem friedlichen Oehlzweige, den ihm die Staatsklugheit vorhält, das Bund Wurfpfeile, welches ihm von der Göttin Deutschlands dargereicht wird, hinter dieser steht die Göttin der Eintracht, die man an ihren beiden zusammengeschlungenen Fruchthörnern erkennet.“Der deutsche Fürstenbund wurde auf Anregung Friedrichs des Großen im Jahre 1785 gegründet. Anlass war ein Gesuch des bayerischen Erbfolgers, Herzog Karl von Pfalz-Zweibrücken, um Schutz vor dem Drängen Kaiser Josephs II., Bayern im Tausch gegen die österreichischen Niederlande an das Haus Habsburg abzutreten.Ein Kontrakt zwischen Preußen und den Kurfürstentümern Hannover und Sachsen gründete den Bund, dem sich auch kleinere Länder schnell anschlossen. Die Koalition zerfiel beim Tod des Preußenkönigs im August 1786. Das Gemälde basiert auf Anregungen des mit Rode befreundeten Lyrikers und Logik-Professors an der Berliner Kadettenanstalt, Karl Wilhelm Ramler. Es gehört zu der sogenannten Fridericiana, einer losen Folge von nachträglich zur Serie erklärten Gemälden Rodes, die zwischen 1786 und 1795 entstanden und sich bildkünstlerisch mit der Biografie Friedrichs des Großen (1712–1786) befassen. Die Fridericiana folgt ideologisch der Brandenburgiana, einer zwischen 1757 und 1763 entstandenen Serie von Gemälden Rodes mit Ereignisdarstellungen aus der brandenburgisch-preußischen Geschichte. SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. am Altar: B. Rode 1786

Allegorie auf Friedrich den Großen als Perseus

Allegorie auf Friedrich den Großen als Perseus

Das Gemälde basiert thematisch auf einer „Anleitung zum Gebrauch allegorischer Personen für bildende Künstler“ des mit Rode befreundeten Lyrikers und Logik-Professors an der Berliner Kadettenanstalt, Karl Wilhelm Ramler: „Die Göttin der Weisheit zeigt dem gewaffneten Helden in ihrem spiegelhellem Schilde was hinter seinem Rücken vorgeht: er sieht darin eine schlangenhaarige Göttin schlafen. Sogleich zieht er seinen Degen, noch ehe sie wach wird“. Die Dynamik des Vorgangs wird am rechten Bildrand durch den rücklings ausweichenden geflügelten Genius mit dargebotener Rüstung, Waffe und Lorbeerkranz hervorgehoben. Dazu bietet die dramatische Wolkenlandschaft des Hintergrundes den geeigneten bildkünstlerischen Resonanzraum für die sinnbildliche Darstellung der bedeutenden historischen Entscheidung Friedrichs des Großen, unangekündigt in Sachsen einzumarschieren und damit den später so bezeichneten Siebenjährigen Krieg (1756–1763) zu beginnen. Das Gemälde gehört zu der sogenannten Fridericiana, einer losen Folge von nachträglich zur Serie erklärten Gemälden Rodes, die zwischen 1786 und 1795 entstanden und sich bildkünstlerisch mit der Biografie Friedrichs des Großen (1712–1786) befassen. Die Fridericiana folgt ideologisch der Brandenburgiana, einer zwischen 1757 und 1763 entstandenen Serie von Gemälden Rodes mit Ereignisdarstellungen aus der brandenburgisch-preußischen Geschichte. SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. an der Schwertscheide: B. Rode 1789

Bettelmusikanten

Bettelmusikanten

In Ochtervelts Oeuvre zählen die sogenannten „Hausflurbilder“, in denen der Blick auf Musikanten oder Lebensmittelhändler an der Türschwelle vor dunklen, reich ausgestatteten Hausfluren fällt, zu einer wichtigen, vom Maler entwickelten Themengruppe. Im Gegensatz zu vielen seiner Künstlerkollegen legte Ochtervelt die Szenerien als Interieurs vom voorhuis (Hausflur) an. Symbolisch steht die Tür des eleganten Bürgerhauses hierbei als Übergang zwischen öffentlicher Außenwelt und privatem Innenraum für die Trennung zwischen niedrigen Ständen und feiner Gesellschaft des Bürgertums. Im Eingangsbereich der vornehmen Wohnstätte, die wegen ihrer nächtlichen Verortung beinahe im Dunkel liegt, steht eine junge Frau auf der linken Seite. Durch die Tür sind herannahende Straßenmusikanten zu erkennen, die Anstalten machen in die private Sphäre des marmorgefliesten Flurs einzutreten. Die Frau hält mit beiden Händen ein Kleinkind, das sich um die Aufmerksamkeit eines Hundes bemüht, an den Gängelbändern seines gelben Kleides. Ein zweites Kind im roten Satinkleid und teurem Spitzenkragen blickt gebannt auf die beiden Gestalten im Türrahmen und schickt sich bereits an, die musizierenden Fremden mit einer Münze zu entlohnen. Die holländische Gesellschaft des 17. Jahrhunderts wird hier als idealisierte Form einer festen Ständeordnung wiedergegeben. Ochtervelts wohlhabende Gönner kamen somit in den Genuss eines beruhigenden Bildes sich gegenüberstehender sozialer Klassen. Mit einer neunteiligen Serie solcher Bilder trug Ochtervelt auf innovative Weise zur holländischen Genremalerei bei. Es ist anzunehmen, dass die „Bettlermusikanten“ das erste Bild dieser Varianten ist. In den späteren Darstellungen versetzte der Künstler die Straßenmusikanten allmählich über die Schwelle in den Innenraum, wo die Verkäufer auch der Hausherrin selber ihre Ware anbieten. Ochtervelts besonderes Augenmerk lag jedoch nicht auf den technischen Gegebenheiten, wie etwa bei Pieter de Hooch auf dem Lichteffekt der abgegrenzten Raumsituation, sondern auf dem Verhalten der beteiligten Personen. Trotzdem sind Stoffe, Oberflächen der Kostüme sowie die Architektur in besonderem Detail wiedergegeben.

Bildnis einer Dame

Bildnis einer Dame

Obschon das Damenporträt, dessen Gegenstück mit dem Bildnis eines Herrn der Louvre in Paris bewahrt, bislang nicht identifiziert werden konnte, kommen Zweifel über die Standeszugehörigkeit der Dargestellten nicht auf. Das gewählte Festtagskostüm, der kostbare Orientteppich auf dem Tisch, das Inkrustationswerk der Bodenfliesen, auch die profilierte Rahmung der Tür, die allen Anforderungen klassizistischer Innenarchitektur genügt, sind unmißverständliche Indizien von Wohlstand und gehobener Gesellschaftssphäre. Entscheidend wird der ständische Anspruch jedoch von der Dargestellten selbst vertreten. Aus vornehm-aufrechter Sitzpose blickt sie dem Betrachter entgegen: mit einem Zug kaum merklicher Verwunderung über die Störung, aber dennoch zu zwanglosem Kontakt bereit. Dem behutsam nuancierten Ausdruck entspricht die detailbedachte Malweise in verhalten leuchtender Farbigkeit. Das noble Schwarz des Atlaskleides bildet den Grund, von dem sich die warmen Inkarnattöne des Gesichts und der Hände wohlklingend abheben, der aber auch das modische Beiwerk wirkungsvoll hervortreten läßt, etwa den weit gespannten Gitterkragen, der mit den kostbaren Spitzenmanschetten harmoniert, oder den kostbaren Miederbesatz aus Goldbrokat, dessen schildartiger Zuschnitt sich im beweglicheren Gold der Ärmelschleifen reizvoll löst. Ringe, allenthalben Perlen, Goldketten und eine Reiherfeder ergänzen die festliche Aufmachung. Mit dem Blick auf das Alter der Dargestellten kann diese nur in ihrem Hochzeitskleid wiedergegeben sein. Das Bildnis dürfte das Ereignis der Heirat memorieren und begründet sich gerade in dieser Aufgabenstellung sinnvoll als Gegenstück zum Pariser Herrenbildnis. Die anspruchsvolle Bildanlage, die über die eigene Wirklichkeit des Modells hinausführt, ist kennzeichnend für die Porträtmalerei in Amsterdam. Mit einer auf repräsentative Wirkung zielenden Auffassung war Thomas de Keyser als Sohn und Schüler Hendrick de Keysers, der als Architekt und Meister höfischer Bildnisplastik hohes Ansehen genoß, von Hause aus vertraut. In diesen Konventionen wäre er vermutlich befangen geblieben, hätte nicht Frans Hals im benachbarten Haarlem bahnbrechende Neuerungen bereitgestellt. Dessen Momentaufnahmen spontaner Lebensäußerung halfen de Keyser, die überkommenen Porträtformeln zu lockern. Aus Haarlemer Anregungen erwuchs auch die Vorliebe für das Schaffen im Kabinettformat. Daß er diese Darstellungsform zu großer Wirkung steigerte, weist auf die Auseinandersetzung mit dem höfischen Bildnisstil Antwerpens. In den Figurenkompositionen Anton van Dycks fand er jene »grandezza« des Auftretens, in der das Spannungsverhältnis zwischen Person und Stand im Sinne einer Synthese gelöst ist. Gerade dieses lebensvolle Ineinsfallen persönlichen und ständischen Geltungsanspruchs hat Thomas de Keyser in seinem Damenbildnis zum vorherrschenden Ausdrucksmerkmal erhoben.| 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2010______________________________________________________Although there is no definite information about the identity of the subject, her clothing and surroundings clearly suggest her high social standing. De Keyser, one of the most prominent portrait painters in Amsterdam, combines great care in executing painterly detail with psychological perception of the woman. The influence of Frans Hals is evident here, as is that of Antwerp court portraiture. The companion piece, Portrait of a Man, is now in the Louvre. | Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2017SIGNATUR / INSCHRIFT: Oben an der Tür: TDK (verbunden) 1632

Maria mit dem segnenden Kind und den Heiligen Hieronymus und Franziskus

Maria mit dem segnenden Kind und den Heiligen Hieronymus und Franziskus

"Entstanden im Anschluß an die Madonna Solly (Kat.Nr. 141) in Perugia unter dem Einfluß Peruginos und Pintoricchios [...]. Den Typus dieses Dreifigurenbildes, eines Halbfigurigenbildes der Madonna mit flankierenden Heiligen, deren Köpfe über ihrer Schulterkontur sichtbar werden, hat Raffael von Perugino übernommen, (vgl. sein Bild im Louvre, Paris von 1493). Der Typus bildet in Raffaels malerischen Oeuvre eine Ausnahme. Das Bild fällt in jene Phase (1500-03), in der Raffael sich von der Kunst Pinturicchios berührt zeigte, vor allem von dessen Hauptwerk in Perugia, dem Altarbild von S. Maria dei Fossi (1495-98): die Neigung des Madonnenkopfes, seine Drehung ins Profil, eine gewisse zuspitzende Artikulierung der Gesichtszüge und die eher flächige Anlage der Komposition sind pintoricchesk. - Eine Federzeichnung aus der Werkstatt Peruginos (Wien, Albertina, Sc. R. 97), die früher auch Pintoricchio und Raffael selber zugeschrieben wurde, zeigt die gleiche Komposition etwas variiert. Eine Vorzeichnung Raffaels für den Kopf des Hieronymus befindet sich in Lille (Musée Wicar). - Eine Wiederholung (ehemals (?) New York, Slg. Warburg [seit 1959, Cambridge, Mass., Fogg Art Museum, 1959.36: Originalmalerei fast komplett verloren gegangen] ) wurde von Longhi als originale Zweitfassung angesehen." Weitere alte Kopien in Knole, Kent, Slg. Lord Sackville und Florenz, Palazzo Pitti, 18.10.1989, Nr. 536. (Schleier 1975 mit Ergänzungen von Contini 2019).